Birshen ’19‘

Schon während du die letzten Worte sprichst, lichtet sich ein Schleier vor deinen Augen, und die Gestalt Rushans scheint kurz zu zerfließen.

Dir gegenüber steht eine attraktive Frau mittleren Alters. Ihr lockiges schwarzes Haar ist zu einem Knoten gebunden, aus dem einige silbrige Strähnen sich gelöst haben und ihr ins Gesicht fallen. Sie trägt ein praktisches graues Gewand mit grünen und goldenen Borten, und ihre ebenfalls grünen Augen funkeln dich kampflustig an: “Ahhh, nun bist du wach! Hat es nur einen kleinen Anstupser gebraucht, wie? Es freut mich deine Bekanntschaft zu machen, junger Hexer!” Sie taxiert dich mit einem abschätzigen Lächeln:  “Und nun möchtest du mit mir kämpfen? Erlaube doch deinem gekränkten Stolz nicht, dir den Blick ebenso zu vernebeln, wie es Trauer und Sorge zuvor getan haben! Alles was ich bisher gesagt gilt: Du bist willkommen für einige Tage mein Gast zu sein. Und ich bin bereit, dir bei deiner Suche behilflich sein – und mir selbst ein Bild davon zu machen welch eine Art von Mann Dscheridan ibn Yussuf ibn Yasmabith tatsächlich ist… Doch wisse folgendes: Zwei Verirrten den richtigen Weg zu weisen, ist ein Wunsch, den ich niemandem abschlagen werde. Erweist du dich jedoch als ehrenhafter und würdiger Sohn Satuarias, bin ich bereit auch all mein Wissen mit dir zu teilen. Verstehe also, dass ich dich weiterhin prüfen werde; nicht um dich zu verspotten, sondern um dich zu verstehen.” Ihr Blick wird sanfter. “Nun, was sagst du?”

Veröffentlicht von Mirya

Ein lebensfrohes kleines Bündel, das üblicherweise nicht auf den Mund gefallen ist, gute Gesellschaft ebenso wie gutes Essen genießen kann, und die sich wünscht es ginge immer allen überall gut.

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  1. Für einen kurzen Augenblick verbleibe ich in meiner kampfeslustigen Haltung. Ihre scharfen Worte haben mich sehr getroffen und irgendwie fühle ich mich an die Hexennacht erinnert. Jenes wundersame Ereignis, auf das mich meine Großmutter so lange vorbereitet hatte, und an welchem ich mich nicht hätte befremdlicher und ‘geprüfter’ fühlen können.

    Längst verraten aber meine Augen dass ich eigentlich sehr erleichtert bin tatsächlich die Gesuchte vor mir stehen zu haben. Steif antworte ich ihr: “Ich danke dir Birshen sunya!” Ich deute eine höfliche Verbeugung an. “Ich … ich freue … also ich bin froh dich gefunden zu haben. Grüße meiner Großmutter zu übermitteln ist dann jetzt wohl … hinfällig.”

    Ich entspanne mich ein wenig: “Dann … dann lass uns … doch einfach dort weitermachen, wo wir eben aufgehört haben. Die schier unglaubliche Geschichte, die ich zu berichten habe, erfordert einen vollen Magen.”

    Ich schaue sie noch einen augenblick an: “Nein, und kämpfen möchte ich weiß Satuaria nicht. Nicht, wenn es sich vermeiden lässt.”

  2. Nun entspannen sich auch Birshens Gesichtszüge vollends, und ein gütiges Lächeln breitet sich über ihr Gesicht aus. “Dann lass uns mal sehen, dass wir unsere Mägen bald gefüllt bekommen, und auch die unserer Gefährten.” Sie angelt ein großen Stück Schinken von der Decke des Kellerraumes und legt es zusammen mit einigen Knollen und Säckchen in einen Korb. Dann nimmt sie noch ein paar Würste von den Steelen und reicht sie dir. “Hier, vielleicht möchtest du die nach draußen bringen? Und dann nimm noch die hier mit” sie angelt eine Maus aus einer Mausefalle und legt sie in einen flachen Napf. “Stell sie einfach auf die Mauer neben der Zitadelle…“ sie macht eine kurze Pause – „Wie steht es eigentlich um deinen menschlichen Gefährten? Vertraust du ihm?”

