Keine Viertelstunde später bereust du diesen Anflug von Vernunft und Selbstbeherrschung wieder:
Angepflockt wie ein Tier liegst du auf einem muffigen Strohsack und brodelst innerlich. Nur den Worten deiner Großmutter sei es gedankt, dass es dir gelang diese Demütigung ruhig über dich ergehen zu lassen: Mit einem abscheulichen Ausdruck der Häme hat Dunchaban beobachtet, wei Ali den eisernen Ring um deinen Fuß schnappen ließ und das Ende der zugehörigen etwa 2 Schritt langen Kette an einem der Beine des schweren Diwans befestigte. Die Fußfessel ist eng und unbequem, und dass sie aus Metall ist, macht die Sache nicht besser [alle Zauberproben um 1 erschwert solange du die Fessel trägst]. Dunchaban hat noch einmal seine Erwartungen erklärt, bevor er euch verlassen hat: Er möchte, dass du Larissia aufpäppelst. Als erstes Zeichen einer Besserung wünscht er sie morgen zum Frühstück zu sehen. Auch sollst du ihr verständlich machen, dass in ihrem Zustand (und hier folgte eine Reihe arkaner Begrifflichkeiten, denen du nicht ganz folgen konntest) das Wirken eines Zaubers eine furchtbare Idee ist, die sie so schwächt, dass sie ihr Leben erneut in Gefahr bringen kann. Sie soll erstmal zu Kräften kommen. Ganz genau hast du seine akademischen Ausführungen nicht verstanden, warst du doch arg damit beschäftigt deine aufbrodelnden Gefühle unter der Oberfläche zu halten – so schulmeisterlich und herablassend wie er hat dich noch nicht mal deine Großmutter behandelt. Als Dunchaban euch endlich verlassen hatte machten sich die Diener „nützlich“. Die Frau scheint so schüchtern und ängstlich, dass sie es weder wagt mit dir Blickkontakt herzustellen, noch zu sprechen. Umso einfriger umsorgt sie aber Larissia mit Getränken, Waschschüsseln, Handtüchern, stellt sich dabei aber wegen ihrer übertriebenen Unterwürfigkeit so ungeschickt an, dass sie ständig etwas fallen lässt oder verschüttet. Auf deine vorsichtige Bitte deine Sachen holen zu lassen, weicht sie wie von einer Nadel gestochen zurück und stolpert dabei über den Teppichsaum, du hast wenig Hoffnung, dass sie deinem Wunsch nachkommen wird.Ali hingegen hält sich im Hintergrund. Er hat sein Lager in der Fensternische aufgeschlagen und scheint es sich zur Aufgabe gemacht zu haben, dich permanent mit Blicken zu verfolgen. Sprechen scheint auch er nicht zu wollen. So hast du zunächst noch ein bisschen mit Larissia getuschelt. Diese ist zunächst etwas zögerlich in Anwesenheit der Diener frei zu sprechen, doch dann besinnt ihr euch auf Garethi, von dem ihr hofft, dass sie es nicht verstehen. Larissia ist von der neuen Entwicklung nicht gerade begeistert – zwar ist sie froh, dich bei sich zu haben, andererseits fühlt sie nun für deine missliche Lage verantwortlich. Deine Worte überzeugen sie jedoch das „Possenspiel“ zunächst mitzuspielen. Seit deinem Zauber scheint dir ihr Zustand gebessert. Sie spricht ohne Mühe, ihr Gesicht ist weniger blass, ausgezehrt wirkt sie allerdings immernoch.Schließlich spürtest aber auch du die Erschöpfung des langen Tages und des vielen Zauberns so deutlich, dass ihr euch zur Ruhe gebettet habt. Die Müdigkeit ist so groß, dass du sogar die Fußfessel vergisst. Der letzte Gedanke, der dich beim Einschlafen begleitet ist der zehrende Wunsch Ramal jetzt bei dir zu haben.
