Eine Weile hält der Junge deinem Blick stand, lässt ihn dann unsicher zwischen Boden und totem Schamanen umherwandern. Als du ihm die Hand hin streckst, löst er sich aus seiner Starre und kommt zu dir. Nach einem Moment der Überlegung löst er sein Messer vom Gürtel und legt es entschlossen auf deine ausgestreckte Handfläche. Mit einer Verbeugung antwortet er: “Rashid, Sohn des Sharkan, des Anführers der Söhne Merechs.” Beim Sprechen wechselt seine Stimme zwischen der hellen Kinderstimme und dem satten Klang eines Mannes. Er räuspert sich. Du musst wohl etwas verdutzt auf sein Messer gestarrt haben, denn er grinst dich frech mit einem kleinen Nicken auf die Waffen an: „Heißt ich kämpfe für dich, wenn drauf ankommt. Musst zurückgeben, oder mir deins geben, sonst heißt, du mir nicht trauen… Du nicht viel weiß über Ferkina, nein?“ Du zuckst die Schultern und wiegst sein kleines Messer in der Hand. Dann wendest du einen Taschenspielertrick an, mit dem du in früheren Zeiten deine Eroberungen zu beindrucken versucht hast: Du lässt das Messer (in den Falten deines Kaftans) verschwinden, um es kurz darauf mit einem verdutzten Lächeln hinter Rashids Ohr wieder hervorzuholen. Er strahlt, als du es ihm überreichst. „Ich sagen falsch, du doch Schamane!“ Nun ist die gedrückte Stimmung vollends verschwunden und ihr lächelt euch aufrichtig an. „Komm, ich uns gemacht Tee…“
Ihr beschließt wieder nach oben zu gehen. Gepard erwartet euch am Rand der Felsspalte. Du kraulst ihm kurz mit einem bedeutungsvollen Blick den Nacken. Das mit dem toten Schamanen wirst du ihm wohl später erklären, falls überhaupt eine Erklärung nötig ist.
Ihr setzt euch wieder ans Feuer. Rashid hat in einem Kessel Kräuter aufgebrüht und legt Brennmaterial nach. Fröhlich flackern die Flammen auf.
Nun kannst du auch erkennen, was der Junge vorhin im Sand gekritzelt hat. Durch das flackernde Licht scheint die Zeichnung fast lebendig. Mit wenigen Strichen und doch klar zu erkennen, springt Gepard aus dem Sand, und darüber, mit einem gütigen Lächeln, ein menschliches Gesicht – dein Gesicht? Eine gewisse Ähnlichkeit scheint dir durchaus vorhanden zu sein, so man das, bei einer Zeichnung im Sand zu sagen vermag. Rashid folgt deinem Blick und zuckt die Schultern: “Nicht so gut…” “Mir gefällt es. Du malst gerne?” fragst du, während du eine Schale mit dampfendem Inhalt entgegen nimmst. Rashid setzt sich im Schneidersitz neben dich. “Ja. Und das Problem,” wieder überschlägt sich seine Stimme, “oder bisschen.” Dann trinkt er bedächtig und scheint dem erstmal nichts mehr hinzufügen zu wollen.
Du probierst auch von dem Sud. Es schmeckt würzig und recht bitter. Rashid beobachtet dich und springt schließlich auf, und bringt dir die Flasche die du vorhin erhalten hast. “Süß!” Du gießt ein paar Tropfen der klaren Flüssigkeit in deinen Tee, und nun schmeckt er tatsächlich ganz passabel. Süß und Bitter zugleich. Rashid nickt dir zu: “Ist Saft von blauem Apfel.” [du darfst gerne mal IN würfeln, ob dir was dazu einfällt]
„Du nicht kennst? Wo du herkommst?“ fragt Rashid dich nun. Da du keine Lust auf erneute Maskerade hast, entscheidest du dich, Rashid einen Teil deiner Geschichte zu erzählen. Und als du erstmal angefangen hast, fließen dir die Worte geradezu aus der Seele. Du sprichst so schnell, dass du gar nicht sicher bist, das Rashid alles versteht, aber irgendetwas in dir hat sich in Bewegung gesetzt. Und als du gerade ansetzen willst zu beschreiben wie verzweifelt und frustriert du hier in dieser elenden Wüste bist, stellst du erstaunt fest, dass dem gar nicht mehr so ist. Irgendwie hat diese wundersame Höhle dir so viel Kraft geschenkt, dass ein Teil von dir sich fühlt, als wärest du für diese Nacht tatsächlich der Schamane dieser Höhle. Auf einmal bist du dir ganz sicher, das Ziel deines Wegs auch ohne die Karawane erreichen zu können. Und so schließt du deine Erzählung mit: „und jetzt bin ich auf dem Weg in die Berge, zu einer mächtigen Zauberin, die mir mehr über das Artefakt sagen kann. Hier in dieser Höhle habe ich mich nur ausgeruht, ich wusste nicht, dass ihr Bewohner euer Schamane ist.“ Rashid sieht dich ehrfürchtig an. „Du sehr großer Krieger, wenn ausruhen in Gepardenhöhle!“ „Naja, ich musste ihn tatsächlich erst überzeugen, dass ich würdig bin, hier einzutreten,“ schmunzelst du, „aber ich glaube irgendwie hat er mich hierher eingeladen.“ Du wirfst einen fragenden Blick Richtung Gepard, aber der hat sich zurückgezogen, als ihr zwei euch ans Feuer gesetzt hat. Vielleicht ist er in seiner Schlafnische, oder auf Streifzug draußen.
