Tatsächlich überlässt dir Rashid die Führung, als ihr das Herz der Oase wieder verlasst um euch dem Gebäude das ihr vorhin schon passiert habt erneut zuzuwenden. Respekt gebietend steht das übergroße rechteckige Gebäude vor dem „Ortseingang“ und erneut springt dir seine Wehrhaftigkeit ins Auge. Es ist in dieser Gegend wohl häufiger mit Überfällen (von Leuten wie Rashid?) zu rechnen, denn zwei Bogenschützen patroullieren auf dem Wehrgang, den du vohin auf der obersten Etage ausgemacht hast. Das große Tor steht nach wie vor offen, und nun betretet ihr also den Innenhof. Wie eine Mauer erheben sich die Innenwände des rechteckigen Gebäudes rings um euch und du bist beeindruckt, wie man unter so harschen Bedingungen so trutzige Lehmbauten zu fertigen vermag. Kaum seit ihr in der Mitte des Innenhofes und in der Nähe des Brunnens angelangt, eilt euch ein weiterer Wüstensohn entgegen: „Seid gegrüßt, Reisende, in dieser sicheren Zuflucht vor der Unbill der Reise und den Gefahren der Wüste und Berge! Mein Name ist Ishaban und ich biete euch meine bescheidenen Dienste zu gar wohlgefälligem Preise an. Was darf es denn sein für die Herren? Eine Unterkunft für euch und euer Reittier? Vorräte um die weitere Reise zu überstehen? Seid versichert, fast jeder Wunsch findet in meiner bescheidenen Oase seine Erfüllung so ihr willens seit, mich entsprechend zu entlohnen…“
Die Karawanserei in El Karam ’15‘
Veröffentlicht von Mirya
Ein lebensfrohes kleines Bündel, das üblicherweise nicht auf den Mund gefallen ist, gute Gesellschaft ebenso wie gutes Essen genießen kann, und die sich wünscht es ginge immer allen überall gut. Weitere Beiträge anzeigen
“Ishaban, es erfreut mich sehr eure Bekanntschaft zu machen! Euer Vetter Tarek, von dem ich euch die besten Grüße ausrichten soll, beschrieb mir eben in der Stadt, welch gescheiter und scharfsinniger Mann ihr seid. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass Ihr mir helfen könnt. Es ist nämlich so, dass mein Begleiter und ich in der Karawane von Melek El’Karram erreichen sollten. Doch ein Sandsturm trennte uns vom Rest der Gruppe. Die gute Orientierung meines Begleiters und Glück brachten uns unbeschadet hierher.”
Ich mache eine kurze Pause, schaue mein Gegenüber wehmütig an und sehe mich dann um: “Wie ich von Tarek bereits hörte ist Melek bereits gen Keft aufgebrochen. Ich suche allerdings meine Begleiterin. Ihr Name ist Domna Larissia. Eine nordische Schönheit, einer Rose gleich und Anmutig von Gestalt und Bewegung. Hat sie vielleicht eine Nachricht für mich hinterlassen? Und sagt, welcher Reisende wurde dem Kadi übergeben? Ist sein Name vielleicht Omar? Es liegt ein furchtbares Missverständnis in dieser Angelegenheit vor.”
Ich hole kurz Luft, lasse Ishaban aber noch nicht zu Worte kommen: “Ich weiß, tausend und eine Frage entsprudeln mir und ich kann euch für eine Hilfe augenblicklich nicht im geringsten entlohnen, nahm mir der Sandsturm doch alles, was ich an echtem Wert besitze [ist doch so oder?]. Seid aber gewiss, dass Dscheridan ben Yussuf sal Jasmabith eine Schuld niemals unbeglichen lässt.”
Nicht nur fürcht ich, dass sich die Domna schon auf den Weg zum Turm der Hexe gemacht hat, insbesondere habe ich auch Angst, dass wir unser Versprechen gegenüber Omar nicht einhalten und ihn vor dem Kadi bewahren konnten. Sollte er gerichtet worden sein? Beim schieren Gedanken steigen mir Tränen der Wut in die Augen.
Das Gesicht deines Gegenübers spricht während deiner wortreichen Ausführungen Bände: Geschmeichelter Stolz bei deiner Einleitung, Neugier als du dich nach Larissia und Omar erkundigst, Enttäuschung, dass er an dir aktuell nicht verdienen kann, Verbitterung darüber, dass er dir (dank seinem Vetter?) trotzdem nach irgendeinem Ehrenkodex Gastfreund schuldig ist, und schließlich die blanke Verachtung als du dich als Schüler einer Frau vorstellst, stehen ihm so deutlich ins Gesicht geschrieben, dass es dir bei ihm deutlich schwerer fällt deine Vorurteile im Zaum zu halten. Freund werden wirst du mit Ishaban wohl nicht so bald, das ist sicher. Jedoch scheinen deine Worte trotzdem ihre Wirkung nicht verfehlt zu haben, den Ishaban klatscht zweimal in die Hände, und eine verschleierte Frau tritt ein und bringt euch ein Tablett mit einer Karaffe und Trinkgefäßen. Er klatscht dreimal und ein Junge springt herbei um sich eurer Reittiere anzunehmen.
