Yasemine *3*

Etwas unbehaglich wartest du auf das Erscheinen der groß angekündigten – und bist etwas überrascht, als eine gebückte gehende kleine Frau das Zelt betritt. Ihre Haut ist deutlich dunkler als eure, auch sind ihre Wangenknochen breiter und flacher, du meinst leicht mohische Züge in ihrem Gesicht zu erkennen. Auch die Art wie sie ihr einstmals schwarzes, schon stark ergrautes Haar in kleine Zöpfe frisiert hat, erinnert dich an die mohische Kultur, von der Kleidung hat sie sich aber eher an die lokalen Sitten angepasst und trägt weite, schlichte Stoffgewänder. Sie geht auf einen großen knorrigen Stock gestützt von dem aber keine Schädel und Knochen, sondern einige Palmzweige und dir unbekannte trockene Beeren an Lederbändern baumeln. Auch in ihren Zöpfen entdeckst du nun, wo sie nähergekommen ist einige Zweige und Dornen, sowie einzelne bunte Perlen. Sie ist drahtig ohne allzu ausgezehrt zu wirken, geht mit energischen Schritten und doch hat sie schon merklich an der Bürde des Alters zu tragen, wenn sie es auch mit großer Würde trägt.

Yali ist aufgesprungen und ihr entgegengeeilt, und begrüßt sie mit einer kleinen Verbeugung, die sie mit einem tadelnden Blick und einer kurzen Umarmung erwidert. Dann weist Yali zu eurem Tischchen herüber, wo du dich auch neugierig aus den Kissen erhoben hast. Sie schreitet herüber und streckt dir eine Hand entgegen – sie hat einen kräftigen Händedruck, und schenkt dir ein Lächeln „Ahhh, du bis also de geheimnisvolle Cousin Dsche…“ Sie spricht mit einem leichten Akzent, den du als mohisch erkennst. Zunächst einmal musst du dich aber bemühen, das so sorgsam aufgesetzte Lächeln tatsächlich aufrecht zu erhalten, denn ihr offenes Lächeln entblößt ein äußerst schlechtes Gebiss mit einigen fehlenden Zähnen. „Tja, Yali mir sagt, dass du Sorge hast… Darüber wir reden später. Jetzt erstmal trinken eine Tasse Tee!“ Sie schnuppert an euren Tassen. „Oh, sehr gute Wahl, Dattelfeige mit etwas Vanille mir scheints. Wer hat das gesucht aus? Genau das richtige um traurige Gedanken zu besänftigen… Mir scheint ein Seelendoktor unter euch ist“ Sie kichert wie ein kleines Mädchen und lässt sich mit unerwarteter Gelenkigkeit auf die Kissen zwischen euch beiden gleiten. „Yali, sei so lieb und bring mir auch ein Tasse. – Und du“ sie bohrt dir einen Finger in die Brust, „siehst aus als hast du noch Fragen. Na los, schon schieß los? Was willst du wissen über alte Yasemine?“ Sie kichert wieder „nur mit Vertrauen kann ich gute Rat dir geben, sonst alles nix, nur fauler Zauber. Dafür ich würde kein Geld nehmen. Wir heute abend viel Zeit haben.“

So. Deine Chance für Zauber, Menschenkenntnis und sonstige Talente, sowie offenes oder eher vorsichtiges „Verhör“. Mach mir mal ne Liste, worauf du so alles mit Fragen hinauswillst, und wie subtil oder auch nicht du vorgehst. Äußerst du dein misstrauen? Überspielst du es? Oder willst du das Gespräch möglichst knapp halten um auch über dich möglichst wenig preisgeben zu müssen? Bei der geschwätzigen Natur der Dame rechnest du schon damit, dass sie irgendwann im Gespräch auch Gegenfragen stellen wird.

Veröffentlicht von Mirya

Ein lebensfrohes kleines Bündel, das üblicherweise nicht auf den Mund gefallen ist, gute Gesellschaft ebenso wie gutes Essen genießen kann, und die sich wünscht es ginge immer allen überall gut.

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3 Kommentare

  1. Meine Talentwerte lauten wie folgt: Sinnenschärfe 3, Menschenkenntnis 5 und Überreden 7. Meine Eigenschaftswerte in gewohnter Reihenfolge sind die Folgenden: 12, 11,13, 14, 11, 13, 12, 12.