Du erwachst am nächsten Morgen einigermaßen ausgeruht [normaler Regenerationswurf] durch Frauengeplapper. Du lässt den Blick schweifen und er begegnet dem von Ali, nach wie vor stierend auf seinem Posten vor dem Fenster hockt, als hätte er sich die ganze Nacht nicht bewegt. Der Blick auf die Frauen ist abgeschnitten – jemand hat eine Leine quer durchs Zimmer gespannt und Tücher darüber gehängt. Hinter diesem Sichtschutz schein sich die Dienerin so sicher vor dir zu fühlen, dass sie munter auf Larissia einplappert. „Kommt Herrin, wir werden euch vor dem Morgenmahl noch etwas zurecht machen! Und seht, welch hübsches Gewand ich euch zurecht gelegt habe…“Seufzend antwortet Larissia: „Ich weiß nicht – mir ist so gar nicht nach Essen…“
Meine Regeneration spiegelt meinen Schlaf: eher schlecht. Wenn mich auch die Müdigkeit die unbequeme Lage vergessen machen konnte.
Ich strecke mich und schüttle die Steifheit meiner Gelenke ab. Den Blick auf Ali werfend kann ich mir ein Stirnrunzeln nicht verkneifen. In einem Anflug von kindischer Albernheit strecke ich ihm die Zunge heraus ohne wirklich zu hoffen, dass es ihm eine emotionale Reaktion entlocken könnte.
Dann räuspere ich mich lautstark um auf mich aufmerksam zu machen.
“Die Damen?”
Ich würde gerne noch einmal mit Larissia sprechen und sie zu überzeugen versuchen bei der Posse mitzuspielen und vor allem Dunchaban etwas ‘positiver’ zu begegnen. Ich würde sie auf nach dem Frühstück vertrösten zu erklären warum. “Ich bin ziemlich sicher, dass dir aktuell von ihm keine Gefahr droht” ist meine allgemeingültige Erklärung, aber meine Blicke sind flehentlich dies zunächst hinzunehmen.
Der Zofe würde ich begegnen, wie es mir mein Gefühl sagt: Entweder spiele ich ihr nun den reuigen Schüler und versuche sie durch Anbiederung auf meine Seite zu ziehen. Sollte sie das gar nicht erweichen wechsele ich vermutlich irgendwann ungeduldig auf ein eher herrisches Gebahren. In jedem Fall wende ich mich irgendwann Ali zu: “Ey da Steingolem! Ali! Ja, genau du! Wie und wo kann ich denn hier mal austreten? Und Hunger habe ich ehrlich gesagt auch.”
Dein Zungestrecken ruft eine unerwartete Reaktion hervor: Ali kontert mit einer eigenen Grimasse: Er zieht mit zwei Fingern die Augenlider weit auf und reißt den Mund auf als wolle er dich beißen. Eine Geste die dich vorallem deshalb erschaudern lässt, weil du in seiner Mundhöhle keine Zunge erblickst, sondern lediglich einen kümmerlichen Stumpf mit dem er scheußlich hin und her schlenkert. Rasch wendest du dich ab und machst als nächstes die Damen auf dich aufmerksam. Larissia freut sich, mit dir zu plaudern und lässt sich schließlich überzeugen Dunchaban etwas entgegen zu kommen und zum Frühstück zu gehen.
Die Dienerin zupft bei deinem Eintreten nervös den Schleier zurecht. Nach wie vor meidet sie jeglichen Blickkontakt. Sie lässt dir auch nicht allzuviel Zeit für Kontaktversuche, sondern ist bestrebt, Larissia schnellstmöglich fertig zu machen und nach unten zu geleiten. Und so findest du dich kurz darauf allein mit Ali wieder. Jetzt sinnierst du, wie du mit einem Stummen ein Gespräch beginnen sollst. Schließlich entscheidest du dich, deine Frage einfach trotzdem zu stellen: “Ey da Ali! Ja, genau du! Wie und wo kann ich denn hier mal austreten? Und Hunger habe ich ehrlich gesagt auch.”
Als Antwort erhälst du ein Schulterzucken. Die Ratlosigkeit hält jedoch nicht lange an, denn bald schon betritt Hanife wieder das Zimmer, in den Händen ein Tablet mit dampfendem Tee, Fladenbrot, Knoblauchwurst und Aranginen. Sie macht Ali eine Geste, der daraufhin im Flur verschwindet und stellt das Tablet neben dir ab und verlässt mit einer tiefen Verbeugung rückwärts den Raum. Ali schleift noch einen Nachttopf und eine Waschschüssel ins Zimmer. Dann verschwindt auch er im Nebenzimmer.