  3. Im Umwenden frage ich zurück: „Rashid? Für den würde ich einen heiligen Eid auf unsere Erdenmutter ablegen. Ein ebenso einsamer Einzelgänger unter seinesgleichen wie wir es manchmal sind – sein müssen. Ein Künstler unter Kriegern. Deshalb wurde er von den Seinen verstoßen und ich versprach ihn dorthin zu bringen wo man auch als Krieger Künstler sein darf. Auch die Geschichte unserer Begegnung will ich dir gern berichten – wenn er schläft.“ Bei der Ergänzung lächle ich nun stolz und ein wenig selbstgefällig.

    „Oh ja, die Nascherei bringe ich deinem Vertrauten und dem Geparden gern. Hoffe das lässt ihn begreifen, dass ich ihn gern in meiner Nähe weiß.“ Mit diesen Worten eile ich voraus. Irgendwie ist es mir gerade sehr wichtig dem Geparden zu zeigen, dass ich ihn nicht plötzlich vergessen habe. Draußen suche ich dann zunächst die Stelle, an die ich die Maus platzieren soll und rufe dann den Geparden herbei.

    Ich will ihn ein wenig foppen und ihm deutlich machen, dass die leckeren Würstchen ein großzügiges Geschenk des Rudelführers sind. Wenn der Moment es erlaubt möchte ich mich vor ihn hocken und meine Stirn auf die Seine legen – so er das zulässt: „Danke das du zurückgekommen bist. Ich verstehe das alles noch nicht so richtig, aber … ich bin froh dass du hier bist. Einsamer Freund eines einsamen Reisenden.“

    Was den weiteren Verlauf des Vormittages und Mittages angeht: In der Küche will ich wohl helfen was man mir aufträgt, allerdings werde ich Birshen hier kein großes Schauspiel bieten können. Es wird schnell deutlich werden, dass von Küchenarbeit absolut keine Ahnung habe und mich sehr ungeschickt anstelle.

    Für meine lange Geschichte und all ihre Details würde ich Rashid gern herauskomplimentieren. Für ihn soll das Bild des Schamanen noch nicht ganz zerplatzen, wenn es das nicht schon ist. Überhaupt wird ihm wohl zu erklären sein, warum ich mit einem alten Mann in den Keller verschwand und mit einer hübschen Frau wieder herauskam.

