Für einen kurzen schwachen Augenblick denkst du sogar darüber nach, ihm eine boshafte Hexerei angedeihen zu lassen, lässt davon aber schnell wieder ab und stapfst davon. Erst als du durch das halb geöffnete Haupttor des Gehöfts schlüpfst, blickst du zurück um zu schauen, wo der freche Bursche abgeblieben ist. Offensichtlich hat er erkannt, was gut für ihn ist und ist dir entweder mit dem nötigen Abstand oder vielleicht sogar gar nicht gefolgt. Du greinst die Zähne übereinander. Wie kann dieses halbe Kind es nur wagen, dich so durcheinander zu bringen. Im Innenhof stehst du dann etwas unschlüssig herum. Du weißt nicht recht, wohin mit dir. Die Angelegenheit mit diesem Riesen hat dir schon gehörig zugesetzt und dann meint auch noch so ein Landbursche seine pubertären Gelüste an dir auslassen zu müssen … Na ja, auf der anderen Seite hast du gut reden. Besonders abgebrüht oder cool hast du ja auch nicht gerade reagiert.
Jedenfalls bist du nicht sonderlich müde, das ist ein unumstößliches Faktum. Vielleicht ist es tatsächlich keine schlechte Idee jetzt einfach noch mit dem Brauen der Salbe zu beginnen. Das sollte dich von unnötiger Grübelei abhalten. Sich jetzt auf einem Lager hin und her zu wälzen wäre überdies reine Zeitverschwendung.
Entschlossen gehst du also hinüber zum Haupthaus und schleichst in die dunkle Stube. Zu deiner Freude glimmen im Kamin noch einige Scheite. Zunächst feuerst du wieder ordentlich an, ehe du zwei herumstehende, kleine Kessel halbvoll mit Wasser füllst. Den einen wirst du zum Bereiten der Salbe nutzen, in dem anderen willst du dir einen beruhigenden Kräutertee kochen. Danach sammelst du einige Kochutensilien zusammen, entzündest eine Kerze und breitest alles zusammen mit den Kräutern auf dem Tisch aus. Emsig beginnst du alles im Wald Gesammelte mit einem Messer zu hacken, schneiden und für die Salbe vorzubereiten. Du bist erstaunlich wenig fahrig und gut konzentriert bei der Sache. Eikiko hockt mit einer Nuss auf dem Tisch und schaut dir begeistert zu. Du bemerkst gar nicht wie die Zeit verfliegt und über das Brauen deines Tees bist du völlig hinweggekommen, als du sehr konzentriert deine Emotionen auf die kranken Hände der alten Rauma lenkst, aus dem hintersten Winkel deines Gaumens Rotze zusammenräusperst und energisch in die brodelnde Paste hineinspuckst [Bitte eine Kochen-Probe ablegen und HEXENSPEICHEL wirken, beides ist trotz oder gerade aufgrund deiner heftigen Emotionen nicht erschwert. Obwohl nicht explizit genannt ist dir diese Variante des HEXENSPEICHELS bekannt.]
„Ist das die übliche Vorgehensweise beim Brauen von Salben? Ich hoffe ich werde nie wieder krank.“ vernimmst du da eine Stimme, die du eigentlich nicht hören willst. Ohne dich umzudrehen erwiderst du scharf: „Halt dich aus Sachen raus, von denen du nichts verstehst, BÜRSCHCHEN.“ Das war gut denkst, du bei dir. Das gezischte Bürschchen hörte sich rechtgehend hexenhaft an, genau wie du es intonieren wolltest. Vielleicht sollte man dich häufiger derart in Rage bringen, dann gehen dir Dinge erstaunlich leicht von der Hand.
„Mirya, bitte … sei mir bitte nicht mehr böse. Ich wollte … also …“
„Beorn, geh ins Bett.“ sagst du ruhig und wendest dich ihm zu, weil Eikiko auf dem Tisch zu meckern begonnen hat. Beorn hat sich an den Tisch gesetzt. Auf seiner linken Schulter sitzt ein kleines Wiesel, das sich gerade anschickt seinen Arm herabzuklettern. Mit der rechten Hand streichelt Beorn Eikiko.
„Mirya, ehrlich, es tut mir Leid. Ich wollte dich nicht so übertölpeln, ich hatte da wohl irgendwie … Bitte entschuldige.“
„Recht hast du dich zu entschuldigen, das war eine Frechheit – aber ich muss schon sagen, da gehörte eine ordentliche Portion Mut dazu.“ lachst du jetzt.
„Ach, einen so gefährlichen Eindruck machst du nun auch wieder nicht. Du wirkst jedenfalls harmloser als dieses Monstrum von vorhin.“ grinst Beorn dich an und macht eine wegwerfende Handbewegung. Seine Gesichtsmuskulatur hat sich deutlich entspannt und du hoffst inständig, dass er seine Entschuldigung auch wirklich ernst meint.
Andererseits bist du froh, dass du nicht genötigt bist, selbst vom Thema abzulenken, da Beorn dir gerade eine gute Vorlage geliefert hat.
„Ja, sag mal, ist deinem Bruder und dir denn bisher in dem Waldstück nie etwas aufgefallen. So ein Ungetüm übersieht man doch nicht einfach so. Und seien es nur riesige Fußspuren. So etwas schwebt doch nicht durchs Unterholz?“
„Ganz sicherlich wohnt dieses Ungetüm nicht in ‚unserem‘ Wald und ist auch bisher nie dort gewesen. Sooo riesig ist der Wald ja noch nicht einmal, auch wenn das in finsterer Nacht einen etwas anderen Eindruck macht. Das sind höchstens einige Rechtmeilen, leicht an einem Tag zu durchkämmen.“
Zwischen dem Brauen deiner Salbe, einem heißen Tee und der Beschäftigung mit euren Haustieren (dich überrascht das Wiesel vermutlich nicht allzu sehr) mutmaßt ihr noch lange Zeit über die Absichten und das Woher der Waldbesucher, ohne dabei recht zu einem Ergebnis zu kommen.
