Gedanken in Stein

Zeit ist vergangen. Gedanken wurden langsamer. Dinge sind passiert. Schnell? Langsam? Wann? Du erwachst in der Dämmerung. Du erinnerst Bruchstücke:

Dunchaban. Er grinst.

Leute sitzen. Leute klatschen. Leute gehen. Ein Käfer krabbelt über einen Stein. Langeweile? Keine Langeweile. Nur Stille.

Wieder Dunchaban. Er legt etwas schweres auf dich. Du willst immer Stein bleiben. Ramal schnappt. Dunchaban lacht. Verjagt Ramal.

Bewegung. Neues Bild. Du stehst woanders. Stufen. 

Sonne auf Stufen.

Ramal kommt. Kratzt an dir. Klettert wieder auf deinen Arm.

Schatten auf Stufen.

Neraida kommt. Weint. Nimmt Ramal mit.

Mondlicht.

Ramal kommt. Kratzt wieder. Bilder. Geräusche. Ich höre den Wind pfeifen, und sehe, wie er an Dscheridans Gewändern zupft. Die Kleidung bewegt sich, aber Dscheridan nicht. Er ist blass wie Marmor. Ich klettere auf seinen Arm. Der Arm ist kalt, aber ER ist da. Jemand kommt. Ein Mensch. – Maruch. Ramal knurrt ihn an. Er weicht zurück. Verunsichert stammelt er: “Lass mich zu ihm, ich will doch nur… ich… wollte ihn retten, ich hoffe er…” “Ich hasse dich so sehr!” Ramal fletscht die Zähne und springt. Maruch läuft weg. Ramal jagt ihn weiter. Jagt ihn um die Häuser bis er im Turm der Stürme verschwindet. Dann kehrt er zurück zur Bibliothekstreppe mit den Statuen. Zurück auf deinen steinernen Arm.

Nacht. 

Können Steine träumen?

Maruch. Im Morgengrauen läuft er über den Hof. Du folgst ihm, er bemerkt dich nicht. Er geht in ein Gebäude, du schlüpfst hinterher und verbirgst dich hinter einem großen Bottich. Die Luft ist warm und feucht. Stoff raschelt. Maruch legt seine Robe ab. Er kniet in einem Zuber und wäscht sich. Wasser rinnt über seinen muskulösen Oberkörper. Er taucht ganz ein, taucht auf, wirft den Kopf zurück, und schüttelt sein Haar, dass die Tropfen in alle Richtungen fliegen. Er atmet schwer. Dann trocknet er sich ab. Bevor er in sein Hemd schlüpft entdeckst du auf seinem Rücken leuchtend rote Striemen.

Fliegende Teppiche.

Tag. Die Eingangshalle. Maruch hat ein Paket entgegengenommen. Du hältst Abstand, hier sind zu viele Menschen. Er geht zum Turm der Stürme. Du schlüpfst hinterher bevor die Tür ins Schloss fällt und folgst ihm die Treppe hinunter. Er liest was an der großen Tafel steht. Er blättert in seinem Büchlein. Er nimmt eine Kreide und malt ein Symbol auf eine winzige Tafel auf der anderen Seite des Raumes. Ein Kreis leuchtet um seine Füße auf. Er löst sich auf. Das Symbol auf der kleinen Tafel leuchtet und verschwindet. Du bleibst zurück. Läufst die Treppe wieder hoch, aber die Tür ist verschlossen.

Glühend rotes Licht auf Stufen.

Zeit ist vergangen. Gedanken werden schneller. Dinge sind passiert. Schnell? Langsam? Wann? Du erwachst in der Dämmerung. Elizeth steht vor dir auf den Stufen. Sie kneift dich in den Arm. Du spürst den Schmerz. “Cherek, nun beweg dich endlich!” Schwere fällt von dir ab.

Veröffentlicht von Mirya

Ein lebensfrohes kleines Bündel, das üblicherweise nicht auf den Mund gefallen ist, gute Gesellschaft ebenso wie gutes Essen genießen kann, und die sich wünscht es ginge immer allen überall gut.