  4. Du überlässt Rashid und alle Erkärungen Birshen und eilst in den Garten.
    Hinter dem Turm gibt es ein kleines, von aufgeschichteten Steinen umrahmtes Plateau. Hier findest du schnell die Zitadelle, ein 3×5 großes, tiefes gemauertes Becken, in dem Tau und Regenwasser gesammelt wird. Sie ist mit Brettern abgedeckt, die das Wasser vor Verschmutzung und Sonnenstrahlen schützen. Ähnlich wie in El Karam ziehen einige gemauerte Bewässerungskanäle zu einem kleinen Garten, in dem Birshen auf mehreren Terrassen Kräuter und Gemüse anbaut. Ein weiterer Kanal zieht zu einer Tränke, die von einem Holzgestell überdacht wird. Auf eben jenem findest du den Geparden. Er räkelt sich in der Sonne und scheint sich einen Spaß daraus zu machen, die Ponies und eine dort angebundene Ziege anzufauchen, wenn sie sich ihm (und dem Wasser) zu weit nähern. Als er deiner Gewahr wird, springt er herab und nähert sich erwartungsvoll. Deinen tadelnden Blick beantwortet er mit einem schnippischen “ich hätt die dummen Huftiere schon nicht verdursten lassen”-Naserümpfen. Dann schnuppert er erneut und blickt bettelnd auf die Würstchen. Na- deine Spielchen kann ich auch spielen, denkst du dir und suchst nach einem langen Stock, an dem du das Würstchen hoch über den Geparden hälst. Du lässt ihn ein paar mal auf die Hinterbeine gehen und Sprünge vollführen, bevor du ihn das Würstchen erreichen lässt. So bekommst du Gelegenheit das wunderschöne Tier in seiner vollen Größe und Geschicklichkeit ringsum zu bewundern. Zwei Würstchen verfütterst du auf diese spielerische Weise, dann gehst du in die Hocke, und streckst ihm das letzte auf der flachen Hand hin. “Na komm, du Schöner, ich will dich nicht länger zum Narren halten. Schließlich weiß ich nur allzu gut wie ärgerlich das sein kann… komm nur her…” Behutsam frisst der Gepard die Leckerei aus deiner Hand und bleibt dir dann gegenüber sitzen. Vorsichtig lehnst du deine Stirn an die seine: “Danke, dass du zurückgekommen bist. Ich verstehe das alles noch nicht so richtig, aber … ich bin froh dass du hier bist. Einsamer Freund eines einsamen Reisenden.“ Der Gepard reibt kurz seine Stirn tröstend an deiner. Dann springt er auf und läuft ein Stück von dir weg. Erwartungsvoll schnüffelt er an der Stockspitze und sieht dich auffordernd an. “Nun gut, du verspielter Schmusekater” rufst du, “eine Wurst habe ich noch. Aber danach ist Schluss. Der Rudelführer hat wichtige Hexendinge zu klären!” Ein letztes Mal piekst du ein Würstchen auf und hebst es hoch in die Luft. Gepard macht erst ein paar kleine, halbherzige Sprünge. Dann klettert er behende auf den Unterstand auf dem er vorher gedöst hat, und setzt zu einem gewaltigen Sprung an. Du beobachtest ihn so fasziniert, dass du nicht mal mehr daran denkst, den Stock zur Seite zu ziehen, und geschickt schnappt sich die Raubkatze im Sprung die Wurst. Damit zieht er sich dann auf ein Mäuerchen zurück und würdigt dich keines weiteren Blickes mehr, nachdem du einmal deine leeren Hände vorgewiesen hast.
    Beschwingt kehrst du in die Küche zurück. Im Vorbeigehen bemerkst du, dass die Maus aus dem Napf verschwunden ist, kannst aber Birshens Vertrauten nirgends entdecken. Die Tollerei mit deinem neuen “Freund”? hat deine Stimmung erheblich gehoben, so dass du Birshens und Rashids Sticheleien über deine mangelnde Küchenerfahrung gelassen über dich ergehen lässt. Die beiden hatten in der Zwischenzeit ohnehin einen großen Anteil der Zutaten vorbereitet, so dass es dir überlassen bleibt in dem großen Kessel zu rühren, eine Aufgabe, die du mit Bravour meisterst. Am Ende tischt ihr einen schmackhaften Gemüseeintopf auf, den ihr gemeinsam am Küchentisch verspeist. Rashid sucht mit leicht angewidertem Gesichtsausdruck die Fleischbröckchen heraus und lässt den Rest stehen. “Muss essen Fleisch, nur so stark bleiben.” Birshen mustert ihn tadelnd: “Wenn du mehr Fleisch essen willst, wird jemand auf die Jagd gehen müssen. Ich lebe nicht gerade in einer fruchtbaren Aue. Dieser Schinken war ein Geschenk. Hier oben isst man besser, was man kriegen kann.” Aber Rashid ist schon ganz Feuer und Flamme: “Ich kenne Berge gut! Ich immer Fleisch essen, ganze Leben, egal wie kahl Berge sind. Wurzeln für Frauen und Blutlose! Ich euch Fleisch holen, ich guter Jäger.” und in seinem Eifer scheint ihm gar nicht aufgefallen zu sein, dass er euch gerade beleidigt hat. Du beschließt später nochmal mit ihm zu reden, jetzt willst du ihn in seinem Jagdfieber nicht bremsen, seine Abwesenheit kommt dir ja schließlich ganz gelegen. Nachdem Rashid sich von Birshen noch eine lange Sehne erbeten hat, macht er sich fröhlich auf den Weg. Draußen ist es angenehm. Die Sonne hat ihren höchsten Stand bereits überschritten aber hier oben weht ein stetiger Wind, so dass es hier weit weniger heiß ist, als unten in der Wüste. Birshen trägt zwei Sitzkissen und zwei Krüge mit Wasser nach draußen und ihr lehnt euch im Gärtchen an eine Steinmauer, die teils von einer riesigen Yuccapalme beschattet wird.
    “Nun, Dscheridan, wenn du möchtest, ist jetzt vielleicht ein guter Moment um mit deiner Geschichte anzufangen…” ermuntert Birshen dich.