„Es ist mir eine Ehre, die Bekanntschaft eines Mannes zu machen, der einen Sandsturm überlebt hat. Lasst eure Tiere doch hier versorgen und labt euch an einer kühlen Erfrischung, Dscheridan ben Yussuf. Seid versichert hier in der Karawanserei von El’Karram wird Gastfreundschaft groß geschrieben, und so kann ich euch wohl für diesen Akt der Brüderlichkeit nicht mehr abverlangen, als es die große Wüste bereits getan hat.“ Er schenkt sich und euch Wasser ein und bietet euch eine Sitzgelegenheit in einer Pflanzenumrankten Pagode an. Hier habt ihr den Innenhof in die eine Richtung (mit den Stallungen am fernen Ende) und das Eingangstor auf der anderen Seite gut im Blick, und seht, wie der Junge eure Pferde zur Tränke führt (wenn du es zugelassen hast). Ishaban setzt sich zu euch. „Ich will euch berichten was ich weiß: Die Karawane ist nach zweitägiger Rast tatsächlich gestern wieder aufgebrochen. Von eurer Begleiterin habe ich keine Nachricht für euch. Es ist doch nicht etwa jene schamlose Hünin, die ihre roten Zöpfe so respektlos zur Schau trägt? Diese ist mit der Karawane weiter gezogen? Aber dies wütende und zügellose Weibsbild könnt ihr doch unmöglich als liebliche Blume beschreiben? Dass Mhelek sie so gebaren lässt? Wäre er nicht so ein treuer und regelmäßiger Gast in meinem Haus (und gut zahlender – setzt du in Gedanken hinzu) würde ich übel über den Mann denken, der einem ihm unterstehenden Weib ein solches Auftreten gestattet… Aber was rede ich da, ihr fragtet ja noch nach jenem Mann, der dem Mawdli übergeben wurde. Darüber weiß ich nicht viel, aber ihr könnt Anhörung beiwohnen, sie findet um die Mittagsstunde im Funduq statt. Ich werde eure Tiere solange hier in meine Obhut nehmen. Und wenn ihr es wünscht lasse ich für euch und euren Begleiter für heute Nacht eine Unterkunft herrichten. Die nächste Karawane in Richtung Keft wird sicher in einigen Tagen hier eintreffen. Seid doch solange Gast meiner Familie.“ Bei den letzten Worten spürst du förmlich den Widerstand den er überwinden muss um sie zwischen zusammengepressten Zähnen hervorzuwürgen.
Auch in mir steigt die schiere Galle auf und wenn nicht mein Durst so groß wäre, so hätte ich das Gespräch schon beendet, als ich seinen verächtlichen Blick ob der Erwähnung meiner Großmutter bemerke. Elendes Wüstenpack!
Als er dann in so abfälliger Weise von Branna redet ertrage ich sein Geschwafel nicht länger.
Im Spiegel der Talentwerte: Ich habe bei meiner Probe auf die Schlechte Eigenschaft Vorurteile eine 1 gewürfelt und die dann auch noch bestätigt. Pech muss man haben. Die anschließende Selbstbeherrschungsprobe ist dann leider auch misslungen. Einzig die Etikette verhindert, dass ich dem Wüstensohn sogleich an die Gurgel springe, alles andere habe ich dann allerdings nur noch sehr wenig im Griff, als ich ihn anfauche:
“Habt dank für die Erfrischung Ishaban. Wir wollen eure Gastfreundschaft jedoch nicht über Gebühr strapazieren und ziehen lieber unserer Wege.” Ich halte einen Augenblick inne, versuche meine Wut irgendwie im Zaum zu halten, doch die Worte formen sich wie von allein und die Magie entlädt sich mit voller Wucht als ich noch nachsetze: “Und wass ich an eurer Stelle jetzt täte wäre auf auf den Marktplatz zu eilen und einem jedem zu erzählen mit welcher kleiner Männlichkeit ihr ausgestattet seid.”
Meine GROSSE GIER hält ihn die nächsten 20 Minuten beschäftigt. Während er davon eilt (sollte er keine ungewöhnlich hohe Magieresistenz haben) murmel ich: “Das wird dem Dummschwätzer eine Lehre sein.” und an Rashid gewandt spreche ich in nicht minder harschen Ton und mit funkelnden Augen: “Merke dir eines mein junger Freund: Wo Männer den Weg der Kunst gehen dürfen, da können auch Weiber den Weg der Kriegerin beschreiten. Alle mit gleichen Rechten und Pflichten. Niemand steht über dem anderen aufgrund seines Geschlechts. Und nun hol die Esel, wir haben einer Anhörung beizuwohnen.”
Damit mache ich mich auf zum Funduq und hoffe meine Selbstbeherrschung wiederzufinden.
an dieser Stelle nur noch ein Nachtrag zu deinen Besitztümern (denn komplett mittellos bist du nicht, verfügst du doch über folgende Dinge, die du nach Wunsch auch zu Geld machen könntest:), die Handlung geht dann “im Funduq” weiter.
Nach dem Sandsturm besitzt du nur noch, was du unmittelbar am Körper getragen hast, als du auf Wachpatrouille gingst, also:
einen (leeren) Wasserschlauch
das Diadem (gut in Stoff verschnürt)
und die Dinge, die du in der Schamanenhöhle (wieder)gefunden hast:
deinen Waquif
ggf sonstige Dinge die du von dort mitnehmen wolltest (Zunderbox?)
Von den Ferkinas habt ihr folgende Gegenstände erhalten:
Dörrfleisch für 4 Tage
zwei Kurzhaarponies
eine Kürbisphiole mit einer klaren süßen Flüssigkeit (laut Rashid Blauapfelsaft)