Mit gemischten Gefühlen verrichtest du deinen Morgentoilette so gut es die Fußfessel und die spärlichen Umstände zulassen – auf ein Rasier- oder auch Frühstücksmesser wurde in deiner Lieferung verzichtet. Das Frühstück mundet dir übrigens, trotz der sparsamen Zusammenstellung, ausgezeichnet. Die letzten Brotkrumen gibst du dem kleinen Vogel zu picken, der sich mit fröhlichem Gezwitscher bedankt. Vielleicht ist dieser Tag ja doch gar nicht so schlecht?
Gibt es noch etwas, was du in diesem unbeobachteten Moment tun möchtest, oder harrst du der Dinge die da kommen? Deine Fußfessel verhindert, dass du in den Fensterrahmen treten kannst, mit etwas Abstand hinausspähen würde gehen.
So gut es eben geht würde ich tatsächlich einen Blick hinauswerfen wollen. Vielleicht bekomme ich eine Idee davon wie sich das geschäftige Treiben draußen gestaltet.
Danach konzentriere ich mich abermals auf Ramal und versuche einen gedanklichen Kontakt aufzubauen um ihm die Situation deutlich zu machen.
Anschließend harre ich der Dinge die da kommen, insbesondere Larissias Rückkehr. Ich brenne nun darauf ihr all meine Erkenntnisse und Entdeckungen kundzutun.
Eine laue Brise umschmeichelt deine Nase als du dich so weit wie möglich dem Fenster näherst. Du hast Glück, das Fenster geht direkt zur Bibliothek raus, unter der sich die große Halle befindet. Unglücklicherweise kannst du aus deiner Perspektive nicht hinein schauen, da du zu weit oben bist. Wenn du dich auf die Zehenspitzen stellst, siehst du jedoch den oberen Bogen des Eingangstors und erhascht kurze Blicke auf den Rücken der Personen, die hinein gehen. Aktuell sind dies noch Bedienstete mit Körben. Auch die Geräuschkulisse lässt vermuten, dass die Feierlichkeit noch nicht begonnen hat. Ab und an hörst du Gelächter und Geplapper aus Gruppen von vorbeieilenden Studiosi, wohl noch auf dem Weg zum Frühstück. Ein Mädchen kreischt, irgendwo übt ein Chor. Du zuckst zusammen, als ein Teppich dicht über deinem Fenster dahinsaust, darauf sitzen zwei aufgeregt hier und dorthin weisende Elternpaare sowie ein älterer Magus mit eingefrorenem, höflichem Lächeln.Du trittst wieder einen Schritt zurück. Du sendest deine gedankliche Botschaft an Ramal und du hast das Gefühl, dass dir Erkennen und Erleichterung entgegen fluten. Etwas geschieht. Deine Sicht verschwimmt, und du schließt kurz die Augen.
Du läufst über den Hof der Akademie, aber die Perspektive ist anders als sonst. Deine Augen befinden sich auf Kniehöhe. Vor dir laufen ein Dicker und ein Langer. Du wirst langsamer und bleibst zurück. Du witterst. So viele verschiedene Düfte. Auch ER ist dabei. Kurz musterst du das Gebäude hinter der Hecke links von dir – ja, von dort kommt der Duft. Viele Menschen eilen über den Hof. Du erkennst jemanden und läufst auf sie zu. Sie begrüßt dich freudig und krault deinen Nacken. Du erinnerst dich an ihren Laut „Neraida“. Ihre Stimme sprudelt wie ein Wasserfall: „Ria! Wo hast du denn dein Herrchen gelassen? Sicher noch beim Frühstück was? Komm, wir suchen uns schonmal einen Platz, sonst sind die Besten vergeben. Komm, na komm, schon! Jaaaaa, du bist ein Feiner, so ein Feiner…. na komm!“
Das Bild verblasst und du findest dich, kurz verwirrt, auf allen Vieren in Larissias Gemach wieder. Die Verbindung ist weg, und du findest sie auch nicht wieder. Dies mag aber auch daran liegen, dass deine Aufmerksamkeit anderweitig beansprucht wird, denn just betritt Larissia das Gemach.Sie wirkt zufriedener, gelöster als zuvor und trägt einen großen Korb: „Dscheridan, Dscheridan, ich wusste gar nicht welch großen Hunger ich hatte! Du hattest recht, es war eine fabelhafte Idee zum Essen zu gehen, es schmeckt ja sowas von fantastisch! Hier, schau: Brot, Obst, bedien dich, ich kann gar nicht genug davon bekommen….“ Während sie noch so vor sich hinplappert schieben sich hinter ihr auch Hanife und Ali wieder in das Zimmer. Stumm werden die Reste deines Frühstücks und die Waschutensilien wieder weggeräumt, dann nehmen die Beiden ihre Plätze irgendwo im Hintergrund ein.Seufzend lässt sich Larissia mit einem Pfirsich in der Hand auf den Diwan sinken: „Wie seltsam, ich hatte fast vergessen, welch ein Genuss das Essen sein kann… Komm setz dich zu mir!“
Kurz hänge ich noch dem Gedanken an Ramal nach. Wenn er bei Neraida ist wird ihm wohl keine Gefahr drohen. Und das Gefühl der Beruhigung beruhigt wiederum mich.
