Das Geschenk sicher in sein Tuch geschlagen hastest du auf dein Brett zurück und überfliegst die Außenmauer.
Tatsächlich kommt die junge Frau genau in dem Moment aus dem Haupteingang heraus, als du über die Kante spähst. Du entscheidest dich also für die Variante die Schießanlage zu überfliegen, die Übungsräume zu umrunden, und dich im Innenhof an eine Mauer zu lehnen. Sie geht mit zielstrebigem Schritt, daher hast du kaum Zeit dich ausreichend lässig zu positionieren, als schon stolz an dir vorbei stiefelt. Du holst tief Luft und rufst ihr dein Gruß nach. Irritiert hält sie inne und dreht sich zu dir um. Fragend mustert sie dich: „Kennen wir uns?“
Du grinst vielsagend: “Mir ist zu Ohren gekommen, dass du die Einsamkeit deines Zimmers in dieser schönen Nacht bevorzugtest. Zu Recht! Umso mehr freut es mich zu sehen, dass du es dir anders überlegt und einen kleinen Spaziergang gemacht hast, auch wenn ich dir empfehle achtsamer mit deinem Besitz umzugehen. Du hast nämlich etwas verloren.” Ihr Blick fällt auf das Päckchen in deiner Hand und ihre Kinnlade öffnet und schließt sich für einen Moment ungläubig: „Wie bei allen Dämonen…“ bringt sie noch heraus bevor du ihr das Wort abschneidest und das Päckchen zuwirfst. “Hesinde sei’s gedankt, dass ich zufällig gerade in der Nähe war. Pass vielleicht etwas besser auf deine Habseligkeiten auf.” Völlig überrumpelt fängt sie das Geschenk auf und schaut verwundert zwischen ihm, dir und dem Gebäude, aus dem sie kommt hin und her.
In ihrem Gesicht mischen sich Überraschung, Empörung und Misstrauen. Du weidest dich, sinister grinsend, an ihrer Fassungslosigkeit, bis sie schließlich die Sprache wiederfindet: „Beeindruckender Auftritt, Fremder. Ich bin mir sicher, dass ich dich nie zuvor gesehen habe, also frage ich mich jetzt natürlich, was du mit meinen persönlichen Angelegenheiten zu schaffen hast, und was genau du mit deinen Worten andeuten willst… Mit wem du es bei mir zu tun hast, scheinst du ja schon zu wissen…“
Mit jedem Wort, dass sie spricht scheint sie wieder mehr Fassung zu gewinnen und zuletzt schwingt gar eine kleine Drohung mit. Ihre Augen funkeln dich kampflustig an. Du bist dir jedoch ziemlich sicher, dass sie hinter dieser Fassade immer noch zutiefst verunsichert, wenn nicht gar verängstigt ist.
Obacht Dsche, du willst sie auf deine Seite ziehen und nicht so sehr gegen dich aufbringen, dass sie sogleich nach den Magistern ruft, denke ich bei mir, komme aber nicht umhin ihre Unsicherheit noch einen Moment auszukosten.
Deshalb ignoriere ich Elizeths Frage: „Natürlich, bitte verzeih. Wo sind bloß meine Manieren. Nenne mich Cherek.“ Ich deute eine formal korrekte, höfische Verbeugung an.
Gespielt verunsichert setze ich nach „Nun, ich dachte du freutest dich vielleicht wenn ich dir das dort bringe. Ich nahm an du ließest es bei deiner … Visite … versehentlich zurück.” Ich lächle noch einmal, doch umspielt nun der Schalk meine Züge und ich lasse ab von meiner Gehässigkeit.
“Was mich DEINE Angelegenheiten angehen? Lass es mich so formulieren.” Ich mache eine Kunstpause, gehe einen langsamen Schritt auf Erizeth zu: “Ich glaube wir zwei haben etwas gemeinsam: Wir haben beide einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit. Und mir scheint, wir haben beide entschieden etwas gegen Speichelleckerei und Opportunismus. Es ist wohl Phexens Wille dass uns diese Gemeinsamkeit zum gleichen Ort führte. Und ich glaube ich kann uns die Möglichkeit eröffnen eine bessere Genugtuung zu erlangen, als du mit deiner kleinen Auswahl feinster Kusliker Pralinen dort in UNSERER Angelegenheit erreichen wirst. Rache serviert man am besten kalt.”
Ich schaue sie forschend an: “Wenn meine Worte dein Interesse geweckt haben, dann lass uns an einen ruhigeren Ort gehen und höre dir an was ich zu sagen habe. Sollte ich mich jedoch in dir getäuscht haben” und ich wende mich betont lässig zum gehen “dann verzeih dass ich dir die Zeit gestohlen habe. Und viel Freude beim Studieren der Zettel in deiner Tasche!”
„Chal’Awalla, Cherek, Meister der Andeutungen und Liebhaber ungesprochener Worte – meine Neugier hast du geweckt! So bin ich bereit meine Wut über dein Durchkreuzen meiner Pläne zu zügeln – es steckte eine Menge Arbeit in jenen „Kusliker Köstlichkeiten“ – wenn deine blumigen Worte zu Halten im Stande sind, was ihr Duft verspricht. Komm, ich weiß einen Raum, in dem wir uns ungestört unterhalten können.“ Sie überquert den Hof und hält auf den Turm im Zentrum der Akademie zu.
Auf ein Magisches Wort von ihr öffnet sich die Tür und ihr könnt eintreten.