Die Domna erhebt keinerlei Einwände, als du das Diadem bei dir verstaust. Zunächst eilen sich alle, die Kamele wieder zu beladen und das Lager abzubrechen. Jetzt wo das „Verhör“ beendet ist bricht die Reisegesellschaft auch wieder das Schweigen. Verschiedene Gruppen ergehen sich in wildesten Diskussionen und Vermutungen. Omar wirft dir einen dankbaren Blilck zu und trollt sich dann an die Seite seines Vaters, dem er das Geschehene noch einmal zu erläutern scheint. Der Kaufmann belagert Mhelek mit wüsten Beschimpfungen, dass er einen guten Ruf habe, und Kunden, die auf Warenlieferungen warten und dass diese Verzögerung unzumutbar sei. Mhelek lässt ihn ziemlich gelassen abblitzen und gibt ihm zu verstehen, dass es dann ja wohl in seinem Sinne sei so rasch wie möglich wieder aufzubrechen. Und tatsächlich sind es auch die schwer beladenen Kamele des Kaufmanns die als letztes fertig sind und auf die alle warten. Du versuchst während der Wartezeit die anderen Mitreisenden zu beobachten, doch als ihr euer Zelt verstaut habt, stehen die meisten der Novadis bereits abmarschbereit parat. Verdächtig erscheinen sie dir eigentlich alle. Und unterscheiden kannst du sie ja auch nicht sonderlich gut. Die beiden Novadi, von denen Mhelek gestern einen als Selo ansprach haben in einem Zelt geschlafen und sind auch kurz nach euch mit dem Packen fertig. Misstrauisch musterst du sie. Du erinnerst dich, dann Mhelek von dem „stummen Begleiter“ gesprochen hatte, und bemerkst wie dieser Selo einige Handzeichen gibt. Es herrscht eine ungute Stimmung. Der ein oder andere zurrt seine Satteltasche besonders sorgfältig zu und keiner lässt sein Hab und Gut aus den Augen. Es ist fast Mittag als ihr endlich wieder auf dem Weg seid, und die Hitze ist unerträglich. Mhelek treibt euch unerbittlich zur Eile an, und eine Pause in irgendeinem Schatten scheint nicht so bald in Aussicht. Selbst die sonst so muntere Larissia wirkt nachdenklich und in sich gekehrt. Trotz der Hitze, und obwohl du es in Stoff gewickelt hast, sticht die Eiseskälte des Diadems förmlich auf deiner Haut. Du fragst dich, ob der Dieb diese unheilvolle Aura nicht auch gespürt haben muss? Oder ob nur du es vermagst…
Nach einigen Stunden in der Hitze fragst du dich eigentlich gar nichts mehr. Mühseelig setzt du einen Fuß vor den Anderen. Fast sehnsüchtig streichen deine Finger über das Päckchen, dass du trägst. Wäre es nicht angenehm, die Kühle des Metalls gegen deine Schläfen zu spüren? Irgendwas in dir widersteht jedoch dieser Versuchung. Als du kaum noch weißt wo oben und unten ist, gibt Mhelek das Zeichen zur Rast. Er spannt mit Branna ein paar Planen auf, und in dem so entstandenen Schatten drängt ihr euch dicht an dicht. Ihr trinkt und döst einige Stunden in der Hitze. Gesprächig ist Keiner.