Ehe ihr euch verseht hat sich die Dunkelheit in Zwielicht verwandelt. Erst der laute Schrei des Hahnes macht euch bewusst, dass ihr wohl die ganze Nacht wach gewesen seid.
„Ach du je, es ist ja schon Morgen …“
„Ups, ich glaube, ich sehe mal zu, dass ich Wiesel wieder in mein Zimmer bringe, ehe Hane in die Stube kommt. Wir sehen uns später beim Frühstück Mirya!“
Damit verschwindet Beorn und du kannst durchs Fenster beobachten, wie er den Hof überquert und die Stiege zu seinem Zimmer empor klettert. Du bist sehr froh, dass ihr euch jetzt den Rest der Nacht so unverfänglich und nett unterhalten konntet. Damit ist zwar der Kuss nicht vergessen, aber immerhin sind deine aufgewühlten Gefühle wieder etwas beruhigt und du wirst beizeiten nochmal genauer und rationaler über die Angelegenheit nachdenken können.
Von oben hörst du Geräusche. Das Leben auf dem Hof beginnt, gerade kommt Ethel die Stiege herunter … [Wie planst du deinen Tag, wem erzählst du was und hast du zum Verlauf der Nacht noch etwas hinzuzusetzen, besteht vielleicht doch noch Bedarf Beorns forsches Auftreten weiter zu maßregeln oder darüber zu sprechen?]
Kochen 9 TaP*, Hexenspeichel 5 ZfP*
Was meine Pläne für den heutigen Tag angeht:
Zunächst gehe ich Ethel beim Bereiten des Frühstücks zur Hand und plaudere dabei unverfänglich über Beorn, wie nützlich er sich bei der Kräutersuche doch gemacht hatte. Der Kuss bleibt ganz unerwähnt, er hat sich entschuldigt, und soweit er weiter „brav“ ist, soll es damit vergeben und vergessen sein. (Auch mit ihm wäre ich am frohsten, wenn einfach nicht weiter drüber geredet wird)
Dann biete ich an, der alten Dara ihr Frühstück aufs Zimmer zu bringen, zusammen mit meiner Salbe – werde dann nur kurz bei ihr bleiben, mich aber bei ihr erkundigen, ob sie irgendetwas über den Wald und Riesen und Orks weiß. Mit ihr würde ich dann einen späteren Zeitpunkt ausmachen, wann ich für einen längeren Zeitraum kommen kann um etwas zu lernen – als Vorwand zurückzukommen habe ich ja ein erneutes Auftragen der Salbe sowie ein Erkundigen ob sie wirkt.
Dann setze ich mich zum Frühstückstisch dazu und beteilige mich an allgemeinen Gesprächen.
Was das Erkunden des Lagers angeht, treibt meine Neugier mich dazu das Lager zunächst noch einmal alleine (d.h. mit Lorian und Eikiko) zu erkunden. Daher möchte ich in dem nächtlichen Gespräch zunächst von Beorn erfahren, was seine morgentlichen Pflichten auf dem Hof sind.
– ist er den Vormittag verplant, werde ich ihn überzeugen die Geschichte mit dem Riesen zunächst nicht an die große Glocke zu hängen, um keine Panik loszubrechen, und ihn bitten bis mittag mit den Männern einen kleinen, bewaffneten Erkundungstrupp zusammenzustellen, Frauen und Kinder wollen wir ja zunächst nicht ängstigen. In dem Fall erzähle ich ihm gar nicht, dass ich schon vorher los will und gehe heimlich. Das ist dann meine kleine Rache und ich genieße auch ihn nicht dabei zu haben, kann ich dann doch meine Magie frei einsetzen falls nötig, und schließlich weiß man ja nie, ob er beim Anblick der Orks nicht gleich wieder überreagiert.
– kann er sich loseisen, werden wir ihn wohl mitschleifen. Auch da weise ich ihn an, allen anderen gegenüber bis mittag stillschweigen zu bewahren, wir wollen doch erst selber nochmal bei Tageslicht gucken, wahrscheinlich schläft der Riese nach so einer wilden Nacht ja jetzt und wir können erst nochmal gucken, bevor wir mit den Mistgabeln losziehen, aber für Notfälle hätten wir ja den großen Krieger Lorian dabei. In dem Fall reiße ich ziemlich das Kommando an mich und strahle soviel selbstsicherheit aus, dass er gar nicht erst wieder ins Fürchten kommen kann (außerdem liegt ihm jetzt ja bestimmt doppelt daran, einen mutigen Eindruck zu machen)
Quintessenz ist also – wir erzählen erstmal nichts über unsere Begegnung mit dem Riesen, wohl aber, dass wir ein Lager, samt Feuerstelle entdeckt haben, was wir nochmal im Hellen genauer in Augenschein nehmen wollen, ob Lorian uns da begleiten kann.
Sonst werde ich nur der alten Dara die ganze Wahrheit schildern. Die frage ich vielleicht sogar mal, was sie eigentlich von Beorn hält 😉
Äh, ja. Der weitere Tagesablauf hängt dann davon ab, was wir beim Lager finden. Lorian wird auf dem Weg dahin übrigens auch eingeweiht.