Den Vormittag des Tages nach der Hexennacht hast du mit Grübeln verbracht, wie erleichtert bist du also, dass zum Mittagessen noch eine Einladung ins Haus deines Freundes Yali aussteht… Der Besuch wird dich auf andere Gedanken bringen, sagst du dir, und in der Tat heben die Schmeicheleien von Mutter Sulibeth deine Laune schon gewaltig. Trotz allem scheint dein Freund deine ungewöhnliche Stimmungslage gewittert zu haben, denn als ihr nach dem Essen noch gemütlich beieinander sitzt fragt er, sobald seine Mutter den Raum verlassen hat, was denn los sei.
Entscheide du, wieviel du deinem Freund anvertrauen möchtest.
Nach deiner Erklärung stubst dich Yali liebevoll in die Schulter. „Ach – Trübsal blasen und Grübeln kannst du noch, wenn dein Haar grau ist! Jetzt bist du jung und schön und hast jede Menge Geld zum Ausgeben… Und wie der Zufall es so will, habe auch ich heut ein gutes Geschäft gemacht. Was sagst du, wenn ich den Laden heute einfach früher schließe, und wir schlendern gemeinsam über den Basar? Aber wenn es so richtig lustig werden soll, dann tu mir einen Gefallen. Leg ausnahmsweise deine hübschen teuren Gewänder ab – keiner soll in dir den Sohn des Beys sehen heute, da können wir ganz andere Abenteuer erleben, als du es sonst gewöhnt bist… und es gibt da jemanden, den würde ich dir heute gerne vorstellen….“
Wie sieht es aus – kann Yali dich überzeugen, ein paar seiner Sachen auszuleihen und dich zum frühen Abend mit ihm auf dem Basar zu treffen, oder stimmst du zwar dem Basarbesuch zu, möchtest aber nicht auf die Annehmlichkeiten und Schmeicheleien die dich in kostbaren Gewändern erwarten verzichten.
Oder lehnst du komplett ab, oder hast andere Ideen?
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„Ich weiß nicht recht, ich kann es einfach noch nicht richtig in Worte fassen, Yali. Die vergangene Nacht hat mir vielerlei Dinge offenbart und mich ein wenig nachdenklich gemacht.“ erkläre ich ihm nach dem Mittag. „Hmm, vor zwei Tagen hast du aber noch ganz andere Töne gespuckt. War da nicht etwas von einem Haufen nackter Frauen, die um ein Feuer herumtanzen? Für mich hört sich das eher wie Rahjas Zelt auf Deren an … gut, wenn die eigene Großmutter zuschaut, vielleicht auch nicht.“
Ich lache auf: „Ach Yali, lass gut sein. Es war nicht so, wie ich es dir beschrieben hatte und eigentlich … lass uns jetzt nicht mehr davon sprechen.“ Ich schaue etwas betreten drein.
[…]
„Jetzt hast du mich aber neugierig gemacht. Also gut, einverstanden. Kurz vor Sonnenuntergang auf dem Basar am Stand des Kerzendrehers. Dann auf bald und sag deiner Mutter nochmal herzlichen Dank von mir für das fürstliche Mahl!“
„Fürstliches, wem fürstliches gebührt, Dsche! Bis später!“
Jetzt bin ich aber sehr gespannt, wen Yali mir da vorstellen will. Ich sage meine Fechtstunde für den Nachmittag ab um mich auf die Vorbereitungen konzentrieren zu können. Es kostet mich schon ein wenig Überwindung, aber schließlich entscheide ich mich für einen Satz Kleidung, den unsere Bediensteten im Hause tragen. Einfache wollweiße Beinkleider, ein weit geschnittenes Hemd mit einer dunkelblauen, hüftlangen Weste und ein roter Fez. An den Füßen trage ich einfache Schnabelschuhe. Meinen Waqqif schnalle ich mir ans Bein, der sollte bei der weit geschnittenen Pumphose wohl nicht weiter auffallen. Einige Taler verberge ich in einem kleinen Seidenbeutel in den Falten des Gürtels (dort wo sich der Knoten befindet). So komme ich mir jetzt reichlich normal gekleidet vor, bin aber immerhin sicher, dass die Kleidung sauber ist. Dazu lege ich noch, wie es hierzulande für Männer ja durchaus üblich ist, einen Cajal auf und versuche meine Haare zu einem Zopf zusammenzunehmen. Das allerdings funktioniert nur bedingt gut, da meine Haare fast nicht lang genug sind. Ich bilde mir ein ziemlich gut verkleidet und in keinem Fall als der Sohn von Bey Yussuf erkennbar zu sein, so dass ich unter den einfachen Leuten nicht weiter auffallen dürfte. (Ein ziemlicher Trugschluss, meine Sich verkleiden-Probe ist gleich mal um einen Punkt danebengegangen. Da wird Yali wohl ordentlich was zu Meckern haben.) Abgelenkt und deutlich besser gelaunt als noch heute Mittag schlendere ich über dem Basar und versuche einigermaßen pünktlich am Treffpunkt zu sein. Wobei ich es mit der Pünktlichkeit nicht so genau nehme und wenn ich auf dem Weg dorthin noch eine schöne Kette für mich sehe werde ich die erst noch einkaufen. Auf Festlichkeiten finde ich es auch immer schick, einen Augenblick zu spät zu erscheinen …