Das Gauklerlager – Tagwerk

Der Tee ist eine kräftige Kräuterteemischung und tut genau, was Raul beschrieben hatte. Schon nach den ersten vorsichtigen Schlucken am heißen Getränk fühlst du dich vitaler und dein Brummschädel verschwindet.

Mit deiner Gegenfrage scheinst du dann genau einen Nerv getroffen zu haben. Raul erklärt dir in blumiger und gleichsam fesselnder Art und Weise was ein Theaterstück ist. Er berichtet von großen Schauspielhäusern im lieblichen Feld, von anderen bekannten Gauklerfamilien, von gewitzten politischen Satiren und der Verfolgung derjenigen, die es wagen solche gewissermaßen gewaltlosen Schwerthiebe gegen die Obrigkeit zu führen.  

Der Blick auf sein Büchlein verrät dir, dass er nicht nur des Schreibens mächtig ist, sondern noch dazu ein guter Zeichner zu sein scheint. Die eine Seite seiner Kladde ist dicht mit Worten beschrieben, die andere skizziert ein Bühnenbild und den Ablauf von Auf- und Abgängen.

Es fällt dir schwer in seine begeisterte Rede deinen geplanten Seitenhieb einzubauen und so beschließt du auf eine passendere Gelegenheit zu warten. „Bleib ruhig und sammle Informationen“ wiederholst du im Geiste dein Mantra.

Um dich herum erwacht derweil das Gauklerlager zum Leben. Hier scheint ein jeder sein ganz eigenes Morgenritual zu haben. Immer wieder kommen Einzelne zu euch, begrüßen dich knapp und nennen ihren Namen, sofern du sie noch nicht kennst und beginnen dann ihr Tagwerk. Andere gesellen sich zu euch und lassen sich von Rauls begeisterter Erklärung kurz in ihren Bann ziehen. Wieder andere scheinen ihren Tag mit körperlicher Ertüchtigung zu starten.

Die Kinder von gestern Nacht stellen sich unterschiedlich geschickt an zu vertuschen, dass sie dich schon kennen. Mada zwinkert dir bei ihrer Vorstellung verschwörerisch zu.

Es ist schwierig zu sagen wie groß die Gemeinschaft ist, aber vom Gefühl her würdest du vermuten, dass die zwei Familien insgesamt mehr Menschen umfassen als die Bauernfamilie.

Unterbrochen wird deine Lehrstunde von lautem Scheppern. Einer der Gaukler schlägt mit einem hölzernen Kochlöffel auf eine Bratpfanne. „So, einen recht schönen guten Morgen alle miteinander. Ich hoffe ihr habt genossen auszuschlafen – das passiert so schnell nicht wieder.“

Allgemeines undeutbares Gemurmel der Zustimmung oder des Widerspruchs.

„Wir wollen trotzdem nicht den ganzen Tag vertrödeln und starten nach dem Frühstück mit dem Tagwerk. Heute proben wir die dritte und fünfte Szene aus ‚Ritter Taugenichts‘.“

Es folgt eine Reihe von Anweisungen und Arbeitszuteilungen, die mitunter in kurze Diskussionen übergehen, weil derjenige sich seinen Tagesablauf scheinbar schon selbst anders geplant hatte. Du bist insgesamt überrascht über die Ordnung, die herrscht.  

„Ich danke dir Ippolito! Wenn ich noch kurz das Wort an euch richten darf“ ertönt nun das angenehme Timbre von Avaris, der sich, von dir unbemerkt, hinter dich positioniert hat.

„Ich möchte euch allen noch unseren Gast Mirya vorstellen. Sie reist in gleicher Richtung wie wir und wird uns ein Stück unseres Weges begleiten. Ich möchte keine Beschwerden angetragen bekommen die Taladuri und Alshinna seien ihrer Gastfreundschaft nicht angemessen nachgekommen!“

Avaris lacht auf und nimmt seiner Ansprache so die Strenge.
[Du kannst hier noch dein Verhalten ergänzen.]

Avaris klopft dir noch einmal freundschaftlich auf die Schulter und verschwindet dann in einem der Wagen. Tanzu ist gleichzeitig hinzugetreten und hält dir einen Holzteller und ein Messer hin. „Frühstück?“

Ihr reiht euch in eine Schlange ein, die sich wie von selbst gebildet hat und vor dem ersten Sprecher endet. Hier wird Brot, Käse und Wurst ausgeteilt. In der Schlange stehend gesellt sich noch Luon zu euch und du hast bemerkt, dass der verschlafene Artist aus eurer Dreierrunde hinter euch Position bezogen hat und dich nun etwas wacher und aufmerksam mustert.

