Ihr steigt die Stufen hinab, bis ihr im Erdgeschoss vor der Tür mit dem Hexagramm steht. Auch an dieser Tür findet sich eine kleine Tafel, so wie an der, durch die ihr nach oben gelangt seid.

Elizeth nimmt die Kreide, zeichnet ein Symbol, das auch du als „Erz“ erkennst und zuckt im nächsten Moment voll Schmerz zurück. Das Symbol leuchtet rot auf und verschwindet, Elizeth flucht und knetet schüttelnd ihre Schreibhand. „La’ana buraz! Ich hätte es mir denken sollen, dass es nicht mehr das selbe Zeichen ist wie vor drei Jahren.“ Wütend starrt sie die Tür an. „Was nun?“ fragst du. Elizeth schnaubt: „Wir probieren uns durch! Bei der anderen Tür ist das Symbol jeden Mond einer der Erzdämonen – entsprechend dem jeweiligen Götternamen. Wenn es sich bei dieser ähnlich verhält, haben wir ja höchstens fünf weitere Symbole zu probieren…“ Und damit reicht sie dir die Kreide.
Ich starre etwas ungläubig auf die Kreide. „Nun auf einen magischen Schlag auf den Handrücken kann ich gut verzichten. Wir könnten mathematisch ausrechnen wie viele Monate seit deinem Unterricht vergangen sind, aber ich glaube das bringt uns an dieser Stelle nicht recht weiter.“ Ich starre auf die Tür. Dann lege ich den Kopf schräg weil mir eine Idee kommt: „Vielleicht birgt der Türrahmen die Lösung, Elizeth, und das Symbol wechselt mit der Mondphase. Jedes Symbol ist einer Mondphase gegenüber gestellt. Mich verwirrt allerdings, dass wir ja bereits abnehmenden Mond haben, da hätte ich eigentlich auch das Erz-Symbol gewählt. Nun vielleicht nehmen es die Elementaristen nicht so genau.“
Kurzentschlossen zeichne ich das Wasser-Symbol auf die Tafel, weil ich glaube, dass diese Nacht noch zur Vollmondphase zählt.
Sollte das nicht funktionieren so würde ich als nächstes Wind vorschlagen, gehe ich doch davon aus, dass die anstehende Beschwörung unter einem dem Wind begünstigenden Stern geschehen muss.
Wollen wir doch Mal sehen wie viele Schläge einzustecken sind.
Kaum hast du das Wasser- Symbol vollendet, durchzuckt deine Hand ein so gemeiner Schmerz, dass dir die Kreide aus den Fingern fällt (4SP). Deine Großmutter hat, so streng sie auch war, stets auf körperliche Züchtigung verzichtet – so ist dies eine äußerst unangenehme neue Erfahrung für dich. Es fühlt sich an wie ein magischer Peitschenhieb. Ein plötzliches Brennen flammt vom Handrücken in die Fingerspitzen und den Arm hinauf. „Reiß dich zusammen, Dsche“ – ermahnst du dich, als sich deine Augen mit Feuchte zu füllen beginnen. Schnell bückst du dich nach dem Stück Kreide und wischt dir dabei möglichst unauffällig mit dem Ärmel die Tränen fort. Zum Glück lässt der Schmerz bereits wieder nach. Trotzdem musst du deine ganze Selbstbeherrschung aufbringen um die Kreide erneut anzusetzen. Elizeth unterbricht deinen inneren Kampf: „Ich denke, deine Überlegung war genau richtig, Cherek! Nur hast du übersehen, dass die Schriftzeichen im Türrahmen dunkel sind! Das Element für die volle Mada wäre also: Feuer.“
Sie macht Anstalten, dir die Kreide wieder aus den Fingern zu nehmen.
Ich reiche ihr dankbar die Kreide. Zwar wird das vermutlich meine Fassade etwas bröckeln lassen, aber nach der Erfahrung gerade lege ich keinerlei Wert darauf ein zweites Mal die Erfahrung einer schmerzhaften Lektion zu machen.
