Nachspiel

Dein Bewusstsein driftet. Wo bist du? Die Höhle des Geparden? Die Ebene vor dem Dschinnentor? Bei Birshen? In deinem Palast? Du fühlst dich so unendlich müde und noch immer ist dir schwindelig. Traumbilder kreisen vor deinen Augen. Maruch und Dunchaban tanzen nackt um ein Feuer. Ein Wirbelsturm entsteht und trägt die Flammen bis in endlose Höhen, wo die Rauchwolken Larissias Gesicht formen. Die Wolken steigen höher, werden weißer und weicher, werden zu einem Kissen auf dem du liegst und schläfst. Maruch sieht auf dich hinab. Der Schmerz in seinen Augen ist einer gefühllosen Kälte gewichen. Er sagt etwas, doch du kannst ihn nicht verstehen. Der Wind wirbelt deine Gedanken weiter.

Du hockst neben Elizeths Knien, sie krault deinen Nacken. Du musterst sie mit schiefgelegtem Kopf – und abwechselnd den Mann mit dem sie hitzig diskutiert. Ein älterer Mensch mit weißem Haar, und einem wettergegerbten gütigen Gesicht.“Euer Spektabilität, ich bleibe dabei, ohne das beherzte Eingreifen des Hexers und mir wäre der Schaden sicherlich größer ausgefallen! Das Verhalten seiner Vizespektabilität, sei Boron ihm gnädig, lässt schon seit einigen Monaten keinen anderen Schluss zu, als dass er ohne eure lenkende Hand komplett dem Größenwahn verfallen war, vergebt meine deutlichen Worte. Hesinde sei Dank, dass sie euch endlich von eurer Expedition zurückkehren ließ! Ein paar Tage früher hätten aber sicherlich auch nicht geschadet.““Ihr habt euren Punkt klar gemacht, werte Collega, und euer Zorn ist begreiflich nach dem was euch persönlich widerfahren ist. Doch ist es nicht an euch, meine Wege und die der Götter zu hinterfragen. Nun stehe ich da, mit einem Loch im Turm der Stürme und einem toten Stellvertreter. Es wird einiges an Arbeit erfordern die aufgeworfenen Wogen wieder zu glätten, und einige gute Geschichten müssen erzählt werden, um alle Fragenden zufrieden zu stellen. Ihr wisst, dass ich euren Aussagen glaube – aber so lange weder die Mittelreicherin noch euer Hexer für eine Befragung zur Verfügung stehen, steht in dieser Angelegenheit euer Wort gegen das Maruchs – und ich fürchte der Akademierat wird dem Träger des Rohalsmals mehr Vertrauen entgegenbringen, als dem der eifersüchtigen Zweitplazierten…“
Elizeth steigt die Zornesröte ins Gesicht und sie schlägt mit der Hand so fest auf den Tisch, dass deine Schnurrhaare zittern.
„Schluss mit dieser Farce! Es reicht, Baba, ich nehme diese Abwertung nicht länger hin! Nicht einmal jetzt sprichst du dich für deine eigene Tochter aus? All diese Jahre bin ich ohne einen Gefallen von dir ausgekommen. Ich habe mir mein Wissen und meine Fähigkeiten härter erarbeitet als jeder andere Schüler dieser Akademie! Ich bin zehnmal besser als Maruch, und du weißt es! Dass dieser rückgradlose Sohn einer billigen Wanderhure jetzt noch einmal über mich triumphieren soll, ist inakzeptabel. Sein Wort gegen meins? Dann klären wir es eben auf die traditionelle Art, im magischen Duell, da dürfte selbst der Rat keine Einwände haben!“ Elizeth ist aufgesprungen. Du kannst ihre Wut förmlich in der Luft prickeln spüren. Auch der Mann hat sich erhoben. Er betrachtet Elizeth durchdringend – dann breitet sich ein Lächeln über sein Gesicht aus: „Was habe ich für eine starke Tochter! Ich beglückwünsche dich zu der brauchbaren Maga, die du geworden bist. Mögen die Götter geben, dass dein stolzes Temperament dich nicht irgendwann ins Verderben führt… Deine Kraft und Entschlossenheit bewahre dir für etwas sinnvolleres als Magierduelle: Ich wollte lediglich meiner Hoffnung Ausdruck verleihen, unsere beiden Unglücksopfer mögen alsbald genesen… Man müsste jedem das geben, was ihm fehlt, und sie wären schnell wieder wohlauf… und ich vermute, du hältst den Schlüssel…“Elizeth setzt sich langsam wieder und mustert den Mann. Immernoch umspielt seine Lippen ein gewitztes Lächeln.
„Ich beuge meine stolze Stirn dieses Mal vor eurer Weisheit, euer Spektabilität. Ich gebe zu, noch nicht ganz zu begreifen, was ihr wohl meint…“

