
Du denkst im ersten Moment, dich in einer der Türnischen zu verbergen, aber als er sich der Treppe nähert, bemerkst du, dass Dunchaban ein Licht bei sich trägt. Also huscht du den Gang weiter zurück, schickst ein Stoßgebet an Feqz und Satuaria, dass die Türangel diesmal etwas leiser sei und drückst dich mit Ramal in den Lagerraum. Geschafft! Mit pochendem Herz lehnst du dich von Innen an die Tür und versuchst Dunchabans Schritte auszumachen. Ramal hält sich geduckt an deiner Seite. Schritte gehen an deiner Tür vorbei. Stille. Wieder Schritte im Gang. Das Quietschen einer Tür. Maruchs Stimme. „Kommt Holdeste, nun wird euer Unglück bald ein Ende haben.“ Schritte auf Stufen. Stille.
Ich lausche einen Augenblick in die Stille. Als ich nur das laute Pochen meines Herzens höre, atme ich tief durch. Ich kraule Ramals Hinterkopf und raune: „Nun mein Freund, so wie es aussieht heißt es jetzt oder nie.“
Ich öffne die Tür wieder einen Spalt breit, prüfe ob sich Richtung Teleporter niemand aufhält und eile dann die Treppenstufen herab. Vor der (angelehnten, verschlossenen?) Tür am Absatz bleibe ich abermals stehen. Vielleicht gelingt es mir mich hineinzuschleichen. Mittlerweile bin ich aber entschlossen genug Maruch auch im Zweikampf gegenüber zu treten, sollte das notwendig werden.
Du schleichst in Richtung Stufen. Die vorhers verriegelte Tür links ist nun einen Spaltbreit offen. Drinnen brennt eine Laterne. Du wirfst einen kurzen Blick hinein – eine kleine Kammer mit Lager, Stuhl, Tisch. Es hält sich niemand im Raum auf, also wendest du dich wieder in Richtung Treppe. Von weiter unten hörst du jetzt auch wieder Maruchs Stimme. Er redet sanft und beruhigend. Du schnappst Satzfetzen wie „könnt froh sein“ und „bald wieder ein unbeschwertes Leben führen“ auf. Ramal knurrt kaum hörbar. So lautlos wie möglich steigt ihr die ersten Steinstufen hinab, bis du den Raum am Fuße der Treppe überschauen kannst. Der Gang weitet sich am Absatz und mündet in ein annähernd rundes Gewölbe. Viele Kerzen tauchen die Szenerie in ein unheilvoll flackerndes Licht. Im Zentrum des Raumes ist ein Kreidekreis gemalt worden. In dessen Zentrum steht eine Holzliege, auf welcher Maruch Larissia gerade mit Lederriemen fixiert. Sie wirkt vollkommen arglos und entspannt. Sie trägt ein weites weißes Gewand und auf ihrem offenen Haar thront das Diadem.
Irgendwie bin ich für einen augenblick etwas ratlos. Larissia dann aber mit diesem verfluchten Diadem zu sehen macht mich wahnsinnig wütend. Ramals Zorn schwappt zu mir herüber und ich lasse alles Kalkül und Strategie fahren. Ich stoße die Tür zum Gewölbe auf und zeige anklagend auf Maruch: “Du speichelleckender Blender, lass ab von Larissia. Was du jetzt wirklich tun solltest ist dich an ihrer statt auf die Liege legen!”
Die Wut gibt dem Fluss meiner astralen Energie Kraft und fährt wie eine starke Welle über Maruchs Geist [8 TaP* ohne Berücksichtigung der MR und eine Erschwernis von bis zu 12 wäre noch geglückt] während meine dunklen Augen in zornlodernd anfunkeln.
Sollte meine Zauberei den gewünschten Effekt zeigen und Maruch mich magisch verwirrt bei Larissias Befreiung unterstützen, so schicke ich Ramal ein Stück den Gang hinauf um Wache zu halten, während ich (meine Hand mit meinem Ärmel schützend) Larissia das Diadem vom Kopf nehme und Maruch helfe ihren Platz einzunehmen. Sollte Larissia zu wilde Fragen zu stellen beginnen, werde ich sie mit einem unwirschen “Lass uns dir erst helfen, dann die Fragen!” beiseite wischen.