“Nun, der Vollmond liegt aber bereits eine Nacht zurück, Elizeth. Ich habe leider keine Ahnung wie viele Nächte nach Vollmond man die Mondphase noch als solche bezeichnet. Genau genommen befinden wir uns ja schon in der Phase des abnehmenden Mondes. Es liegt nach deiner erhellenden Erklärung fast nahe, dass Luft das korrekte Zeichen ist. Was beinahe kein Zufall sein kann, denn ich gehe davon aus, dass es bei der Bindung um ein Wesen der Luft geht. Das kann ja kein Zufall sein, oder?”
Sollte auch das nicht funktionieren (egal für welches sich Elizeth entscheidet), so bin ich danach überzeugt, dass das jeweils andere die Lösung ist und traue mich nochmal.
Elizeth runzelt die Stirn, zeichnet das Feuersymbol, und tatsächlich, die Tür öffnet sich. Ihr steigt gemeinsam die Treppe bis zum Ende hinab. Sie endet in einem runden Raum. Unterhalb der unteren Windung ist ein Kamin eingelassen, dessen Abzug in der mittleren Rundung der Stufen nach oben läuft. Das Glimmen eines herabgebrannten Feuers spendet ein wenig zusätzliches Licht zu euren Öllampen. An der Feuerstelle stehen ein Blasebalg und ein Amboss mit feinem Werkzeug. Entlang der halben Rundung der Wand sind Regale aufgestellt. Du entdeckst Flaschen mit Flüssigkeiten verschiedener Farben, Gläser mit Steinen und Metallbrocken, Schalen und Flakons mit Pülverchen. Ein weiteres Regal enthält halbfertige Öllampen, Armreife und Halsketten. An der unmöblierten Wandhälfte hängt eine große Tafel. Neben der Esse bildet ein großer rechteckiger Tisch das Herzstück des Raumes. Darauf steht ein riesiger hexagonaler gläserner Kasten. In seinem Inneren entdeckst du sechs Tonschalen, beschriftet und gefüllt mit je einem Element. Mit einen schwachen Magischen Schimmer schweben farbig leuchtende Kugeln in dem Glaskasten umher, fast wie Vögel in einem Käfig. Zweifarbiger Rauch wabert in dem Kasten, der von einer großen Glasplatte bedeckt ist. Auf der Platte klebt eine Beschriftung:
Achtung Versuchsaufbau nicht bewegen! Damit die Balance erhalten bleibt muss enthalten sein:
1x Dämonium
1x Efferdium
1x Rahjinium
1x Bronze
1x Obsidium
3x Gold
1x Feqsinium
1x Hesindium
7x Aventurium
1x Firinium
Alle 6 Elemente, weißer Rauch und grauer Nebel
Auch die Seiten des Kastens sind mit Vorsichtshinweisen versehen. „Nichts hinzufügen!“ „Deckel nicht öffnen!“ und „Balance Achten!“ kannst du ringsum lesen.
Auch auf der Tafel steht etwas geschrieben: „Maruch, denk an das Aventurium!“
Untersuchst du den Raum noch etwas genauer? Möchtest du direkt irgendetwas tun?
Fasziniert schreite ich im Raum umher und lasse den Blick schweifen. Ich bin ähnlich fasziniert von alledem hier, wie noch vor der Vollmondnacht in Birshens kleinem Laboratorium. Nur empfinde ich diesmal neben der Faszination eine schamlose Schadenfreude: “Birshen, ich glaube es gibt hier eine Myriade Möglichkeiten Maruch sein kleines Experiment zu ruinieren … stelle dir nur vor er nähme dreimal Bronze und nur einmal Gold.”
Süffisant lächelnd schaue ich mich weiter um und setze dann noch ätztriefend nach: “Genauigkeit ist hier so wichtig. Nichts darf verrückt, nichts in Ungleichgewicht gebracht werden.”
Ich halte nun insbesondere Ausschau nach dem Regal mit den vielen Gläsern, wie Karshaz es mir beschrieben hatte. In Gedanken wiederhole ich, was der kleine Dämon zu sagen hatte: Oberstes Regal, grüne Flasche, hinunter drücken.
