Domna Larissia tritt zu dir und erkundigt sich kurz nach dem Inhalt eures Gesprächs. Dann versammeln sich auch schon nach und nach die Angehörigen eurer Reisegesellschaft um die Reste des Feuers.Du musterst noch einmal die Gesellschaft, jetzt mit ganz anderen Augen, wo du weißt, dass sich ein hinterhältiger Gauner und Dieb unter euch befindet. Die meisten Namen sind dir unbekannt, und durch ihre Turbane und Schleier sehen die Novadi für dich sowieso einer wie der andere aus. Wenn du ehrlich bist, hast du dich aber auch für die Tulamiden bisher wenig interessiert und so kennst du lediglich die Wesira, Branna und Mhelek sicher beim Namen. Dann gibt es da noch Omar, den du doch an der Farbe seines Turbans zu erkennen vermagst, der einem alten und gebeugten Novadi hilft, am Feuer Platz zu nehmen, und ihm eifrig ein Schälchen mit Datteln und Reis füllt. Den dicken Kaufmann. 6 weitere Tulamiden zählst du (davon 2 Frauen) und 7 Novadi (alles Männer?). Als alle ihre Plätze gefunden haben, hebt Mhelek an zu sprechen:
„Mitreisende! Wir alle sind eine Gemeinschaft wider die Unwägbarkeiten der Wüste. Und in einer solchen Gemeinschaft muss sich einer auf den Anderen verlassen können. Und doch hat sich heute Nacht eine Schandtat ereignet die es unter Mhelek ben Mhelek noch nicht gegeben hat! Wenn unter euch einer ist, der seine Schuld gestehen möchte, bevor ich Anschuldigungen erhebe, und damit die Hhun abmildern so spreche er jetzt.“
Ein Moment vergeht, einige betretene Blicke werden gewechselt, aber keiner regt sich. „Hat mich auch dein stummer Begleiter verstanden, Selo?“ fragt Mhelek kurz und der angesprochene, so wie eine neben ihm stehende kleinere Person nicken kurz. „Er ist stumm, aber nicht taub“, antwortet Selo mit einer Stimme die für deinen Geschmack vielleicht ein wenig zuviel Humor enthält.
„Gut,“ fährt Mhelek fort, „da der Dieb sich nicht reumütig zeigt, möge Rastullahs Strafe ihn mit aller Härte treffen, sobald wir ihn finden. Heute Nacht ist ein Schmuckstück aus der Obhut der edlen Schönheit aus den Mittellanden, Domna Larissia entwendet worden. Um es schnellst möglich wieder zu beschaffen wird es das einfachste sein, wenn jeder seine Taschen leert. Sollten wir das Schmuckstück dann noch nicht haben, werden wir leider die Gepäckstücke durchsuchen müssen.“
Ein Stimmgemurmel bricht los. Es sind mehrere Stimmen zu hören, die sich lautstark über die Unannehmlichkeiten beklagen. „Hört, Freunde!“ übertönt Mhelek das Gemurmel, „ihr habt euch meiner Obhut für diese Reise anvertraut und so hat es die Domna. Je schneller wir diese Angelegenheit klären, desto schneller können wir weiter reisen. Hier gibt es ja wahrlich nicht allzuviele Verstecke. Also. Ich mache den Anfang.“
Und damit entleert Mhelek den Inhalt seines Kaftans vor sich in den Sand. Du bist überrascht, aus wie vielen Falten er immer wieder Gegenstände zaubert, gleichzeitig schießt dir durch den Kopf, dass ein fingerfertiger Dieb das Diadem sicher irgendwo unter seiner Kleidung verbergen könnte, während er wer weiß was aus seinen Taschen zaubert.
Und so fördert diese oberflächliche Visitation tatsächlich auch nicht das Gesuchte zu Tage. Jeder leert mehr oder weniger beflissentlich seine Taschen aus, aber außer Datteln, Münzen, Kautabak und einigen Waffen und Notizbüchlein kommt dabei nichts zum Vorschein.
Mhelek wirft dir einen Blick zu und fragt dann: „Was meint Ihr, wie sollen wir weiter Vorgehen? Die Satteltaschen?“
Da ich ob des Anblicks der vielschichtigen Gewandung ein klein wenig zweifle, ob diese Methode überhaupt ein Ergebnis zutage fördern wird, nicke ich nur mehr oder minder eifrig.