Kurz vor Einbruch der Dämmerung gibt Mhelek das Signal zur Weiterreise. Ihr wollt noch einige Stunden der Nacht wandern, um die verlorene Zeit wettzumachen. Dieser zweite Teil des Marsches ist wesentlich angenehmer und du bist endlich wieder in der Lage, klare Gedanken zu fassen. Du berätst dich mit Larissia, die auch nichts verdächtiges bemerkt hat. Sie ist dafür, weiter nach dem wahren Dieb zu suchen. Auch Omar gesellt sich im Verlauf der Wanderung für einige Zeit zu euch. Er dankt für deine Worte und sagt auch er spüre zu dir ein tiefes Vertrauen. Er wäre bereit dir bei der Suche nach dem wahren Dieb zu helfen. Es wäre sehr in seinem Sinne, eine Gerichtsverhandlung zu vermeiden, weil diese sehr lange dauern (an 9 aufeinanderfolgenden Tagen muss der Schuldige seine Schuld eingestehen, bis Rastullahs Urteil vollstreckt wird) und er seinem Vater die Aufregung ersparen möchte. Er wird sich bereit halten, falls er dir bei irgendetwas behilflich sein kann. Er erzählt dir zwei interessante Dinge (siehe weiter unten)
Schließlich gibt Mhelek das Signal fürs Lager. Am nächsten Tag könne man innerhalb weniger Stunden die Oase erreichen. Die Zelte werden wie in der vorigen Nacht aufgestellt. Während Branna etwas nahrhaftes kocht und alle ihre Zelte und Lagerstätten ausbreiten, lässt du noch einmal revue passieren, was ihr bisher wisst:
- jemand aus eurer Reisegesellschaft ist gestern abend in euer Zelt eingedrungen und hat das Diadem gestohlen, welches Larissa in ihrem Gewand verborgen hatte
- am selben Abend hat Omar durch den leicht geöffneten Zelteingang die schlafende Domna bewundert
- zu der Zeit saßest du am Lagerfeuer, dein Rundgang war vor Omars
- bei deinem Rundgang durch das Lager sind dir keine umherschleichenden Menschen aufgefallen, du hattest aber noch vereinzelt Stimmen aus den Zelten gehört
- die meisten Novadi haben auf ausgerollten Matten direkt in der Nähe des Feuers geschlafen. Wäre einer von Ihnen aufgestanden, hättest du oder Omar ihn gesehen.
- du entsinnst sich auch bei deinem Rundgang nach der Wesira geschaut zu haben. Sie schlief. Du meinst, die Plane wieder verschlossen zu haben, bist dir aber nicht ganz sicher
- Während jetzt das Lager wieder aufgebaut wird fällt Omar noch etwas auf: „aus diesem Zelt habe ich gestern einen Mann und eine Frau streiten hören, ich dachte es wären die Tulamiden, aber es ist das Zelt von Selo.“
- auf der Skizze siehst du wo wer geschlafen hat. In dieser Nacht wird das Lager identisch aufgestellt.
Für die Wache für diese Nacht teilt Mhelek diesmal jeweils 2x 3 Personen ein. Die erste Schicht 2 Tulamiden (Zelt unten und einen der Novadi) die zweite Schicht eine der Tulamidinnen, Larissia und Branna. Omar und du sowie die beiden Novadi, die nach euch gewacht haben, habt „frei“. Du bist nach der halb durchwachten Nacht und dem anstrengenden Marsch auch einigermaßen erschöpft. Möchtest du einfach schlafen? Oder hegt ihr irgendwelche Pläne zur Verbrecherjagd?
Zunächst einmal was mir zur gestrigen Nacht durch den Kopf geht. Sollte mein (Spieler-)Endruck dem von Dscheridan widersprechen, bitte kurz korrigieren:
Da Larissia und ich in einem Zelt schlafen gehe ich davon aus, dass ich erwacht wäre, wäre zu diesem Zeitpunkt jemand in unser Zelt gekrochen und hätte die Domna durchsucht. Obwohl ich freilich recht müde war. Aber zwei Leute die nichts bemerken? Es ist ja auch so schon unglaublich genug, dass die Domna das Diadem am Körper trug, aber nicht bemerkte, dass es ihr entwendet wurde. Ich verstehe aber richtig, dass die Domna ein Knäuel Kleidung vor ihrem Lager liegen hatte, in dem sich das Kleinod befand?
Der Zwischenfall mit der Wildkatze spielte sich unweit der Feuersstelle am Vorratszelt ab. Wenn ein Novadi während dieser Zeit sein Lager verlassen hätte, hätten wir das wahrscheinlich bemerkt.
Unsere jeweiligen Rundgänge waren so wenig professionell, dass man diese Zeit für den Überfall nicht ausschließen kann. Ich glaube aber, dass mir Omar berichten würde, sollte sich in meiner Abwesenheit vom Lagerfeuer ein Novadi aufgestanden sein.
Folgerichtig kann ich zwar keinen Zeitpunkt ausschließen an dem das Kleinod geklaut worden sein kann, aber basierend auf meinen vagen Annahmen zumindest weniger verdächtige und verdächtigere Mitreisende ausmachen: Die Novadi fallen (leider) raus. Wäre einer von ihnen verschwunden hätten wir das in jedem Fall bemerkt. Mhelek und Branna halte ich vorerst auch für unverdächtig. Das Zelt des Händlers ist so gelegen, dass ein unbemerktes Herumschleichen sich als schwierig erweisen könnte. Omar und sein Vater sowie die Domna fallen auch raus, so dass für mich zunächst Selo und sein Begleiter, die vier Tulamiden und die zwei Tulamidinnen in Frage kommen das Kleinod entwendet zu haben.