    Was erzählst du? Lässt du Teile erstmal außen vor? Möchtest lieber deinerseits Birshen Fragen stellen?

  5. Wohlig seufzend lasse ich mich auf das Kissen fallen. Ja, jetzt geht es mir zumindest ein bisschen besser. Gut gestärkt auf einem Kissen sitzend statt durch die Kälte oder sengende Hitze reitend. Und vor allem habe ich endlich das Ziel (EIN Ziel?) meiner Reise erreicht und sitze mit derjenigen zusammen, die mir vielleicht weiterhelfen kann.

    “Auch ich bin daran interessiert, warum eine schöne Frau wie du so allein hier oben in der Wildnis lebt, aber für den Augenblick ist vielleicht wirklich angeraten, dass zunächst ich einmal von meinem langen Abenteuer berichte.” Während ich das sage, werfe ich ihr einen durchaus koketten Blick von der Seite her zu.

    “Alles begann damit, dass ich Großmutter nach Mherwed begleitete. DIe Eindrücke meiner ersten Hexennacht lagen mir noch in den Knochen, ist doch die Erfahrung eines Exoten wie mir nicht … nur schön … jedenfalls stattete ich meinem guten Freund Yali, einem findigen Kunsthandwerker aus Mherwed, einen Besuch ab. Er ist ein mir sehr verbundener Freund und erkannte sofort dass es mir nicht gut ging. So schlug er vor …”

    Und so berichte ich Birshen blumig aber nicht übertrieben was sich zugetragen hat und welch seltsame Fügung des Schicksals Domna Larissia und mich zusammen brachten. Da ich keinerlei Argwohn gegen Birshen hege erzähle ich frei heraus. Meine Großmutter wird schon wissen, ob man jemandem vertrauen kann oder nicht.

    Ich gestalte meinen Bericht so, dass allen Beteiligten geschmeichelt wird und unterstreiche deren positiven Eigenschaften. Wo sich ein gegen Birshen gerichtetes Kompliment einfließen lässt werde ich es in meine Geschichte einweben (“freilich nicht von so großer Schönheit wie du versteht sich”). Galanterie, Koketterie und Etikette … endlich ein Schlachtfeld, auf dem ich mich sicher, wohl und heimatlich fühle. Ich suche zu erreichen, dass Birshen versteht, dass es nicht der junge Schwerenöter und Tunichtgut ist, der an irgendwessen Rockzipfel hängt, sondern dass es einen guten Grund gibt, warum eher umgekehrt, irgendjemand an meinem Rockzipfel hängen könnte. Ich kokettiere deshalb ganz offen mit ihr, aber so dass es nicht aufdringlich wird. Insbesondere höre ich damit auf, wenn es sie merklich mehr verärgert als dass es sie amüsiert.

    Schließen tue ich den Bericht mit den Worten: “Und hier ist der Edelstein des Anstoßes, jenes mysteriöse Kleinod von scheinbar finsterer, arkaner Macht, welches uns nun hier zusammensitzen lässt.”

    Damit lege ich das Tuch mit dem Diadem vor uns in den Sand und schlage es auseinander.

