Die Prophezeihung *4*

Gemeinsam betretet ihr das Zelt der Wahrsagerin und Yasemine deutet euch an, auf dem Boden Platz zu nehmen. Sie kniet sich euch gegenüber und stochert etwas in einer eisernen Feuerschale, in der sich etwas Glut befindet. Schon bald hat sie ein kleines Feuer entfacht, welches das winzige Zelt mit einem beißenden Qualm füllt, der auch etwas die Sicht vernebelt. Yasemine wirft ihre Kräuter in das Feuer, und die Luft ist sofort von einem würzigen, etwas süßlichem Aroma erfüllt. Sie bittet euch, ihr eure Gewürze zu reichen, betrachtet sie sorgsam, schnuppert daran und legt sie neben der Feuerschale bereit. Du hattest (vielleicht um dir die Finger nicht schmutzig zu machen, vielleicht doch einer gewissen Intuition folgend) nach ein paar braunen, süßlich duftenden Stangen gegriffen, die Yasemine nun mit einem verschmitzten Lächeln entgegen nimmt:

„Ahhh, Zimt! Süße und Feuer in einem vereint! Er veredelt jede süße Nascherei, und richtig eingesetzt vermag er die Glut der Liebe zu wecken… Setzt man ihn aber unbedacht ein wird man sich möglicherweise den Gaumen verbrennen.“

Yasemine wirft die Zimtstangen ins Feuer, woraufhin ein süßlicher Duft durch das Zelt strömt. Dann greift sie zu den von Yali gewählten Knollen:

„Ingwer? Eine spritzige Zutat, die fast jeder Speise die nötige Rafinesse verleihen kann. Allerdings bemerkt man ihn so manches Mal erst dann, wenn er fehlt… Tja, wie seltsam, Ingwer und Zimt sind nur äußerst selten gemeinsam anzutreffen, immerhin können beide ziemlich beißen, nicht wahr?“

Schelmisch blickt sie von einem zum anderen. „Ab ins Feuerchen mit dir, du spritziger Gesell“ und schon schießt eine kleine Stichflamme aus der Feuerschale, als die Knollen mit einem lauten Knall in der Glut platzen und ein frischer Zitrusduft sich zu den dichten Rauchschwaden gesellt.

Nun faltet Yasemine ein ledernes Tuch vor euch auf, auf dem ein Kreis mit 12 Punkten gezeichnet ist, welche untereinander mit sternförmigen Linien verbunden sind. „Wir werden die Inrah-Karten nach deinem Lebensweg befragen junger Sahib, würdest du bitte dieses Kartenspiel gründlich mischen? Gut. Und nun hebe dreimal ab. Du wirst das Bedürfnis haben, eine Karte zu ziehen, lege diese bitte ungesehen vor dir ab. Sehr schön. Diese Karte wird uns später etwas über den Kern der ganzen Fragestellung verraten. Nun reiche den Stapel an deinen Begleiter. Auch er zieht bitte eine Karte. Diese wird dir einen Ratschlag geben, wie es nur ein guter Freund geben kann, der deine Probleme von außen betrachtet. Leg auch diese Karte unbesehen hier hin. Gut. Nun zähle noch 10 weitere Karten ab, die du dazulegst. Die restlichen Karten können wir schon beiseitelegen. Gut. Ich werde jetzt beginnen.“

Mit diesen Worten nimmt Yasemine den Stapel mit den 12 Karten und mischt ihn noch einmal ordentlich durch. Inzwischen tränen dir schon ziemlich die Augen von dem Feuer, aber irgendwie fühlst du dich auch innerlich gewärmt von den heimischen Düften der Gewürze. Ein seltsames Prickeln steigt in dir auf, ähnlich wie wenn du Magie wirkst, nur dass das ganze irgendwie außerhalb deines Körpers in der Atmosphäre stattzufinden scheint.

Yasemine legt die Karten in einem Kreis aus, und schaut dich durchdringend an.

