Das war eine anstrengende Nacht, aber auch eine lehrreiche Erfahrung! Zunächst hast du fasziniert beobachtet, wie Birshen verschiedene Kerzen im Studierzimmer des Magus aufgestellt hat. Zuvor hatte sie penibel Folianten auf Pulte gelegt und aufgeschlagen, um möglichst alles so aussehen zu lassen, wie zuletzt. “Die Möbel verschiebe ich hier oben schon längst nicht mehr… in jeder Neumondnacht schiebt er sie wieder zurück…” Dann bedeutete sie dir, dich auf den Rauch und die Schatten zu konzentrieren, während sie begann auf einer kleinen Flöte zu spielen. Tatsächlich, alsbald manifestierte sich sich die durchscheinende Gestalt des damaligen Zauberers. Und wie du vermutet hattest, floss eine gehörige Portion Novadiblut durch seine Adern.
Deine Strategie ein wenig gegen Birshen zu sticheln zahlte sich aus und schon bald hattest du den eingebildeten Sonderling so manipuliert, dass er es als Beleidigung empfunden hätte, wenn er nicht unverzüglich mit der Analyse begonnen hätte um sein einzigartiges Wissen unter Beweis zu stellen. Abwechseln lässt er dich, den er für einen Magiestudenten zu halten scheint, und Birshen, nicht besser als eine Dienstmagd, Notizen machen, dabei ihr euch beide jedoch so ungeschickt an, dass er euch schließlich rausgeworfen hat. Ihr möget euch am nächsten Abend die Ergebnisse seiner Überlegungen anhören…
Über alle dem, war mehr als die Hälfte der Nacht dahin gegangen, so dass du nach einer Katzenwäsche ins Bett gefallen bist.
Als du wach wirst, steht bereits eine dampfende Schale Reisbrei auf dem Tisch. Die Küche ist leer, so kannst du gemütlich wach werden. Du fühlst dich außergewöhnlich gut erholt (falls du noch LP oder ASP zu regenerieren hast, steht dir an diesem Ort der normale Wurf für die LP, für die ASP ein zweifacher Wurf zu)
Nachdem du gegessen hast, findest du Birshen im Studierzimmer. Sie ist nun ihrerseits ganz in die Analyse des Artefakts und ihrer Notizen von gestern vertieft, und möchte noch das ein oder andere Nachschlagen. Aufgaben für dich hat sie aktuell keine. Du beschließt dich also erstmal ausführlich zu waschen.
Draußen an der Zisterne triffst du auf Rashid. Er sitzt, dir den Rücken zugewandt, auf der Steinmauer, starrt abwechselnd ins Wasser und zeichnet. So vertieft ist er, dass er dich gar nicht bemerkt, als du leise näher trittst. Neben ihm liegt ein bemaltes Pergament. Daneben liegt die Schreibschatulle der Domna. Bevor du ansetzen kannst, etwas zu sagen, knüllt Rashid wütend das soeben bemalte Blatt zusammen und wirft es auf den Boden. Es rollt dir vor die Füße. Du entfaltest und betrachtest es: Es handelt sie um ein ziemlich akkurates Selbstporträt. Rashid, wie er am Rande der Zisterne steht und in das Wasser blickt. Das Spiegelbild ist durch die Wellen in Fetzen gerissen. Darüber wölbt sich der Sternenhimmel und von dort blicken, unvollendet, die Umrisse kriegerischer Gestalten herab, die jedoch mit einem wütenden Strich durchgestrichen wurden.
Ich setze mich neben Rashid. Zunächst sage ich gar nichts, halte aber weiter das Kunstwerk in der Hand. Betrachten tue ich es nicht mehr sondern schaue in die imaginäre Ferne. Nach einer Weile der Stille (wenn Rashid nicht selbst schon etwas tut) sage ich: “Das ist ein echtes Kunstwerk. Schade eigentlich, dass es so viele Knicke hat.” Ich lächle ihn aufrichtig von der Seite her an und knuffe ihn dann mit der Faust in die Schulter: “Rashid, was ist los mit dir?”
Falls das nicht reicht ein Gespräch zu starten und herauszufinden was ihn bedrückt setze ich noch hinzu: “Auf der ganzen Reise hierher warst du nicht so … wütend. Welcher der Krieger hat dich so verärgert?”
Und wenn er wieder mit seinem “Du verstehst nicht” anfängt erkläre ich ihm, dass ich ihn aber gerne verstehen würde und er mir seine Traurigkeit deshalb erklären muss.