Und während ich Maruch so beobachte beiße ich mir auf die Lippe als vor meinem geistigen Auge ganz kurz sein “Ich will ihm doch helfen” aufblitzt …
Davon ausgehend, dass die Ereignisse so geschehen wie von mir beschrieben das Folgende. Die folgenden Gedanken können mir aber auch zu jedem anderen Zeitpunkt kommen. Ganz grundsätzlich brauche ich vermutlich auch noch einmal eine Beschreibung des Ritualraumes.
… Während Maruch wie in Trance meinem Wunsch folgend beginnt Larissias Schnallen wieder zu lösen und ich mich an ihr Diadem mache echot erneut “Ich will ihm doch helfen” in meinem Kopf auf und ich beobachte Maruch bei seinem Tun. Wie wichtig mir doch die Flucht von diesem Ort ist und Larissias Rettung. Immerhin habe ich Sturm versprochen ihm seine Tochter zurück zu bringen. Doch was kommt nach dieser Flucht? Bleibt es nicht eine ewige Flucht? Eine Flucht vor dem Größenwahn und der Rachsucht eines verbitterten machthungrigen Zauberers? Wohin sollen wir gehen um uns seinem Griff und seinem Einfluss zu entziehen?
Vielleicht erscheint eine Flucht vor einer so gefährlichen Person vernünftig, doch wird sie auch helfen?
Nein, es muss ein Ende finden! Diesem bösen Mann muss der garaus gemacht werden. Irgendwie.
Ich seufze und und mit dem schieren Willen stoppe ich meine emotionale Formung der Kraft der Urmutter, die gerade Maruchs Gedanken verschleiert und ich schaue ihn beschwörend an: “Maruch, lass gut sein.” Ich seufze und warte den Moment seiner Irritation ab. Dann schaue ich ihm tief in die Augen: “Du weißt warum ich hier bin. Ich werde ihn aufhalten, weil das was er vor hat falsch ist. Ich kann das mit oder ohne deine Hilfe tun, aber ich werde es tun.”
Ich warte einen Augenblick ab was passiert. Entweder direkt oder als Reaktion auf eine Antwort füge ich noch hinzu: “Ich weiß, dass du genau weißt das falsch ist, was dein Meister vor hat. Aber lässt du die Feigheit deines Vaters die Oberhand behalten und folgst … oder die Courage deiner Mutter und begehrst auf?”
Ich hoffe dass ihn das zumindest genug ins Grübeln versetzt, damit ich erstmal Larissias Verwirrung ein wenig eindämmen kann während er mit sich und seinem Gewissen beschäftigt ist.
Wenn Maruch tatsächlich bereit ist zu helfen, so können wir Dunchaban vielleicht glauben lassen sein Magnum Opus gelänge und er erlebt sein blaues Wunder. Ich bin zum äußersten bereit …
Maruch blickt erschrocken auf, als du die Tür krachend aufstößt. “Du speichelleckender Blender, lass ab von Larissia!” Du durchquerst den Raum mit stürmischen Schritten. Dann erkennt er dich und sein Gesichtsausdruck verändert sich. Eine Zornesfalte tritt ihm auf die Stirn: “Du? Warum bist du hier? Wenn du wüsstest, was ich alles auf mich genommen habe um dich zu schützen!”, schmettert er dir entgegen, während du immer weiter auf ihr zu stürmst und ihm schließlich anklagend den Finger in die Brust bohrst.
“Keinen heilen Fetzen Haut hat der Meister an meinem Rücken…”
“Was du jetzt wirklich tun solltest ist dich an ihrer statt auf die Liege legen!” – Dein Zauber spült über seinen Geist hinweg.
“…gelassen!”, er hält inne und blinzelt verwirrt, als deine Verwünschung ihre Wirkung entfaltet. Dann beginnt er Larissias Fesseln zu lösen. “Vielleicht solltest du sie einfach mitnehmen, deine “Freundin” und mich an ihrer Stelle zurücklassen. Dann bleibt sie halt was sie ist und wird bald sterben. Und mich kann Dunchaban dann auch gleich zu Tode prügeln. Dann wirst du wohl zufrieden sein, was? Da, nimm sie! Wäre ich dir doch nie begegnet, Dsche!” mit diesen Worten schubst er dir die verwirrte Larissia in den Arm und legt sich selbst auf die Liege. Du eilst dich ihr das Diadem abzunehmen, woraufhin sie ohnmächtig zu Boden sinkt. Ramal hat sich auf einen Wink von dir auf den Weg in den Gang gemacht. Maruch hat inzwischen seine Beine an dem Tisch festgeschnallt und weist nun auffordernd auf seine Arme.
