Auf dem Basar *1*

Ob es nun an deiner ungewohnten Kleidung liegt, oder doch noch an deiner seltsamen Gemütslage – tatsächlich kommt dir der Basar heute abend im Dämmerlicht ganz anders vor, als du ihn bisher erlebt hast. Sehr intensiv nimmts du die Gerüche der Gewürzstände wahr, das Gesumm der durcheinanderwirbelnden Stimmfetzen, aus der Ferne die Schellen einer Tänzerin und das Pfeifen einer Kabasflöte. Auf dem Weg zu eurem Treffpunkt schlenderst du langsam umher und begutachtest die Auslagen einiger Schmuckhändler, ohne dass du etwas besonders begehrenswertes entdeckst. Ungewohnt ist für dich schon das Verhalten der Händler, die kurz aufblicken, wenn du herantrittst, aber einiges an ihrem sonstigen Überschwung, dir die neueste, schönste Ware präsentieren zu wollen vermissen lassen. Ein Tuchhändler gar blickt nur kurz von seinem Tee auf, und bleibt aber ganz ungerührt sitzen, als er dich um seinen Stand streichen sieht.

So beschäftigt bist du mit deinen Beobachtungen, dass du gar nicht gemerkt hast, wie du schon am Stand des Kerzendrehers angekommen bist, und Yalis Lachen erkennst du erst, als er dir freundschaftlich seine Hand auf die Schulter legt: „Hmm, das stellt sich Sahib Dsche also unter ärmlicher Kleidung vor“ schmunzelt er, „nicht schlecht, aber auch noch nicht perfekt – warte mal!“ und ehe du dich versiehst hat er den Inhalt eines kleinen Beutels den er wohl schon vorher in seiner Hand verborgen hatte über deine Kleidung ausgeschüttet und macht sich nun daran auch etwas in dein Haar reiben zu wollen. „Keine Angst, das ist feinstgesiebter Khom-Sand, kein Straßenstaub… erfüllt seinen Zweck aber genau so gut, und du musst dir keine Sorge um den Schmutz machen.. verkaufe ich sonst an die Sanduhrbläser… aber für diesen edlen Zweck kann ich wohl eine Dosis erübrigen… soo hier noch ein bisschen und dann ist es perfekt – nu hab dich doch nicht so, immerhin hab ich drauf verzichtet dir Dreck ins Gesicht zu schmieren… und so brauchst du dich nun wenigstens nicht mehr sorgen, dass deine Kleidung schmutzig werden könnte, da wo wir hingehen…“ Nur mühsam und etwas erbost kannst du Yali in seinem Tun aufhalten, und rettest gerade noch deine so mühevoll hergerichtete Frisur. Ein kleines Schmunzeln kannst du dir jedoch nicht verkneifen, wie gut dein Freund dich einschätzen konnte…

Als sich die Wogen eurer kleinen Meinungsverschiedenheit etwas geglättet haben, und ihr beide mit deinem Aussehen einigermaßen zufrieden seid, fasst Yali dich an der Hand und zieht dich in Richtung einer winzigen Gasse, die dir bisher noch nie aufgefallen war. Zu klein und unscheinbar, und wohl auch ein bisschen zu düster und dreckig ist sie um jemals dein Interesse geweckt haben zu können. Ihr schlüpft zwischen ein paar Zelten und unter einigen aufgespannten Teppichen hindurch und landet auf einer Art Hintergasse, die sich wohl zwischen den Rückseiten der dir bekannten Stände befindet. Einige kleinere Krämer bieten hier ihre Waren feil – Schutzamulette, Kräuter, aber auch Töpferwaren und Früchte werden angebotet. Ihr schlendert etwas an den Ständen entlang, und gelangt an eine Weggabelung, an der es sich ein Märchenerzähler auf einem Haufen Kissen bequem gemacht hat, während sich drumherum Straßenkinder und einige Erwachsene auf dem Boden, auf Mais und Kornsäcken der Gemüsehändler sowie auf Brettern und Kisten scharen. Ein junges Mädchen begleitet die Geschichte des Alten auf  einer kleinen Flöte, manchmal untermalt sie besonders spannende Stellen mit Geräuschen, die sie mit leeren Flaschen, Metall- und Holzstücken sowie ihrem Atem erzeugt. Auch ihr seid für einige Minuten gefesselt und lauscht der Geschichte von einer verzauberten Oase in der Wüste, wo ein Dschinn leben soll, der die Besucher der Oase mit Tricks ins Verderben lockt oder aber ihnen Wünsche erfüllt, je nach ihrem eigentlichen Unterfangen, dass sie in die Wüste geführt hat. Am Ende der Geschichte kannst du gar nicht anders als den beiden ein paar Münzen hinzuwerfen, auch wenn viele der Kinder eher mit Fladenbrot und Obst „bezahlen“.