Rashids blickt dich an. Einen Moment befürchtest du, er könnte wieder einen Wutausbruch erleiden, immerhin hat er den Gesichtsausdruck dessen der von der Mutter beim Naschen erwischt wurde. Dann besinnt er sich jedoch eines besseren und antwortet dir zögernd: “Ich … die großen Krieger.. sie mich sehen, was ich tue. Aber wie ich ein guter Ferkina sein, wenn Befehle nehmen von Frau, und essen Gemüse welches macht schwach?” Er schaut dich trotzig an: “Ich wollen helfen, gut Essen holen, aber du sagen, nix sein so wütend. Und du sein groß Schaman, und können Männer machen sagen dumme Sachen, du weise und du sprechen richtig. Ich nichts wissen, wie machen richtig…”
Er greift nach dem ungeknickten Bild neben sich: “Bitte nehmen dies Bild, als Zeichen für ich verstehen dass nicht soll streiten mit Shaman.” Das Bild ist sehr schön. Es zeigt dich, im Halbprofil, die Augen fest auf den Betrachter gerichtet. Dein Blick ist selbstbewusst und stolz, aber nicht arrogant, deine Lippen umspielt ein süffisantes Lächeln. Im Mittelgrund, mit viel liebevollen Details gezeichnet macht sich Gepard sprungbereit und schaut fragend auf den Betrachter. Den Hintergrund bilden, nur mit wenigen Strichen angedeutet, die bizarren Felsformationen der Höhle des alten Schamanen.
Ich bekomme einen dicken Kloß im Hals und weiß für einen Augenblick gar nichts mehr zu sagen. Herrje, mich von meiner Großmutter belehren zu lassen ist ja das eine, aber nun selbst irgend etwas tröstliches zu sagen und den weisen Lehrmeister zu “spielen” ist eine ganz andere Sache. Etwas unbeholfen sage ich zunächst: “Rashid, das ist wirklich … wunderschön!” und starre das Bild weiter voller Ehrfurcht an. Dann stehe ich auf, baue mich vor ihm auf und suche einen sicheren Stand, so dass ich möglichst selbstbewusst daherkomme: “Es mag schon sein, dass ich die Macht besitze Männer dumme Sachen sagen zu lassen. Weißt du, besonders wenn ich wütend über etwas bin, dann kann ich mit meiner Wut solche Dinge tun. Noch beeindruckendere Dinge schaffe ich allerdings wenn ich sehr froh oder glücklich bin. Nun schau, welche Macht dir die großen Krieger gegeben haben aus deiner Wut etwas so Wunderbares aus dem Nichts zu … zaubern.” Ich halte ihm das Bild hin: “Du kannst vielleicht niemanden etwas ungewolltes sagen lassen, aber du hast eine ganz eigene Zauberei. Darauf solltest du Stolz sein. Ich möchte gern sehen welche fantastischen Werke du schaffen kannst, wenn du dich richtig glücklich fühlst.”
Ich lächle ihn fröhlich an: “Ich möchte dir heute Abend gern etwas in den Sternen zeigen. Etwas, das dir zeigen wird, dass du dir keine Sorgen zu machen brauchst was die großen Krieger denken. Und nun … großer Künstler … schau nicht so traurig drein. Du bist auf eine Reise gegangen um etwas über dich und die Welt zu lernen. Was richtig und was falsch ist wird sich noch früh genug zeigen … und manchmal sind Dinge auch nicht einfach nur richtig oder falsch.”
Nun warte ich erstmal ab wie er reagiert.
Mein Plan für Abends wird eine kleine Lehrstunde über Kriegerinnen und Krieger sein, weil ich ihm erklären möchte, dass meine Macht von der mächtigen Satuaria kommt. Aber dazu befrage ich lieber noch einmal Birshen und bitte sie um Rat. Außerdem möchte ich ihm das Sternbild des Kriegers zeigen. Ihm zeigen wie die Krieger auf uns herabblicken … und das sehr versteckt hinter dem Krieger noch jemand sitzt: Der Künstler. Und der ist nicht so laut und angeberisch wie der große Krieger, aber dafür findig und schlau … und der große Krieger bewundert ihn heimlich für seine Schläue.