Dann kommt mir in den Sinn, dass ich ja in der Lage bin magische Muster für mich sichtbar zu machen. Während wir also zu den Satteltaschen wandern grüble ich darüber nach, was mir Großmutter über den Odem Arcanum beigebracht hatte. Innerlich könnte ich mich ohrfeigen, dass ich seinerzeit so desinteressiert an diesem nutzlosen Zauberwerk war. Wahrlich jetzt wäre es hilfreich hier ein wenig sicherer zu sein.
„Gut, also, Branna wird dafür Sorge tragen, dass keiner sich vom Feuer entfernt. Effendi, wenn ihr so gut wärt, mir zu helfen, die Satteltaschen alle hier aufzureihen, wir werden sie dann vor aller Augen öffnen!“, so spricht Mhelek, und trotz des erneut aufkeimenden Unmuts macht ihr euch auf den Weg zu den Gepäckstücken.
Wage meinst du dich zu erinnern, welche Worte es zu sprechen, welchen innerlichen Schalter es umzulegen galt, um deine Wahrnehmung auf die magischen Schwingungen einzustimmen. Geärgert hast du dich doch schon damals über diesen so unhexischen Zauber, der sich so wenig aus dem Gefühl speist. Trotzdem. Auf gut Glück schließt du deine Augen, konzentrierst dich und öffnest sie dann wieder. Intensiv starrst du die Satteltasche an, die du gerade greifen wolltest: Eine Satteltasche, die noch genau so aussieht wie eben. Frustriert trägst du sie zu den anderen, und versuchst es bei der nächsten noch einmal. Mit dem selben Ergebnis. Aber was erwartest du auch, wahrscheinlich ist ja kein Diadem drin. Aus Trotz versuchst du es noch ein drittes Mal, und siehe da, zeigt sich da nicht ein kleiner rötlicher Schimmer? Strahlt da etwas unter dem Deckel hervor? Voller Konzentration deine innere Einstellung nicht zu verlieren und gleichzeitig in höchster Aufregung eilst du damit zu Mhelek. „Ich glaube, in diese sollten wir mal schauen! Ich hab genug von der Schlepperei.“ japst du.
Mhelek zuckt die Schultern: „Gut, beginnen wir. Wer ist der Besitzer dieser Tasche?“ Omar tritt vor. „Ich werde sie gerne für euch leeren, Mhelek“
Er beginnt die Satteltasche zu öffnen und schon als der Deckel sich hebt stellst du fest, dass das rote Glühen zunimmt. Du bist so fasziniert von dem grellen Farbenspiel mächtiger Magie, die den freigelegten Gegenstand umstrahlt, dass du Omars Gesicht zunächst gar nicht beachtet hast. Jetzt aber hebt er mit verwundertem Gesichtsausdruck das Diadem zögernd in die Luft, und stammelt: „Bei Rastullah, ich habe keine Ahnung, was das ist, geschweige denn, wie es hier reingekommen ist…“
Zunächst schaue ich Omar zornig funkelnd an. Dann aber, als ich diesen Schimmer von Überraschung in seinen Augen aufblitzen sehe bin ich mir auf einmal nicht mehr sicher hier einen Dieb vor mir stehen zu haben. Wir haben einen großen Teil der Nachtwache miteinander verbracht. Kann er überhaupt das Diadem entwendet haben können? Auf der anderen Seite hatte er einen Rundgang allein unternommen. Aber warum sollte er das Diebesgut in seiner eigenen Satteltasche verstecken. Ihm musste doch klar sein, dass man die Taschen durchsuchen würde. Eine Mischung aus Mitleid und meinem Ärger über dieses Mitleid für diesen Sohn der wüste breitet sich in mir aus. Dazu mischt sich das unbedingte Verlangen wissen zu wollen, ob er die Wahrheit sagt oder nicht. Und dieses Verlangen ergreife ich nun, löse es gedanklich aus meiner Brust und lasse es über meine Arme in meinen Finger gleiten, während ich es mit der astralen Kraft zur Zauberwirkung bringe. Vehement gehe ich auf Omar zu und im Zeichen der Drohgebärde fuchtel ich zunächst nur mit meinem Finger in seine Richtung, mache dann einen weiteren Schritt auf ihn zu und sage laut vernehmlich: „Omar, was du jetzt wirklich tun solltest ist uns die Wahrheit sagen, ob du dieses Kleinod entwendet hast oder nicht. Sprich Sohn von Assaf!“
Die GROSSE GIER ist mit 2 TaP* gelungen und hätte um ebendiese zwei Punkte erschwert sein können. Ich schicke ein Stoßgebet zu Satuaria, dass seine magische Widerstandskraft nicht außergewöhnlich viel höher ist als bei „normalen“ Menschen.