Veröffentlicht von Meister

Die Mächte des Schicksals.

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11 Kommentare

  1. Als Avaris mich vorstellt, stehe ich kurz auf und proste mit meinem Tee in die Runde. Auch lasse ich es mir nicht nehmen noch mit einem Augenzwinkern zu erwidern: „Keine Sorge, bisher fühle ich mich besser umsorgt, als in jedem fürstlichen Haus, in dem ich zuvor zu Gast war! Ich hoffe ich kann mich beizeiten angemessen erkenntlich zeigen.“

    Später in der Frühstücksschlange danke ich auch Tanzu nochmal für die Einladung zum Essen: „Es ist sehr lieb von euch, mich einzuladen. Ich habe keine Vorräte bei mir, die ich mit euch teilen könnte, will mich aber gern im Laufe des Tages nützlich machen – und wenn es nur mit ein paar würzenden Kräutern und Hilfe beim Kochen sei…“ unabhängig von der Antwort möchte ich das Gespräch auch nochmal auf das Theaterstück lenken: „Ihr reist also umher und führt dieses Theaterstück auf, habe ich das richtig verstanden? Ich hoffe es ist nicht unhöflich wenn ich zugebe, dass ich geglaubt hab, ihr wäret eine Art Zirkus oder Menagerie?“ Ich deute in Richtung der Käfige: „Die Wagen… das war wahrscheinlich dumm von mir…“

  2. Tanzu nickt zustimmend und freundlich. „Helfende Hände sind immer willkommen. Wir haben allerhand zu tun, bei dem wir sehr gern auf dein Angebot zurückkommen.“

    Auf deine Fragen lacht sie wieder milde und wirkt dabei so sympathisch, dass dich deine Emotionen im Hinblick auf deine Entdeckung im Kontrast zu dieser freundlichen Gesellschaft zu verwirren beginnen.

    „Warum sollte das unhöflich sein? Jede Form der Gaukelei ist eine ganz eigene Kunst. Außerdem hast du eine scharfe Beobachtungsgabe. Tatsächlich haben wir uns derzeit auf die Inszenierung eines Theaterstücks verständigt, doch bietet es uns nur den Rahmen unsere Talente in Szene zu setzen. Wir möchten unsere Gäste und Zuschauer in eine Zauberwelt entführen und rund um unser Stück versetzen wir das geschätze Publikum in Staunen. Auch schon beim Warten auf den Beginn des Stückes.“

    Tanzus Augen funkeln begeistert als sie das sagt.

    „Du liegst also mit Zirkus und Menagiere gar nicht mal so verkehrt. Ein Vorteil, wenn zwei Familien unterschiedlicher Talente sich zusammentun.“

  3. „Du machst mich wirklich neugierig auf diese Theater- Sache! Vielleicht kann ich die Neugier ja schon bei der Probe gleich ein wenig stillen. Aber sag, was für Kreaturen führt ihr denn in den Käfigen mit euch, und wie stellt ihr sicher, dass sie sich an die vorgeschriebenen Rollen im Stück halten?“

  4. „In dem Theaterstück finden unsere wilden Tiere keine Verwendung. Du musst es dir eher vorstellen wie … nun … also ob du … in eine andere Welt abtauchtest. In die Welt der Wunder und Feen oder dergleichen. Wenn du unseren Zirkus betrittst, dann durchschreitest du das Tor zu einer anderen Welt. Und dort findest du wundersame Wesen, die dir den Weg in das Land von Ritter Taugenichts weisen. Viele von diesen Wesen können etwas Besonderes. Manche sind gefährlich und deshalb in Käfigen eingesperrt. Das heißt, einige von uns spielen Rollen und zeigen in der Rolle ihre Kunststücke. Und ein paar exotische Wesen konnten wir tatsächlich fangen und präsentieren sie in Käfigen.“

    Tanzus Augen leuchten während sie dir zu beschreiben versucht wie der Zirkus funktioniert. In der Zwischenzeit habt ihr euer Frühstück erhalten und während sich auch vor deinem geistigen Auge langsam ein Bild zusammenfügt stärkt ihr euch.
    Danach heißt dich deine Gesellschaft mit dem Strom einiger Gaukler zu folgen und vor das Lager zu kommen. Dort ist mit größeren Gegenständen (einem Fass, einer Kiste, einem größeren Knäuel Stoff und einigen Holzbrettern) ein Bereich abgegrenzt, der wohl die Bühne darstellen soll. Weitere kleinere Gegenstände markieren so etwas wie Bühnenaufgänge. Hinter dieser Probebühne liegen größere gezimmerte Holflächen und Stoffbahnen auf der Wiese ausgebreitet, die von Gauklern bemalt und teilweise mit Sägen bearbeitet werden.