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  1. Ich umklammere Elizeths Oberarme, sinke auf die Knie und ziehe sie mit mir hinunter. Erst spucke ich die Dattel zwischen uns, dann beiße ich die Zähne aufeinander und irgendwo tief aus mir kommt ein Grollen, dem Knurren Ramals nicht unähnlich. Ich bin irgendwo zwischen Raserei, Heulkrampf und Erleichterung gefangen. „Um Hesindes Willen Cherek! Du tust mir weh!“ zischt Elizeth leise aber vehement.
    „Dsche, ich heiße Dsche“ heule ich, Tränen steigen mir in die Augen und Rotz läuft aus meiner Nase. „Schluss mit dieser lächerlichen Koketterie, dem Spiel um Schein und Sein und all dieser Illusion der Gefühle. Großmutter hatte Unrecht. In mir brennt überhaupt kein Erbe.“
    Elizeths Blick voller Unverständnis holt mich zurück ins Hier und Jetzt. Ich lasse von ihr ab, sammel die Dattel auf und rappele mich auf. „Wie viel Zeit ist vergangen? Wo ist Ramal? Wo ist Larissia?“ Dann schaue ich wehmütig über Elizeth hinweg in die Ferne und meide ihren Blickkontakt: „Danke für die Rettung Elizeth.“
    Ich hoffe dass sie mich nun schleunigst irgendwo hin zu bringen gedenkt und mich etwas zur Ruhe ruft. Zu strategischen Überlegungen bin ich gerade nicht in der Lage. Ist die Kette noch an meinem Fuß? Bin ich müde?

  2. Elizeth sieht dich streng an: „Bedank dich, indem du jetzt mir hilfst. Wir haben keine Zeit für Sentimentalitäten!“ zischt sie. „Es ist Feuertag. Abend. Dunchaban hat die Frau wieder in seiner Gewalt. Wenn wir das verhindern wollen, von dem du mir berichtet hast, dann sollten wir uns sputen, wahrscheinlich soll es heute nacht stattfinden! Also fasse dich und komm zur Besinnung, wie auch immer du heißt, sonst werde ich allein gehen! Ich bin mir nicht sicher, wo das Ritual stattfinden soll. Am besten beginnen wir unsere Suche in Dunchabans Labor!“
    Ihre eindringlichen Worte bringen Leben in deine Beine. „Natürlich, sofort!“ antwortest du fast automatisch und stolperst ein paar Schritte vorwärts.Dein Bein tut noch weh.Du blickst an dir hinab und bist froh festzustellen, dass man immerhin die Kette entfernt hat.Du horchst in dich hinein. Die Steifheit fällt mit jeder Bewegung mehr von dir ab, dieVersteinerung scheint keinen Schaden hinterlassen zu haben. Stärker denn vor der Verwandlung spürst du das Sprudeln der Kraft der Urmutter in dir. (Lebensenergie bleibt gleich, für die Astralenergie darfst du 3W6 regenerieren).
    Ramal kannst du nirgends entdecken. Elizeths hochmütiger Gesichtsausdruck gewinnt etwas an Weiche, als du dich humpelnd in Bewegung setzt. Sie nickt in Richtung deines Beines: „Kannst du gehen? So gefällst du mir schon besser.“

  3. “Ja, ich kann gehen. Danke!” lächle ich Elizeth jetzt wieder an. “Verzeih, aber … 3 … Tage Zeit sich über eine Niederlage zu ärgern und Gedanken nachzuhängen ist …” ich lasse den Satz unvollendet und folge Elizeth nach, halte ich ihren Plan für einen guten Start.

    Während wir also los schleichen schildere ich noch das Folgende: “Höre, ich hatte in der Zeit auf der Treppe eine gedankliche Verbindung zu Ramal, meinem Vertrauten. Der Gepard. Er folgte Maruch irgendwann in den Turm der Stürme in den Keller. Maruch benutzte eine der Tafeln anders als wir sie benutzten. Er zeichnete etwas und löste sich dann in einem glühenden Kreis in Luft auf. So jedenfalls sah Ramal es. Er wollte wieder hinaus aber die Tür war verschlossen. Dann glühten die Stufen leuchtend rot auf und meine Vebindung zu ihm brach ab. Oh und das Losungswort zu Dunchabans Palast ist Schatten in der Sprache der Magier.”

    Während wir innehalten um uns zu versichern, dass wir nicht beobachtet werden setze ich noch zusammenhanglos nach: “Ich bin ja so ein Rindviech, bei der Herrin Satuaria.”

    Meinte Elizeth mit Dunchabans Labor den Turm der Stürme? Soweit folge ich also weiter und bin gespannt was sie mit meiner Information anfangen kann.

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