“Willst du es nicht zu Ende bringen?” Der verzweifelte Hass in seinem Blick versetzt dir einen tiefen Stich ins Herz. Die erhoffte Genugtuung für die Schmach in der Wüste bleibt aus. Deine Rache will dir so überhaupt nicht schmecken. Seufzend stoppst du den Fluss der Kraft und öffnest Maruchs Fußfesseln: “Maruch, lass gut sein.”
Verwirrt hebt Maruch seine Beine von der Liege. Er sitzt jetzt auf der Kante und starrt dich einen Moment regungslos an. Du legst ihm vorsichtig eine Hand auf die Schulter und schaust ihm eindringlich in die Augen: “Du weißt warum ich hier bin. Ich werde ihn aufhalten, weil das, was er vor hat, falsch ist. Ich kann das mit oder ohne deine Hilfe tun, aber ich werde es tun.”
Er dreht den Kopf weg. Lässt seinen Blick vom Ritualkreis zu der noch immer besinnungslosen Larissia zu dem stoffumhüllten Diadem in deiner Hand wandern.
Dann springt er auf die Füße und baut sich Brust an Brust vor dir auf. Ein Vibrieren in seiner Stimme verrät, wie sehr er um Beherrschung ringt: “Du bist im Irrtum. Was wir vorhaben mag irrwitzig und gefährlich sein, aber ohne Dunchabans Hilfe ist dieses Wesen” – er deutet auf Larissia – “dem Tod geweiht. Versteh doch: Sie kann nicht in der einen, und nicht in der anderen Welt existieren. Bleibt sie dort vergisst sie zu essen und zu schlafen bis sie sich selbst verzehrt hat. Bleibt sie hier und versucht zu sein wie dort, lässt sie so viel von ihrer Energie in die Welt fließen, bis sie selbst vergangen ist. Der einzige Weg ihr zu helfen ist, zu trennen, was nicht zusammen gehört!”
Dir wird schwindelig. Was soll all dies jetzt wieder bedeuten? Ein geschickter Täuschungsversuch? All deine Menschenkenntnis sagt dir jedoch, das Maruch an das glaubt, was er sagt.
Verzweifelt suche ich in seinem Blick nach Heimtücke und Verrat, irgendeinem Grund ihn so zu hassen, wie ich es eben noch tat ehe meine Rache schal und öd wurde. Ich komme zu der Überzeugung dass er – zumindest aus seiner ganz eigenen erlernten Perspektive – die Wahrheit spricht. Eine Schachfigur in diesem Spiel voller Illusion und Trug.
Die Wut in mir sucht nun noch viel deutlicher ein Ziel in mir. In gleicher Weise baue ich mich vor Maruch auf. Mein Blick ist fest und meine Stimme stark, auch wenn ich im Stillen ein Stoßgebet zu Satuaria schicke sie möge mir einen Fingerzeig über Wahrheit und Lüge geben: “Du weißt so gut wie ich, dass dein Meister Larissia nicht aus Nächstenliebe sondern aus Machtgier hierher gebracht hat. Wie also kann ich verhindern dass sich Dunchaban zum Herren aller Dschinnen aufschwingt ohne Larissias Tod erdulden zu müssen?”
Beinahe stehen mir nun selbst die Tränen in den Augen als ich kurz Luft hole und dann fortfahre: “Ich weiß, dass du genau weißt das falsch ist, was dein Meister vor hat. Aber lässt du die Feigheit deines Vaters die Oberhand behalten und folgst … oder die Courage deiner Mutter und begehrst auf?”
Du liest in Maruchs Gesicht wie in einem Buch. Deine Worte scheinen etwas in ihm bewirkt zu haben, was ihm nicht gefällt. Seine Unterlippe zittert und seine Hand zuckst, und ehe du es dich versiehst hast du eine Ohrfeige kassiert. Du willst dich bereit machen zu kontern, doch er hat sich bereits wieder gefangen. “Verzeih, ich verlor die Beherrschung. Aber das ist schon ein starkes Stück! Erst platzt du hier herein, verwünscht mich aufs Übelste, bringst unsere Vorbereitungen durcheinander und nun erwartest du, dass ich dir aus freien Stücken helfe und meinen Meister hintergehe. Den einzigen Mann, der in meinem Leben je an mich geglaubt hat. Der mir geholfen hat, das Beste und Stärkste aus mir herauszuholen, was ich leisten kann. Ich mag von ihm nicht viel Liebe erfahren, jedoch werde ich nicht die Hand gegen ihn erheben. Und wenn es drauf ankommt werde ich an seiner Seite stehen. Wenn du gegen ihn vorgehen willst, dann bist du auf dich gestellt. Aber du bist gut beraten, dies Ritual nicht zu stören. Es wird über Leben und Tod deiner Begleiterin entscheiden. Damit du uns alle nicht unnötig mit deinem hitzigen Gemüt in Gefahr bringst, höre was geplant ist:
Dieser Kreis ist der Ort, an dem die Beschwörung stattfindet. Wenn der Fluss der Magie beginnt kann nichts aus dem Kreis hinaus, aber auch nichts und niemand hinein, der nicht dem Kreis der Beschwörenden angehört.