„Nun, im Falle des Hexers verhält es sich einfach,“ er nickt in deine Richtung. „Lass das Tier bei ihm wachen, und ich bin sicher alles wird sich finden. – Im Fall der jungen Mittelreicherin liegt die Sache komplizierter: Ihr Vishtarra ist sehr geschwächt, durch die Strapazen die sie wohl schon vor diesem Ritual durchlebt hat.Die Abtrennung sämtlichen Ashtarras nun hat den Vorrat ihres Sikaryans so geschwächt, dass kaum mehr von Ihr übrig ist, als ihre körperliche Hülle und diese ist derzeit ausgesprochen fragil. Ich bin mir nicht sicher ob traditionelle Heilmagie hier mehr Schaden als nutzen bringen würde – wie einen schlaffen Wasserschlauch, den man zu schnell füllt und der dann droht zu platzen. Wenn man also fremdes Vishtarra spenden wollte, müsste dies möglichst eine eigene stabile Struktur mit sich bringen, ein Artefakt beispielsweise….“ er schaut sie sehr suggestiv an, und ihre ahnungslose Fassade beginnt die ersten Risse zu bekommen.
Er legt den Kopf schief: „Du hast nicht ernsthaft erwartet, dass ich das Fehlen des Gewandes übersehe?“


~~
Du öffnest die Augen. Du liegst in einem Bett, du trägst nichts als eine weite weiße Pluderhose, deine persönlichen Gegenstände liegen auf einem Stuhl neben dem Bett.

Veröffentlicht von Mirya

Ein lebensfrohes kleines Bündel, das üblicherweise nicht auf den Mund gefallen ist, gute Gesellschaft ebenso wie gutes Essen genießen kann, und die sich wünscht es ginge immer allen überall gut.

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7 Kommentare

  1. Ich fahre erschrocken hoch, nur um direkt wieder auf die Liegestatt niederzusinken als mir von der hektischen Bewegung schwindelig wird. “Ramal!?” ist mein erster Gedanke, dem ich gleichsam Klang gebe und hoffe, dass mein Vertrauter irgendwo hier im Raum ist. Vorsichtig setze ich mich noch einmal auf und mein Blick wandert unwillkürlich auf meine Hand. Ich erinnere mich daran, dass ich den Dolch durch meine Hand rammen wollte …

    Wenn Ramal zu mir auf die Bettstatt springt, so drücke ich ihn fest an mich und genieße seine tröstliche Nähe. “Ich glaube ich schulde dir mein Leben, mein Freund.” Ich halte ihn eine ganze Weile und konzentriere mich auf seinen Herzschlag, lasse das Geschehene noch einmal Revue passieren, auch wenn ich gerade lieber an nichts denken würde.

    Nach einer ganzen Weile deute ich ihm zurück auf den Boden zu springen und setze mich auf die Bettkante. Neugierig schaue ich mich um.