„Wollen wir nicht dort vorne einen Tee trinken und gemütlich eine Wasserpfeife rauchen? Wir haben noch etwas Zeit bis die Dame auftaucht, die ich dir vorstellen wollte.“ fragt Yali. Du willigst ein und ihr schlüpft durch einen kleinen Eingang in ein erstaunlich geräumiges Zelt, aus dem der verlockend süße Duft von Tabak gemischt mit würzigen Kräutern dringt. Gemütlich lasst ihr euch auf ein paar Kissen nieder, als auch schon ein feister Herr mit schwitzigen Händen angeeilt kommt um euch von einem Tablett zwei kleine Teetassen zu reichen. Er deutet auf einen runden Tisch in der Mitte, auf dem verschiedene Samoware stehen. „Fünf Kupferstücke und ihr könnt euch beim Tee beliebig bedienen. Gebt mir eine Zechine für euch zwei, und dir bekommt eine Wasserpfeife dazu, randvoll gefüllt mit Tabak eurer Wahl.“ Rollt vor euch eine buntdurchwirkte Stoffbahn aus, mit verschiedenen Fächern, in denen verschiedene Kräutermischungen zum Schnuppern eingefüllt sind. Ihr entscheidet euch für eine Mischung mit Vanille und Arangenblüten. Oder möchtest du gerne etwas berauschendes rauchen? Auch beim Tee stehen verschiedene Geschmacksrichtungen zur Auswahl, die jeweils mit kleinen Schildchen an den Samowaren gekennzeichnent sind.

Eine Weile lehnt ihr euch zurück und genießt den Geschmack des Tabak und des Tees. Bevor du beginnen kannst Yali mit Fragen über diese geheimnisvolle Frau zu löchern, die ihr treffen werdet, wendet sich ein turbantragender Mann, der in einer etwas dunkleren Ecke des Zeltes gesessen hatte an euch.

„Hee, Sahib, wie sieht es aus mit einer kleinen Partie Wüstenwanderer? Ihr scheint heut bester Laune zu sein, die Sterne werden euch sicher ein glückliches Händchen verleihen? Das Spiel ist ganz einfach und der Einsatz beträgt nur einen Silberling….“

Möchtest du in das Spiel einsteigen, oder lehnst du ab? Wenn ja, bitte eine Probe wahlweise auf Glücks- oder Falschspiel. Es handelt sich um ein Kartenspiel mit einer Bluffkomponente, so dass du eventuell magische Fähigkeiten einsetzen kannst um Bluffs deines gegenüber zu durchschauen.

Veröffentlicht von Mirya

Ein lebensfrohes kleines Bündel, das üblicherweise nicht auf den Mund gefallen ist, gute Gesellschaft ebenso wie gutes Essen genießen kann, und die sich wünscht es ginge immer allen überall gut.

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1 Kommentar

  1. Hier faul in den Kissen zu liegen und es sich bei einem aromatischen Tee und einer feinen Wasserpfeife (ich bevorzuge da augenblicklich weniger berauschende Inhaltsstoffe) gut gehen zu lassen ist gerade genau nach meinem Geschmack. Augenblicklich ist das schlechte Gefühl, dass ich seit gestern Abend in mir trage, gänzlich wie weggeblasen. Verdrängt sind für den Augenblick die Gefühle der Einsamkeit, des Außenseitertums und der Minderwertigkeit …

    „Seid gewarnt Effendi, Feqz Hand führt mein Spiel, ihr werdet bald bitter um eure verlorenen Talerchen trauern, wenn ihr meint, unerfahrene Wüstenwanderer gefunden zu haben. Hier habt ihr zwei Silberlinge, einen für mich und einen für meinen Freund hier!“
    Damit quäle ich mich aus meinen Kissen, ergreife meinen Becher und setze mich zu dem Mann. Ich kann weder mit Falschspiel noch mit der Gabe des Glücksspiels dienen, doch hier sind einige andere Probenergebnisse, die mir bei dem Spiel zu Sieg (oder eher Niederlage) helfen könnten:
    Menschenkenntnis: um 2 daneben
    Brett-/Kartenspiele: um 2 daneben
    Überreden: um 3 daneben
    Da ich bemerke, dass dem ehrlichen Händchen heute kein Glück beschieden ist (und Christian def. für den nächsten Kommentar einen anderen Würfel benutzen wird!!) werde ich im Laufe des Spiels meinen Ärger kanalisieren und einen BLICK IN DIE GEDANKEN meines Gegenübers werfen. Ich beschließe ca. 1 knappe Minute – also 10 KR lang – seine Gedanken offen zu legen und schaue ihn intensiv an … leider ist mir auch dabei kein Glück beschieden (4 AsP) und die Kraft entweicht ungenutzt. Ich ärgere mich sehr. Die verlorenen Taler sind mir natürlich herzlich egal, aber der misslungene Zauber erinnert mich jetzt doch wieder schmerzlich an gestern Abend. Auf eine zweite Runde habe ich dementsprechend keine Lust mehr und verspüre höchstens noch eine wohlige Genugtuung, sollte der gute Yali den Turbanträger schlagen können.
    „Wir hatten wohl beide mit unseren Prognosen Unrecht, Effendi, Feqz scheint heute besseres im Sinn zu haben als meine Hand (mein Auge …) zu führen. Ich habe auch nicht den Eindruck als würde er mir in kürze seine Aufmerksamkeit schenken, deshalb verzeiht, dass ich schon so frühzeitig aussteige.“ Sollte er zu mich zu sehr drängen, weiterzuspielen könnte es übrigens schnell passieren, dass ich ein wenig pampig werde …

    Was für ein unglücklicher Start in den Abend, ich hoffe es bessert sich sehr bald …

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