Feqz scheint dir hold, denn dein Abflug verläuft gänzlich unbemerkt. Lautlos gleitest du an der Wand empor und schwebst jetzt über dem mit Ziegeln gedeckten Wehrgang der Akademiemauer.
Du hast ein etwa 6 Schritt breites Giebeldach zu überwinden und bist gerade kurz hinter dem First als du aus dem Augenwinkel einen Schatten bemerkst, der auf dich zusaust. Ein schwarzer, geflügelter Umriss von der Größe eines Geiers hat sich von einem der Türme geschwungen und fliegt direkt auf dich zu. Kurz bevor ihr aufeinanderprallen würdet reduziert das Wesen zwar die Geschwindigkeit, aber du hast trotzdem den Eindruck, es zielt mit seinen Klauen auf dein Brett. Dank deiner gelungenen Fliegen- Probe kannst du ihm mit einen eleganten Schlenker ausweichen. Dein Gegenüber schlägt mit den Flügeln, und setzt seinerseits zur Wendung an. Aus der Nähe erkennst du, dass es sich mitnichten um einen Vogel handelt, vielmehr um ein untersetzes Männlein mit Krallen an Händen, Füßen und den Flügelenden. Es trägt keine Kleidung und seine Haut ist von einer granitenen, porösen Struktur und von der selben Farbe wie die Türme. Aus seinem Rücken wachsen zwei fledermausartige Flügel und ein, in einer spitzen Flosse auslaufender, Schwanz. Sein Gesicht ist länglicher und das Kinn und Ohren spitzer als die eines Menschen. Auf der Stirn wachsen ihm zwei winzige Hornspitzen.
Das Wesen stößt ein meckerndes Lachen aus, als es erneut auf dich zu fliegt. Es scheint Gefallen daran gefunden zu haben, deine Flugbahn zu stören. So fliegt es jetzt nicht mehr direkt auf dich zu, sondern flattert knapp vor dir einmal längs oder um dich herum und zwingt dich so in die wildesten Ausweichmanöver. Schließlich wird ihm aber auch dieses Spiel langweilig und es lässt sich mit einem dumpfen Geräusch auf dem vorderen Ende deines Brettes nieder. Es reicht dir etwa bis zur Hüfte und ist erstaunlich schwer.
Würfle bitte erneut eine Fliegen- Probe, ob du das Brett mit dem zusätzlichen Gewicht in der Luft hälst, oder ob eine Zwischenlandung auf dem Dach angesagt ist.
Das Wesen grinst zu dir hoch und entblößt dabei einige spitze Zähne: „Na sieh mal einer an, da haben wir ja ein wendiges Erd- Jungchen… Ich wollte mich gerade ärgern, dass die jungen Zauberer mich von meinem Lieblingsturm vertrieben haben, aber nun tauchst du hier auf und sorgst für Abwechslung, wie angenehm…. Ich bin übrigens Karshaz, Sahib al’Azrar (Hüter der Geheimnisse) der Al’Pandjashtra!“ er deutet eine kleine Verbeugung an: „Du weißt nicht zufällig eins für mich?“
Elegant (5 TaP*) fange ich die plötzliche Unwucht meines Fluggerätes ab, beschließe dann trotzdem einen kurzen Zwischenstopp auf dem Dach zu machen. Zu unheimlich erscheint mir das Wesen. Die zwei Mädchen hatten mich ja vor dieser dämonischen Entität gewarnt, als die ich den Gargylen schlechten Wissens zunächst gedanklich einsortiere, aber ich hatte gehofft mir würde eine Begegnung erspart bleiben. Soviel zum Thema Heimlichkeit.
So lande ich denn also auf einer möglichst geraden oder wenigstens nicht allzu steilen Stelle und mustere das Wesen argwöhnisch, während es sich vorstellt. Ich kratze mit Daumen und Zeigefinger gespielt nachdenklich mein Kinn als ich ihm antworte: “Oh, Cherek ibn Sahil kennt eine Menge Geheimnisse, aber die Frage ist doch, Karshaz, was würde ihm denn nutzen dir eines davon anzuvertrauen?”