  2. Scheinbar sind deine Lippen so trocken, dass du gar nicht hörst, wie du nach Ramal rufst. Schwindel befällt dich und für den Moment sinkst du zurück in die Kissen und starrst an eine weiß getünchte Decke, bis er nachlässt. Dann setzt du dich langsam wieder auf. Dein Blick fällt auf ein Glas Wasser, das auf einem Tablett neben deinem Lager seht. Vorsichtig trinkst du einige Schlucke und fühlst dich nun etwas menschlicher. Wie bist du nur hierhergekommen? Die Erinnerungen sind verschwommen, und kehren bruchstückhaft zurück. Sie haben dich hierhergetragen, die Leute, die mit Elizeth die Höhle gestürmt hatten. Du hattest kaum noch die Kraft aufrecht zu stehen, nachdem du das Ritual beendet und die Magie in das Gewand gezwungen hattest. Und dir war so schwindelig. Nachdenklich streichst du über deine Hand, die glücklicherweise keine Verletzung aufweist. Du musstest sie nicht durchstoßen, die Magie hat einen anderen Preis gefordert. Dieser schmerzhafte, ohrenbetäubende Knall… Instinktiv legst du die Hände an die Ohren – und stellst fest, dass du einen Verband um den Kopf trägst.
    Dein Grübeln wird von Ramal unterbrochen, der an deinem Lager aufgetaucht ist. Er schleckt deine Hand ab, zupft mit der Pfote an deiner Bettdecke und springt schließlich zu dir herauf. Seufzend schließt du ihn in die Arme und fühlst dich auf einmal wieder heile. Viel kräftiger, als eben noch. “Ich glaube ich schulde dir mein Leben, mein Freund”, murmelst du in sein Fell, als du seinen vertrauten Geruch einsaugst. Ein Gefühl der Erleichterung strömt dir entgegen, ebenso wie eine wahre Flut an Bildern. Noch einmal erlebst du den Moment an den du eben versuchtest dich zu entsinnen, aber aus der Perspektive deines Vertrauten: Du beobachtest den ekstatisch zaubernden Dscheridan, du bist voll Angst und die Sorge um ihn, verstehst kaum, was vor sich geht, aber weißt doch, wie immens wichtig es gerade ist, dass Dscheridan den Kontakt zur Erde nicht verliert. Wie soll er sonst mit den Pfoten zuerst landen? Was, wenn …
    Ramals Erinnerungsbilderflut lässt nach, und stattdessen blickst du in die goldenen Augen deines Vertrauten. Fast scheint es dir, als ob sich aufmunternd einer seiner Mundwinkel hebt, dann beugt er sich vor und schleckt dir mit der Zunge durchs Gesicht. Du greifst ihn mit beiden Händen hinter den Ohren und ziehst ihn kraulend zu dir heran, als euch eine etwas heisere Stimme unterbricht und das Ende eines Gehstockes sich missbilligend zwischen euch schiebt:
    „Ist es nicht bereits genug, dass ich ein wildes Tier in meinem Infirmarium dulden muss? Nun hüpft es auch noch ins Bett? Bleibst du wohl von dem Verband weg, du Biest!“
    Am anderen Ende des Stockes, der immer wieder versucht, Ramal von deinem Gesicht fort zu schieben, bis dieser schließlich knurrend seinen Kopf auf deinen Schoß bettet, befindet sich eine runzelige Hand. Die Hand gehört zu einem unfassbar alten Tulamiden mit kreisrunden Augengläsern. Seine sonnengebräunte, faltige Haut bildet einen hübschen Kontrast zum Weiß seines Turbans, Bartes und seinem schlichten Überwurf.
    Als du ihn und deine Umgebung näher musterst kommst du zu dem Schluss, dass dies hier wohl eine Art Krankenzimmer ist, und er der hiesige Heiler sein muss. Es gibt mehrere Lager wie deins, allerdings sind sie unbelegt, auch wenn eins, am fernen Ende des Raumes benutzt scheint. Es gibt einen Schaukelstuhl und einen Tresen auf dem ein Mörser und diverse Schüsseln und Instrumentarien stehen. Einen Schrank mit Glasphiolen und diversen Tinkturen. Ein Regal mit Kräutern und Verbänden. Ein Brett mit Büchern. Notizpapier und Kohlestifte auf dem Tresen.
    Außer euch dreien ist der Raum leer.

  3. Ich schaue den alten Tulamiden ehrfurchtsvoll und entschuldigend an. Mir ist nicht danach zu Mute irgendwem Widerstand zu leisten: “Verzeiht, Herr ..?” Ich schaue ihn fragend an. “Dies ist mein Vertrauter Ramal. Von ihm habe ich nichts zu befürchten und Ihr ganz gewiss auch nichts. Sagt, wo bin ich hier? Und was viel wichtiger ist: Wie geht es Larissia und wo ist sie? Kann ich mit Elizeth sprechen?”
    Je mehr ich frage, desto mehr beginnen sich meine Gedanken zu überschlagen und mir wird wieder etwas schummerig.
    Als letztes setze ich noch sichtlich ermattet hinzu: “Wie lange ist … das Unglück … her?”

  4. Das runzelige Gesicht wird von einem Lächeln überzogen: „So viele Fragen… Es scheint, du bist wirklich ein gutes Stück gesunder geworden, seitdem dieser Kater hier Einlass fand… Nun, ich will einen Teil deiner Neugier befriedigen. Mein Name ist Ebrahim, ich bin der Apothekarius der Akademie. Du befindest dich hier auf meiner Krankenstation. Zwei Tage habe ich mich hier um dich und deine Gefährtin gekümmert. Die Fragen über den Zustand der jungen Dame richtest du übrigens besser an seine Spektabilität, welcher gebeten hat, gleich nach deinem Erwachen mit dir zu sprechen. Wenn es dir recht ist, werde ich ihn sogleich benachrichtigen…

  5. “Spektabilität?” frage ich panisch. “Dunchaban? Ist er nicht ..?”
    Erst als Ebrahim wiederholt, dass er ‘Spektabilität’, nicht ‘Vize-Spektabilität’ sagte, beruhige ich mich wieder. “Oh, ach … Dschelef ibn Jassafer, richtig?” Ich erinnere mich an die Gedanken und Bilder, die ich durch Ramal im Traum erlebt habe. “Ja, Ebrahim, lass nach im schicken. Darf ich derweil Larissia sehen? Oder ist Elizeth zu sprechen?”

