Du blickst dein Gegenüber durchdringend an, und öffnest dein inneres Auge für die Welt der Gedankenbilder. Wie gewohnt strömt ein ungefiltertes Chaos an Bildern und Gedankenfetzen auf dich ein, und während du versuchst dich auf den Turbanträger zu konzentrieren fängt ein Bild von du-weißt-nicht-wo kurz deine Aufmerksamkeit ein: In einem schwankenden Zelt aus Seide (vielleicht eine Sänfte?) sitzt eine verschleierte Schönheit mit einer goldenen Tiara und aufwendigem Schmuck auf ihren Kissen und blickt unbestimmt in die Ferne – plötzlich verschwinden die Schleier und der Schmuck und das Mädchen – die Frau – schaut dich nun direkt und beinahe hilfesuchend an. Erst jetzt erkennst du, dass sie blasshäutig ist, ihre trotzdem recht markanten Gesichtszüge werden von einzelnen dunklen Locken umrahmt die aus ihrer komplizierten Frisur herausfallen. Ein hübsches Gesicht… und schon hast du jeglichen Anschluss an die Gedanken des Wüstenwanderer-Spielers verloren, fühlst verärgert die Kraft verpuffen und sitzt wieder in der Realität.
„Wie soll ich denn bei diesem Spiel gewinnen Effendi, wenn ihr mir immer die schwächsten Karten austeilt. Da seht ihr – Luft, Luft, Luft und etwas Feuer, wie soll ich da durch eure vermaledeite Wüste wandern.“
Auch nachdem der Fremde dir mit einem Schmunzeln die Karten zum selberausteilen zugeschoben hat, wendet sich dein Blatt nicht, so dass du mürrisch deinen Ausstieg bekannt gibst
„Effendi – zu zweit macht dies Spiel doch gar keine Freude. Wankelmütig ist Feqz, doch solltet ihr wissen, dass er nur dem Wagemutigen die größte Gunst erweist…“
Vielleicht etwas zu stark haust du mit der Hand auf den Spieltisch, so dass die Karten zu allen Seiten fliegen. „Ich sagte doch, ich steige aus Effendi. Dies Spiel bereitet mir nicht Zerstreuung, und das ist alles was ich von einem guten Spiel erwarte, also sieh zu, dass du dich zerstreust Effendi und geh mir aus den Augen!“ Beschwichtigend legt Yali dir eine Hand auf die Schulter „Aber Cousin, spiel dich doch nicht auf wie der Sultan persönlich“ und zum Spieler gewandt „verzeiht Effendi, keiner verliert gern so schmächlich…“.
Trotz Yalis Eingreifen fühlst du dich schon wieder etwas fröhlicher, jetzt wo du deinem Ärger Luft gemacht hast…
Der Turbanträger hat eiligst seine Karten zusammengesucht und sucht in einer anderen Ecke des Zeltes nach neuer Kundschaft, er scheint wohl keine Lust zu haben, sich groß mit dir anzulegen oder groß aufzufallen.