Ich wende mich um und beobachte einen Moment was Elizeth so tut und ob sie etwas sagt. Dann fällt mir plötzlich etwas ein: “Elizeth, ich glaube du solltest jetzt gehen.”
Wenn sie mich ganz entgeistert anschaut beeile ich mich zu erklären: “Ich bin der Meinung du solltest nicht hier unten sein. Am besten bist du niemals hier unten gewesen. Geh in dein Gemach und werde am besten von jemandem gesehen. Oder überlege es dir anders und tue so als wolltest du Maruch doch noch gratulieren. Wenn ich hier unten Unbill an der Konstruktion treibe darf keinesfalls ein Verdacht auf dich fallen. Am besten wäre, es erscheine als habe Maruch selbst sein Experiment verdorben und nicht richtig aufgepasst. Obwohl es dafür ohnehin zu spät ist, wenn ich es recht bedenke.”
Ich zücke mit einem tadelnden Blick die ausgerissene Buchseite. Und während ich meinen Gedanken im Kopf weiter spinne, fällt mir noch etwas sehr beunruhigendes ein: “Bei Satuarias Herrlichkeit!” Mir fällt vor lauter Aufregung nicht auf, dass ich mich möglicherweise mit diesem Ausruf gerade verraten habe.
“Hätte doch bloß ich die Kreide benutzt und die Zinken gemalt. Elizeth, weißt du, ob eure Lehrer in der Lage sind irgendwie zu erkennen, wer die Kreide benutzt und sich eingetragen hat? Hinterlassen wir so eine Art magischer Spur? Wie wir es beim Wirken von Magie tun?”
Der Gedanke beunruhigt mich zutiefst, ist es doch nicht meine Absicht Elizeth Schaden zuzufügen. Ich würde ihr nun vorschlagen sie nach oben zu begleiten und ihr einen kleinen Vorsprung zu gewähren, so dass sie sich am besten irgendwo sehen lassen kann. Dann male ich erneut den Zinken und steige zurück in den Keller. Diesmal würde ich das Experiment zunächst Experiment sein lassen und den Geheimgang ausprobieren. Ich ermahne mich einmal mehr zur Ordnung zunächst einmal Larissia zu retten. Ohne sie ist das Experiment ohnehin gescheitert, egal ob ich hier noch für ein Durcheinander sorge oder nicht. Phex hilf!
Elizeth ist dir zunächst einfach nur in den Keller gefolgt. Auch sie schaut sich aufmerksam um. „Alles noch wie früher…“ murmelt sie. Lässig schlendert sie durch den Raum, schaut, berührt aber nichts. Über deinen „Rauswurf“ wirkt sie einen Moment überrascht, ist dann deinen Argumenten aber gut zugänglich. Als du jedoch schließlich mit deiner „Kreidetheorie“ anfängst, lacht sie auf. „Cherek, ich danke dir für deine Fürsorge, aber das ist nun wirklich lächerlich. Ich denke nicht, dass du hier etwas so fürchterliches anrichten kannst, dass man so akribisch nach uns fahnden wird. Und wenn doch – bin ich durchaus in der Lage, mit den Konsequenzen meines Handelns selbst fertig zu werden. Aber deinen Rat, mich gleich irgendwo sehen zu lassen, werde ich beherzigen…“ Sie schüttelt noch einmal nachdenklich mit dem Kopf. „Warum beschützt du mich so? Wo sagtest du nochmal, dass du herkommst, Cherek?“ Sie mustert dich kritisch.
Unabhängig von deiner Antwort – schlussendlich lässt sie sich jedoch tatsächlich überzeugen, mit dir gemeinsam den Keller zunächst zu verlassen. Nachdem sie gegangen ist zeichnest du erneut das Symbol und betrittst den Keller.
Mit Karshaz Beschreibung im Hinterkopf gehst du die Regalreihen entlang. Schon beim zweiten Gläserregal wirst du fündig. Du drückst die Flasche mit der grünen Flüssigkeit nach unten und mit einem leisen Klick schwingt das gesamte Regal auf dich zu, als sich eine dahinter verborgene Tür öffnet. Mit einem Stoßgebet schlüpfst du in den dunklen Geheimgang. Die Wände bestehen aus groben Steinblöcken. Kühl und etwas feucht ist es hier, aber nicht muffig und auch der Boden ist nicht staubig. Könnte es sein, dass dieser Geheimgang noch jemandem bekannt ist? Spinnweben findest du jedenfalls keine, und die Scharniere der Tür schienen gut geölt zu sein. Etwa 50 Schritt ist der Gang lang, und endet an einer Holztür.