Wieder lässt das Wesen sein keckerndes Lachen ertönen. Übertrieben sinnierend streicht es sich über die Kinnspitze: „Was es ihm nutzt, was es ihm nützt? .. Höre – Erdenjunge, ich schlage dir ein Spiel vor: Erzählst du mir ein Geheimnis über etwas in dieser Akademie, das ich noch nicht kenne, verrate ich auch dir eins, das du noch nicht kennst… Was es auch sei, das Passwort für den Mädchenschlafsaal, einen geheimen Zugang zur Bibliothek… Karshaz kennt die verborgensten Winkel und geheimsten Geheimwörter, eins will ich dir wohl anvertrauen, wenn mich dein Geheimnis beglückt…“ Lustig flackert es in seinen Augen, als er weiter spricht: „Tut es das nicht, oder ich kenne es gar schon – schmeiß ich dich vom Dach.“
Man soll sich auf keinen Handel mit diesen Wesen der Niederhöllen einlassen, schießt es mir direkt durch den Kopf. Dass das kleine, aber unglaublich schwere Wesen seine unterschwellige Drohung wahr machen wird, bezweifle ich trotzdem keine Sekunde. Und darüber zu feilschen, wie eine Prüfung des Wahrheitsgehalts der Aussage des Wesens meinem Geheimnis gegenüber steht, erscheint mir auch nicht fruchtbar. Außerdem … vermutlich hat es hier einen Ruf zu verlieren.
Ich schaue das Wesen eindringlich und forschend an. Mein inneres kämpft einen großen Kampf. Die Risikofreude und die Bereitschaft schnell ans Ziel zu gelangen gegen die Vernunft heimlich und unentdeckt zu bleiben.
“Nun Karshaz, dein Vorschlag klingt in meinen Ohren mehr nach einer Drohung als nach einem Handel. Aber da mich deine Ware interessiert bin ich einverstanden. Natürlich muss ich wissen, ob du die Antwort auf meine Frage denn überhaupt kennst. Mein Geheimnis ist überaus kostbar, das würde ich nur ungern an eine Wolke heißer Luft verschleudern. Mich interessiert der Weg in Magister Dunchabans Gemächer, musst du wissen. Kannst du mir den nennen bin ich bereit mein Geheimnis zu teilen.”
Satuaria hilf. Auf diese gezinkte Karte in Form einer grässlichen Kreatur zu setzen, ist unvernünftig und kühn, aber vielleicht das, was mir jetzt helfen kann. Soll er doch erfahren wer ich bin … so wie ich es einschätze wird er auch diese Information nur gegen einen Preis an andere herausgeben. Und mit etwas Glück halten die Magister nicht viel von ihm und interessieren sich nicht für seinen Klatsch.
Mir schlägt das Herz bis zum Hals und ich schaue ihn erwartungsvoll an …
Die Augen des Wesens lodern auf, als du ein kostbares Geheimnis erwähnst. Soweit man es bei solchen Wesenheiten sagen kann, würdest du sagen, es ist sehr interessiert an deiner Ware. Es reibt sich fröhlich die Hände und grinst dich an: „Zur Vizespektabilität will er… jaja, da kann Karshaz von Nutzen sein. Es gibt zwei Pforten, die du durchschreiten musst. Wie du ja vielleicht schon entdeckt hast, ist das Palazzo von einer Hecke komplett umgeben. Nur wenn du dich an der richtigen Stelle positionierst und das richtige Wort sprichst, wird sich die Hecke öffnen, und dich hindurch lassen. Und dann gibt es noch den Eingang zum Palazzo selbst. Es gibt jede Menge offene Tore und Fenster, aber wirst du nicht die richtige Formel sprechen, wenn du hindurchschreitest, wirst du dort festkleben, sobald dein Fuß den Boden berührt. Dann stehst du dort, bis dich ihro Vizespektabilität abzulösen gedenkt…“ er kichert kurz sein häßliches Lachen, sieht dich dann aber durchdringend an: „Wenn dein Geheimnis gut ist, nenn dich dir beide Formeln. Ist es außergewöhnlich, fällt mir vielleicht noch etwas ein, was ich über einen Geheimgang weiß… Doch nun lass erstmal hören, was das für ein wertvolles Geheimnis sein mag!“
“Nun, mein Geheimnis ist nicht so etwas langweiliges, wie etwa das Passwort zum Dormitorium der Schüler im dritten Stock der Dämonologen, denn das kennst du ganz gewiss schon. Auch das Neraida und Laila über beide Ohren hoffnungslos in den Meisterschüler Maruch verliebt sind wird dich kaum interessieren und ist bei so jungen Dingern wohl nichts außergewöhnliches. Gut, über Maruch könnte ich dir in dem Zusammenhang etwas pikantes stecken, aber wir sind hier ja bei Geheimnissen und nicht bei Klatsch und Tratsch.”
So plaudere ich drauflos um etwas Zeit zu gewinnen und den kleinen Dämon ganz nebenbei davon zu überzeugen, dass es unüberlegt wäre mich vom Dach zu stoßen.
