„Es freut mich, dich kennenzulernen, Hane! Ich bin Mirya. Dieser wackere Recke ist mein Geleitschutz Lorian.“ stellst du euch zunächst vor. „Nun, eigentlich sind mein Reisegefährte und ich auf dem Weg nach Khunchom …“ beginnst du zu erklären, stellst aber an Hanes Gesichtsausdruck fest, dass ihm eine so weit entfernte Stadt wahrscheinlich zur Gänze unbekannt ist. „… eine Stadt sehr weit im Süden des Kontinents. Noch jenseits des … Raschtullswalls …“ stotterst du jetzt, ein wenig in deinem Schwung gebremst. Etwas unwirsch schließt du: „Jedenfalls habe ich dort eine wichtige Botschaft zu überbringen. Und Lorian begleitet mich als mein Beschützer.“ du klopfst Lorian dabei anerkennend auf die Schulter. „Er ist bewandert im Schwertkampf musst du wissen.“
„Verstehe. Zahori seid ihr also nicht, wenn ich das richtig sehe“ antwortet Hane plötzlich fast ein bisschen verstimmt, wobei dir der plötzliche Stimmungswechsel nicht richtig verständlich werden will.
„Zahori? Gaukler? Oh nein, das sind wir tatsächlich nicht. Wirkliche Kunststücke können wir also nicht bieten, wenn es das ist, was dir als Gegenleistung für ein Nachtlager vorschwebt. Wir …“
„Oh nein!“ unterbricht Hane dich schnell, überrascht über deine Schlussfolgerung. „Nichts für Ungut, am besten ihr kommt erst einmal mal mit hinein und wärmt euch am Feuer ein wenig auf, dann sehen wir weiter.“
Du bist dir alles in allem nicht sicher, ob das bisher ein besonders glückliches Gespräch war (warum nur lässt sich mit fremdartigen unwirklichen Koboldkönigen leichter parlieren als mit einem doch sehr real menschlichen Bauern?), freust dich aber dennoch über die Einladung ins Haus.
An die Meute Kinder gewandt fährt Hane in befehlendem Ton fort: „Und ihr steht nicht dumm herum und starrt Löcher in die Luft. Eran, du hilfst deinem Bruder beim Dach, während ich mit den Zweien hier im Haus bin, und ihr anderen macht euch nützlich!“
Die Meute Kinder steht noch einen Moment etwas verdutzt da, verzieht kollektiv enttäuscht das Gesicht, zerstreut sich dann aber in alle Richtungen auf dem Hof. Nur der seltsame Junge mit den zauberhaften Augen bleibt wie angewurzelt an seinem Platz stehen.
„San, das gilt auch für dich. Tu zur Abwechslung mal was.“ schelt Hane das Kind. Ein anderer Junge, der ebenfalls noch keine besonderen Anstalten gemacht hat sich zu trollen, schubst den San genannten Jungen gehässig in eine Pfütze. „Ja, genau du Missgeburt, tu zur Ab…“
„Beorn, genug!! Lass ihn jetzt in Ruhe. Sollen unsere Gäste denken wir seien eine verrohte Orkrotte?“
Damit wendet sich Hane ab und geht auf die Haustüre zu. Du drehst dich noch einmal um, ob der Junge seinem Vater folge leistet, aber außer San eine rüde Prügelgeste zu zeigen, tut Beorn tatsächlich nichts mehr. Dir tut San leid, wie er sich ohne auch nur eine Miene zu verziehen aus der Pfütze aufrappelt, seine Kleider vom gröbsten Dreck befreit und dann mit hängenden Schultern davon trottet.
Fast an der Tür angekommen, werdet ihr von einem kleinen Mädchen abgefangen. Sie kann höchstens 4 Götterläufe zählen, hat ein rundes Gesicht, große braune Kulleraugen und leuchtend rote Wangen. „Papa, du wirst aber diese Fremden nicht davonjagen wie beim letzten Mal, oder? Sie sehen so nett aus.“
„Ähh, hier wird niemand einfach so davongejagt“ antwortet Hane seiner Tochter mit einem nervösen Seitenblick auf euch. „Jedenfalls nicht ohne Grund! Hilf deinen Schwestern bei den Pferden, los, los.“ Die Kleine lächelt euch noch breit an und macht sich dann auf ihren kurzen Beinen auf den Weg quer über den Hof zum Pferdestall. Hane deutet euch einzutreten.
