Ihr setzt euch gemütlich in die Kissen und entzündet die Wasserpfeife. Der Tabakrauch scheint eure heißen Gemüter ein wenig zu besänftigen und langsam kommt ein Gespräch zustande. Khorim scheint fürs erste eine Art Waffenstillstand mit dir geschlossen zu haben und begenet dir höflich reserviert, jedoch nie freundlich.
Benayman, der dich alsbald doch ermutigt, ihn Benay zu nennen, tut sein Bestes, um die Wogen zu glätten sobald das Gespräch irgendwo anzuecken droht. So lernst du deine beiden Mitbewohner etwas besser kennen: Beide gehören dem Abschlussjahrgang an, wobei Benay gelassen erzählt, dass ihm noch nicht gelungen ist, alle Lehrmeister von seinem Können zu überzeugen, und er wohl noch ein Jahr länger an der Akademie verweilen wird. Der zielstrebige Khorim wird direkt im Anschluss an die Feierlichkeiten zurück zu seinen Stammesbrüdern nach Gorien kehren…
Im Gegenzug wirst auch du aufgefordert etwas über dich zu erzählen. Es gelingt dir, ein ganz ähnliches Bild zu zeichnen wie du es schon vorhin bei Laila getan hast, woraufhin Benay dir verständnisvoll zuzwinkert und Khorim höflich versucht seine Missbilligung deiner mangelnden Arbeitsmoral zu verbergen. „Vielleicht solltest du dich bei Magister Dunchaban vorstellen, er vermag wohlmöglich noch einen Musterschüler aus dir zu machen…“
Und damit wäre die Überleitung geschaffen zu den Dingen, die dich wirklich interessieren. Von Magister Dunchaban zeichnen beide Studiosi ein ähnliches Bild des ungeduldigen und höchst gestrengen Lehrmeisters, dem Unvermögen jeglicher Art zuwider ist. Der Unterricht in seiner Artefaktschmiede in den dunklen Kellern des „Turm der Stürme“ ist beiden gleichsam verhasst.
Da Spektabilität Dschelef ibn Jassafer zur Zeit sehr in die eigene Forschung versunken ist und oft wochenlang auf lange Expeditionen verschwindet, hat Dunchaban als Vizespektabilität zur Zeit das Sagen an der Akademie. Sehr zur Überraschung der übrigen Magister hat er diesen Einfluss in letzter Minute geltend gemacht um sein Protege Maruch als Jahrgangsbesten und damit Anwärter auf das Rohalsmal zu vorzuschlagen. Bis vor ein paar Tagen handelte man „den Elementaristenstreber“ noch auf dem zweiten Platz, hinter der dämonologischen Spitzenschülerin Elizeth (der Dame, die vorhin so energisch ihre Tür schloss). Nach einer langen und gewissenhaften Prüfung ist das Kollegium wohl soeben zum Entschluss gekommen, Dunchabans Empfehlung zu folgen. Maruch hat nun den ganzen Jahrgang auf einen Umtrunk in den Sternenturm eingeladen, und weil sie sich bald nicht mehr sehen werden, wollte Khorim Elizeth überzeugen, trotz des gekränkten Stolzes dort mit hin zu gehen. „Sie jedoch zieht es vor allein in ihrem Zimmer zu schmollen,“ schließt Benay den Bericht, „aber ich denke wir beiden gehen gleich noch ne Runde rüber, was?“ stupst er Khorim an. Dann wendet er sich wieder dir zu: „Komm doch mit, es hat bestimmt keiner was dagegen, und da kannst du unserem zukünftigen Magister Maruch gleich schonmal die Hand schütteln…“