    Natürlich möchte ich mir ein sehr genaues Bild von der Wahrsagerin machen. Ich weiß, dass auch die Mohaha ihre Art des Hexentum, den Schamanismus pflegen und bin mir ebenso darüber im Klaren, dass sie ihre Magie vermittels Geisterbeschwörungen wirken. Ein Bereich, der mir nicht sehr behagt. Wie auch immer versuche ich meine leichte Aversion gegen ihre mangelnde Zahnhygiene zu verdrängen und sie in ein möglichst freundliches Gespräch zu verwickeln (Betören 6). Ich vermeide Anschuldigungen und versuche Zweifel an ihren Fähigkeiten zunächst einmal aus dem Gespräch auszuklammern. Wenn sie sagt, dass sie heute Abend Zeit habe, habe ich nichts gegen ein nettes Geplauder und versuche geschickt Fragen zu platzieren. Ob das allerdings immer so gut gelingt ist eher fraglich …

    „Ihr seid also die vielgelobte Yasemine, die es versteht meinem Freund Yali hier so vortreffliche Ratschläge zu erteilen. Er schwärmt so für euch, Yasemine! Wie ein novadischer Wüstenreiter über die Pracht seiner Pferde, wenn ihr den Vergleich erlaubt. Und dass ihr gute Entscheidungen zu treffen vermögt, habt ihr mit der Wahl des Tees in meinen Augen schon einmal bewiesen. Aber nun sagt es mir noch einmal selbst: Seid ihr wirklich die mächtige Dschinni, für die Yali euch hält, oder bedient ihr euch dem Fingerzeig der Götter, wie man ihn aus den Sternen herauslesen kann?“ eröffne ich das Gespräch.

    Im Verlauf des Gespräches würde ich natürlich schon gerne alle möglichen Dinge über sie erfahren: Woher kommt sie (unverhohlen werde ich sie auf ihre mohischen Wurzeln ansprechen, die zu haben ja keine Schande ist), welche Art von Magie wirkt sie (das hat eigentlich die höchste Priorität) und hat sie außer der Weissagung noch andere Talente und ob sie schon immer in Mherwed lebt. Ist sie sehr auskunftsbereit schließe ich dann mit der Frage, woher sie annehme, dass sie mir helfen könne, was vermutlich Fragen zu meiner Person nach sich ziehen wird.

    Ich gehe zunächst einmal nicht davon aus, dass sie selbst eine Hexe ist, ich bleibe bei meiner Schamanen-Vermutung, achte aber sehr darauf, ob mir möglicherweise doch noch hexische Züge an ihr auffallen und nicht zuletzt mir bekannte Zaubergesten. Ihr Stab wäre ein Indiz auf eine Tochter Satuarias, aber ich will auch nicht überinterpretieren. Genau kann ich auch gerade nicht definieren, was ein hexischer Zug wäre, aber eine starke Gefühlsbetonung und Stimmungsschwankung wäre natürlich ein sehr verräterischer und nicht sehr wahrscheinlicher Beweis.

    Von Zauberei sehe ich aber zunächst einmal ab, ich habe noch genug von meinem misslungenen Versuch von vorhin. Ich hoffe, dass aus der einfachen Magie des Wortes möglicherweise schon ein paar Gedanken offenbar werden. Für genauere Analysen bleibt später noch Zeit.

    Was meine Person angeht bleiben wir möglichst nah an der Wahrheit und versetzen mich nur in ein einfaches Stadthaus und einem Handwerkervater. Von meiner magischen Natur sage ich natürlich nichts.