  6. Birshen hat deiner Erzählung aufmerksam gelauscht und allenthalben die ein oder andere kurze Zwischenfrage gestellt. Auf dein Kokettieren ist sie mit einem geheimnisvollen Lächeln eingestiegen, so lange du nicht allzu dick aufgetragen hast. Als du schließlich zum Ende deiner Schilderungen kommst, ist die Sonne ein gutes Stück am Himmel weiter gewandert und eure Wasserkrüge sind geleert. Du breitest das Tuch mit dem Artefakt vor euch aus, als du aus dem Augenwinkel eine Bewegung wahrnimmst und gerade noch zurück schrecken kannst. Pfeilschnell saust der lange, grün-goldene Leib einer Schlange aus der Steinmauer hervor und bedrohlich baut das Tier sich zwischen euch und dem Diadem auf. Die Schwanzspitze des an die 2 Schritt messenden Wesens ist mit einer Klapper aus Hornschuppen bewehrt, die es aufgeregt schwenkt, was einen zischenden Ton verursacht.
    Mit einer Selbstbeherrschungsprobe gelingt es dir ruhig zu bleiben und Birshens Reaktion abzuwarten…

  7. Da ich eine nur sehr geringe Selbstbeherrschung habe (Taw 0), misslingt mir die Probe unglücklicherweise mit 6 Punkten. In der dritten Teilprobe auf Körperkraft ging es leider mit einer 18 derbe daneben.

  8. Während du mit einem erschrockenen Aufschrei von deinem Kissen rutscht, geht Birshen vor dem Tier in die Hocke.
    “Danke für die Warnung, Heshinja,” sagt sie, und tätschelt der Klapperschlange beruhigend den Kopf, “ich werde es nicht anfassen!” Dann nimmt sie das Tier auf ihre Arme und hebt sie zu dir herüber. Lidlose sandfarbene Augen fixieren dich, während die Schlange mit ihrer Zunge deinen Geruch testet. “Ich sehe, du hast meine Vertraute noch nicht kennengelernt!” grinst Birshen. “Heshinja, darf ich dich mit Dscheridan bekannt machen? Er wird ein paar Tage unser Gast sein.” Die Schlange legt den Kopf schief und kriecht schließlich auf die Steinmauer zurück. Ihr Oberkörper bleibt in der Luft, und ihr starrer Blick abwechselnd auf dich, und das Artefakt gerichtet.
    “Ein gefährliches Schmuckstück, wie du bereits sagtest…” murmelt Birshen, während sie sich vor das Tuch kniet. Sie dreht es hin und her, dann kneift sie die Augen zusammen und beginnt eine Formel zu murmeln. Angestrengt mustert sie das Diadem, ihre Lippen bewegen sich dabei weiter. Schließlich lässt sie die Schultern sinken. Sie sieht dich ernst an. “Ein finsterer Magier hat dies Schmuckstück geschaffen. Ich erkenne nicht alle Formeln, die darin verankert wurden, aber es sind mächtige. Schwarze Zauber, mindestens einer davon. Er nährt sich von der Lebens- und Zauberkraft, dessen, der es berührt. Ich werde mehr Zeit brauchen, um dir genaueres zu sagen, ich denke ich sehe es mir später im Studierzimmer genauer an – es sollten Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden.” Sie schlägt das Diadem wieder in das Tuch ein. “Es ist eine sehr interessante Geschichte, in die du da verwickelt worden bist, junger Dscheridan. Ich danke dir, dass du sie mir offen erzählt hast. Ich werde tun, was in meiner Macht steht um dir zu helfen. Die Hexen in meiner Schwesterschaft haben sich dem Sammeln und Mehren von Wissen über das Wesen der Magischen Fähigkeiten verschrieben, und mir scheint, es wird sich als nützlich erweisen, dass ich über eine gewisse Kenntnis über die Fähigkeiten der Akademiemagier verfüge… Mir scheint aber auch, dass deine vermisste Freundin möglicherweise eine ebenso wichtige Rolle spielt, wie das Diadem selbst. Wir können nur hoffen, dass sie bald hier eintrifft!”
    Den Rest des Abends wird Birshen sich mit Vorbereitungen für die genauere Analyse des Artefakts beschäftigen. Dir gibt sie dabei, wenn du keine weiteren Pläne hast, ein paar einfache Aufgaben, hauptsächlich das Herbeiholen verschiedener Zutaten und Gegenstände. In der Dämmerung kehrt auch Rashid stolz mit einigen erbeuteten Vögeln und einem selbstgebauten Bogen zurück. Bereitwillig teilt er seinen Fang mit euch und erzählt mit leuchtenden Augen von seinen Jagdplänen für Morgen und von Fallen, die er ausgelegt hat. Für die Nacht bietet dir Birshen an, ihr Lager in der Küche zu nutzen, sie möchte wach bleiben, um bei Madalicht bestimmte Einsichten in die Artefaktstruktur zu gewinnen, und wird danach oben im Turmzimmer schlafen. Rashid verkündet, unter einem festen Dach auf keinen Fall ruhig schlafen zu können und sucht sich ein Nachtlager im Freien.