Ein Motiv können wir bisher noch gar keines ausmachen. Einen wertvollen Gegenstand entwenden könnte jeder wollen. Fraglich ist allerdings woher überhaupt jemand wusste, was und wo er zu suchen hatte. Wir tragen das Kleinod ja nun nicht besonders offensichtlich bei uns und haben bisher auch nie damit geprahlt. In mir steigt das beängstigende, ungute Gefühl auf, dass möglicherweise bewusst nach dem Kleinod gesucht wurde. Das wiederum würde bedeuten wir würden verfolgt. Und das wäre fürwahr bei allen Niederhöllen sehr beängstigend.
Vielleicht wollte aber auch jemand bewusst Omar schaden und ihn verunglimpfen. Ich gehe aber davon aus, dass Omar aus unserer Reisegesellschaft niemanden zuvor kannte.
Bleiben neben der Frage nach dem wahren Täter folgende weitere offene Fragen: Passierte der Überfall möglicherweise zwischen dem Zeitpunkt, zu dem ich nach der Wesira schaute und Omars kleiner Beobachtungsaktion?
Warum war aus Selos Zelt eine Frauenstimme zu hören und warum stritten sie?
Ist Selos Begleiter nur stumm oder auch komplett vermummt? Kann man sein Gesicht erkennen?
Wo hatte Omar seine Satteltasche vergangene Nacht abgestellt?
Da ich wirklich sehr ermattet bin ist der Gedanke zu schlafen sehr verführerisch. Auf der anderen Seite haben wir nicht viel Zeit.
Ich ziehe mich zunächst ins Zelt zurück und kündige auch relativ deutlich an mich schlafen zu legen. Sollte mich die Müdigkeit nicht übermannen und alles weitere vereiteln so will ich mich eine knappe Stunde nachdem sich alle zur Ruhe gebettet haben heimlich aus unserem Zelt schleichen. Da wir am Rand des Lagers unser Zelt haben werde ich mich ein Stück westlich davon verbergen und die Situation beobachten. Vielleicht unternimmt unser Dieb ja noch einen zweiten Versuch an unser Diadem zu gelangen. Holzbrett, Waquif und Diadem trage ich natürlich bei mir. Hoffentlich schlafe ich dort nicht ein …
Zu deinen Beobachtungen: Du hast alles richtig zusammengefasst, hier noch ein paar Ergänzungen zu den unklaren Stellen:
Die Domna hatte das Diadem in Stoff gehüllt und in ihrem Obergewand verborgen, auch während des Schlafes. Während der Reise kleidet ihr euch für die Nacht nicht um, da es wirklich kalt wird. Es ist nicht völlig undenkbar, dass das Päckchen während des Schlafes aus den Falten soweit hervorgerutscht ist, dass ein fingerfertiger Dieb es bei der entsprechenden Gelegenheit hätte entfernen können, ohne die Domna zu wecken. Das „Bündel“ das beim Erwachen vor ihr lag, ist nur das zerknüllte Tuch, in das das Diadem gehüllt war.
Weder du noch Larissia verspürt irgendwelche Anzeichen, für ungesunden Schlaf (Kopfschmerz, Benommenheit, Gedächtnislücken), die du nicht der großen Anstrengung und Hitze zuschreiben würdest. [kann mann diesen Satz verstehen? Du denkst nicht, dass man euch ein Schlafgift untergejubelt hat]
Deine Begegnung mit dem Khom-Gepard fand ungefähr da statt, wo die Suppenschüssel auf der Karte abgebildet ist. Das ganze nahm ja nur einige Minuten in Anspruch und Omar kam am Ende seines Rundgangs dazu. Du hältst es für ausgeschlossen, dass in der Zeit jemand unbemerkt aufgestanden und sich wieder hingelegt hat.
Deine Beobachtungen zu den Personen sind schlüssig.
Zu der Vermutung, dass der Diebstahl von möglichen Verfolgern geplant war, drängt sich dir aber ein weiterer, nicht weniger beunruhigender Verdacht auf: Während des Tages hast du dich selbst ein- zweimal dabei ertappt, wie du unbewusst das Diadem hervorholen und sein Metall liebkosen wolltest. Zudem kam immer mal wieder der ein oder andere Mitreisende zu dir und verwickelten dich in zunächst belanglose Gespräche, schlussendlich immer mit dem Ziel das Schmuckstück einmal sehen zu dürfen… Wäre es gar möglich, dass es sozusagen mit unhörbarer Stimme danach ruft, getragen zu werden? Du versuchst diesen Gedanken fortzuschieben, aber die unheilvolle Aura des Schmuckstücks kannst du ja trotz der umhüllenden Stoffschichten auf deiner Haut spüren… Die Geschichten deines Heimatlandes sind voll von magischen Gegenständen, denen ein gewisses Eigenleben innewohnt.