Larissias plötzliche Begeisterung kann ich abermals nicht genau deuten und lasse einen argwöhnischen Blick über den Korb voller Lebensmittel schweifen. Kann es denn angehen dass in dieser vermaledeiten Akademie alles verflucht ist?
Ich wische den Gedanken beiseite, nehme mir einen Pfirsich und setze mich zu ihr.
In Garethi und mehr hauchend als sprechend versuche ich ihr nun darzulegen was ich bisher herausgefunden habe:
„Larissia irgendetwas ganz seltsames geht hier vor sich und ich weiß dass es übermorgen passieren soll. Dunchaban will einen Dschinn an ein Artefakt binden. Dafür lässt er seinen Musterschüler die Vorbereitungen treffen. Ich glaube das du dabei eine zentrale Rolle spielen wirst. Deshalb ist er so besorgt um dein Wohlergehen. Ich habe keine Vorstellung was er genau damit bezweckt und welche Rolle deine sehr spezielle Herkunft dabei spielt aber ich glaube du bist in großer Gefahr. Deshalb müssen wir unbedingt einen Plan ersinnen wie wir von hier fliehen können. Umso wichtiger ist es, dass du bei guten Kräften bist.“
„Wisse dass ich zwei magische Datteln besitze die uns überall hinbringen können. Ich erhielt sie von deinem Vater. Und was noch wichtiger ist : ich bin nicht allein hier. Mein Vertrauter Ramal ist noch irgendwo auf dem Akademie Gelände … aber wie Ramal und ich zueinander fanden erkläre ich dir unter günstigeren Umständen.“
„Mein Vater…“ wiederholt Larissia, „wenn ich recht resümiere, warst du zuletzt nicht ganz gewogen meinen Worten über meine Abstammung glauben zu schenken? Nun tust du es aber. Exorbitant! Aber sag, wie befindest du über die verblüffende Ähnlichkeit der beiden? Das kann doch keine bloße Laune des Zufalls sein. Und nun deklosierst du mir es sei in Dunchabans Absicht einen Dschinn an ein Artefakt zu binden. Was bedeutet das, ein Artefakt? Ist es soetwas wie eine Wunderlampe, in die der Dschinn gesperrt wird? Was ist das für ein Mann, der Menschen an Ketten legt und Dschinnen in Lampen sperrt? Was auch immer er plant – es ist bestimmt nichts Gutes – wir müssen uns in Acht nehmen! Glücklicherweise fühle mich jetzt nach dem Essen deutlich besser – nur ein wenig müde – meinst du nicht, ich sollte noch einmal versuchen meine Kräfte zu nutzen? Dunchaban selbst sprach ja davon, ich könne es erlernen. Wenn es auf eine Auseinandersetzung hinaus läuft, sollte ich wissen, was ich kann, meinst du nicht? Ich begreife einfach nicht, warum ich in der Welt meines Vaters all diese unglaublichen Dinge konnte, ohne darüber nachzudenken, und hier gelingt mir zwar die Vorstellung, aber sobald ich die Dinge in Bewegung setzen will, schmerzt es, als würde ich mein Inneres aus mir herausreißen… Ist das etwa immer so? Muss Zaubern wehtun, Dscheridan?“
Als Larissia den Vergleich heranzieht, dass eine Wunderlampe ein Artefakt sei nicke ich eifrig mit dem Kopf.
“… meinst du nicht, ich sollte noch einmal versuchen meine Kräfte zu nutzen?”
“Ich halte es für besser wir nutzen zunächst die Fähigkeiten, in denen wir etwas geübter sind. Ich brauche dich vor allem bei Kräften, wach und munter. Wenn sich die Gelegenheit bietet können wir immer noch schauen, was du alles zu tun vermagst.”