  9. “Heshinja also?” Ich kann das unbehagen in meiner Stimme nicht verbergen und Birshen wird es vermutlich sehr amüsieren, dass ich mich offenbar ein wenig vor ihrem Vertrauten fürchte. “Ich hatte vermutet du seiest im Zeichen der Katze aufgewachen. Verzeih meine diesbezügliche Überheblichkeit.” Mit diesen Worten rutsche ich auf meinen Platz zurück und entspanne mich wieder. “Kurios. Alle Tiere scheinen die Macht des Artefakts zu spüren. Dein Vertrauter … wie auch der Gepard eine gute Intuition zu haben scheint. Beeindruckend.”

    Über die beschließenden Worte zu Domna Larissia denke ich noch lange nach. Was wohl das Geheimnis dieser westlichen Schönheit ist? In einer ruhigen Minute nehme ich mir abermals ihr Tagebuch vor und lese darin.

    Tatsächlich lasse ich mich in diesem Fall dann gerne herumscheuchen, hoffe ich doch insgeheim vielleicht etwas von der mächtigen Hexe lernen zu können. Ich werde auf jeden Fall sehr genau beobachten was sie tut. Bei ihrer Ausführung zur Vorbereitung im Madalicht werde ich mich auf jeden Fall erkundigen, ob ich dort weiter behilflich sein kann. Ich werde mich aber nicht aufdrängen.

    Über Rashids Veränderung bin ich nun doch etwas überrascht oder verhält er sich in etwa, wie er sich auf dem gesamten Weg gebärdet hat? Seine plötzliche Begeisterung für die Jagd irritiert mich ein wenig. Den Vorfall vom Mittagessen verbuche ich mal unter kindlichem Unwissen und lasse es damit auf sich beruhen. Dass er dann unbedingt draußen nächtigen will finde ich überraschend: “Rashid! Bedenke dass dort draußen mein – der – Gepard herumläuft und Birshen sunya eine Schlange als Haustier hält. Solltest du in der Nacht von diesen Gesellen Besuch bekommen, so denke daran dass wir nicht sehr erfreut darüber wären wenn du sie als Jagdbeute betrachtetest. Außerdem sollte ich dich dann wohl schon einmal vorwarnen: Dort wo wir hingehen werden schlafen fasst alle Menschen in Steinhäusern.”

    Auf eine längere Diskussion zu diesem Thema lasse ich mich nicht mit ihm ein. Abkürzen kann ich etwaige Widerworte immer mit dem Hinweis, dass es sein größter Wunsch war den Pfad des Kriegers zu verlassen.

    Wenn ich dann nicht weiter helfen kann und Rashid wirklich beschließt draußen zu nächtigen werde ich Birshen um eine Möglichkeit ersuchen mich waschen zu können. Wenigstens einen kleinen Teil des Drecks möchte ich von mir abwaschen. Dann fläze ich mich bar meiner Obergewänder (die ich auch gern waschen / lüften würde) in die Ecke in der Küche, die Birshen mir gewiesen hatte. Wenn Rashid eh draußen nächtigt bleibt wohl eine Decke mehr für mich.