So oder ähnlich werde ich den armen Burschen aufzuheitern versuchen. Aber das später. Zunächst hoffe ich, dass meine Worte ihn etwas aufheitern. Im Stillen entschuldige ich mich bei meiner Großmutter. Ich glaube sie musste mich viel zu oft belehren …
“Ich froh, dass du gefallen Bild,” lächelt Rashid. “Ist du, wie innen drin. Und das,” er zeigt auf das zerknüllte Bild: “ist ich, wie innen drin… Ich will hören, was du sagen über Krieger am Himmel. Manchmal ich sie sehen. Ich nicht denken, du sie auch kennen…” er scheint noch einen Moment zu grübeln, strafft dann aber die Schultern und schenkt dir ein zaghaftes Lächeln: “Was machen, bis dunkel wird? Ich nicht mehr malen. Nur wenn löschen aus die Worte deiner Freundin.” Er deutet auf die Schatulle, in der sich die unversehrten Notizen der Domna befinden, aber kein weiteres unbeschriebenes Pergament. “Aber dies, so eine gute Idee ist! Spitzer Stock und Kohle kann malen Linien so fein! Ich bisher nur malen mit Farbstein oder Paste auf Leder. Oder Felsen…. oder dein Haut…” er grinst dich an. Zumindest scheinst du ihn ein bisschen abgelenkt und auf fröhlichere Gedanken gebracht zu haben.
Wie und wie lange setzt du das Gespräch fort? Hast du bis zum Abend noch Pläne oder harrst du der Dinge die da kommen mögen?
Ich greife noch einmal den Faden auf und schwärme ihm von den Möglichkeiten der Malerei vor. Dass er bald nicht nur mit schwarzer Kohle feine Werke zeichnen kann, sondern auch mit einer Art Farn und flüssiger Farbe arbeiten können wird. Dann frage ich ihn: “Wonach steht dir denn der Sinn? Ich werde noch kurz mit Birshen unsere Pläne abstimmen, aber dann könnten wir etwas gemeinsam die Zeit totschlagen. Ich glaube ein wenig Abenteuer jenseits der Suche nach Antworten tut auch mir ganz gut. Ich komme gleich zurück. Ohnehin muss ich ja dein Kunstwerk hereinbringen. Und die Schatulle mit den Worten der Domna würde ich auch gern mitnehmen.”
Dann gehe ich kurz rein um mit Birshen zu sprechen und – sofern sie uns für den Augenblick nicht braucht – erkläre ich ihr, dass der junge Krieger draußen ein wenig Ablenkung braucht. In knappen Worten fasse ich zusammen, was Rashid bedrückt. Vielleicht hat sie ja auch einen Vorschlag für eine Unternehmung.
Auf dem Weg zurück nach drauße fällt mein Blick noch einmal auf mein Porträt und Rashids Worte echoen in meinen Ohren. Wie ich, innen drin. Und er hat den Geparden gemalt. Zum ersten Mal verknüpft sich in meinem Kopf das Wort Vertrauter mit dem Geparden dort draußen. Unwillkürlich spreche ich laut aus: “Aber das ist doch gar nicht möglich.” Ich schüttele etwas unwirsch den Kopf und gehe wieder nach draußen um Rashid zu suchen. Und den Geparden will ich auch mitnehmen.
Generell bin ich in alle Richtungen offen, sofern sich Birshens oder auch Rashids Vorschlag nicht zu gefährlich oder nach zu viel körperlicher Arbeit anhört.
Rashid lauscht interessiert auf deine Worte, die Möglichkeit, mit mehreren Farben malen zu können, scheint jedoch eine völlig neue Vorstellungswelt für ihn zu sein. Auf deine Frage, wonach ihm der Sinn steht, ist er unschlüssig. “Was du gern machen?”
