Hexenspeichel

Als du vom Flur zurückkehrst beobachtest du, wie Dunchaban seinen Spruch beendet. Unter seinen Händen hebt sich Larissias Brust kurz, ihr Gesicht jedoch bleibt aschfahl, die Augen geschlossen. Sorgenvoll blickt der Magister dir entgegen. Du entscheidest dich:

“Herr, mit eurem Heilzauber kann ich nicht dienen, doch lasst mich unterstützen wie ich es von einer magiebegabten Zahori gelernt habe.”

Du schiebst dich, getrieben von deiner Angst um Larissia, an ihm vorbei und spendest deinen Hexenspeichel. Die Magie prickelt zwischen euren Zungen, als deine Kraft auf Larissia übergeht und für einen Augenblick genießt du den vollkommenen Moment, in dem sich deine (Für)Sorge als Magie manifestiert und Hilfe schenkt. Dein Herzschlag trommelt ihren Herzschlag, dein Atem spendet ihren Atem. Genau jetzt existiert nur ihr zwei, und das völlig synchron. [- 5ASP] 

Und dann passieren mehrere Dinge gleichzeitig:

Der Magister reißt dich grob an der Schulter zurück. „Zahori, ja?“

Larissia schlägt die Augen auf.

Von der Glocke alarmiert stürmt ein mit Säbel bewaffneter Turbanträger herein, hinter ihm folgt, mit gesenktem Haupt eine verschleierte Dienerin.

Es herrscht ein überraschter Moment allgemeiner Orientierungslosigkeit. Dunchabans Blick gleitet von dir zu der sich mühsam aufsetzenden Larissia und zurück. Seine Wangen sind gerötet, seine Augen schmale Schlitze. Dann hebt er anklagend den Arm: „Ergreift ihn!“
Du blickst dich reflexartig in Richtung Fenster um, vor deinem inneren Auge die wildesten Fluchtszenarien- diese unterbricht jedoch Larissia, die unerwartet kräftig ausruft: „Haltet ihn da raus, er hat doch gar nichts mit der Sache zu tun!“ Diese auf Tulamidya gesprochenen Worte lassen Dunchaban herum fahren: „Und doch bedeutet er Euch etwas?“ Erneut mustert er dich. Abscheu liegt in seinem Blick, aber auch eine gewisse Faszination. Er macht dem Diener (der übrigens weniger aussieht wie eine Elite-Wache, als eher wie der Mann für Alles, der sich auf die Schnelle irgendwo einen Säbel von der Wand geschnappt hat) eine Geste abzuwarten und nähert sich dir mit bedrohlicher Langsamkeit. „Vielleicht sollten wir unserem Besucher doch noch einmal die Gelegenheit einräumen, sich zu erklären. Wer bist du, und was willst du hier?“

Veröffentlicht von Mirya

Ein lebensfrohes kleines Bündel, das üblicherweise nicht auf den Mund gefallen ist, gute Gesellschaft ebenso wie gutes Essen genießen kann, und die sich wünscht es ginge immer allen überall gut.

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3 Kommentare

  1. Wieder toben tausend Gedanken durch meinen Schädel: “Dunchaban ist ein gefährlicher Mann” hatte Großmutter gesagt. Niemand weiß das ich hier bin. Sollte er über meine wahre Identität gewahr werden, so wäre keine Gelegenheit günstiger als jetzt mich mundtot zu machen. Ich kenne eine Wahrheit die dem Herren Magister unangenehm ist.

    Er weiß nicht und ahnt nicht wer ich sein könnte. Zu gering ist die Wahrscheinlichkeit meiner Anwesenheit hier und zu groß Maruchs Stolz als dass er Wort gebrochen haben und über mich berichtet haben könnte.
    Auch wenn mir noch immer nichts lieber wäre als Dunchaban die Wahrheit entgegen zu spucken so muss ich mich doch beherrschen.

    Und dann dieses übermächtige Gefühl eines in die Ecke gedrängten Katers. Nein keines Katers – eines Geparden. Ich erinnere mich der Spiegelung im See, meines Traumes. Ich bin kampf- und fluchtbereit. Meine Nackenhaare stellen sich auf. Was habe ich nun zu verlieren? Ich habe nur zu gewinnen. Und warum habe ich eigentlich Angst? Ich spiele vielleicht den Schüler und doch bin ich Meister wie er. Ich bin bereit wie nie Dunchaban im Zweifel einen Stoß in die Rippen zu rammen, mich aus dem Fenster zu stürzen und davon zu fliegen. Niemals wird der Hochmut des Magiers einen solchen körperlichen Übergriff erwarten.

    Selbstbewusst und bereit funkele ich ihn nun also an und seine Faszination ist es, die meinen Wagemut befeuert: “Ich sagte euch doch dass ich zufällig hier in diesen Raum gefallen bin, Spektabilität. Cherek ibn Sahil ist mein Name und Opfer meines eigenen Stolzes bin ich geworden, als ich mich einließ zu beweisen, dass ich diese Gemächer betreten könne. Mich lehrte nicht nur die Akademie sondern die Straße gleichermaßen und ‘Zahori’ meine ich, wie ich es sage.”