  10. Rashid reagiert auf deine Ermahnung ungewohnt heftig: „Ich fürchte nicht Gepard und Schlange! Und ich ihnen auch nichts tun werde- du verstehst nicht!“ schimpft er. Auf deinen Hinweis, dass es sein eigener Wunsch war, den Pfad des Kriegers zu verlassen, brüllt er dich an: „Aber ich trotzdem noch Ferkina. Und Ferkina essen Fleisch und schlafen unter den Sternen! Du einfach gar nichts verstehen!“ Damit stürmt er nach draußen und würde sicherlich die Tür hinter sich zuknallen, wenn die so etwas mit sich machen ließe. Schulterzuckend lässt du ihn zunächst ziehen.

    Birshen hingegen freut sich sichtlich über dein Angebot, bei den nächtlichen Untersuchungen behilflich zu sein: „Tatsächlich könnte ein Mann mit deinem Verhandlungsgeschick recht nützlich sein. Ich werde mir nämlich einen Rat einholen müssen, von einer Person, die keine allzu hohe Meinung von mir hat. Aber lass mich alles von vorne erklären, ich denke inzwischen ist es nur billig, dass auch du etwas über mich erfährst!“

    Und bei einer Tasse heißen Tees, Ziegenkäse und Oliven erzählt dir Birshen am prasselnden Kaminfeuer dann ihre Geschichte:
    “Ich habe nicht immer so abgeschieden in diesem Turm gelebt, aber den Weg, den Satuaria für mich vorgesehen hat, ist schon immer der einer Einzelgängerin gewesen. Ob unter den Schwestern des Hesindeschreins, denen meine Eltern mich als kleines Kind wegen meiner seltsamen Anziehungskraft auf Schlangen anvertrauten, zu denen ich mich aber nie richtig zugehörig fühlte, oder später unter den Schwestern des Wissens. Meine Lehrmeisterin war bei einem Besuch des Schreins auf mich aufmerksam geworden und hatte mich in ihre Obhut genommen. Wir zogen gen Norden, aber mein Herz blieb immer hier gefangen. Als ich auf einem Heimatbesuch schließlich Heshinja fand und zu meiner Vertrauten machte, war es sozusagen offiziell – ich passte nicht richtig zu den anderen Schwestern mit ihren zischelnden, glatten Smaragdnattern. Auch wenn nie jemand etwas aussprach, bei unseren Zirkeltreffen hatte ich immer öfter so ein Gefühl…” sie sieht dich mitfühlend an, “ich schätze mal eine kleinere Version dessen, was du auf deiner Hexennacht erlebt hast. Schließlich war ich erfahren genug, keine Lehrmeisterin mehr zu benötigen und ich begab mich auf Wanderschaft. In der Natur von uns Schlangenhexen liegt eine tiefe Neugier für alle astralen Phänomene, und so suchte ich eine zeitlang den Austausch mit magischen Fakultäten. Aber auch hier fühlte ich mich nicht zuhause, zu stark wiegt Sumus Erbe in mir, und die Vorstellung astrale Kräfte mit dem Verstand zu formen in dem man seine Gefühle völlig ausblendet ist – wie du mir sicher zustimmst einfach lachhaft. Hinzu kommt, dass hier im Tulamidenland die magischen Spektabilitäten geradezu fanatisch sind, ihre Formeln nicht zu teilen, und auf gar keinen Fall und zu forderst bestimmt nicht mit einer Frau…” Sie lacht bitter. “Haben wir nicht auf eine seltsame Weise viel gemeinsam, Dscheridan?” dann nimmt sie den Erzählfaden wieder auf: “Na über kurz oder lang bin ich schließlich zu der selbstbewussten Tochter Satuarias geworden, die ich jetzt bin. Ich habe die Bettstatt manch eines Magiestudenten geteilt und dadurch mehr Einblicke in die gildenmagische Denkweise erhalten, als ich es in einer Universität wohl hätte haben können. Ich habe Freundschaften mit Hexen verschiedenster Schwesternschaften geschlossen – dazu gehört auch deine Großmutter – die weise genug sind, zu erkennen, dass niemand so vermessen sein sollte zu behaupten, sein Weg sei der einzig richtige Weg. Und ich habe dies wunderbare Zuhause und Versteck! In der Gestalt des ibn Esy kann ich den Einheimischen hier bei verschiedenen Problemchen helfen ohne dass sie ihre beengte Denkweise aufgeben müssen. Und es ist durch die Luft nur ein Katzensprung in meine alte oder meine neue Heimat. Du hast bestimmt schon bemerkt, wie wunderbar der Blick hier Richtung Mhanadi und auch Richtung Khom ist. Dieser Ort schenkt mir Kraft. Und das hat er auch schon früher getan, denn dieser Turm wurde einstmals gebaut von einem Beschwörer namens Cherek ibn Sahil. Er starb vor vielen vielen Jahren in einem magischen Unfall, und niemand wagte es, seither den Turm zu betreten, denn es hieß sein Geist geht hier um. Und so ist es auch. Allerdings habe ich mich mit ihm gut arrangiert. Er erscheint kaum mehr. Und rufen kann ich ihn nur des Nachts, und nur im Studierzimmer. Ob er uns bei unserer Analyse jedoch hilft entscheidet nur er. Und da kommst du ins Spiel. Von mir hält er nicht allzuviel. Ich habe es ja in meinen ersten Tagen hier schließlich gewagt, sein Studierpult zu verrücken…”