Höchst spannend das alles, auch wenn ich feststelle, dass sich gewisse Ränge langsam in meinem Kopf zu verknoten beginnen. Insbesondere ist mir gerade nicht mehr klar, wie Magister Dunchaban gleichsam hier oberster Lehrer sein kann wie auch der Großwesir. Vielleicht liege ich mit der Vermutung auch gänzlich falsch. Während die beiden mir also vom gestrengen Magus berichten, werfe ich noch beiläufig ein: „Ach, habe ich den Namen Dunchaban schonmal im politischen Unterricht gehört? Ist er nicht auch Wesir hier in Rashdul? Oder bringe ich da etwas durcheinander?“
Auf Benays Aufforderung mich zu begleiten nehme ich einen langen Zug an der Wasserpfeife und schaue dann sinnierend aus dem Fenster um Zeit für eine geeignete Antwort zu finden. Dann schaue ich die beiden an und sage: „Wenn ihr mich fragt hört sich das Ganze ziemlich nach einer politischen Entscheidung an. Offenbar ist dieser Maruch wohl ein rechter Speichellecker und wusste wem er Honig um den Bart schmieren muss um diesen Wettstreit zu gewinnen. Recht tut Elizeth daran, ihm die Ehre ihrer Anwesenheit zu verweigern, wenn sie in dieser unfairen Art und Weise ausgestochen wird. Deshalb nehmt es mir nicht übel, aber ich verzichte darauf die Bekanntschaft eures Mitstreiters zu machen. Aber geht nur los, die Reise war ohnehin anstrengend, vielleicht gehe ich auch gleich schlicht ins Bett.“
Sollten sich die zwei mit meiner Ablehnung zufrieden geben, so reift in mir der folgende Plan: Ramal darf es sich auf meinem Schlafplatz gemütlich machen. Ich denke, bei dem was ich vorhabe ist er besser hier aufgehoben als Bewacher meiner Habseligkeiten, denn als Begleiter. Mein Flugbrett schnalle ich mir auf den Rücken unter mein Gewand und dann geht es nochmal hinaus in die Nacht. Wenn alle Schüler den Sieg von Maruch feiern ist jetzt vielleicht die Gelegenheit zu seinem Zimmer hochzufliegen und einmal zu schauen, ob sich beim feinen Herrn Magister etwas Hilfreiches findet.
Den größten Teil des Weges würde ich zu Fuß zurücklegen und dann an der Mondschattenseite des Elementartraktes hinauffliegen. Ich habe da so eine gute Ahnung wo sein Zimmer sein müsste …
Hier noch einige Ergänzungen zu eurem Gespräch:
Auf deine Frage nach Dunchabans politischer Relevanz nickt man heftig. „Du hast richtig gehört, Cherek. Seit dem Tode von Sultan Kasim ben Rajad, gepriesen sei seine Langlebigkeit, regiert in Rashdul die Shanja Eshila, gepriesen sei ihre Schönheit. Aber da man von einer Frau ja kaum erwarten kann, in politischen Dingen allein die richtige Entscheidung zu treffen, sind wir sehr froh, dass ihr Onkel, unsere Vizespektabilität – gepriesen sei seine Umsicht – ihr als Großwesir beratend zur Seite steht. Dies stärkt die Bande der Al’Pjandashtra mit der Stadt ganz ungemein, bis dass die Shanja einen neuen Ehemann erwählt.“ So spricht Kharim und Benay ergänzt: „Ehrlich gesagt waren wir hier auch ganz froh, dass der Herr Großwesir dank seiner politischen Verpflichutungen eine zeitlang seinen Lehrpflichten an der Akademie, nun sagen wir, etwas weniger häufig nachgekommen ist… Es macht mich vieleicht zum Maultier im Shadifen-Stall, aber ich bin um jede Stunde froh, in der ich keine Wunderlampe verzaubern oder Ringe ziselieren muss… Doch wie es scheint, hat der hochgelehrte Dunchaban seine Löffel gern in vielen Töpfen gleichzeitig. Böse Zungen sagen gar, dass er die Berufung zur Vize-Spektabilität nur seinen Verbindungen in in den Sultanspalast zu verdanken hat… Man hat halt gerne ein paar Hände in der Nähe der Baumkrone, wenn die Dattelernte ansteht…“