Omars Satteltasche war, wie die anderen schwereren Gepäckstücke auch, als Begrenzung des Tierpferchs aufgestellt gewesen und stand in der Nähe des Lagerfeuers, deshalb war sie auch die erste, die inspiziert wurde. Du bist sicher, dass während der Nacht keiner dran war, aber morgens während des Frühstücks und eventuell auch bei dem Tumult, als sich alle versammelten, hätte man das Diadem wohl hineinschieben können.
Du befragst Omar noch einmal und er erzählt dir, dass er mit zwei der Novadi bekannt ist, die er auf vorherigen Reisen kennengelernt hat. „Allerdings verbindet und weder Freundschaft noch Feindschaft, nur die flüchtige geteilte Zeit, die der Allerhöchste uns Reisenden hier auf Deres Antlitz zugesteht“. Er vermag sich nicht vorzustellen, dass Sie ihm aus irgendeinem Grund etwas anhängen wollen. Auf deine Bitte hin beschreibt er dir auch noch einmal genau, was er gesehen hat, als er Larissia im Schlaf beobachtete. Dies fällt ihm schwer, da ihm das ganze ziemlich peinlich ist, und er jetzt ja nicht mehr unter dem Einfluss des Zauberspruches steht. Dein Charisma und gutes Zureden vermögen ihm jedoch die Zunge zu lockern und als er dann poetisch genau den Faltenwurf ihres Gewandes beschreibt (erst nachdem er sich vergewissert hat, dass die Umschwärmte ihn weder verstehen noch hören kann), wird nach ein paar Rückfragen von dir klar, dass er das Einschlagtuch hat vor der Domna liegen sehen. Somit könnt ihr nun sicher sein, dass der Diebstahl vor seinem Rundgang passiert ist.
An das Gesicht von Selos Begleiter kannst du dich nicht entsinnen. Außer zum Essen löst er nie seinen Gesichtsschleier und du kannst dich gerade nicht daran entsinnen ihm bei Essen zugeschaut zu haben.
Nun zu deinen Erlebnissen am Abend:
Du kündigst an schlafen zu gehen und ziehst dich in dein Zelt zurück. Obwohl du sehr erschöpft bist, hält die Aufregung dich zunächst wach. Du lauscht auf die Geräusche im Lager. Langsam verebben die Geräusche und nur noch das leise Murmeln der drei Wachhabenden ist zu hören.
Larissia hat sich auch vor kurzem schlafen gelegt. Sie möchte sich vor ihrer Wach-Schicht noch etwas ausruhen und wird ja geweckt werden. Ihr habt noch ein wenig geplaudert – sie war begierig zu hören, was du von Omar erfahren hast (du musstest ihn für euer Gespräch in Brannas Zelt aufsuchen – er steht ja unter Bewachung). Auch hast du sie ins Vertrauen gezogen, was deine Pläne angeht. Sie nimmt sich vor, bei ihrer Wache auch besonders gut aufzupassen und insbesondere auf die Zelte eurer Verdächtigen zu achten. Sie wirkte ziemlich aufgebracht durch den Diebstahl und auch die Tatsache, dass Omar möglicherweise ein Prozess droht. Nun klingt jedoch nur ihr gleichmäßiger Atem zu dir herüber. Du suchst deine Sachen zusammen und gleitest leise aus dem Zelt.
