Auftakt (3)

„Ein wirklich wunderschöner Tag war das“, denkst du bei dir, als du dich wohlig auf deinem Fell zusammenrollst. Nicht nur, dass ihr ein gutes Stück eures Weges voran gekommen seid, du hast zudem auch noch einem Waldtier helfen können (wenn auch nicht so, wie du es dir gewünscht hattest). Außerdem war der Abend mit Lorian ausgesprochen lustig. Sein Gesichtsausdruck, als du mit seinem Lendentuch wedelnd in den Bach gestiegen kamst, war wirklich unvergleichlich. Vor lauter Schreck fiel er rücklings ins Wasser und es war ein leichtes ihm den Schwamm abzujagen. Wenn jedes deiner Wurfgeschosse so sicher sein Ziel träfe, wie der Schwamm Lorians Gesicht, könntest du damit auf jedem Messerwurf-Wettbewerb antreten. Du lachst ein wenig in dich hinein. Gerade auch bei dem Gedanken daran, dass der verblüffte Krieger anfangs scheinbar viel zu perplex war um überhaupt in irgendeiner Weise zu reagieren, geschweige denn sich sein Lendentuch schnell wieder anzulegen. Erst nachdem er diesen Kampf gewonnen hatte, fasste er sich und stieg auf deine Spielerei ein.
Es hatte dich überrascht mit welcher Kraft Lorian dich einfach von den Beinen heben konnte, um dich ein Stück weit von sich weg ins tiefere Wasser zu schleudern. Lachend wart ihr dann zum Lagerplatz zurückgekehrt und du hattest begonnen das Abendessen zu bereiten. Eichhörnchen hatte meckernd auf dich gewartet und war dir den Rest des Abends nicht von der Schulter gewichen.
Ob dein Vertrauter ein wenig eifersüchtig ist?

Nach dem Abendessen [dessen ge- oder misslingen du selbst mit einer Kochen-Probe bestimmen kannst] habt ihr euch dann gegenseitig Geschichten erzählt, ehe es sich ein jeder auf seinem Lager bequem gemacht hatte. Lorian erzählte dir die Sage der Dschinni, ein Märchen über einen tollkühnen Gauklertrupp zu Zeiten der finsteren Hela Horas, deren Inhalt dich auf das Ziel deiner Reise sein sollte.
Du wiederum kramtest in deinem Gedächtnis und erzähltest ein Märchen, dass dir Rauma vor einigen Jahren in einer kalten Winternacht erzählte, wobei du dir nicht mehr sicher bist, ob es nicht eigentlich zwei verschiedene Geschichten waren, die du hier als ein Märchen vortrugst. [Sagen/Legenden-Probe]
Mehrfach verhaspeltest du dich bei deiner Erzählung, wenn dein Gegenüber dich so von unten her, eindringlich aber offensichtlich wohlwollend mit seinen dunklen Augen ansah. Jetzt schaust du nur noch zu den Sternen und dem vollen Rund des Madamals hinauf, der zwischen dem Blätterdach der Eiche hindurch scheint.

„Mirya, kommst du nun endlich?“ hörst du da eine vertraute Stimme rufen.
Du bist nicht sicher, ob du kurz eingenickt warst, oder ob du die ganze Zeit wach dagelegen hast, aber als du aufschaust zeichnet sich auf der Wiese gegen den hellen Nachthimmel eine Silhouette ab.

„Na komm schon, wir wollen spielen!“ ruft dir die fremdartig vertraute Stimme zu und die Gestalt trippelt aufgeregt von einem Fuß auf den anderen. Etwas unbeholfen rappelst du dich auf und gehst langsam auf den Jungen (den Mann?) zu. Etwas beginnt …

Viel stärker als in jeder bisherigen Nacht nimmst du die Kraft der Urmutter mit all deinen Sinnen wahr. Der kühlwarme Nachtwind duftet nach Wachstum, die Nacht schmeckt bitter und süß zugleich, Stimmen scheinen dir geheime unhörbare Botschaften zu flüstern und über dir breitet sich äonenweit der Sternenhimmel zum greifen nah aus. Deine Hände sind festgekrallt in deinem Untergewand und spüren jede Pore des gewebten Materials. Das Gras kitzelt deine nackten Füße als du vorsichtig voranschreitest.

„Komm schon Mirya, du bist doch sonst nicht so langsam?!“ raunt ER dir in seinem angenehmen Timbre zu. Seine Mähne aus rostroten, kinnlangen Haaren steht wild in alle Richtungen und rahmt sein altersloses Gesicht ein. Die braunen Augen mit den fein gezogenen Augenbrauen, die Stupsnase und die feine Form seines mit einem Lächeln umspielten Mundes scheinen sich mit jeder seiner Bewegungen leicht zu verändern. Du kannst nicht sagen, ob der Junge, der dich freudestrahlend hier in der mondklaren Nacht auf der Wiese erwartet, 14 oder vielleicht doch schon 20 Götterläufe zählt. Auch sein übermäßig schlanker und doch drahtiger, kaum anderthalb Schritt hoher Körper lässt keine Rückschlüsse auf sein Alter zu. Um die Brust hat er einen kleinen, bestickten Beutel geschnürt. Er trägt eine knielange, ebenfalls rostrote Pumphose aus fein gewebtem Stoff und kelchartig geschnittene Halbschuhe. Als du ihn erreichst ergreift er mit seinen langen, schlanken Fingern deine Hand und krallt sich mit seinen langen Fingernägeln in ihr fest. Es fühlt sich vertraut an und du folgst ihm willig, als er dich ein Stück weit zum Wald hinüber zieht.

An einer großgewachsenen Buche macht er halt und beginnt behände an dem Stamm hinaufzuklettern, wobei seine Füße und Hände treffsicher guten Halt finden.
[Bitte würfle eine Klettern-Probe +4, bei deren Misslingen ER dir eine helfende Hand reicht und bei deren Gelingen du ein beeindruckendes Nicken erhältst.]

Auf einem bequemen, großen Ast lässt er sich nieder, die Beine links und rechts hinab baumelnd. „Hast du mir ein Spiel mitgebracht?“ fragt ER dich und schaut dich erwartungsvoll an.
[Ja, was für ein Spiel hast du IHM mitgebracht. Etwaige Utensilien (sofern es sich um reale, in der Gegend oder eurem Lager existente Gegenstände handelt) zaubert ER wie selbstverständlich aus seiner kleinen Tasche. Überdenke dein Tun genau …]

Veröffentlicht von Meister

Die Mächte des Schicksals.

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1 Kommentar

  1. „Folgendes: Wir spielen zunächst einmal das altbewährte Versteckspiel. Dazu muss ich doch nicht allzu viel erklären, nehme ich an, oder?“

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