  11. Ich glaube am folgenden Morgen muss ich mir Rashid mal zur Brust nehmen und ihn fragen, was auf einmal mit ihm los ist. Ob er wohl Heimweh hat?

    Beim Bericht über ihr Leben hänge ich gebannt an Birshens Lippen. Tatsächlich wird mir die mächtige Frau mit jedem Augenblick sympathischer. Ganz anders als den anderen feliden Hexen meiner Schwesternschaft mangelt es ihr an Überheblichkeit, was mir sehr gut tut. Ein wenig erinnert sie mich sogar an meine Großmutter. Einzig ihr Forscherdrang ist mir arg fremd und ich stelle fest, dass ich in der Hinsicht die teils ausgeprägte Bequemlichkeit doch ein wichtiger Teil von mir ist.

    Mit dem Geist eines Magiers zu parlieren finde ich zur Abwechslung eine sehr spannende Herausforderung und bin ganz Feuer und Flamme. “Nimm bitte nicht Ernst, sollte es sich als Notwendigkeit erweisen dich – nun ja – nicht in vollem Glanze darzustellen. Wisse, dass ich das nicht so meine. Ich könnte mir nur vorstellen dass ein wenig Herablassung gegenüber einer Frau ihn auf unsere – meine – Seite bringt. Wenn auch nur ein Tropfen novadischen Blutes in ihm fließt jedenfalls. Aber wir werden sehen. Weißt du welchen Rang er bekleidete? Damit ich ihn angemessen anspreche.”

    Und dann geht es los. Ich werde ihm ordentlich Honig um den Bart zu schmieren versuchen, seine Weisheit preisen und deutlich zu machen versuchen dass ich aus Erzählungen von ihm gehört habe und mich freue, dass Birshen mir ermöglicht mit ihm zu sprechen. Reicht doch ihre Weisheit bei Weitem nicht aus mir bei meinem Problem zu helfen. Immerhin ist sie weise genug mich an ihn zu verweisen.

    Und hier mein Spiegel der Talentwerte (Talentwert in Klammern):

    Menschenkenntnis 1 TaP* (6)
    Überreden 8 TaP* (8)
    Betören 6 TaP* (6)
    Etikette 1 TaP* (6)

    Und hier Wissensfertigkeiten, die helfen könnten:

    Magiekunde misslungen
    Sternkunde 3 TaP* (5)
    Sagen / Legenden 4 TaP* (4)

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