Du gehst schließlich ins Haus um Birshen zu suchen, und prallst auf der Treppe fast mit ihr zusammen, sie kommt gerade gut gelaunt die Stufen hinab gesprungen: “Ich weiß etwas, Dscheridan!” strahlt sie, “meine Recherchen haben etwas ergeben, was nicht mal dieser verstaubte Magus herauszufinden vermag!” Sie sieht dich sehr zufrieden, und ein wenig beifallheischend an: “Wenn es dunkel wird, wird uns Cherek ibn Sahil sicher noch dozieren, welche Wirkung genau die verschiedenen gespeicherten Formeln haben, aber ich kann dir jetzt schon sagen, wer es war, der die Formeln an das Schmuckstück band, und es damit zum Artefakt machte! Ich kenne seinen Namen, ich erkenne sein Wirken. Vor über 20 Jahren habe ich für eine Zeit lang sein Lager geteilt. Damals war er ein junger, sehr ehrgeiziger Magiestudent, dem es gar nicht schnell genug gehen konnte, mit dem meistern der Sprüche. Er hatte schon damals die Eigenheit bestimmte Teile der Formeln abzukürzen. Und er tut es scheinbar heute noch. Unverkennbar seine Handschrift im magischen Gewirk der Kraftfäden… Damals hat er mich verlassen, weil er an einer anderen Akademie akzeptiert wurde… War es Mherwed, oder Rashdul? Wie gesagt, es ist einige Jahre her. Seinen Namen weiß ich aber noch: er lautet Dunchaban ibn Feruzef. Ein charismatischer Mann, Satuaria ist meine Zeugin. Aber nun scheint er von der Macht der dunklen Magie verzaubert worden zu sein…”
Zu deinem Vorhaben Rashid die Sterne zu zeigen hat sie keine Einwände. “Wenn du ihm von Satuaria erzählen willst, wirst du aber nicht umhin kommen, auch andere Götter zu erwähnen, bevor du mit ihm eine größere Stadt besuchst… Du weißt nicht, was der Junge dort vielleicht in unschuldiger Absicht weitererzählt und nachher hast du die reinste Hexenjagd verursacht.”
Sie macht dir den Vorschlag, eure Beobachtungen in der “Sternwarte” durchzuführen. Dies ist eine windgeschützte Felsformation auf dem Bergkamm, nur einen kurzen Fußmarsch entfernt: “Das Madamal dürfte euch den Weg ausreichend erhellen, es ist ja schon ⅔ voll. Es ist von hier aus schnell und gefahrlos zu erreichen.”
An eurer nachmittäglichen Unternehmung möchte Birshen trotz getaner Recherche nicht teilnehmen, sie habe noch einige alltägliche Pflichten zu erledigen und werde nebenher für das Abendessen Sorge tragen. Aber sie weiß einige interessante Orte zu nennen, zu denen ihr einen Ausritt unternehmen könntet: Eine Felsklamm, in der man sich im Klettern und springen messen kann, ein Kiefernwäldchen mit Möglichkeiten für Versteck- und Suchspiele, oder einen Wasserfall der hübsch anzuschauen ist. Sie packt euch ein paar Leckereien für unterwegs in einen Beutel und fragt dich, ob ihr gedenkt vor Einbruch der Dunkelheit wieder zurück zu sein, oder ob sie sich die Analysen des Magiers zunächst allein anhören soll, während du Rashid die Krieger am Himmel zeigst.
“Oh Birshen, das sind großartige Neuigkeiten!” Ich komme nicht umhin die mächtige Hexe etwas kindisch in den Arm zu nehmen, so glücklich bin ich darüber nach all den Strapazen einen kleinen Schritt weiter zu sein. “Wer braucht da schon herumgeisternde Magier.” raune ich ihr augenzwinkernd zu, erkläre ihr dann aber, dass ich um nichts in der Welt die Ausführungen des Magus verpassen möchte.
Ihre Anmerkung zu Satuaria nehme ich dankbar an, vielleicht hat sie recht und unsere Göttin in meine Lehre direkt zu Beginn fließen zu lassen mag Rashid auch etwas überfordern.
Ebenso dankbar nehme ich ihre Tipps und den Proviant an. “Da ist das Ziel ganz klar: EIn Gebirgsbach mit klarem Wasser und einem Wasserfall ist genau das, was ich nach all dem Staub schon lang ersehne. Wir sind aber auf jeden Fall vor Einbruch der Dunkelheit zurück, damit wir in Ruhe zu Abend speisen können.
Danach können wir den Magier befragen. Mit Rashid zu Sternwarte kann ich zu späterer Nachtstunde gehen, wenn das Madamal am höchsten steht.”
Ich bin jetzt voller positiver Energie und rechne etwas naiv damit, dass nach dieser Erkenntnis die Domna eigentlich jeden Augenblick hier auftauchen müsste.
“Komm Rashid, Birshen hat mir etwas Proviant mitgegeben und ich weiß einen Ort, den ich mir jetzt gern anschauen möchte.” Sollte Gepard noch faul in der Sonne in der Sonne dösen sporne ich ihn an uns zu begleiten: “Na komm, du Faultier in Gewand einer Raubkatze! Zeit für einen Spaziergang.”
Und so brechen wir auf.