    Mich drängt es mit einer GROSSEN GIER seine Zweifel zu zerstreuen doch das erste Mal fühle ich etwas, dass ich seit sehr langer Zeit nicht mehr empfunden habe: Der Atem der Mutter in mir ist geschwächt. So sehr dass ich befürchten muss mein rettendes Brett nicht mehr zum Fliegen zu bringen wenn ich den Zauber versuchte. Ohne die Magie fließen zu lassen fahre ich fort.

    “Nun bestraft mich denn für mein Eindringen hier aber ich glaube es war die Magie der Zahori die diese junge Frau von der Schwelle des Todes errettete und vielleicht betrachtet ihr meine unerlaubte Anwesenheit als glückliche Fügung, nicht als Gefahr, die sie nicht ist.”

    Ich warte ab und halte den Atem an. Noch immer bereit Dunchaban zu überrennen und mich aus dem Fenster zu stürzen …

  2. Dunchaban verharrt einen Moment in Gedanken. Keinen Moment weicht die Strenge aus seinem Gesicht. Gerade will Larissia erneut etwas einwerfen, da spricht er schließlich, und fixiert dich dabei wie eine Schlange ein Kaninchen. Seine Stimme ist eisig:
    „Niemand darf die Gemächer des Großwesirs ohne Einladung betreten! Und niemand küsst ungestraft meine Schutzbefohlene, was auch immer die Absicht! So vernimm also deine Strafe, Cherek ibn Sahil: Du wirst morgen nicht an den Feierlichkeiten teilnehmen. Es ist dir nicht erlaubt die Akademie oder gar diese Gemächer zu verlassen. Du hast 2 Tage Zeit dich zu bewähren. Sollte es dir in dieser Zeit gelingen, den Gesundheitszustand meines Gastes (er weist auf Larissia) weiter zu verbessern und sie zum Essen zu bewegen, so sei dein Arrest aufgehoben. Scheiterst du, endet damit deine akademische Karriere, und deine Statue soll fortan die Treppe zur Bibliothek zieren.“ Seine Augen funkeln böse. Du erinnerst dich, dass dir die schwatzhafte Laila bei eurem Rundgang mit einem Schaudern eben jene, mit lebensgroßen Steinfiguren gesäumte Treppe kurz gezeigt hat. Man munkelt, dies seien Studiosi, die bei der Lektüre verbotener Büchern erwischt wurden, oder es sich sonstwie mit der Bibliothekarin verscherzt hatten, und die zur Strafe versteinert wurden.
    Dunchaban fixiert dich durchdringend: „Haben wir uns verstanden? Du wirst keinen weiteren Unfug begehen! Und damit die Sittlichkeit gewahrt bleibt, werden diese beiden Diener zu jeder Zeit hier anwesend sein. Hanife, hol Strohsäcke, Ali, lauf zu den Ställen und lass dir eine Fußschelle und eine Kette geben!“

    Gibst du dich soweit reuig, oder doch das Fenster?

  3. Zum Namenlosen mit deinem schadhaften Stolz Dsche Wüstenwanderer spricht eine Stimme in meinem Kopf. Mach dir seine eigene Überheblichkeit und seinen Glauben dich besiegt zu haben zu nutzen und verschluck dich nicht an der giftigen Schlange. Lass dein Seelentier dich emotional nicht übermannen.
    Es muss die Stimme der Vernunft und des Kalkül sein. Zwei Tage lang die Möglichkeit mit Larissia zu sprechen und mit ihr einen Fluchtplan zu schmieden ist doch genau, was ich will. Das sollte mir doch irgendwie zum Vorteil gereichen.

    So funkele ich Dunchaban denn noch einen Augenblick gespielt trotzig an und senke dann meinen Blick als hielte ich ihm nicht mehr Stand. Demütig hauche ich ein leises: “Ja, Herr.”

    Für den weiteren Verlauf: Ich blicke Dunchaban nun nicht mehr direkt an und spiele ihm den gebrochenen, angsterfüllten Schüler. Sobald es dann ruhiger wird kann es durchaus sein dass ich mit schwindendem Adrenalin tatsächlich einen kleinen mentalen Zusammenbruch erlebe und mich zumindest zeitweilig die Verzweiflung überrennt. Wer weiß ob so eine Fußfessel nicht verzaubert ist. Im Moment der echten Schwäche sehne ich auch nichts dringlicher herbei als Ramal. Ich finde schier unerträglich von ihm nun schon wieder getrennt zu sein und setze alles daran ihm eine gedankliche Botschaft zu übermitteln. Ich überlege auch die Diener um Hilfe zu bitten, so sie mir denn hilfsbereit und vielleicht ein wenig mitleidvoll erscheinen. Vielleicht ist man Willens mein Hab und Gut hier herüber zu bringen. Viel Hoffnung habe ich trotzdem dabei nicht.

    Sollte mich die Erschöpfung dann nicht übermannen oder mein Adrenalinspiegel doch noch so hoch sein dass ich noch irgendeinen Tatendrang verspüre so will ich so tun als kümmere ich mich um Larissia und will mit ihr ein gerauntes Gespräch führen: “Larissia, sei unbesorgt. Irgendwie hole ich uns hier heraus. Was wir nun tun müssen ist ein hinreißendes Possenspiel darbieten. Und du musst mir dabei helfen!”

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