“Wie hast du eigentlich meine Sprache so gut gelernt?” versuchst du jetzt das Gespräch auf Rashids Geschichte zu lenken.
“Manchmal ziehen Händler durch unsere Berge… Manchmal gehe ich bis an die große Straße, um sie zu belauschen. Manchmal ich mich mit ihnen unterhalten. Manchmal schenken sie mir was. Weil ich ein Kind bin.” Er verstummt schmerzlich. “..oder war” schließt er schließlich. Und unter sanftem Nachfragen beginnt Rashid ganz allmählich zu erzählen: Dass man es an seiner Stimme ja nun hören könne, dass er bald ein Mann sei, und kein Kind mehr. Und dass es in seinem Stamm üblich sei, dies mit einer großen kriegerischen Zeremonie zu zelebrieren. Wobei von ihm erwartet wird, seinen ersten Feind zu töten. Er wolle aber keinen Menschen töten. Bis jetzt habe er sich so durchmogeln können, indem er eingetauschte oder geschenkte Gegenstände als Beute ausgegeben habe, aber nun würden sein Vater und die anderen wohl bald merken, dass er kein Krieger sei… Und ein friedlicher Bartûni ai-Merech sei genau so wenig wert, wie ein blutloser Talbewohner… Außerdem sei mit seinem Übergang zum Mann seine Freiheit vorbei, sich zu unbemerkt zu bewegen, wohin er wolle. Ab dann bekäme er Pflichten, würde an Jagd und Raubzügen beteiligt. Alles Dinge, die ihm wenig erstrebenswert erscheinen… Er würde gerne malen, deine Sprache lesen lernen und vielleicht mal eine Stadt sehen. Alles Wünsche, die ihm als zukünftigem Krieger unerreichbar scheinen. “Und deshalb konnte ich nicht mehr sprechen und nicht mehr essen. Lieber ich verhungere, als dass ich ohne Not einen Talmenschen töte!” Trotzig funkeln seine eingefallenen Auge dich an.
Ich lege meinen Kopf schräg und schaue den jungen Rashid nachdenklich an. Ein Künstler also … ein Außenseiter bei den Seinen. Mir schießen verschiedene Gedanken durch den Kopf. Ich denke an die Hexennacht. Wie sehr ich mich auf diese besondere Feierlichkeit gefreut hatte und wie besonders ich mich gefühlt hatte … wie schwer es mir fiel meine Unsicherheit und den Schmerz um die vielen fragenden Blicke hinter der Aura meiner Unantastbarkeit – meiner Arroganz – zu verbergen.
Dann kommt mir ein ganz anderer Gedanke. Ich erinnere mich an den Abend in Yasemines Zelt. Ich denke an jene Prophezeiung, die diese ganze Misere hier erst ihren Anstoß gegeben hat. Eine fürwahr mächtige Zauberin, so muss ich jetzt rekapitulieren. Eine Ewigkeit scheint mir das alles her zu sein. Auch fällt mir ein, dass ich Yali angedroht hatte ihn als meinen Fächersklaven mitzunehmen, sollte ich wirklich eine Reise durch Trockenheit und Staub antreten müssen. Ich lache kurz auf. Wer hätte gedacht, dass dieser lustige Besuch so schicksalsträchtig sein könnte.
Und wie war das gleich gewesen? Die drei Karten der Luft. Königin, schlecht gelaunter König und Ass? Na, wer die Königin in dieser Geschichte sein wird, kann ich mir wohl denken, aber ob mein unglückliches Gegenüber nun der schlecht gelaunte König oder gar mein Ass sein könnte?