  2. „Hmmm, als eine Dschinni hat er mich geruhmt? Nun, so weit wurde ich nicht geen. Ich sage lieba Seelenkennerin.. Ich kann sehen die Probleme und Fragen von Menschen und kann ihnen sagen Antworten, wenn sie mir geben etwas Geld oder Geschenke… Jeda muss leben…“
    Während des Gesprächs gewinnst du mehr und mehr das Gefühl, dass du es hier mit einer sehr offenherzigen und kaum böswilligen Frau zu tun hast. Direkt über Magie scheint sie nicht zu sprechen (wollen?) aber was du heraushörst ist, dass sie sehr überzeugt von der Kraft in bestimmten Pflanzen und Pulvern ist und dass sie meint „Menschen in die Seele sehen zu können“ mit Hilfe bestimmter Rituale. Du kannst deine Vermutung mit der Geisterbeschwörung nicht ganz ablegen, aber sicher bist du deiner Sache nicht, und hälst es nicht für taktvoll noch direkter zu fragen.
    Über ihre Lebensgeschichte gibt Yasemine einigermaßen bereitwillig aber knapp Auskunft. Sie scheint die „dunkeleren“ Abschnitte gut verarbeitet zu haben, möchte aber wohl auch nicht darin schwelgen. Sie wirkt sehr ausgeglichen und im Hier und Jetzt zentriert. Hier die Kurzfassung.
    Ihr Vater war wohl ein Reicher Großgrundbesitzer weiter im Süden, seine Mutter eine Sklavin, die schwanger geflohen ist, nachdem sie erfahren hatte, dass er das Kind nicht anerkennen würde. So wuchs Yasemine (von der du denkst, dass sie früher sicherlich anders hieß) bei einem Moha-Stamm im Dschungel auf, entschied sich in der Pubertät aber, ihren Vater kennenzulernen und zu konfrontieren und erlitt eine herbe Enttäuschung, da dieser sie mehrfach harsch abwies und schließlich gefangennehmen und als Sklavin an einen Freund weiter nördlich verschenkte. Hier wurde sie äußerst herablassend behandelt, konnte sich aber einiges an Grundwissen über das Gesellschaftliche Leben aneignen. Schließlich gelang ihr die Flucht und sie landete als Aushilfe bei einer Kräuterfrau auf dem Basar. Hier scheint sie einige glückliche Jahre verbracht zu haben, bis diese wiederum starb und sie sich wieder mal alleine durchschlagen musste. Die kommenden Jahre bezeichnet Yasemine als ihre „Lehrzeit, bis ich schließlich hier angekommen bin.“
    Wie gesagt, du kannst an ihr wenig verbitterung feststellen und sie scheint eine Art „Wir-alle-gehören-irgendwie-zusammen-und-müssen-uns-gegenseitig-helfen-wenn-Not-am-Mann-ist“-Mentalität zu haben. Der Groll gegen ihre (und sämtliche andere) Sklavenhalter ist allerdings deutlich zu spüren und du nimmst an, das daher ihre Abneigung gegen „Reiche“ rührt.
    Während des ganzen Gespräches sind dir keinerlei Zaubergesten aufgefallen und nichts, was förmlich „Hexe“ schreit, allerdings kannst du ein gewisses ähnliches Grunddenken feststellen, zum beispiel spricht sie manchmal von einer „Quelle der Urkraft“ und meint damit möglicherweise Sumu, scheint auch nicht allzuviel vom 12 Götter- Glauben zu halten etc.
    Am Ende fragt sie dich tatsächlich etwas nach deinem aktuellen Problem, will aber gar nicht ganz so viel über deinen Lebenslauf wissen, so dass du dich glücklicherweise nicht allzusehr anstrengen musst. Sie interessiert mehr, was deine Gefühle aktuell so in Wallung gebracht/dein Weltbild ins schwanken gebracht hat. Da bleibst du zunächst ziemlich wage, und sie respektiert deine Zurückhaltung, und fängt erst eine etwas oberflächlichere Unterhaltung über deinen normalen Tagesablauf an. Du mogelst dich so durch und schließlich meint sie:
    „Ich meke schon, du wills nicht so viel ersählen. Das macht niks, wir können hinterher die Karten fragen, die können sea fil ersählen. Nomalerweise ich mag lieba Knochen, aba bei dia sollten wia Karten nemen. Und die Gewürze fragen. Das mache ich imma. Is einstiegsbedingung. Warum machen wir nicht spaziergang und schnappen bisschen frisluft. Ist so klare Nacht, können wir Sterne sehen.“ Und damit steht sie auf, und zieht euch quasi mit.
    Sie schlendert mit euch über den Basar, und noch einmal wird dir die Besondere Atmosphäre ganz bewusst. Irgendwas an eurem Gespräch (oder am Tee und Tabak?) hat dein Bewusstsein heute irgendwie geschärft und geöffnet und die Eindrücke strömen nur so auf dich ein. All die Menschen, wie sie ihren Beschäftigungen nachgehen und ein summendes vibrierendes Netzwerk bilden. Die Lichter der Kerzen und Fackeln im nahtlosen Übergang zu den Lichtern der Sterne… Die Hunde und Katzen, die durch die Straßen streunen ohne im Weg zu sein, die Kamele, die hier und da liegen, als Rückenstütze und Wärmespender für den Wohlhabenden Händler dienend… All das fügt sich tatsächlich zu einem großen Ganzen zusammen, das irgendwie verbunden ist, und wirft zwangsläufig im nächsten Schritt die Frage nach dir, deiner Funktion, deiner Position im Weltengefüge mit sich.
    Ganz in Gedanken versunken dringen Yasemines Worte nur teilweise zu dir durch, wie sie euch durch die Straßen führt und euch den ein oder anderen schönen Ort hinweist. Erst als ihr vor einem Gewürzhändler stehenbleibt bist du auch wieder angekommen, und wirst gleich gefangengenommen von den Farben und Gerüchen die auf dich einströmen. In mittleren und kleineren Säcken hat der Händler verschiedene gemahlene Gewürze zur Schau gestellt, die man anfassen, riechen und auch schmecken kann. An Seilen hängen einige getrocknete Zweige und Wurzel von der Standdecke herab und es liegen verschiedenste Nüsse, Beeren und Blätter in der Auslage.
    Yasemine schubst euch beide aufmunternd etwas näher: „Ja, es ist aufregend nicht wahr? Das hier ist der Stand von mein gute Freund Hasan, und ihr dürft alles ganz genau anschauen. Ich möchte dass ihr euch Zeit nehmt, und jeder ein Gewürz wählt, was ihm heute etwas bedeutet. Nicht, was ihr jetzt gerne essen würdet, sondern, was zu euch spricht…. Danach wir können gehen in mein Zelt da drüben, und sehen, was die Karten für eine Rat füa dich haben.“
    Yali ist ganz aufgeregt, und stubst dich leicht an: „na, hab ich etwa zuviel versprochen? Du kannst sagen was du willst, machmal ist sie etwas durchgeknallt, aber der Teil hier ist immer sooo schön!“ Und damit stürzt er sich auch schon fast auf die Gewürzsäcke, verlangsamt seinen Elan dann aber Andachtsvoll um gründlich zu schnuppern…