Und während ich da so rede fällt mir ein, dass ich dem Wesen auch einfach Maruchs Lebensgeschichte auftischen könnte, die er ja noch nie zuvor mit jemandem außer mir geteilt hat. Das wäre schon einmal eine kleine Rache. Trotz meines Grolls bringe ich so etwas aber nicht über’s Herz. Ganz kurz wundert mich dieser Gedanke.
“Dann will ich also meinen Preis zahlen: Mein Geheimnis ist sehr wertvoll, weil es sehr persönlich ist. Vor dir, Dämon der Lüfte, steht eben nicht Cherek ibn Sahil, wie ich seit meiner Ankunft alle hier glauben lasse, sondern ein Sohn der eigeborenen Tochter Sumu. Dsche Wüstenwanderer ist mein Name und ein Hexer bin ich, kein Magier. Ich bin gekommen um jene Frau zu finden, die seit vorgestern in Magister Dunchabans Gemächern zu Gast weilt. Dieses Wissen ist kostbar, hängt doch möglicherweise mein ganzes Leben daran und nur du hast davon Kenntnis. Ein würdiger Preis für eine wertvolle Information wie du sie mir versprochen hast.”
Das kleine Wesen lauscht dir mit aufgestellten Ohren und begleitet deine ersten Schilderungen mit abfälligem Geschnaube. Als du aber schließlich mit deinem Geheimnis rausrückst, wird sein Grinsen immer breiter und das Leuchten in seinen Augen immer glühender. Als du schließlich ans Ende deiner Ausführungen angelangt bist vollführt es vor Freude einen kleinen Salto in der Luft. Du bist froh, dass du dein Brett gelandet hast, sonst hätte dich diese Aktion sicher aus dem Gleichgewicht gebracht. „Hahaha! Vorzüglich!“ triumphiert es: „Die Langeweile hat ein Ende! Eine Frau in Dunchabans Gemächern, oh wunderbar, du kleiner Sumu-Junge! Sag schnell, ist sie etwa in deinem Alter und kommt von weit den Fluss hinauf?“
Ich bin so verdattert, dass ich außer einem impulsgesteuerten, fragend klingenden “Ja?!” keine eloquente Antwort hervorbringe. Ich hätte natürlich um die Herausgabe weiterer Informationen feilschen sollen statt die Antwort direkt zu geben, doch nun ist es zu spät und so setze ich nach einem kurzen Moment hinterher:
“Nun, ich sehe meine Information befriedigt dich. Wenn ich dann jetzt um deinen Teil der Abmachung bitten dürfte.”
Karshaz frohlockt ob deiner schnellen Antwort. Als du ihn dann an seinen Teil der Abmachung erinnerst überzieht ein Grinsen sein Gesicht, von dem du nicht recht weißt, ob es freundliche Entschuldigung oder Häme ausdrückt. Mit einem kurzen Kopfschütteln verbeugt er sich vor dir: „Aber natürlich, wird Karshaz seinen Teil der Abmachung einhalten. Da du mir viel Zerstreuung bereitest, mache ich dir ein Geschenk: Höre folgendes – aber spitze die Ohren gut, denn ich werde mich nicht wiederholen: Im Keller des Wesirspalazzos gibt es eine Verbindung zum Turm der Stürme. Suche ein großes Regal mit vielen Glasflaschen. Im obersten Fach an 5ter Stelle steht ein Behältnis mit einer grünen Flüssigkeit. Drückst du dies kräftig auf den Regalboden, schwingt das Regal beiseite und gibt den Durchgang frei. Durch den Tunnel gelangst du in das Alchemistische Labor im Turm der Stürme und kommst hinter einem ählichen Regal heraus… Fange mit dieser Information an, was du magst.
Und nun zu den versprochenen Passwörtern: Das für die Hecke lautet „klingeling“.
Und gegen das Festkleben hilft dir die Lösung auf folgenden Rätselspruch: „Dein ständiger Begleiter, des Tags an deiner Seite, des Nachts meist nicht erschaut – er macht auch nie nen Laut.“ Sage die Lösung auf der Zauberersprache wenn du das Haus betrittst, oder festgeklebt sein solltest, und du kommst frei.“
Er klettert von deinem Brett auf den Dachfirst und entfaltet seine Schwingen:
„So. Und nun muss ich mir dringend einen guten Posten auf dem Dach des Turms der Stürme suchen. Die kommenden Tage versprechen doch noch interessant zu werden… War mir ein Vergnügen mit dir Geschäfte zu machen, Sumukind.“ Mit einer kleinen Verbeugung verlässt er seinen Sitzplatz und hebt er sich in die Lüfte. Er dreht noch einen Kreis über dir und ruft: „…Ich werde deine Karriere an unserer Akademie aufmerksam verfolgen, Studiosus Cherek…“ dann saust er davon. Sein gräusliches Kichern halt über den leeren Innenhof, während er sich weiter von dir entfernt.