(das haben wir gespielt)

Jetzt zurück zu dem Moment wo Yasemine gerade die letzte Karte ziehen wollte, um die ganze Prophezeihung in das rechte Licht zu rücken –

Im selben Moment atmest du etwas auf, weil ein leichter Windstoß die rauchgeschwängerte Luft etwas aufwirbelt, als wieder etwas Bewegung in euch drei kommt – wie gebannt hatten Yali und du bisher den Worten Yasemines gelauscht – du setzt dich aufrechter hin und atmest einmal tief durch, da purzeln aus den Tiefen deiner Gewänder zwei Karten auf die Auslage und landen innerhalb des Kreises, in der Nähe der Karawane. Die Wahrsagerin hält in ihrer Bewegung zum Kartenstapel inne und lächelt etwas schief. „Oh, wie äußerst ungewöhnlich… da wollen die Karten uns heute aber wirklich ganz besonders viel erzählen.“ Ihr beseht euch die Karten genauer – es handelt sich um „Der Fluss“ und „Die Nacht“. Dir fällt außerdem auf, dass die Karten deutlich abgegriffener und ungepflegter sind als die restlichen, sie müssen wohl zu dem Spiel des Turbanträgers vorhin gehören und bei deinem Wutanfall vom Tisch gepurzelt und sich in den Falten deiner Kluft verloren haben…

Yasemine ist noch immer ganz konzentriert über die Auslage gebeugt und murmelt etwas vor sich hin. Deinem Gefühl nach scheint sie über die Karten auch etwas überrascht gewesen zu sein, versucht es aber nun möglichst effektvoll in ihre „Vorstellung“ einzubauen. Da hält es Yali plötzlich nicht mehr aus: „Du kannst ja grübeln soviel du willst verehrte Yasemine, aber wenn ich in meiner tiefsten Unwissenheit hier etwas zu sagen darf, dann kann all dies doch nur bedeuten, diese lange und gefährliche Reise, von der du gesprochen hast, oh weiseste aller Seelenkennerinnen, beginnt heute Nacht am Mhanadi.. “

Tja, soviel in aller kürze von einer völlig müden Meisterin… Außerdem wäre ich für ein kurzes Gedankenfeedback wie ernst du diese ganze geschichte jetzt nimmst, oder ob du dich völlig von der coolen Seite zeigst, ganz dankbar. Desweiteren würde ich dich bitten die Kartendeutung soweit du sie erinnerst aufzuschreiben und zu posten, wenn du magst. Und als letztes wird Yali dich nach seinem Gedankenblitz auf keinen Fall nach Hause lassen, ohne dich zumindest kurz zum Hafen geschleift zu haben (mal gucken schadet ja nichts). Wahrscheinlich gibst du dich ja eher widerwillig, aber möchtest du trotzdem vorher noch irgendwas bestimmtes tun?

Veröffentlicht von Mirya

Ein lebensfrohes kleines Bündel, das üblicherweise nicht auf den Mund gefallen ist, gute Gesellschaft ebenso wie gutes Essen genießen kann, und die sich wünscht es ginge immer allen überall gut.

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1 Kommentar

  1. Natürlich könnte sich mein Gedankengang anders darstellen, sollte beim Vorbereiten des Lebenskreises noch etwas Bewegendes passieren. Meine Gedanken während der obskuren Zeremonie sind allerdings die Folgenden:

    Grundsätzlich habe ich beschlossen, die gesamte Sache nicht mehr mit ganz so großem Argwohn zu betrachten. Ich glaube, ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass dieses ältliche, agile Mütterlein tatsächlich keine Gefahr für Leib und Leben darstellt. Aus diesem Grund ändere ich ein wenig meine Grundeinstellung zu der ganzen Sache. War ich eben noch fast trotzig und suchte mir nur wiederstrebend die Kräuter aus, so betrachte ich das ganze jetzt eher wie ein spannendes Schauspiel oder eine artistische Darbietung. Da diese in so glanzvoller Weise vorgetragen wird, sollte ich vielleicht etwas mehr darauf einsteigen. So überlege ich noch, während meine Körperhaltung sich langsam von abwehrendem Gebaren in eine offene Gestik ändert, als Yasemine die erste Karte aufdeckt und damit mein Gedankenkonstrukt in sich zusammen fallen lässt. Ashtarra … die Magie. Und das am Beginn meines Lebenskreises. Irgendetwas ist tatsächlich an dieser Frau, so denke ich jetzt. Oder sollte das alles dummer Zufall sein? Als ihre Auslegung dann weitergeht beruhige ich mich wieder etwas und kehre zu meiner Darbietungssichtweise zurück. Das Feuer das sie legt und der Bulle. Ein Unglück könnte geschehen? Ja fürwahr, ein Unglück wäre es weniger Glück in der Liebe zu haben, da gebe ich ihr Recht. Was waren gleich noch die anderen Deutungsweisen dieser zwei Karten? Über das Schmunzeln über das Ausbleiben der Leidenschaft habe ich diese wohl verdrängt. All das halte ich für ausgemachten Blödsinn. Dann folgt diese Reise und Änderungsangelegenheit mit der Karte vom Tod. Warum sollte ich eine Reise antreten? Zumindest im wörtlichen Sinne ist das doch blanker Unsinn. Es liegen keinerlei längere Reisen an, selbst die Rückkehr nach Nasir Malkid liegt noch in weiter Ferne. Und wenn sie das Ganze spirituell meint, und der Beginn meiner Reise vielleicht die Hexennacht war, so verstehe ich nicht, was für Rückschlüsse ich aus ihrem Gefasel ziehen soll. Ich will nur hoffen, dass es sich nicht um eine Reise über das Nirgendmeer handelt. Bei dem Gedanken muss ich innerlich ein wenig Lachen.
    Drei Karten des Luftelements folgen. Ein interessanter Zufall, fürwahr. Die Kriegerin der Lüfte, das Ass der Lüfte und der schlecht gelaunte König der Lüfte. Wenn ich immer nur die zweite Geige spielen würde, so hätte ich auch schlechte Laune, das kann man dem guten König nicht verdenken. Und eine selbstbewusste Kriegerin? Das hört sich doch verlockend an.

    Als sie als letztes die Karte der Harmonie aufdeckt, entspanne ich mich vollends. Das ist sehr gut. Unabhängig davon, ob ich ihrer Vorhersage nun Glauben schenken mag oder nicht, das ganze nimmt ein gutes Ende. Das ist doch fein und entschädigt sehr für das Wirrwarr von vorher. Außerdem erlaubt es, die ganze Geschichte mit der nötigen Gelassenheit zu betrachten.
    Dann ereignet sich der Vorfall mit den fremden Karten. Ich bin einigermaßen überrascht von Yalis Deutung. Durch meine Skepsis bereitet es mir sehr viel Mühe eine so wörtliche Auslegung einer Vorhersage zu akzeptieren. Obskure Ratschläge und vage Andeutungen kann man ja wenigstens noch in die ein oder andere Richtung interpretieren und sie lassen einem den Spielraum tatsächliche Ereignisse der Weissagung anzupassen. Aber ein so konkreter Satz …

    Unvermittelt und etwas aus dem Zusammenhang gerissen muss ich an die anderen Schwesternschaften der Hexen denken. Gibt es da nicht jene Töchter Saturarias die sich als Seherinnen von Heute und Morgen bezeichnen? Würde ich Yasemines Worte anzweifeln, würde sie sich offen als eine solche bekennen. Ich bin völlig auf einmal wieder sehr durcheinander. Aus Angst Yali könnte mit seiner Prophezeiung Recht behalten, werde ich mich zunächst vehement weigern auch nur einen Schritt gen Mhanadi zu machen. Wenn Yali allerdings nicht locker lässt werde ich mit einem „Na schön, du enervierender Sandfloh. Ich werde dir beweisen, dass du nicht zum Wahrsager taugst und dir zeigen, dass heute Abend am Mhanadi keine solche Reise beginnt!“ die Diskussion beenden. „Aber wehrteste Yasemine, verzeih, wenn wir zwei tumben Kameltreiber das Finale deiner Weissagung einfach übergehen. Es stehen immerhin noch zwei Karten aus, oder?“

    Werte Meisterin, du siehst: ein weniger geordneter als eher viel verirrterer Dscheridan sitzt im Zelte Yasemines und weiß nun gar nicht mehr Recht, was er eigentlich denken soll.

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