Du landest flach auf dem Rücken und der Aufprall jagt dir die Luft aus den Lungen. Für einen Augenblick wird dir schwarz vor Augen. Du weißt nicht, wie viel Zeit vergeht bis du die Augen wieder aufschlägst und kurz bist du von dem Wunsch erfüllt hier einfach nur noch liegen zu bleiben und mit dem Sog des Goldes in die Tiefe gerissen zu werden. Da siehst du hoch über dir etwas baumeln. „Sari! Sari! Sari bitte!“ hörst du wie durch Watte eine entfernte, aber bekannte Stimme rufen.
Schlagartig kommt wieder Leben in dich. Preidan liegt oben auf dem Sims und reckt dir mit der Hand zwei Goldketten entgegen. Du rappelst dich auf, ignorierst das Chaos um dich herum, gehst ein Stück zurück und springst dann mit aller Kraft ab um nach den Ketten zu greifen.
Und tatsächlich bekommst du das Geschmeide in die Finger. Gerade noch rechtzeitig als mit einem noch nie gehörten Geräusch der See unter euch wegbricht und einen tiefen Krater zurücklässt. Hitze umfängt dich. Du tust es dem boshaften Männlein gleich, schwingst auf die Stabilität der Kette hoffend etwas hin und her und kannst so Preidans Arm greifen, der unter dem Kraftakt laut aufstöhnt. Du bemerkst in deinem Hinterstübchen, dass selbst diese Kette kurz nach dir ruft, doch diesmal fällt es dir leicht, sie einfach loszulassen und auch mit der anderen Hand nach Preidans Arm zu greifen. Dieser lässt ohne zu zögern das Geschmeide fallen und so kommt ihr beide völlig außer Atem auf dem Sims zu liegen.
Zeit zum Ausruhen bleibt euch keine. Die Hitze wird immer deutlicher spürbar, jetzt wo kein Gestein euch mehr von der Glut trennt und das Erdbeben nimmt so bedrohlich zu, dass selbst stilles liegen euch durchzuschütteln beginnt. Einmal mehr rappelst du dich auf, greifst Preidan am Arm und eilst Richtung des Aufstiegs durch den juste das Männlein und der Wechsling verschwinden.
Behende kletterst du die Leiter hinterher als der Wechsling auf koboldisch ein „Ja Herr“ vernehmen lässt. Unerwartet beschleunigt sich das Vorwärtskommen des bösen Männleins. Sehen kannst du nichts, aber du vermutest, dass der Kobold zu einer Zauberei gezwungen wurde.
Doch noch etwas passiert: Ein Seil baumelt plötzlich neben dir.
Du verstehst schnell und lächelst grimmig: „Preidan komm!“ forderst du ihn auf das Seil zu ergreifen und auch du schnappst danach als es plötzlich anzieht und ihr in rasender Geschwindigkeit durch den schmalen Schlot nach oben gezogen werdet. „Danke Uxpexkrarxnax“ denkst du bei dir als ihr nach oben schnellt.
Dann seid ihr unvermittelt im Freien. Ihr werdet ein Stück durch die Luft katapultiert und schlagt unsanft auf den Boden auf, der glücklicherweise grasbewachsen ist. Dennoch wird dir kurz schwarz vor Augen.
Deinen Wechsel in die Menschenwelt hattest du dir irgendwie anders vorgestellt. Ein etwas absurder Gedanke in diesem Moment, wie du selbst feststellen musst. Du drückst dich hoch.
Seltsam diese Gegend hier: Ihr seid in einem winzigen Talkessel, kaum 100 Schritt durchmessend. Kaum Sträucher wachsen hier, nur der Boden ist mit Gras und Farnen bedeckt. Es gibt nur eine einzige flache Stelle in den schroffen Felsen ringsum. Auf diesen Durchbruch bewegt sich gerade das Männlein zu. Es hat einen kleinen Vorsprung euch gegenüber, doch schleift es noch immer seinen Sack hinter sich her und kommt nur langsam voran.
Du seufzt und stemmst dich hoch. Preidan stöhnt ächzend und hält sich den Knöchel. Er scheint sich das Bein verletzt zu haben. Du stützt ihn und so humpelt ihr vorwärts. Ihr überholt das Wesen mit kleinem Abstand, obwohl Preidan mehr hüpft als läuft.