Hinter einem Busch etwas westlich eures Zeltes findest du einen Platz von dem aus du gut in das Lager hinein sehen kannst, und meinst nicht entdeckt werden zu können. Den Waquif in der Hand kauerst du dich in den Sand und stierst in die Dunkelheit. Etwas Flackern vom Feuer erhellt den Raum zwischen den Zelten, aber der Schein des Madamal strahlt heute nicht so klar wie gestern. Ein leichter Wind ist aufgekommen und dieser stete Hauch wirbelt immer wieder etwas Sand mit auf, der der ganzen Atmosphäre etwas Gespenstisches verleiht. Eine Weile beobachtest du das schlafende Lager. Hin und wieder geht einer der Wachhabenden eine Runde, sonst passiert lange nichts. Die Aufregung ist von dir abgefallen und eine gewisse Langeweile macht sich breit. Du hast einen breiten Fels gefunden, der die Wärme der Sonne länger bewahrt hat als der Sand. Du streckst die genüsslich darauf aus. Auf deinen Wangen spürst du ein sanftes Prickeln durch den aufgewirbelten Sand, wie das sanfte Streicheln einer liebkosenden Hand… für einen Moment schließt du die Augen…
Du liegst auf einem weichen Lager. An dich geschmiegt liegt Yali, dir den Rücken zugewandt. Du streichst ihm liebevoll über den Rücken und die kräftigen Arme, atmest seinen vertrauten Duft. Wohlig seufzend wendet er sich zu dir um. Wie von einer giftigen Spinne gestochen zuckst du zurück – du blickst in das Gesicht von Omar… Du setzt dich auf. Du sitzt allein unter dem Sternenhimmel. Nicht weit entfernt knackt und prasselt das Lagerfeuer. Das volle Madamal lächelt auf dich herab. Du näherst dich dem Feuer, um das sich schon der Rest der Schwesternschaft versammelt hat. Normalerweise haben sie in Vollmondnächten keine Scheu, doch heute tragen sie alle lange Gewänder und tanzen verschleiert im flackernden Licht. Du hälst eine der Frauen an der Schulter fest und schiebst den Schleier beiseite – du blickst in ein bärtiges Novadi-Gesicht. Die verschleierten Gestalten bilden plötzlich einen Kreis um dich, der sich immer enger schließt. Die nächste hebt ihren Schleier: Rachmud grinst dich mit seinen widerlichen Zahnstummeln an: „Hallo Wasserfloh, wir haben noch ein Hühnchen zu rupfen!“… Du willst dich umwenden und fortlaufen, aber deine Großmutter tritt dir in den Weg: „Die Reise zu deinem inneren Ich beginnt manchmal als beschwerlicher Weg, mein pota“, spricht sie mit bedeutungsschwerer Stimme. Du schiebst sie beiseite und läufst in die Dunkelheit. Dein Fuß bleibt an etwas hängen, und du stolperst, aber anstatt auf den Boden zu stürzen, fällst du in eine endlose Schwärze. Über dir siehst du dein Board kreisen, auf dem Larissia sitzt und hysterisch lacht. Du fällst und fällst und ruderst verzweifelt mit den Händen, in dem Versuch dich irgendwo festzuhalten. Deine Finger bekommen etwas Kaltes zu greifen und du umklammerst es. Mit aller Kraft versuchst du dich näher heranzuziehen. Du hörst das Sausen eines Wurfmessers und ein stechender Schmerz durchfährt deinen linken Arm. Du lässt los. Etwas jault. Du öffnest die Augen. Du sitzt hinter dem Strauch beim Lager im Sand. Waquif und Board liegen neben dir. Du musterst deinen Schmerzenden Arm. Drei rote Streifen laufen schräg über den Unterarm, warmes Blut tränkt deinen Ärmel. Ein Geräusch lässt dich aufschauen. Ein paar Meter entfernt von dir verschwindet der Umriss eines großen Tieres in der Dunkelheit…
Es muss an der Schlaftrunkenheit und der Verwirrung durch diesen wahnwitzigen Traum liegen, dass ich ohne zu überlegen meinem ersten Impuls nachgebe, mein Waquif ergreife und dem Tier hinterher eile. Vergessen sind für einen Augenblick die Domna, die Karawane und der Diebstahl, während ich einen Sprint einlege um diesem hinterhältigen Biest beizubringen, dass man sich nicht einfach hinterrücks an mich heran schleicht um mich dann so garstig zu kratzen.
Noch während ich renne erscheint mir mein Impuls rational etwas unsinnig. Was soll ich denn bitte tun, wenn ich die Wildkatze eingeholt habe. Selbst wenn ich im Kampf weit überlegen sein sollte … wer will denn schon ein solches Tier hier in der Wildnis mutwillig schwer verletzen oder gar töten. Und vor allem … ich verpasse so möglicherweise den erneuten Versuch eines Diebstahls. Andererseits muss das Tier verscheucht werden, wird es sich doch sonst allnächtlich erneut an unseren Vorräten vergreifen.
So denke ich kurz, folge aber weiter dem Drang dem Tier hinterher zu jagen.
