Kräutersuche (13)

„Abgemacht, bei Phex!“ jubelt Beorn. „Komm mit Mirya!“ „Beorn!“ mahnt Ethel und schaut ihn vielsagend an. „Denk bitte daran, dass wir hier nicht in einer Stadt sind. Es treibt sich wildes Getier da draußen herum bei Nacht und Schlimmeres. Denk dran, dass Harad vor kurzem erst eine Rotte Orks durch unser Land ziehen sah. Mirya ist für sich selbst verantwortlich, aber du …“ „… bist auch für deinen kleinen Bruder verantwortlich, schon verstanden. Ist ja gut Ethel. Wir passen schon auf. Und was die Schwarzpelze angeht, denen kommen wir schon bei, sollten sie uns über den Weg laufen. Nichts käme mir gelegener als einigen von denen mein Messer über den Hals zu ziehen.“ Beorn wendet sich ab, wartet dann aber an der Haustüre auf dich. Einen Augenblick stehst du etwas unentschlossen da. „Wir sind ganz vorsichtig, versprochen!“ versuchst du Ethel zu beruhigen, entziehst dich dann aber ebenso schnell jeder weiteren Diskussion, indem du Beorn nacheilst. Gern hättest du Lorian noch schnell über deine Pläne informiert, aber ein Blick in die Runde verrät dir, dass Lorian – wie die meisten anderen – offenbar zu Bett gegangen ist.

Beorn überquert den Hof und klettert akrobatisch fast freihändig mit Brin auf dem Rücken eine Stiege herauf, die in den Bereich oberhalb des Überstands neben dem Haupttor führt. „Warte unten, bis ich ein wenig Licht gemacht habe, Mirya.“ raunt dir Beorn von oben zu und hat schon eine Kerze entzündet, so dass du endlich siehst, wohin du trittst. Du kletterst ihm nach und kommst in einem engen, niedrigen Flur heraus, von dem, wie schon im Haupthaus, einige Türen abgehen, aber auch eine steile Treppe weiter nach oben führt. Die Treppe endet direkt vor einer Tür, hinter der sich eine winzige Kammer mit zwei Strohlagern und einer kleinen Truhe auftut. Beorn lädt seinen Bruder sanft auf einem der Lager ab und deckt ihn dann noch mit einer Decke zu, die unordentlich quer über dem Lager gelegen hatte. Dir fällt ein kleiner, verfilzter Stoffbär vor die Füße, der aus der Decke gekullert ist. Beorn nimmt ihn dir ab und drückt das Tier seinem Bruder in den Arm. Abschließend öffnet er die Truhe und kramt etwas darin herum.

Die Truhe scheint einen doppelten Boden mit einem Geheimversteck zu haben. Soviel bekommst du mit, obwohl Beorn versucht das Versteck mit seinem Körper abzuschirmen. Dir fällt aber auch noch auf, dass im Raum ein seltsamer Geruch liegt, neben dem seiner menschlichen Bewohner natürlich. Dieser „Duft“ kommt dir bekannt vor, du kannst ihn aber nicht recht zuordnen. Da fällt dein Blick nach rechts auf Beorns Decke: Sind das nicht feine Haare überall auf der Decke?

Nach einem kurzen Augenblick scheint Beorn gefunden zu haben, was er sucht. Stolz hält er dir einen auf den ersten Blick recht edlen Langdolch hin. „Damit sollten wir unbeschadet durch die Nacht streifen können. Komm!“ Während er sich die Dolchscheide an seinem Gürtel befestigt steigt er schon wieder die Stiege hinab. Draußen verlasst ihr das Gehöft durch das Haupttor, das Beorn hinter euch vorsichtig wieder schließt. Die Nachtluft ist angenehm kühl, es hat endlich aufgehört zu regnen und die Sichel des fast verschwundenen Mondes scheint durch die Wolkenfetzen, so dass ihr auch ohne die Laternen, die Beorn schnell noch gegriffen hat, ein wenig sehen könnt.

„Wo wachsen denn die Kräuter die du suchst? Brauchen wir einen Wald? Oder einen Flusslauf oder sowas?“ fragt er dich, als ihr dem Weg vom Haus weg folgt.
„Hmm, ein Wald wäre nicht das Schlechteste, das ist schon richtig…“ überlegst du laut. „Gut, dann komm. Ein Stück weit südlich von hier ist ein kleiner Waldstrich. Dort habe ich mit Brin schonmal Hütten gebaut. Eine davon benutzen wir manchmal noch immer als Versteck.“ „Na, dann habe ich ja scheinbar einen wildniserfahrenen Begleiter, was?“ lachst du.
„Na ja, geht so. Eigentlich bin ich eher dem Stadtleben zugetan. Ich weiß nicht, ob dieses Bauernleben auf die Dauer etwas für mich ist. Andererseits, da hat Ethel schon recht, es geht halt nicht nur um mich … aber lassen wir das. Verrat mir lieber, was die alte Hexe mit dir gemacht hat, dass du auf einmal so erpicht darauf bist, ihr etwas Gutes zu tun?“

Wie er das so sagt … du magst es nicht, wenn Leute das Wort Hexe als Schimpfwort benutzen, auch wenn du selbst dich ja nicht als Hexe sondern als Tochter Satuarias bezeichnest.

Veröffentlicht von Meister

Die Mächte des Schicksals.

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2 Kommentare

  1. Jetzt war ich aber schnell 🙂 Hatte nur mal so aus langeweile auf den feed geklickt und da war was neues!!!
    Übrigbehaltene TaP* 6 und 5

  2. „Beorn, so spricht man nicht über die Älteren! Wer weiß was deine Großmutter in ihrem Leben erlebt hat, dass sie so … hart hat werden lassen. Ich glaube dass ich ihr mit meiner Medizin etwas Schmerz nehmen kann – gegen fast alle Leiden des Körpers und des Geistes ist das ein oder andere Kraut gewachsen!
    Aber sag, was kennst du denn vom Stadtleben – ist es nicht einige Tagesmärsche von hier bis zur nächsten Stadt?“

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