Ihr lehnt euch wieder in den Kissen zurück. Um die Spannung zu zerstreuen, rutscht du etwas näher an Yali und fragst im Plauderton:
„Sag mal, wer ist denn nun diese geheimnisvolle Frau, der du mich vorstellen wisst? Etwa eine hübsche Perle des Nordens, gebrannt von Salz und Sonne, die es nun ausgerechnet hier in dieser stinkigen Gasse ans Ufer gespült hat?“
Yali schmunzelt: „Tja das mit Salz, Sonne und angespült ist gar nicht schlecht getroffen, allerdings handelt es sich wohl nicht um die Art Schönheit, die du zu deinen Eroberungen zählen würdest… Dafür ist sie wohl ein wenig zu alt, zu weise und zu äh – vom Leben gezeichnet. – Aber keine Angst-„ fügt er hastig auf deinen leicht enttäuschten Gesichtsausdruck eingehend hinzu „auch dabei kann sie dir bestimmt helfen, eine hübsche Gespielin zum Zeitvertreib zu finden. Das hat bei mir ganz wunderbar geklappt, du musst nämlich wissen, Yasemine ist die großartigste Weissagerin ich kenne… Letzte Woche noch hat sie mich vor dreckigen Geschäften gewarnt und flugs ist mein Konkurrent auf diesen Heuchler von einem Wüstensohn herreingefallen, der doch glatt „echte Echsenartefakte“ an den Mann bringen wollte… und willst du wissen wo ich diese hübsche Ismene kennengelernt hab, die du mir letzte Woche noch abtrünnig machen wolltest“ er lächelt kurz spitzbübisch „- den Tip hab ich auch von Yasemine, es gibt wirklich und tatsächlich keine Tatsache unter Praios Angesicht, die ihr nicht bekannt ist, sage ich dir, oder die sie zumindest durch ihre Karten und Knochen und Kugeln enthüllen kann…“
Erst jetzt kommt Yalis Redefluss langsam ins Stocken, und seine erhitzten Wangen und sein hoffnungsvolles Lächeln erweichen dich zu einem „hmm, das muss ja tatsächlich eine mächtige Zauberin sein…“
Wie denkst du tatsächlich über diese angebliche Wahrsagerin? In deinem Hexenzirkel gibt es zumindest keine Yasemine, und auch auf der Hexennacht gestern war niemand dieses Namens. Aber nicht jede Wahrsagerin muss ja eine Hexe sein, oder? Oder ist es dir eigentlich ganz egal was die kann oder nicht kann, sich mal die Zukunft voraussagen zu lassen, könnte ja tatsächlich mal ein Spaß sein, und wenn Yali so von ihr schwärmt? Wie ist deine weitere Reaktion? Yali wird kaum locker lassen, bis du sie dir zumindest angeschaut hast, auf wieviel Hokuspokus würdest du dich denn einlassen?
„Fürwahr, fürwahr mein lieber Yali. Wenn sie sogar zaubern kann, dass du bei einer Frau höher in der Gunst stehst als ich, muss sie tatsächlich der göttlichen Rahja höchst selbst einflüstern können. Wahrscheinlich nennst sie ein ganzes Regiment Dschinne ihr Eigen, wie du bei allen großen Magiern vermutest, Kleiner!“
„Spottest du meiner, du Sohn der Ungläubigkeit?“
„Ach, i wo. Wie käme ich denn dazu?“ lächle ich Yali in gleichem Maße süffisant wie freundschaftlich an und lasse meinen Blick provozierend über seine Gestalt gleiten.
So spreche ich, doch meine Gedanken sind tatsächlich etwas anderer Natur. Zunächst einmal muss ich jetzt wieder an diesen seltsamen Seiteneffekt eben bei meiner Zauberei denken. Ich halte es zwar für reichlich absurd, aber diese angeblich so mächtige Zauberin wird ja wohl da ihre Finger nicht im Spiel haben?! Auf der anderen Seite übertreibt mein lieber Freund für gewöhnlich ja alle Sachverhalte so sehr, dass es sich bei der großen Yasemine wahrscheinlich nur um eine gewöhnliche Scharlatanin handelt.
Wie auch immer es sei, nichts in der Welt wird mich davon abhalten diese große Magierin persönlich kennenzulernen, schon allein um herauszufinden, warum Yali mich ihr unbedingt vorstellen wollte.