    Du wirst Zeugin einer echten Theaterprobe, ein Spektakel, dem du gern eine Weile zuschaust und bei dem du beinahe deine bestürzende Entdeckung von heute früh vergisst.

  5. Für eine Zeit nimmt mich das bunte Treiben wirklich vollkommen gefangen. Staunend beobachte ich das Treiben um und auf der Probebühne, lasse mich von der erzählten Geschichte fesseln, bei Wiederholungen wandert meine Aufmerksamkeit zu den geschäftigen Bühnenbildnern und Requisiteuren. Das einzige Ereignis, an das ich mich erinnern kann wo so viele Menschen so im Einklang gearbeitet haben war, als auf dem Wetterhof die neue Scheune gebaut wurde, und alle Männer aus den umliegenden Höfen halfen, während all die Frauen ein kleines Festmahl fürs Richtfest bereiteten – aber das war nicht annähernd so unterhaltsam, fröhlich und farbenfroh wie das hier. Erst nach einer geschlagenen Stunde werde ich müßig zuzusehen und beginne umher zu wandern. Mit einem schlechten Gewissen fällt mir Windhorn wieder ein und ich beschließe mich ins Lager zurück zu stehlen und mich nochmal ausführlicher mit ihm zu unterhalten wenn ich eine gute Gelegenheit dazu sehe.

  6. Die Gaukler scheinen sehr im Tagwerk vertieft und man lässt dich frei herumstreifen. Nachdem du dein Wissen rund um die Theaterinszenierung zu Genüge gestillt hast, kehrst du also in den Rund der Wagen zurück und stiehlst dich abermals zum Verschlag Windhorns.

    Dieser sitzt noch immer zusammengekauert im Halbdunkel und nimmt zunächst gar keine Notiz von dir, bis du mit leisem „Pssst, Windhorn“ auf dich aufmerksam machst.

    Er kommt heran, bleibt diesmal aber rechtzeitig stehen um nicht von der Halskette gewürgt zu werden. Du stellst noch einmal fest, dass der Satyr wirklich alt geworden ist. In seiner Heimat müssen Jahre vergangen sein.

    „Ich glaube wir haben einen Augenblick, die Gaukler sind alle beschäftigt. Windhorn, was hat dich denn in meine Welt verschlagen? Du sagtest, dass du nach mir suchtest? Was hat das zu bedeuten?“

    Windhorn schaut dich traurig an: „Mirya, du musst wissen das viele Jahre vergangen sind seit du die Feenwelt verlassen hast. Nachdem deine Gefährten und du Xantele und Zandor den Garaus gemacht hattet, herrschte lange Zeit Frieden. Doch dann wurde Paradus, der Geweihte eurer Welt, böse. Er schwang sich zum Herrscher unseres Landes auf und hat alle Feen unterjocht. In unserer Verzweiflung wurde ich ausgeschickt nach dir zu suchen und dich um Hilfe zu bitten. Wir dachten, dass die Retter von damals uns vielleicht ein zweites Mal helfen könnten.“

    Windhorn seufzt: „Als ich nun selbst in Gefangenschaft geriet, dachte ich es sei alles verloren, doch nun hat das Schicksal dich hergeführt. Das muss ein Zeichen für Hoffnung sein!“

  7. „Das sind schlimme Nachrichten… Ich danke Satuaria, dass sie mich zu dir geführt hat… Es ist doch deine Flöte, die ich auf dem Weg gefunden habe?“ Ich halte sie ans Gitter.
    „Ich möchte euch helfen. Lass uns gleich überlegen, wie. Aber eine Frage beantworte mir bitte noch. Wie kommt es, dass dich diese Menschen gefangen halten? Sie wirken weder grausam noch dumm auf mich.