Bei dem Ritual sollen die zwei Hälften des Halbwesens getrennt werden. Die menschliche Hälfte bleibt auf der Bahre zurück, während die Dschinnenhälfte von ihr getrennt wird. Diese wird zunächst in die Mitte des Kreises gezwungen und dort sofort auf ein Artefakt übertragen. Der Träger des Artefakts hat dann die Kontrolle über die Dschinnenmacht, ohne davon beherrscht zu werden. Das Artefakt, welches Meister Dunchaban und ich fertigten, ist ein wahres Schmuckstück. Es ist ein perlenbesetzer Kaftan. Der Meister wird ihn während des Rituals tragen, so kann er auf feinste Veränderungen im Fluss der Kräfte reagieren, und die Dschinnenessenz in den Kaftan kanalisieren. Ich nahm bisher immer an, dass das Kleidungsstück später die Dame zieren soll. Dann kann sie sich nicht mehr selbst die Kraft entziehen, nur noch dem Artefakt. Aber sie scheint den Meister durch ihre Sturheit erzürnt zu haben, gut vorstellbar, dass er ihn ihr zunächst vorenthalten will. Dein Gedanke ist zutreffend, dass der Träger des Kaftans natürlich von den Dschinnen als einer der Ihren geachtet würde und damit über bedrohliche Macht verfügt. Und umso größere, wenn es sich bereits um einen mächtigen Magus handelt… Vielleicht – ”
Ein dumpfer Knall von irgendwo oben unterbricht ihn – der Raum scheint kurz zu zittern, und kleine Steinchen rieseln von der Decke. Maruch schaut irritiert auf, seine Augen verengen sich. “Da ist etwas im Turm der Stürme passiert! Ist das etwa Teil deines Planes? Mich hier unten abzulenken, während der Meister oben in eine Falle tappt?” misstrauisch und feindseelig starrt er dich an…
Zur Ergänzung: Die Ritualhöhle bietet sicherlich zahlreiche Versteckmöglichkeiten. Das flackernde Kerzenlicht beleuchtet ausschließlich den Ritualkreis, und damit das Zentrum des Raumes, an den zerklüfteten Wänden finden sich etliche schattige Nischen.
Im Zentrum des erleuchteten Kreises findet sich ein Lesepult mit einem Folianten. Auf der Kreisbahn sind verschiedene Kreidesymbole und die Liege für Larissia.
Elizeth!, schießt es durch deine Gedanken. Wenn sie mit Dunchaban kämpft bleibt dir hier unten vielleicht noch ein wenig Zeit.
“Wie schaffst du es nur immer, mich vom Pfad abzubringen?”, zischt Maruch. Inzwischen ist deine Wut mit voller Wucht zurückgekehrt. Keine weiteren Spielchen. Der herausfordernde Blick mit dem Maruch dich durchbohrt, entfacht den Mut der Verzweiflung. Ohne lange nachzudenken rammst du ihm deinen Ellenbogen in die Magengrube. “Das liegt daran, dass dein Pfad ein Irrweg ist! Aber leider bist du zu verblendet um das zu Sehen!”