Ich schaue Elizeth kurz irritiert an und antworte tonlos: “Aus Aranien.”
Eine weitere Erklärung folgt von mir dann aber nicht mehr, bin ich doch gerade selbst zu sehr verwirrt und fühle mich auf eine ganz seltsame Art ertappt. Ja, warum eigentlich? Ich hielt mich nie für besonders fürsorglich, aber irgendwie … ach darüber kann ich nachdenken, wenn ich all das vorbei ist. „Kommst du?“
Wieder unten bin ich sehr erleichtert, dass der kleine Dämon mich nicht angelogen hat. Dass der Gang nicht unbenutzt ist wundert mich eigentlich nicht allzu sehr. Ich habe das Gefühl, dass Magister Dunchaban vermutlich häufiger diesen Weg wählt. Und wer weiß. Vielleicht darf ja auch sein kleiner Musterschüler gewisse Privatwege benutzen.
Ich eile den Gang entlang und bette zu Satuaria, den Zwölfen und allem was mir heilig ist, dass nun nicht ausgerechnet jemand vom anderen Ende kommen möge.
Wenn ich die Türe am anderen Ende erreiche, so lausche ich erst einige Augenblicke (Sinnenschärfe 4 TaP gegen 11/13/13), ehe mich die Geduld verlässt (es sei denn natürlich ich höre etwas) und ich zunächst noch versuche durch ein etwaiges Schlüsselloch zu spähen und dann die Tür langsam und vorsichtig zu öffnen. Ich rechne damit hinter einem ähnlichen Schrank herauszukommen wie im Turm der Stürme.
An den Schutzzauber denke ich zunächst nicht. Sollte ich aber auch hier unten plötzlich unerwartet stecken bleiben, so erinnere ich mich wieder an das Rätsel, dessen Lösung ich beim Hören schon ersann und probiere zunächst „Licht“ als Losung, dann „Tag“, ansonsten „Sonne“ oder deren tulamidische Äquivalente „shin“, „yom“ oder „sams“.
Du lauscht einen Moment an der Türe, und als du sicher bist, nichts zu hören schiebst du sie vorsichtig auf. Dunkelheit empfängt dich. Leise schlüpfst du durch die Tür und mit einem Klick schließt sie sich wieder. Eine exakte Kopie des Regals auf der anderen Seite, nur hier mit Lebensmitteln in Gläsern bestückt. Du hebst deine Öllampe über den Kopf und erkennst, dass du dich in einem ca 6×8 Schritt großen Vorratskeller befindest. Du brauchst eine Weile, bis du zwischen Weinregalen und Getreidesäcken die Leiter entdeckt hast, die nach oben führt. Ein ganz schwacher Lichtschein dringt durch die Konturen einer Klappe in der Decke. Türen scheint es sonst auf den ersten Blick keine zu geben. Du kletterst ein paar Stufen der Leiter empor und drückst dein Ohr gegen die Klappe – Stille.
Ich suche mir einen Platz für die Öllampe, von dem aus ich die Treppe auch im dunklen gut erreiche und lösche das Licht. Dann schleiche ich mich wieder hinauf und drücke ganz sachte und vorsichtig die Luke einen Spalt auf. Im Augenblick vermute ich zu dieser fortgeschrittenen Stunde in einer verwaisten Küche herauszukommen, bleibe aber weiter extrem vorsichtig. Nun bin ich so weit gekommen, da will ich keinesfalls Übermut meinen Vorteil zunichtemachen lassen.
Ich würde mich dann vorsichtig von Raum zu Raum schleichen. Mein Gefühl sagt mir, dass Larissia irgendwo im Obergeschoss gefangen gehalten wird. Aber warten wir, was so passiert. Ich wünschte Ramal wäre jetzt bei mir.