Beunruhigt stellst du fest, dass sich überall im Boden Risse zeigen aus denen Dampfschwaden emporsteigen.
Ehe du richtig darüber nachdenken kannst, wirst du abermals von den Füßen gerissen und du schlägst der Länge nach hin. Auf dir landet Preidan. „Was zum Kobold?“ fragst du dich kurz. Um deine Beine haben sich Wurzeln gewickelt und halten dich fest. Ebenso ergeht es Preidan. Das Männlein überholt nun seinerseits wieder, keckert abfällig und raunzt ein „Sterbt“.
Selten hast du in deinem Leben Wut und Verzweiflung gespürt. Wie neu wallt es in dir auf. Und all das wegen dieser dummen Münzen. Du spuckst wuterfüllt auf den Sack des Männleins einen tief aus deiner Kehle hochgezogenen ‚Schwall‘ Rotze. Begleitet von der magischen Kraft, die du in deine Handlung hast fließen lassen, landet die Energie auf dem Sack und beginnt ihr Werk.
So viel zum Wert von Gold. Wenigstens soll das bemitleidenswerte Monster noch rechtzeitig von hier verschwinden können, wenn es erstmal um die Last seines Säckleins erleichtert ist. Zustimmend grollt ein weiteres Beben im Tal.
Als du einen Blick zurückwirfst packt dich erneut der Schrecken. Der Boden des Tals vom Zentrum her einzubrechen. „Was denn nicht noch alles!“ Du versuchst panisch irgendwie das Wurzelwerk loszutreten und tatsächlich ist es durch die aufweichende Erde einfacher geworden sich zu befreien.
Du schaust wieder nach vorn. Niemals schafft ihr es bis zum Rand des Tales, ehe der Boden auch unter euch zusammenbricht und der Krater euch verschlingt. Da kommt dir ein Gedanke, ein letzter Grashalm der Hoffnung! Du schaust Preidan an und schneidest eine Grimasse. Heftig pustest du dein Backen auf, ehe du die Luft lautstark entweichen lässt. Preidan schaut dich verärgert an und seine Stimme lässt vermuten, dass er wenig Verständnis für dein Tun hat. Doch dann tritt tatsächlich der gewünschte Effekt ein. Noch nie zuvor hast du diese Zauberwirkung selbst erzeugt, höchstens bei deinen koboldischen Verwandten beobachtet. Wer weiß, vielleicht hat auch euer neuer Freund seine Finger im Spiel, doch das ist dir egal. Das Ergebnis zählt. Preidans ganzer Körper beginnt sich aufzuplustern und er beginnt kugelrund zu werden. Seine Weste spannt über seinen ballförmigen Körper und sein Gesichtsausdruck ist von Panik erfüllt. Du lächelst das erste Mal seit Stunden wieder.
Als er beginnt vom Boden abzuheben klammerst du dich an seine Beine, gerade rechtzeitig als unter dir der Boden nachgibt.
Das Männlein hat die Gefahr nicht bemerkt sondern zetert und schimpft über den zu Staub zerfallenen Schatz. An Preidan hängend rufst du ihm noch Warnrufe zu, doch zu spät. Seiner Gier erliegend und hysterisch um seinen Schatz weinend wird die seltsame Gestalt vom Krater verschlungen. Nur Augenblicke später grollt aus der Tiefe heraus eine heiße Druckwelle, so als habe sich der Berg an dem Monster den Magen verdorben. Du kannst dich so eben an Preidan festhalten als dieser ruckartig von der Welle davongetragen wird und euch der Wind über die säumenden Felsen trägt. Dann werdet ihr von einer zweiten Druckwelle heftig durchgeschüttelt und vom Berg fort getragen. Hinter euch explodiert etwas. Vielleicht ist es deine Fantasie, aber als du zurückschaust meinst du in den aufsteigenden Rauchschwaden eine Fratze zu erkennen. Eine Fratze, die ihr Mual weit aufreißt um es genau in dem Moment wieder zu schließen als die den Berg umgebenden Klippen implodieren und das Inferno unter Gestein begraben wird.
Das ist auch das letzte an das du dich erinnern kannst, ehe deine Sinne schwinden, du erschöpft von Preidan ablässt und in die Tiefe stürzt.