  8. „Ja, genau es ist meine Flöte. Ich hatte gehofft, dass sie vielleicht gefunden werden würde. Warum mich diese Menschen gefangen genommen haben weiß ich nicht. Ich glaube ihr Anführer ist besessen von Reichtum. Ihr habt doch diese Münzen? Ich glaube er ist ganz wild darauf und hofft mit einem Bewohner der Feenwelt viele Zuschauer anzulocken. Ich habe versucht ihm zu erklären, dass ich kein Tier bin, aber er wollte das nicht hören.“

  9. Mir steigt die Zornesröte ins Gesicht und ich muss mich erneut davon abhalten lauthals die sofortige Freilassung zu fordern. Stattdessen werfe ich Windhorns Flöte behutsam durch das Gitter: „Dann sollst du sie auch zurückhaben. Vielleicht kann sie uns weiter Glück bringen. Also. Ich sehe zwei Möglichkeiten wie wir versuchenkönnen, deine Gefangenschaft zu beenden. Entweder rede ich nochmal mit Avaris, vielleicht hört er einem Menschen eher zu, auch wenn mich deine Worte daran zweifeln lassen. Oder du fliehst heimlich. Gibt es Gelegenheiten, zu denen sie dich aus dem Wagen lassen? Ich denke nämlich nicht, dass ich gegen dies Schloss etwas unternehmen kann.

  10. „Sie geben mir ordentlich zu essen, ja. Aus dem Käfig heraus haben sie mich aber bisher nicht gelassen. Vielleicht gelingt es dir an den Schlüssel zu kommen um den Käfig aufzuschließen und mich von dieser Kette zu befreien. Dann könnte ich mich sicher heimlich davon stehlen und wir treffen uns später irgendwo.“

  11. Kurz schaue ich erschrocken drein, bei dem Gedanken meinen freundlichen Gastgebern etwas zu stehlen, dann überwiegt jedoch mein Zorn über die Ungerechtigkeit, fühlende Wesen zur eigenen Bereicherung in Käfige zu sperren, und ich nicke bedächtig. „Ja, vielleicht… Hast du den Schlüssel bei jemanden gesehen? Wer bringt dir das Essen? Avaris?“ Nach kurzem Abwägen meiner Möglichkeiten ergänze ich: „Wenn ich den Schlüssel nicht finde, brauchen wir vielleicht eine List. Ich habe da eine Idee wie sie mich zu dir hinein lassen könnten. Traust du dir zu, eine Krankheit zu schauspielern? Wie es scheint, werden wir heute nicht weiterziehen. Ich muss ohnehin meine Kräuterapotheke auffüllen. Vielleicht finde ich noch etwas, was uns von nutzen sein kann…“

    Das Gespräch hat mir Zuversicht und ein neues Ziel gegeben. Zunächst warte ich Windhorns Antwort bezüglich des Schüssels ab. Wenn er eine konkrete Vorstellung hat, wo dieser zu finden ist, konzentriere ich mich auf die Suche nach dem Schlüssel. Hat er lediglich eine Ahnung, würde ich diese überprüfen, und falls er dort nicht ist zu meinem Plan B übergehen – welcher auch gilt, wenn er gar keine Idee zum Schlüssel hat.
    Plan B lautet wie folgt. Ich würde mich im Lager für ein paar Stunden verabschieden und im umliegenden Wald auf Kräutersuche gehen. Dabei halte ich Ausschau nach:
    A) Schmackhaften Zutaten für das Mittagessen
    B) Sinnvollen ergänzungen zu meiner Heilkräutersammlung
    C) Nesseln oder ähnlichem, was einen Hautausschlag verursacht ODER einer Pflanze, deren (milchig weißlicher?) Saft sich eignet, um eine Blässe vorzutäuschen (oder Röte oder Eiter…)
    Mein Heilkunde- Wissen auf diese umgekehrte Weise zu verwenden, verursacht mir eine diebische Freude (und du darfst mir gerne andere Ideen andichten) – der Plan ist in ungefähr folgender: ich würde mich im Lager nach dem Schlüssel umschauen und mir Gedanken machen, wie ich an diesen herankomme. Kann ich ihn lokalisieren gehe ich nicht auf Kräutersuche. Habe ich hingegen keine Idee, wo nach dem Schlüssel zu suchen ist, werde ich dessen Benutzung provozieren, indem ich vor meiner Kräutersuche beiläufig fallenlasse, dass ich mich auf Heilkunde verstehe, nach eventuellen Hilfsbedürftigen im Lager fragen, und Windhorn nach meiner Rückkehr instruiere, den Kranken zu mimen (ggf unter zurhilfenahme eventuell gefundener, pflanzlicher Hilfsmittel). Vielleicht lässt man mich ja zu ihm, um meine Heilkunst zu demonstrieren. Auf jeden Fall beobachte ich aufmerksam, wer nach ihm schaut, und wo anschließend der Schlüssel verbleibt.

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