Auch wenn du von Benays bilderreicher Sprache etwas irritiert bist findest du inzwischen richtig Gefallen an dieser Gesprächsrunde. Wie die Beys bei einer Shisha über die politische Lage fachsimpeln – du gewinnst wieder etwas Boden unter den Füßen auf dem seltsam unbekannten Terrain der Akademie…
Und so lehnst du dich also sinnierend zurück und bläst den Rauch bewusst langsam heraus, bevor du später auf Benays Einladung erwiderst:
„Wenn ihr mich fragt hört sich das Ganze ziemlich nach einer politischen Entscheidung an. Offenbar ist dieser Maruch wohl ein rechter Speichellecker und wusste wem er Honig um den Bart schmieren muss um diesen Wettstreit zu gewinnen. Recht tut Elizeth daran, ihm die Ehre ihrer Anwesenheit zu verweigern, wenn sie in dieser unfairen Art und Weise ausgestochen wird. Deshalb nehmt es mir nicht übel, aber ich verzichte darauf die Bekanntschaft eures Mitstreiters zu machen. Aber geht nur los, die Reise war ohnehin anstrengend, vielleicht gehe ich auch gleich schlicht ins Bett.“
„Oooch, Cherek, so übel ist er gar nicht, dieser Maruch!“ setzt Benay sofort nach, „außerdem sind dort all die netten Leute und hübschen Damen!? Und ein kleines Gläschen nach der langen Reise wird dich die Anstrengung schnell vergessen lassen…“ Auch Khorim ergänzt: „Tatsächlich gäbe es für einen Mann mit deiner scharfen Auffassungsgabe dort sicher einige interessante Beobachtungen zu machen sowie Kontakte zu knüpfen…“
Die beiden versuchen dich zu ermutigen, mitzugehen und ihre Einladung noch einmal zu bekräftigen. Wenn du weiter auf deinem Wunsch bestehst, dich zur Ruhe zu begeben, bedrängen sie dich aber nicht weiter.
Du begleitest die beiden als sie aufbrechen bis ins Treppenhaus – so kannst du dir noch einmal genau die Lage von Elizeths Zimmer einprägen, vor dem die Beiden noch einmal lautstark verkünden, dass sie nun rüber gehen. Das Einzelzimmer ist in der Mitte zwischen Herren- und Damentrakt gelegen (von Außen gesehen genau über dem verschlossenen Torbogen) und direkt über das Treppenhaus zugänglich. Auch dies Zimmer liegt zur Außenseite der Außenmauer gelegen und du vermutest, dass es über ähnliche Fenster verfügt wie euer Schlafsaal.
Gibt es irgendwelche Ergänzungen oder ziehst du wie beschrieben los?
Oh Mutter Satuaria, auf welch harte Probe stellst du mich hier. Wie süß klingt der Gesang der Rache in meinen Ohren und mit welcher Freude würde ich meine zwei neuen Bekannten nun zu diesem Umtrunk begleiten um Maruch hämisch ins Gesicht zu lachen.
Aber nein. Ich habe einen Schwur geleistet und den zu erfüllen hat die oberste Priorität. Was würde mich auch schon erwarten außer ein kurzzeitig verdutzter Maruch, der mich alsbald als der Entführer der Wesira von Rashdul entlarven und in den Kerker sperren lassen würde. Ich räume allerdings ein, dass ein gewisser Zweifel in mir nagt, ob er nicht vielleicht sogar Gefallen an meinem Spiel finden würde.
Nein, ich wische diese Idee beiseite. Ich bleibe bei meinem Plan und dem Versuch so viel wie eben möglich herauszufinden und mache mich auf den Weg sobald Benay und Khorim gegangen sind. Ramal nehme ich zuvor noch einmal fest in den Arm: „Wünsch mir Glück!“