„Rashid, ich habe einen Vorschlag für dich.“ Ich mache eine kunstvolle Pause. „Ich glaube was du brauchst sind keine schamanistischen Rituale und Austreibungen böser Geister. Ich glaube im Gegenteil, das, was du mir berichtest, ganz aus dir selbst kommst. So bist du eben. Und manchmal passt unserer Umgebung das nicht.“ Ich überlege meine Rede weiter auszuschmücken und bedeutungsschwangere Reden zu reden, doch dann sage ich einfach nur: „Warum kommst du nicht mit mir mit? Ich bringe dich dorthin wo du Lesen, Schreiben und Malen lernen kannst … und bis wir dort angekommen sind stellst du mir derweil deinen Orientierungssinn zur Verfügung. Ich habe nämlich ehrlich gesagt nicht den Hauch einer Ahnung wohin ich eigentlich genau gehen muss.“
Und um meinen Worten den nötigen Nachdruck zu verleihen suche ich etwas umständlich nach meinem Waquiff und halte ihm dann meine schöne Waffe hin, ein wenig hoffend, dass er nicht auf die Idee kommt es zu behalten und mir stattdessen sein Messer zu reichen.
Seine Augen leuchten auf. Er steht auf, greift nach deinem Waquif, nimmt ihn aber gar nicht an, sondern fällt dir stattdessen spontan um den Hals. „Ich dich führe wohin du willst! Kein besserer Bergführer als Rashid möglich!“ Doch dann ebbt seine Begeisterung noch einmal ab. „Aber mein Vater bestimmt nicht erlauben. Was wir ihnen sagen?“
Von seinem plötzlichen Gefühlsausbruch bin ich in der ersten Sekunde etwas überrascht, hätte ich doch bei einem wilden Volk keine so herzliche Regung erwartet. Dann aber schließe ich ihn in väterlicher Geste in die Arme um meine Worte zu bekräftigen. Als er mich dann nach der Erklärung für seinen Vater fragt bin ich zunächst irritiert. Ich hatte angenommen dass wir einfach davonlaufen. Aber er hat natürlich Recht. Wenn wir einfach davon laufen wird man nach uns suchen.
Da kommt mir eine grandiose Idee. Verschmitzt grinse ich ihn an: „Dass lass nur ganz Sorge des großen Schamanen sein. Du willst malen? Morgen in aller Frühe darfst du die kunstvollste Hautmalerei auftragen, die du dir vorstellen kannst! Aber zunächst hilf mir nach einigen Utensilien suchen.“
Mein Plan ist der Folgende: Ich werde morgen wenn die anderen Ferkina zurückkehren ein kleines Schauspiel aufführen. Ich werde mich auf meinem Brett im Schneidersitz sitzen. Zuvor habe ich das Brett mit etwas Sand bedeckt. Meinen neuen tierischen Begleiter versuche ich dazu zu bringen neben mir Platz zu nehmen. Falls wir geeignete Farbe finden setze ich mich nur in Schurz bereit und lasse mir von dem Jungen kunstvolle Malereien in Gesicht und auf den Körper malen. Er soll sich danach einfach gar nicht zeigen. Mit großen Worten und Gesten werde ich dann erklären, dass der Junge von einem bösen Geist besessen ist. Falls wir passende Requisiten finden rolle ich dann irgendwelche Knochen vor den Ferkina aus oder rassel mit irgendwelchen Ketten und Utensilien. Dann werde ich erklären, dass aber die guten Geister der Lüfte den bösen Geist austreiben werden. Bei den Worten „Lüfte“ hebe ich dann im Schneidersitz sitzend ab und schwebe vor den hoffentlich dann sehr eingeschüchterten Ferkina ein Stück auf und ab. Ich hoffe dass der Sand effektvoll vom Brett herunter rieselt. Ich schließe damit, dass ich den Jungen auf eine Geistreise schicken werde, die er ganz allein antreten muss um den Geistern der Lüfte und der Erde wohlgefällig zu sein und vom bösen Geist befreit zu werden. Dann und nur dann steht der Initiation zum großen Krieger und Mann nichts mehr im Wege. Man solle ganz unbesorgt sein, es ist eine lange Reise, mehrere Mondphasen werden vergehen, aber auf dieser Reise wird das Kind sterben und der Mann geboren werden. Und nun geht, es gilt noch Vorbereitungen für die Reise zu treffen. Man möge den großen Schamanen nun nicht mehr stören.
Kehlig vorgetragen und mit viel Tamtam bete ich zu Satuaria , Rahja und Phex dass uns ein glaubwürdiges Possenspiel gelingen möge.
ich habe ein Bisschen für dich gewürfelt 🙂 Bitte zieh dir 2 ASP für einen gelungenen (verstärkten) FlimFlam ab und lies den nächsten Post