Maruch strauchelt und geht zu Boden, greift dabei aber nach dir, so dass auch du fällst, und halb auf ihm landest. Ihr rollt im Zweikampf über den Boden, jeder bemüht die Oberhand zu behalten. Maruch ist dir zwar körperlich überlegen, du jedoch kämpfst mit allen schmutzigen Trick, die dir in den Sinn kommen, versuchst sein Haar mit den Ritualkerzen anzusengen, trittst und beißt nach den Stellen die richtig wehtun. Für einen Moment sieht es so aus, als könntest du dich behaupten, doch dann lässt deine Ausdauer nach. Schwer atmend kniet Maruch auf dir und nagelt deine Hände am Boden fest. Da kommt Ramal fauchend in die Höhle gefegt. Er springt auf Maruchs Rücken und bleckt seine Zähne nach seinem Hals. Nur dein erschrockener Blick hält ihn davon ab, sofort seine Kehle zu zerreißen. Maruch lässt dich los und wirft sich nach hinten, um Ramal abzuschütteln – dieser krallt sich nur noch fester und schlägt mit einer freien Pranke nach Maruchs Seite. Jaulend und stöhnend rollen die beiden über den Höhlenboden. Maruch Robe färbt sich rot, wo Ramals Pratze ihn erwischt hat – Ramals Bein wird gerade sehr unglücklich unter Maruchs Körper eingequetscht. Du rappelst dich auf, klopfst den Staub von der Kleidung. “Halt!”, keuchst du, sobald du wieder etwas Luft zum sprechen hast. Du fingerst deinen Waquif aus dem Gewand und richtest ihn auf Maruch: “Gib auf!”
Auch Maruch ringt schwer nach Luft: “Dann soll er mich loslassen!” presst er hervor. Widerwillig knurrend lockert Ramal auf dein Zeichen den Druck seiner Klauen. Maruch setzt sich auf und gibt Ramals Bein frei. Der springt zur Seite und verfolgt Maruchs Bewegungen mit wachsamen Augen und gebleckten Zähnen. Maruch kommt auf die Knie hoch und hebt in beschwichtigender Geste beide Hände, nur um sie gleich darauf wieder sinken zu lassen. Mit schmerzerfüllter Miene hält er seine Seite. “Und nun?”
Du hast inzwischen wieder zu Atem gefunden. In deinem Kopf formiert sich ein Plan: “Du wirst mir zeigen, wie ICH das Ritual durchführen kann!”
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Während mich Maruch feindselig anstarrt, nachdem wir durch den Knall von oben in unserem Disput unterbrochen wurden, schaue ich ihn absichtlich milde lächelnd bemitleidend an und antworte selbstironisch: “Dass ich nicht wie andere hier hinterhältige Ränke schmiede, solltest du doch langsam begriffen haben. Auch wenn mir ganz recht sein soll, wenn deinem Herren da oben gerade der Sturm um die Ohren peitscht.”
Und während meine Gedanken rüber zu Elizeth wandern sehe ich tatsächlich meine Chance gekommen und tue wie beschrieben.
Während wir so raufen wächst dann der Plan in mir, Larissia zu schützen indem ich eben selbst das tue, was getan werden muss. So ist es denn zwar nach wie vor nicht ihre eigene Entscheidung zu leben oder zu sterben, aber wenigstens bleibt was ihr gehört, auch bei ihr. Wenn denn das Ritual nach meiner Manipulation überhaupt funktioniert.
So antworte ich ihm denn, als er mir sein “Und nun?” entgegen spuckt: “ICH werde das Ritual durchführen. Und DU wirst mir zeigen wie.“
Mein Blick ist finster, mordlustig und duldet ebenso wenig Widerspruch wie der meines Seelengefährten. Dann straffe ich mich, ziehe meine Schultern nach hinten und setze noch ein: “Los jetzt!” nach.
Sodann mache ich mich daran die Tür zur Kammer zu verriegeln, wenn das denn geht. Etwas in meinem Hinterkopf hofft außerdem darauf, dass Elizeth vielleicht das Portal zerstört haben mag. Und wenn nach Beginn des Rituals niemand mehr hineinkommt, so soll mir das denn umso lieber sein.
Maruch zuckt bei deinen Worten zusammen wie bei einem Peischenhieb. Sein Blick widerspiegelt Zweifel und Bewunderung zugleich. Er scheint etwas einwenden zu wollen, überlegt es sich aber in Angesicht deines Gesichtsausdrucks anders.
Mit respektvollem Seitenblick auf Ramal erhebt er sich und humpelt zu dem Kreidekreis herüber. Er weist dir den Platz am Lesepult: “Hier sind die Anweisungen und Formeln protokolliert.” Du blickst auf seitenweise dicht gedrängte, schnörkelige Glyphen und Symbole. Sie ergeben für dich keinen Sinn, und wo sich darin Magie verbergen mag ist dir unbegreiflich. Doch dein neu gefundener Mut verlässt dich nicht so schnell:
“Du wirst mir die Worte vorlesen! Wir führen das Ritual gemeinsam aus! Was brauchen wir noch, um zu beginnen?”