    Möchtest du ein Gewürz selber wählen Christian, oder sonst hab ich auch was im Hinterkopf. Möchte Dsche noch irgendwas unternehmen, bevor es im Zelt weitergeht? Hast du bis hierhin irgendwelche Einwände?

  3. Als wir aufbrechen ertappe ich mich noch kurzzeitig dabei, nach einer Sänfte Ausschau zu halten, verliere mich dann aber gänzlich im Strudel dieser ganzen vielen Eindrücke und bin währendessen wenig rational.
    Als Yali mich mit seinem Enthusiasmus dann aber wieder gänzlich zurück auf den Boden des Hier und Jetzt holt, regt sich in mir wieder dieser ziemlich kindische Widerwillen. Diese Mischung aus Neugierde und zwanghaftem „Über den Dingen stehen“, die es mir verbietet, es Yali nachzutun. Unbewusst lasse ich dennoch meine Hand über die herabhängenden Kräuter streichen …

    Gewürz wählen, pah. Ich kenne doch alle diese Gewürze hier gar nicht, hab ich etwas schonmal hinter einem Kochtopf gestanden? Wohl kaum. Woher soll ich denn dann wissen, welches ich jetzt gerne essen würde, geschweige denn, welches heute „zu mir spricht“. Ich trete also näher, werfe einen kurzen Blick, dränge die in mir aufsteigende Begeisterung für die vielen Farben, Gerüche und Konsistenzen zurück und greife aufs Geratewohl in eines der vielen Säckel, um mir eine kleine Hand voll davon zu nehmen. Das sich in mir möglicherweise tatsächlich der Gedanken gebildet hat, dass dieses Gewürz gerade passen könnte, ist Nebensache …

    Sollte Yali eine Bemerkung fallen lassen bezüglich meiner Entscheidungsfreudigkeit und der Geschwindigkeit, in der das von Statten gegangen ist, so antworte ich ihm: „Wenn du jede Woche aus einer Hundertschaft neuer Stoffe und Gewänder das richtige auswählen musst, dann bekommst du ein wenig Übung!“ grinse in schel an und stelle mich dann zu Yasemine.

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