    Ich setze mich auf die Bettkante, trinke noch einen Schluck und deute Ramal auf den Boden zurückzukehren.

    Sollte sich der Schwindel weiter legen so mache ich Anstalten aufzustehen. Wenn Ebrahim nicht anderweitig dirigiert so möchte ich aus dem Fenster schauen. Ramal sende ich den Wunsch ihn weiter sehr dicht bei mir zu haben.

  6. Ebrahim läutet eine Glocke und sendet den herbeieilenden Jungen mit seiner Nachricht zum Oberhaupt der Akademie, Dschelef ibn Jassafer. Dann nimmt er dich noch einmal genauer unter die Lupe. Dein Schwindel ist vergangen, aber Aufstehen möchte dich Ebrahim erst nach einer eingehenden Untersuchung lassen, die du ungeduldig über dich ergehen lässt. Dein Kopf fühlt sich sonderbar dumpf. In der Tat scheint Ramal dir gerade sehr gut zu tun. Die dumpfe Stille kehrte zurück in dem Moment, wo er von deinem Schoß sprang und du fühlst dich unvollständig.
    Ebrahim beendet seine Untersuchung und sagt irgendetwas. Du kannst es nicht hören. Panik durchflutet dich, und du weist auf den Verband an deinen Ohren. Unbewusst steckst du die Hand nach Ramal aus, während Ebrahim den Verband löst, und deine Ohren inspiziert. „Es scheint, dieser Verband ist nicht weiter vonnöten..“ hörst du, während du Ramal kraulst.
    Inzwischen hat eine gewisse Unruhe sowie ein kräftiger Tatendrang von dir Besitz ergriffen. Der Schwindel ist verschwunden. Du schüttelst Ebrahim ab und gehst zum Fenster. Ramal folgt dir auf dem Fuß. Ebrahim lässt von dir ab und kehrt an seinen Schreibtisch zurück. Ramal legt die Vordertatzen auf das Fensterbrett und schaut neben dir heraus.
    Das Fenster geht auf einen Innenhof hinaus, du erkennst, ihn umgebend, die Außenmauer der Pentagramm-Akademie. Du blickst von deinem Fenster aus dem dritten Stockwerk auf den Pallazo Dunchabans und den Turm der Stürme. Hier bietet sich ein Bild der Zerstörung. Das Turmdach und die oberste Etage fehlt. Du schaust auf Mauernreste, die wirken, als hätte jemand sie von von innen zerissen. Vor dem Eingangstor hält der steinerne Wesir Wache.
    Deine Betrachtung wird unterbrochen, als der Botenjunge zurückkehrt. Er führt eine leise Unterredung mit Ebrahim, der sich daraufhin an dich wendet: „Seine Spektabilität lässt fragen, ob dein Gesundheitszustand es zulässt, dich in der Halle der Kämpfenden einzufinden, denn dort führt er gerade eine Unterreden mit deiner Gefährtin. Mein Einverständnis hättest du.“

  7. Ich schlucke meinen Anflug von Nervosität hinunter, straffe mich und versuche einen möglichst entschlossenen Gesichtsausdruck darzubieten. Dann nicke ich kurz aber deutlich. Ich halte noch Ausschau nach meinem Unterhemd. Im Zweifel tut es auch die Magierrobe. Eines von beiden würde ich mir noch überwerfen (ich hatte verstanden, dass ich nur mit meiner Pumphose bekleidet bin). Nach Schuhen schaue ich nicht. Dass das untypisch für mich ist fällt mir selbst nicht auf.

    Ramal deute ich einmal mehr dicht an meiner Seite zu bleiben. Mir ist fast am liebsten er streift beständig mein rechtes Bein. Mir macht diese komische Leere ohne ihn etwas Angst. Zwar freut mich, wenn unser Band stark ist, aber da ist so ein komisch falsches Gefühl in meinem Hinterkopf.

    So mache ich denn anstalten dem Jungen zu folgen, der mir hoffentlich den Weg weist.

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