Omar weicht zunächst eingeschüchtert einen Schritt zurück, als du fuchtelnd auf ihn zutrittst, sobald dein Finger aber seine Stirn berührt hat, hält er inne. Er sieht dich leicht verwirrt an, sprudelt dann jedoch los wie ein Wasserfall:
„Ich spreche die Wahrheit Effendi! Ich habe dieses Schmuckstück nicht genommen, und es auch nicht in meine Tasche gesteckt.“ Dies hat er sehr heftig und mit Vehemenz geäußert. Nun spricht er leiser und mit etwas gesenktem Blick weiter: „Ich… ich erzähle euch am besten alles was sich gestern zugetragen hat… Nachdem Ihr mich an eurer großen Weisheit über die Kunst der Sterndeutung hattet teilhaben lassen begab ich mich, wie Ihr euch sicher erinnert auf Rundgang durch das Lager. Ich kam dabei auch an eurem Zelt vorbei. Ein leichter Lufthauch bewegte den Vorgang der den Eingang verschließen sollte, und das Mondlicht viel nach innen und auf das wunderschöne Gesicht eurer Begleiterin. Ich konnte nicht anders, ich trat näher um Ihre Schönheit zu bewundern. Ich verweilte einen langen Augenblick, den das Bild der Schlafenden Rose rührte mein Herz…“ auf einen wütenden Blick von dir hin spricht er jetzt wieder lauter und mit klarerem Blick.
„Aber bestimmt habe ich nichts angefasst, geschweige denn mitgenommen!“ Er sieht dir in die Augen. „Bitte, Ihr müsst mir glauben! Alles was ich will ist meinen Vater auf seinem Weg nach Keft begleiten, damit er seinen Frieden mit dem Schöpfer machen kann, bevor sein Lebensfaden abgespult ist. Niemals würde ich eine solche Reise der Buße und Reinigung mit einem Verbrechen besudeln!“
Damit verstummt er. Mhelek tauscht einen Blick mit dir aus. „Bruder du vermagst tatsächlich mit der Kraft der Worte die Herzen deiner Gefährten zu rühren, jedoch kann die Frage der Schuld nur der Kadi klären. Wir haben durch diese ärgerliche Angelegenheit schon genug Zeit verloren, und werden El Harram nun erst am morgigen Tag erreichen. Ich bin erleichtert, dass das Schmuckstück zunächst sichergestellt ist. Ich schlage vor Sahib Dsche, ihr nehmt euer Eigentum wieder an euch und verwahrt es sorgwältig. Branna nimmt Omar in Gewahrsam, bis wir El Harram erreichen. Heute Nacht wird die Wache verdoppelt. Und morgen bringt Ihr euer Anliegen in der Oase vor das Ohr des Gesetzes. Jetzt jedoch sollten wir uns sputen, die Hitze lässt sich bereits kräfig spüren.“
Ich ergreife Omar noch kur an der Schulter, während man ihn abführt: „Deine Worte rühren mich Omar und ich glaube dir.“ Dabei schaue ich ihm tief in die Augen, in denen er hoffentlich zu sehen vermag, dass auch ich die Wahrheit sage. „Die Domna und ich halten Augen und Ohren offen, ob sich der wahre Dieb finden lässt. Stell für den Augenblick keine Dummheiten an.“
Die Worte raune ich mir als dass ich sie laut spreche.
Danach nehme ich die Domna beiseite und erkläre ihr, dass ich der Überzeugung bin den wahren Dieb noch nicht gefunden zu haben. Auch sie bitte ich unsere Mitreisenden genau zu beobachten.
Wenn wir uns wieder auf den Weg machen werde ich zunächst passiv die Situation beobachten. Wie verhalten sich unsere Mitreisenden? Kommt jemand auf uns zu und sucht das Gespräch? Verhält sich jemand anderweitig verdächtig?
Aktiv unternehme ich noch nichts und warte gespannt unsere nächste Rast ab …
Da ich nicht annehme, dass die Domna gewillt ist, das Zeichen ihrer Entführung direkt bei sich zu tragen, nehme ich es an mich. Ich verberge es in meinem Gewand und werde wohl immer mal wieder danach tasten aus Angst, jemand könnte erneut versuchen es zu entwenden. Sollte die Domna darauf bestehen das Kleinod selbst zu verwahren, so akzeptiere ich das widerspruchslos.