Matt lächelnd nickt Beorn zustimmend. „Komm“ forderst du und machst eine nickende Bewegung in südliche Richtung. Im stillen schickst du Eikiko die gedankliche Bitte, dir ein wenig bei der Orientierung zu helfen, bist du doch zumindest noch so durcheinander, dass du nicht hundertprozentig sicher bist, gleich die richtige Richtung einzuschlagen. Sofort springt dein Vertrauter auf den Waldboden und hüpft fidel ein Stück davon. Beorn und du eilt hinterher. Schneller als erwartet habt ihr den Pfad zurück zum Gehöft erreicht und hier auf der freien Fläche der Wiesen und sanften Anhöhen fällt der Schrecken – zumindest von dir – schnell wieder ab. Im Dunkel des Waldes konntet ihr dem Drang, euch immer wieder nach Verfolgern umzuschauen, nicht wiederstehen. Auch eure Schritte waren sehr zügig, ja fast hektisch. Hier – fernab der Schreckensschreie – verfallt ihr jetzt wieder in euren normalen Trott. Deine Hand streicht über deine Tasche. Trotz dieses haarsträubenden Zwischenfalls hast du einige nützliche Kräuter gefunden. Immerhin. Beorn hat auf eurem Rückweg kein Wort mehr gesprochen und ein Gefühl hat dich davon abgehalten, ihn weiter aufzumuntern oder die Ereignisse weiter zu besprechen. Dazu werdet ihr gleich beim Tee noch Gelegenheit haben.
Als das Gehöft in Sichtweite kommt drehst du dich um. Beorn war einige Schritte zuvor stehen geblieben. „Was ist los?“ fragst du, ein wenig beunruhigt. „Verdammter Orkdreck!“ schimpft Beorn und tritt nach einem imaginären Gegenstand. „Wie stehe ich denn jetzt da? Ich hätte es sein sollen, der den kühlen Kopf bewahrt und dich vor dem Ungetüm rettet. Stattdessen regelst du die Angelegenheit als ob du tagtäglich nichts anderes tätest. Und zu allem Überfluss hab ich uns auch noch in diese Lage manövriert.“
Du stehst zunächst einen Herzschlag lang etwas unentschlossen da. Seine Gedanken sind wirklich ein wenig erheiternd. Als du auf ihn zugehst um ihm zu antworten, schaut er dich vielsagend von unten her an.
„Beorn, ehrlich, das ist doch nun wirklich kein …“ beginnst du und möchtest ihn aufmunternd anschauen, als er sich dir überraschend entgegen reckt und dir einen Kuss aufdrückt. [Einen Augenblick bist du überrumpelt, doch dann …]
… schubse ich ihn überrascht und entschlossen zurück. „Hey, sowas mache ich jedenfalls schonmal nicht tagtäglich!“ (So hatte ich mir meinen ersten Kuss irgendwie nicht vorgestellt) Ich wirke etwas unsicher. Einen Moment lang mustere ich ihn mit einer Mischung aus Wut über die Überschreitung privater Grenzen und Überraschung über seinen Mut und seine verqueren Gefühle – dann drehe ich mich einfach um und fliehe in Richtung Gehöft. Männer… Hat man doch tatsächlich nur Ärger mit denen… Jedenfalls waren in mir noch keine großen romantischen Gefühle für diesen irgendwie noch kleinen Jungen, der schon ein Mann geworden ist, ohne dass er es selbst komplett begriffen hat wach geworden. Ich meine – irgendwie süß von ihm, und irgendwie aufregend hat sich das ja auch angefühlt, aber wo war denn Bitte das romantische an diese Situation. Der soll mal Bewunderung und Begierde auseinanderhalten lernen. Nicht dass ich da selbst viel drüber wüsste, aber das grade fühlte sich jedenfalls mal falsch an… Außerdem kann man mich nicht einfach so küssen. So.
Ich stapfe so vor mich hingrübelnd daher und ignoriere Beorn sollte er irgendwas anderes als eine Entschuldigung vorbringen.
Falls keine kommt gehe ich im den Rest des Abends aus dem Weg und wohl auch morgen, falls doch, ist das ganze für mich schnell gegessen und wird mit einem „recht hast du, das war eine Frechheit – aber ich muss schon sagen da gehörte eine ordentliche Portion Mut dazu!“ weggelacht. (was nicht heißt dass ich heute nacht auf meinem Strohsack nicht einiges zu grübeln hab.
Ob ich nach all der Aufregung noch konzentriert genug bin um die Salbe zu brauen entscheidest du. Fühle ich mich arg durcheinander vertage ich das ganze auf morgen – allerdings hilft mir die vertraute Tätigkeit vielleicht auch dabei, wieder ein bisschen wieder zu mir zu kommen…