„So hol uns also noch etwas Tee nach, schließlich wollen wir ja, dass genug Teesatz da ist, in dem sie uns die Zukunft voraussagen kann und dann sprich mir noch etwas von ihr. Wie hast du sie den eigentlich kennengelernt?“
„Och, eigentlich – genau hier. Du musst wissen, wenn diese Stadt nicht gerade im Glanze deiner Anwesenheit erstrahlt kann es hier auch sehr geruhsam, wenn nicht gerade zu sagen öde zugehen. Und was macht ein einsamer Yali, der in seiner freien Zeit ein wenig was erleben will?“ Er lächelt etwas schief „er geht ins Teezelt!“ „Richtig, tja und so war ich ganz begeistert als es mal etwas anderes zu tun gab als ewig Karten zu spielen. Sie kam hier herein und machte auf sich aufmerksam, und ich dachte, was ist schon dabei, ein wenig in die Zukunft schauen, kann ja auf keinen Fall schaden. Tjaaa und seitdem was soll ich sagen, bin ich wohl ein regelmäßiger Gast bei ihr im Zelt. Und ich muss dir wirklich sagen, sie ist eine leibhaftige Künstlerin, wenn es darum geht geknickte Gemüter wieder aufzurichten, und den Blick zu lenken auf den Weg der vor einem liegt… Und da du heute so geknickt wirktest, und es mir schien als könnten deine Gedanken ein wenig Sortierung vertragen, da habe ich sie heute hergebeten. Sie wird sicher bald zu uns stoßen, und dann gehen wir nachher gemeinsam in ihr Zelt, ja? Sie hat sicher einiges, was sie dich vorher fragen will, und sie weiß bestimmt das richtige Mittel um dich wieder zu dem Dsche zu machen den ich kenne.“ beim letzten Satz zwinkert er etwas und knufft dich in die Rippen. „Ach, nur mit Adeligen hat sie es wohl nicht so, weiß auch nicht, was es damit auf sich hat, daher die Verkleidungsaktion… und gibs zu, das war doch bisher ganz lustig so unerkannt hier herumzustreunern, oder?“
Mehr Informationen über Yasemine gibt Yali auch auf nachbohren nicht preis, du hast aber auch den Eindruck, dass er wirklich nicht viel mehr weiß. Gibt es noch etwas, was du vor Ankunft der Wahrsagerin tun möchtest?
„Darf ich ehrlich sprechen? Mir behagt der Gedanken nicht, sein Leben an die Weissagungen von irgendjemandem zu hängen. Auch wenn ich zugebe, dass die Ashtarra ein sehr bestimmendes Element im Leben sein kann. Aber da verlasse ich mich lieber auf mein eigenes Urteilsvermögen. Zugegeben, wenn man so kleingeistig ist wie du, dann hilft es sicherlich, wenn einem das Denken ein wenig abgenommen wird.“ dabei lache ihn an und gebe ihn mit einem Blick zu verstehen, dass ich ihn natürlich nicht wirklich für Dumm halte.
„Und ja, die Maskerade hat tatsächlich einen gewissen Reiz, das kann ich wahrlich nicht abstreiten, bei Feqz. Auch wenn mir lieber wäre der Gemeine würde sich in einfache Samt und Seide kleiden. Im Übrigen glaube ich nicht, dass sich jemand der nicht von Stande ist, morgendlich im Sande suhlt, so wie du es eben mit mir veranstaltet hast. Aber lassen wir das, ich kann jedenfalls kaum noch erwarten deine Dschinni kennenzulernen. Und ja, im Grunde hast du Recht, dass ich einen derartigen Rat und ein bisschen Aufmunterung tatsächlich vertragen könnte.“
Liegt es nun an meinem aristokratischen Verfolgungswahn oder besitze ich einen Gefahreninstinkt von dem ich bisher nicht viel wusste. Irgendwie behagt mir die Sache nicht recht. Ich werde jedenfalls sehr auf der Hut sein, wenn wir Yasemine von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen. Ich bereite mir gedanklich eine kleine Geschichte vor, was meine Herkunft angeht und frage Yali sicherheitshalber nochmal, was er denn ihr von mir erzählt hat. Während er erzählt versuche ich ihm zwar zuzuhören, denke aber auch nochmal an die Mantra zur Abwehr von beeinflussender Magie. Ich gebe zu, dass es manchmal klug wäre, auf seine Großmutter zu hören: Ich hätte besser aufpassen sollen, als sie mir das brechen von Beherrschungen und die Bannung von Einflussmagie beibrachte … und dann dieses Gesicht von dem Mädchen in der Sänfte.
Ich ziehe ein weiteres Mal tief an der Wasserpfeife und warte ab.