Du fühlst dich gut in der Rolle des Anweisenden. Und wie sich Maruch deinem Willen beugt, erfüllt dich nun auch endlich mit der ersehnten Genugtuung. Umsomehr, als du zu bemerken glaubst, dass er dir nicht allein aus Angst vor Ramal gehorcht. Ein Hauch Faszination schwingt in dem Blick, mit dem er dich streift. Eilfertig rückt er Kerzen zurecht und zieht Kreidesymbole nach. Auf deine Frage hin blättert er in dem Folianten. “Das Mädchen, den Dolch, das Artefakt…”
Auf der Seite, die er aufgeschlagen hat, finden sich diverse Zeichnungen. Du betrachtest sie aufmerksam. Neben einer Skizze des Ritualkreises mit diversen Verbindungslinien, die die Beziehung der Kerzen, Symbole, des Beschwörers und der Liege zueinander unterstreichen, erkennst du auch ein Abbild von Larissias Unterarm – ein geschwungener Pfeil ist eingezeichnet, dem Umriss des auffälligen Muttermals folgend. In Kombination mit dem Wort Dolch scheint dir dies eine Anweisung für eine Schnittführung zu sein…
Maruchs Stimme reißt dich aus deinen grimmen Gedanken über Magier und ihr gefühlskalte Art:
“Ich nehme an, du gedenkst, die rituelle Waschung durchzuführen, bevor du das Gewand anlegst?” – Ein betont unschuldiger Blick. Du bist überzeugt, Maruch weiß ganz genau, dass du keine Ahnung hast, was gemeint ist. Eine Aufforderung zum Tanz…
“Selbstverständlich wirst du mir dabei assistieren…” feixt du zurück…
Und so kommt es, dass ihr euch in das kleine Kämmerchen mit der Waschschüssel begebt, welches du zuvor im Dunkeln erkundet hattest. Bevor ihr die große Höhle verlasst, bettet ihr die noch immer besinnungslose Larissia auf die Liege und du sendest Ramal die gedankliche Bitte, auf sie aufzupassen. Du hast inzwischen den Eindruck gewonnen, dass Maruch so sehr am Ausgang dieses Experiments interessiert ist, dass er deine Bemühungen ehrlich unterstützt. Eine Haltung, die er jedoch möglicherweise ändert, sollte Dunchaban auftauchen.
Bevor es weitergeht, sei mir noch ein kleiner Einwurf über die Verriegelungssituation gestattet:
Am Fuße der Treppe, wo die Ritualhöhle beginnt, gibt es keine Tür, und somit keine Möglichkeit der Verriegelung. Du kannst eins der Regale aus dem Lagerraum quer in den Gang vor dem Portal stellen, um den Weg zu verbarrikadieren. Ansonsten musst du dich mit der Hoffnung begnügen, dass Elizeth es vielleicht zerstört hat. Anzeichen dafür erkennst du jedoch nicht.
Im Waschraum übernimmt Maruch die Führung. Er bedeutet dir wortlos, dich deiner Kleidung zu entledigen und streift auch seine Robe ab. Es platziert eine große Waschschüssel zwischen euch und beginnt, nach einem einstudiert wirkenden Ablauf, Wasser über sein Gesicht und seine Arme zu schöpfen. Du spiegelst seine Bewegungen und erkennst Zustimmung. Ihr wascht als nächstes eure Oberkörper. Sorgenvoll streift dein Blick die vier tiefen Kratzer an Maruchs Seite, aus denen nach dem Waschen nach wie vor ein feines Rinnsal Blut sickert. Er jedoch überspielt einen eventuellen Schmerz und drückt er dich sanft auf einen bereitstehenden Schemel. Er tritt hinter dich, nimmt einen Schwamm und wäscht deinen Rücken. Dann kniet er sich vor dich und streicht den Schwamm über deine Hand- und Fußflächen. Eine Situation, die einer gewissen Erotik nicht entbehren würde, wären da nicht die widrigen Umstände. Aktuell jedoch ignoriert ihr beide eventuell aufkeimende Gefühle und bringt es schnell hinter euch. Maruch schlüpft wieder in seine Robe und reicht dir ein weißes, reichlich mit Perlen besticktes Gewand.
Seine Stimme zittert vor Ehrfurcht, als er dich abschließend mustert: “Es ist alles bereit.”