“Meinst du?” fragt Dara dich skeptisch.
“Ganz sicher! Wie wäre es, du denkst an jemanden, den du wirklich ganz furchtbar lieb hast! So wie deine Großmutter Dara… Stell dir vor, wie sie ihre Geschichten zum Leben erweckt, und wie gerne du bei ihr bist…“
In blumigen Worten malst du der kleinen Dara das Bild eines unvergesslichen Geschichtenabends. Sie schaut dich dabei schräg an und du gewinnst den Eindruck, dass sie von deiner Begeisterung etwas irritiert zu sein scheint. Dann antwortet sie dir deinen Eindruck widerlegend “Einverstanden, lass es uns ausprobieren!” und hockt sich vor ihr Beet.
“Sehr gut. Und nun nochmal der Abend bei deiner Großmutter und der Gedanke an die wunderbare Blüte die aus diesem Abend entstehen wird.”
Du kniest dich zu ihr und erzählst noch einmal. Diesmal noch farbiger, noch detailreicher und noch mehr die Liebe der Großmutter preisend. Nichts passiert. Du möchtest nun aber nicht sofort aufgeben und fragst Dara nach ihrer Lieblingsspeise. Auch zum wunderbaren Backwerk ihrer Mutter findest du Worte der Lobpreisung und du spürst astrale Energie in dir, die zur Wirkung geformt werden will, ignorierst diese aber. Das ist Daras Moment.
Das Beet bleibt unverändert.
“Nein Mirya, ich glaube das geht tatsächlich nicht” kommentiert die kleine Dara und steht nun sichtlich enttäuscht auf. Dir fehlen für einen Augenblick Worte des Trostes doch da lacht sie dich auch schon wieder an. “Ist halt nur ein Überraschungsbeet.” Mit diesen Worten tapst sie im Hüpfschritt davon.
Selbst etwas enttäuscht rappelst du dich auf und wirfst noch einmal einen letzten prüfenden Blick auf das Beet. Dabei bleibt dein Blick auf dem winzigen Köpfchen eines Sprösslings hängen. Ob er nun vorher schon da war oder nicht vermagst du nicht einmal mit Sicherheit zu sagen,trotzdem rufst du Dara aufgeregt zu dir: “Dara, schau her! Es hat funktioniert. Da sieh nur!”
Das kleine Mädchen eilt zu dir zurück und bewundert staunend das winzige Pflanzenwerk. “Ich bin eine Blütenfee” freut sie sich und klatscht in die Hände. “Das wird also eine Mirya-Blume” bestimmt sie. “Komm wir schauen, ob Mama Naschwerk für uns hat.”
Da scheint die Experimentierfreude deiner kleinen Freundin nicht ganz so ausgeprägt wie sie vielleicht sein sollte. Auf der anderen Seite, so resümierst du innerlich, kann Dara ihre Freude ja auch mit niemandem auf dem Hof so richtig teilen und deshalb ist der Ausgang dieses Versuchs weit weniger bedeutsam für sie als für dich. Und zugegeben, die Beschreibung des Kuchens hat auch dich auf den Geschmack gebracht. Beim Weggehen schaust du ncoh einmal und eher willkürlich in die Runde: War da nicht wieder etwas an der Ecke? Eine Bewegung? Oder nur das sich im Wind wiegende Gras.
[Du kannst die kleine Dara alternativ noch weiter zu Hexereien anzustacheln versuchen, so du das Experiment auszuweiten wünschst. Sie lässt sich von dir ggf. zu einem weiteren Test überreden, wenn du eine entsprechende Probe (um 2 erleichtert) bestehst.
Ansonsten befandet ihr euch ja relativ mittig auf der Rückseite des Gehöfts. Dara tänzelt auf das Gehöft blickend nach rechts die Außenmauer entlang, die vermutete Bewegung kam von der linken Gehöft-Ecke.]
Auch ich glänze ja weder mit großer Verbissenheit noch einer besonders langen Aufmerksamkeitsspanne, von daher lasse ich vom Blumenbeet ab. Ich rufe dem Mädchen ein fröhliches „Wer schneller am großen Tor ist!“ zu und spurte links herum entlang der Außenmauer los. Auf der Ecke (und möglichst nah bei der verdächtigen Stelle) bleibe ich dann kurz stehen und halte mir theatralisch die Seiten und Schnaufe lauthals durch. Dabei lasse ich meinen Blick noch einmal über mögliche Verstecke in der Nähe schweifen. (Sinnenschärfe: 2 TaP*) Entdecke ich etwas oder jemanden forsche ich weiter nach – ansonsten laufe ich dann nach der Verschnaufpause weiter um die Ecke um mit Dara Kuchen zu erbetteln.
Nichts. Gar nichts. Du zuckst mit den Schultern und läufst Dara nach.
Gerade betretet ihr das Gehöft wieder, da kommt Daras Mutter ganz aufgeregt über den Hof gelaufen: “Mirya, Mirya! Komm bitte schnell!”
Ethel ist ganz aufgeregt. Sie wirft einen Seitenblick auf ihre Tochter und wendet sich dann wieder dir zu: “Großmutter wünscht dich dringlichst zu sprechen” und an die kleine Dara gewandt “und du Kind lauf in den Stall und hilf deinen Geschwistern. Wir Erwachsenen müssen allein sprechen.” Ihr Tonfall lässt keine Widerrede zu und so tapst die kleine Dara überraschend freigiebig von dannen.
Du hast das dumpfe Gefühl dass Ethel dir hatte etwas anderes zurufen wollen und ihre Ansprache beim Anblick ihrer Tochter geändert hatte. Nun da die kleine Dara außer Hörweite ist und ihr im Haus angekommen seid fragst du: “Was versetzt dich so in Aufregung, Ethel? Was ist mit Mutter Dara?”
“Sie stirbt Mirya. Und doch will sie dich unbedingt sehen. Nur dich!”
Irgendwelche Reaktionen oder folgst du Ethel herzklopfend zur alten Hexe?
Schlagartig weicht das verspielte Lachen von meinem Gesicht und bitterer Ernst legt sich auf meine Züge. „Oh, Ethel!“ ist alles, was ich ob dieser Information hervorbringe. Ich greife ihre Hand und drücke sie, suche in ihren Augen nach einer Verbindung um den Schmerz über das Unvermeidliche zu teilen, und beende den Augenblick bevor er unerträglich wird mit einem entschlossenen: „Dann sollten wir besser gleich gehen.“