So lässt er mich verwirrt, aber um eine ganze Reihe Informationen reicher, zurück. Was das nur alles zu bedeuten hat, frage ich mich. Turm der Stürme … klingt nach einem perfekten Ort für die Tochter eines Luftdschinns. Zumal dieser ja ‚Sturm‘ genannt werden wollte.
Na ja, so war denn mein kleiner Ausflug bisher nicht ganz ohne Ergebnis. Stumm schaue ich hoch zu den Sternen und schicke Satuaria einen kurzen Dank. Mit dem Gedanken stoße ich mich mit einem Fuß vom Dach ab und gewinne etwas an Höhe, ehe ich auf Maruchs Fenster zu navigiere. Auch wenn ich dort vermutlich viel weniger herausfinde als ich es hier oben auf den Zinnen tat, es kann nicht schaden hier noch einmal hereinzuschauen.
Lautlos gleitest du auf der Außenseite die Mauer herunter bis zu Maruchs Zimmer… Und wieder scheint dir Feqz gewogen, denn wie du entdeckst haben die Einzelzimmer nicht die schmalen Fenster wie die Gruppenschlafsäle sondern tatsächlich eine Art kleinen Balkon. Unter zwei eleganten Spitzbögen kannst du dich problemlos über die Ballustrade schwingen und stehst in einer gemütlichen, mit Kletterpflanzen begrünten Sitznische. Sie enthält eine mit Kissen ausgelegte steinerne Bank und ein rundes Tischen auf dem eine Karaffe steht. Durch zwei weitere mit Vorhängen verhängte Spitzbögen geht es in das Innere des Zimmers. Als du die Stoffbahnen zur Seite schiebst, stellst du fest, dass der Balkon auch Nachteile für deinen Plan mit sich bringt – denn es dringt so gut wie kein Mondlicht bis in das innere Zimmer. Als einzige Orientierungslinie dient dir aktuell der Türschlitz in der Mitte der dem Balkon abgewandten Zimmerseite, durch den ein Streifen Licht vom Flur hereinfällt. Dies reicht dir um vage die Größe des Raumes zu schätzen – es mögen wohl so 4 auf 4 Schritt sein – aber kaum um Umrisse von Möbelstücken zu erkennen. Zeit für eine Probe deiner Sinnenschärfe.
Wie möchtest du den Raum betreten/ untersuchen? Achtest du auf etwas bestimmtes? Wenn du eine Lichtquelle finden solltest, wirst du sie entzünden?
Nach einem Moment des Ärgerns über die Dunkelheit besinne ich mich, schließe kurz die Augen und denke an Ramal. Ich forme meine Gefühle für ihn und fokussiere mich auf den Punkt hinter meinen Schläfen. Die Energie verpufft und es ist dunkel wie vorher.
“Dsche du altes Kamel, nun konzentriere dich” schimpfe ich mich zischend selbst an und denke an Großmutter. Ich denke an ihren Kater und die vielen Male die wir uns Nachts beim herumschleichen trafen. Der warme Gedanke hilft, zumal mir bewusst wird, dass Ramal ebenso wie ich den Tag liebt und nicht die Nacht. Das Gefühl und dessen Energie wird nun sehr klar und ergießt sich auf meinen Wunsch hin über meine Augäpfel. Meine KATZENAUGEN (4 TaP*, 20 Minuten) helfen hoffentlich die Dinge klarer zu sehen. Eine Kerze brauche ich nun nicht mehr zu entzünden.
Meine pro forma gewürfelte Sinnesschärfe-Probe ist trotzdem misslungen.
Mein Flugbrett verstaue ich wieder auf dem Rücken unter dem Gewand.
Ich gehe sehr vorsichtig einen Fuß vor den anderen setzend und einem Impuls folgend argwöhnisch, alles beobachtend, was auf dem Balkon herumsteht, durch den Spitzbogen. Die linke Vorhanghälfte schiebe ich dabei sacht und nur so weit wie möglich mit der linken Hand beiseite, dass ich hindurchpasse.
Besonders interessieren tun mich alle Arten von Notizen und Büchern, die herumliegen. Diese würde ich auch hochnehmen, um sie zu blättern. Persönliche Gegenstände schaue ich nur neugierig an ohne etwas anzufassen. So wie ich Maruch einschätze ist sein Zimmer vorbildlich aufgeräumt und es liegen keine Dinge auf dem Boden einfach so herum?!
Sofern Kisten oder geschlossene Schränke zu finden sind, so probiere ich diese zu öffnen.