Sollte mich die Wildkatze dann allerdings wieder sol seltsam anschauen weiß ich nicht recht wie ich reagiere. Auf eine kleine Rangelei bin ich intuitiv aber mental durchaus vorbereitet …
Du rennst los und erreichst die Stelle, wo du das Tier hast verschwinden sehen, gerade als dir deine rationaleren Gedanken durch den Kopf schießen. Du blickst dich suchend nach Spuren um, um zu entscheiden, in welche Richtung du weiter rennen willst. Dabei fällt dein Blick auf einen glänzenden Gegenstand am Boden: Das Diadem.
(Ändert das etwas an deinem Impuls weiter zu rennen? Hebst du es auf/ lässt du es liegen?)
Darüber bin ich doch außerordentlich erschrocken und tatsächlich komme ich nicht umhin kurz ungläubig vor dem Gegenstand stehenzubleiben, es anzustarren, den Kopf zu schütteln, es eilig aufzuheben und dann in vollem Sprint hinter dem Tier her zu rennen.
Verstehe ich richtig, dass das Tier theoretisch da Diadem „genommen“ haben muss damit es hier liegen konnte? Das ist ja ganz und gar unglaublich. Hoffentlich hole ich es noch ein …
Nach einem Moment des ungläubigen Staunens hebst du das Diadem auf und verstaust es wieder in deinen Gewändern. Etwas feuchtes klebt daran (so als habe es ein Tier in seiner Schnauze getragen?). Du bist ja kein geübter Fährtenleser, aber die Fährte aus 2×2 tiefen Kuhlen im Wüstensand kannst du leicht entdecken und deines Erachtens nach passt sie gut zu einem Khomgeparden oder ähnlichen Raubkatzen. Du rennst so schnell du kannst. Auf dem ewigen Auf und Ab des Wüstensands kommst du nicht so recht vorwärts. Deine Seiten stechen und du ignorierst das Blut, was dir immer noch aus dem Arm rinnt… Als die Wolken sich einen Moment teilen, siehst du in einiger Entfernung den Schemen der Wildkatze eine Düne hinan huschen. Sie bewegt sich deutlich schneller als du und erschöpfst brichst du die Verfolgung ab. Immerhin muss das Tier deiner gewahr geworden sein, denkst du, und es wird es sich dreimal überlegen, eure Vorräte erneut zu plündern… Du rufst ihr wütend ein paar Worte hinterher. Dann lässt du dich in den Sand fallen. Keuchend verharrst du einen Moment und trittst dann wütend den Rückweg an. Der Schmerz pocht in deinem verkratzten Arm und du ärgerst dich über alles… Du bist dankbar für den Schein eures Lagerfeuers , welches du in vager Entfernung schimmern siehst, denn auf den zertrampelten Dünen bist du dir auf einmal gar nicht mehr sicher, welches deine Spuren sind, denen du zurück folgen könntest. So hälst du zielstrebig auf das Flackern zu. Du bist noch etwa 200m vom Lager entfernt, als du hinter der nächsten Düne flüsternde Stimmen vernimmst.
Ja, wütend über alles beschreibt es ganz trefflich!
Die erste Düne des Rückwegs erklimme ich noch unter stetem leisen Gezeter. Wie völlig kopflos von mir, wie dumm und überhaupt: Ich möchte ein weiches Bett und einen großen Badezuber mit duften Zusätzen, liebevolle Diener, die mir jeden Wunsch von den Lippen ablesen und einen ordentlichen Becher süßen Weines!
So klage ich vor mich hin, besinne mich dann aber eines besseren meinen Gedanken keine Gestalt durch laut ausgesprochene Worte zu geben.
Jedenfalls bin ich auf eine absurde Art wahnsinnig enttäuscht und weiß doch nicht recht warum, was das ganze eher schlimmer als besser macht.
Gelobt sei Satuaria dass mir die Gefangenschaft in meiner eigenen Wehleidigkeit wenigstens die Ohren nicht verstopft hat und ich mich so noch rechtzeitig flach auf den Boden werfen kann, als ich die Stimmen vernehme. Ich bin doch noch gar nicht zurück im Lager, was macht denn irgendwer hier draußen? Ich robbe vorsichtig heran und versuche einen Blick über die Düne zu werfen um zu sehen, wer da spricht. Und ein zweiter Gedanke beschleicht mich: Ob es sich bei dem Tier eben wohl um ein abgerichtetes Exemplar gehandelt haben könnte, dass geschickt wurde das Diadem zu stehlen?
Ich bin sehr gespannt.