Nun sitzt ihr seit einer knappen Stunde vor dem großen Kamin in der Bauernstube. Das wärmende Feuer tut euch zwar gut und die Schale Suppe zwischen euren Händen lässt eure Lebensgeister wieder etwas erwachen, aber ein seltsames Unbehagen hat von dir Besitz ergriffen. Zwar hatte Hane nach dem Eintreten eure Verlegenheit durch die Frage seiner kleinen Tochter zu zerstreuen versucht – „Wisst ihr, manchmal muss man als Vater einer so großen Familie zwischen Travias Tugenden, der Gastfreundschaft oder der Sorge um die Familie, gut abwägen, nicht?“ – aber die etwas Misstrauischen Blicke der anwesenden Frauen und ihr fast greifbares Schweigen tun ihr Übriges.
Zunächst hatte Hane euch seiner Frau vorgestellt. Ein junges Ding, dass etliche Götterläufe jünger sein dürfte als er selbst, mit dem Namen Ethel (mit gesprochenem h). Sie begrüßte euch zwar freundlich, aber mit noch größerem Misstrauen im Blick als Hane selbst. Mit ihr in der Stube sind noch zwei weitere Frauen, Mägde wahrscheinlich, die am Fenster Spinnräder bedienen und seit eurer Anwesenheit versuchen, sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren statt euch pausenlos neugierig anzustarren.
Dann wies er euch einen Platz am Kamin, an dem ihr euch zunächst einmal ausruhen und aufwärmen solltet. Währenddessen beschrieb er euch seiner Frau als „Wanderer von weit her“.
Ethel schöpfte euch zwei Portionen Suppe in die Holzschalen und überspielte ihr Misstrauen etwas hilflos: „Nehmt ruhig nach, ihr müsst nach eurer langen Reise hungrig sein.“
„Danke, das ist sehr freundlich von dir!“
Dann nahm sie selbst wieder in einem Schaukelstuhl nahe dem Feuer Platz und griff ihre Stickarbeit wieder auf, die sie mit eurem Eintreten unterbrochen hatte.
Hane entschuldigte sich, er müsse bei den Arbeiten auf dem Dach helfen. „Yann ist nicht schwindelfrei, er kann nicht oben auf dem Dach arbeiten“. erklärt er kleinlaut. Diese Schwäche seines Sohnes schien ihm äußerst peinlich zu sein.
Während du in deine Schüssel starrst überlegst du, warum dich dieses offensichtliche Misstrauen der Bauern ausgerechnet jetzt so sehr lähmt und du dir nicht mehr sicher bist, wie man sich in einer solchen Situation richtig verhält. Es ist ja nicht so, als wärest du genau diese Haltung nicht aus deinen Ausflügen mit Rauma gewöhnt. Vielleicht liegt es daran, weil die Bauern in einer solchen Situation ja immer etwas von EUCH wollten. Jetzt ist die Sache ja genau umgekehrt.
Oder hast du durch die vergangenen Monate vielleicht den Bezug zur realen Welt verloren? Dein Vorsatz durch freundliche Offenheit das Misstrauen des Gutsherren und seiner Frau zu zerstreuen ist jedenfalls gründlich schief gegangen …
[Möchtest du noch einen Versuch starten das Gespräch mit der Bauersfrau zu beginnen oder lässt du dich von deinem Unbehagen übermannen und wartest still auf Hanes Rückkehr? Vielleicht verhältst du dich aber auch anders als bisher beschrieben? Dann ist jetzt nochmal die Gelegenheit dein Verhalten umzugestalten!]
Jedenfalls würde ich nochmal zaghaft versuchen, ein Gespräch ans Laufen zu bringen, a la „Eine hervorragende Suppe, erstaunlich, dass ihr in dieser Jahreszeit so gute Karotten (oder sonst was, was da drin ist) habt, die sind doch bestimmt aus eigenem Anbau?“ Und wenn die Bauersfrau darauf nicht einsteigt, würde ich tatsächlich erst mal in brütendes Schweigen versinken, bis Hane zurückkehrt, oder sich die Situation sonst irgendwie ändert. Wenn es sich anbietet würde jede Gelegenheit nutzen der angespannten Situation zu entrinnen, und vielleicht vorschlagen, den Mädels bei den Pferden zu helfen oder sowas. Vielleicht kommt man mit den Kindern oder dem Gesinde ja leichter ins Gespräch, wenn man nicht „unter Beobachtung“ steht … Und besonders gespannt bin ich natürlich mehr über den „seltsamen“ Jungen rauszukriegen, oder sogar ein Gespräch mit ihm zu führen.