“…Muss Zaubern wehtun, Dscheridan?“
Ihre Frage trifft mich etwas unvermittelt. Zum Wesen der Zauberei habe bisher ja immer ICH nur die Fragen gestellt. Das mich dazu mal jemand befragen könnte bringt mich etwas aus dem Konzept.
Ich schaue kurz in eine imaginäre Ferne, ehe ich Larissias Augenkontakt wieder suche:
“Um dir darauf und auf deine Frage nach der Ähnlichkeit deines Vaters und des Großwesirs eine Antwort zu geben muss ich nun etwas weiter ausholen. Eingedenk unserer Situation versuche ich mich so kurz zu fassen wie nur möglich. Details bekommst du alle von mir, wenn wir endlich in Sicherheit sind. Keine Geheimnisse mehr, vesprochen!”
Ich schaue sie noch kurz bestätigungserheischend an, ehe ich fortfahre: “Das wichtigste was es neben meinen Erkenntnissen hier in der Akademie zu erfahren gibt, seit sich unsere Wege trennten, ist, dass ich die Zauberin gefunden habe, nach der wir suchten. Sie hat mir in vielerlei Dingen weitergeholfen. Auch dich in der Oase deines Vaters zu finden. Sie konnte mir verschiedene Dinge erklären und ich hoffe dass wir zu ihr zurückkehren können, wenn wir von hier fliehen. Doch das wichtigste daran ist, dass sie und auch ich nicht einfach Zauberer sind. Wir sprachen nie wirklich darüber, Larissia, aber meine Großmutter und ich sind Kinder Satuarias. Oder wie du es nennen würdest, Hexen.”
Ich mache eine Kunstpause und lasse meine Worte wirken. “Das bedeutet vor allem, dass wir den Atem der Mutter oder die astrale Energie, wie man sie auch nennt, anders zu beeinflussen wissen als es zum Beispiel dieser blasierte Großwesir oder die Schüler dieser Akademie hier tun. Was ich sagen will ist, dass es sehr verschiedene Wege gibt Magie zu wirken. Da du als Tochter eines Dschinns und einer Menschenfrau sehr besonders bist, ist es möglich dass deine Art Magie zu wirken auch sehr besonders ist. Wenn ich mich richtig erinnere – und Magietheorie hat mich eigentlich nie sonderlich interessiert – gibt es gerade bei den magischen Wesen solche, die mit der magischen Kraft in ihrer Umgebung zaubern. Da vermischt sich dann irgendwie Lebenskraft und magische Kraft. Vielleicht schmerzt es sich deshalb weil du die Kraft aus deiner Lebenskraft ziehst … In seiner pervertierten Form nennt man das Blutzauberei. Aber was es damit genau auf sich hat … ich erinnere mich nicht mehr recht. Jedenfalls, wenn du mit der Kraft deines Lebens zauberst, kann ich mir gut vorstellen, dass das ein schmerzhaftes Gefühl ist.”
Wieder lasse ich meine Ausführung zunächst sacken und Larissia darauf reagieren.
“Und damit komme ich noch zu einem Punkt den ich eben schon anklingen ließ. Die Zauberin nach der wir suchten – Birshen, auch eine Tochter … eine Hexe – erklärte mir, dass es möglicherweise für deinen Vater nötig war eine Möglichkeit zu finden zu uns zu kommen. Also in unsere Welt meine ich. Hinaus aus seinem Reich. Birshen meinte dafür brauchte dein Vater ein Vehikel. Eine Art Lampe, wie du eben meintest.”
Ich merke wie mir die Hitze in den Kopf steigt und mein Herz zu klopfen beginnt als auch ich die gesamte Tragweite meines Gedankens zu begreifen beginne. Wie kann ich ihr bloß schonend sagen, was ich ihr zu sagen habe?
Ich straffe mich und schaue Larissia sehr Ernst an. Erst wenn ich mir sicher bin, dass sie meine Ernsthaftigkeit bemerkt hat und mir ihre volle Aufmerksamkeit schenkt fahre ich fort:
“Larissia, es ist vielleicht so, dass dein Vater ein menschliches Vehikel gewählt hat als er seinerzeit den Wunsch verspürte seiner Geliebten – deiner Mutter – nahe zu sein. Und es ist nicht auszuschließen dass dieser Mensch Großwesir Dunchanban war.”