„Komm nur herein mein Kind“ flüstert es aus Richtung des Bettes. Der Raum mit seiner düsteren Aura ist dir noch immer ein Stück weit unheimlich. Doch im Vergleich zur Anspannung, die du im Lager der Soldaten verspürt hast, fühlst du dich hier geradezu heimisch und wohl.
Dara liegt genauso da, wie du sie beim letzten Mal vorgefunden hast.
„Stell dir nur vor was in der Zwischenzeit passiert ist … Mutter“ plapperst du drauflos und unterstreichst mit deiner Anrede deinen Respekt vor der alten Tochter Satuarias. Dann berichtest du ihr aufgeregt und beinahe ohne Atem zu holen von allem was passiert ist: Deinen plötzlichen Aufbruch aus dem Lager nach dem Fund des Norbarden beschreibst du ebenso, wie den wohl seltsamsten Flug, den du je erlebt hast, deine Begegnung mit der Troll-Mutter, deine eilige Rückreise und die Ankunft im Lager. Du schilderst Dara das beklemmende Gefühl dort und dein absolutes Unverständnis für dieses unmenschliche Verhalten. Du schließt den Bericht mit dem Fund des metallenen Behälters, der Übergabe und eurer Flucht. Du versäumst dabei nicht zu erwähnen, welchen Schrecken dir der Hauptmann eingejagt hat und wie sehr dich auch die Sorge um die Familie Daras beschäftigt hat. Immer hat diese leise, mahnende Stimme dir zugeflüstert, dass – was immer du tätest – die Familie deiner ‚Schwester im Geiste‘ nicht zu gefährden sei.
Jetzt, wo du dir einmal alles von der Seele geredet hast geht es dir ein wenig besser. Dein Herz schlägt nicht mehr ganz so schnell und die Anspannung fällt von dir ab. Du beobachtest einen Augenblick wie Dara ihr Essen zu sich nimmt und wartest auf ihre Reaktion.
„Ungestüm bist du junge Frau. Sprunghaft sind deine Gedanken und Sprunghaft ist dein Tun. Du würdest gerne alles gleichzeitig erledigen und gibst jedem Impuls sofort nach. Ich glaube, dass dich das in Schwierigkeiten bringen wird, dich daran hindert die mächtige Tochter Satuarias zu sein, die du bist.“
Ihre vorwurfsvolle Ansprache kränkt dich ein wenig, doch gerade als du betreten beiseite blickst legt sie ihre Hand auf die deine: „Und dein unerwartetes, verwirrtes Tun hat eine Gruppe Unschuldiger womöglich vor großem Schaden bewahrt. Und dafür danke ich dir. Ich danke dir, dass du meinem Ruf gefolgt bist, als meine Sorge um meine Familie am größten war.“
Hier lasse ich dich gern zunächst antworten und konkret formulieren, was du Dara entgegnest.
„Dann war es das? Hast du mir eine Traumbotschaft geschickt? Ich vermag das auch zu tun, aber ich hatte immer angenommen, die Botschaft käme irgendwie klarer an! Ich empfing eher hauptsächlich das Gefühl… Und musste dann lange rätseln, wer jetzt wovor Angst hat… An dich hatte ich zwar auch gedacht, aber – nun ja, du bist so respekteinflößend, was sollte dir schon Angst machen…
Ich verstumme. Sollte sie die Stille nicht nutzen um etwas zu erwidern, schiebe ich noch ein „Du hast wohl Recht, ich trage mein Herz auf der Zunge… Und manchmal sind beide ein wenig vorschnell…“ nach.
Zum ersten Mal umspielt eine Art mildes Lächeln die Mundwinkel der alten Frau und für einen Augenblick funkelt in ihren alten, dich beständig so beängstigend anstarrenden Augen ein junges, freundliches Glitzern.
„Dich ehrt dein Respekt vor dem Alter mein Kind. Angst ist eine wahrhaft gefährliche wie machtvolle Emotion. Sie besitzt die Kraft, dich komplett zu lähmen und sich wie ein klebriger Harz über dein astrales wie menschliches Sein zu legen. Gleichwohl beschützt sie dich, schärft Sinne, Intuition und die Aufmerksamkeit. Ich wäre Töricht keine Angst zu haben, bin ich doch nur noch eine alte, kranke Frau. Was hätte ich schon auszurichten gegen rohe, gewaltsame Dummheit. Doch ich vermag meine Angst zu kontrollieren und sie nicht zum bestimmenden Momentum meines Handelns werden zu lassen.“
Die alte Hexe macht eine kurze Pause und der Anflug von Lächeln in ihrem Gesicht ist wieder verschwunden. „Das Traumbild, dass ich dir durch Uzul überbringen ließ, hatte vornehmlich den Zweck dich mit einer dein Handeln bestimmende Emotion zu überschwemmen, damit gewährleistet sei, dass dir insbesondere am Wohle meiner Familie liegt. Weniger sollt es eine klare Botschaft sein.“
Du ziehst unwillkürlich ein wenig die Augenbraue hoch. Dich hätte man doch nicht mit der Sorge um die Bauernfamilie erfüllen müssen, die war doch ohnehin da. Oder?
Ehe du den Gedanken weiter fortführen kannst ergreift Dara deine Hand und zieht dich näher an sich heran: „Du weißt wie man die Ängste von Tieren lindert? Du weißt wie man nach der Angst tastet und diese zerschlägt? Da Furcht und Unsicherheit in dir noch sehr präsent sind konzentriere dich nun und spüre nach deinem eigenen bangen Herzen. Greife danach. Pack sie ganz fest und lass sie aus deinem Körper heraustreten. Lass sie zum Atem der Mutter werden.“
Während sie noch ihre erklärenden Worte spricht spürst du das prickeln der astralen Energie, dass von ihrer Hand zu deiner herüber fließt.
Welche Zauberwirkungen die entfernt mit Angst zu tun haben (auch HEXENKNOTEN, HARMLOSE GESTALT oder andere, die man ggf. lose mit Angst assoziieren kann) sind ggf. noch nicht aktiv auf deinem Bogen oder haben noch einen Wert von 0? Wenn da keiner dabei ist kann dir Dara ggf. einen ganz neuen Zauber beibringen. Hier haben wir etwas Interpretationsspielraum, denn auch der „Mut der Verzweiflung“ oder „Sieg gegen Angst“ kann hier passen. Da hast du einen Wunsch frei.
Tatsächlich habe ich nur einen einzigen Zauber auf TaW 0 und das ist der FlimFlam. Er ist in hexischer Repräsentation, und obwohl es ein recht unhexischer Zauber ist, könnte man natürlich darüber nachdenken, ihn unter dem Motto “Angst vor dem Dunkeln” zu verbessern.
Ein Zauber der mich reizen würde neu zu erlernen und der sonst vielleicht passen könnte, wäre “Madas Spiegel”, geleitet durch die Angst um eine bestimmte Person, mit dem Schönheitsfehler, dass er unter freiem Himmel gewirkt wird, wo Dara sich wohl schwerlich hinbegeben wird.
Falls Dara gewillt ist mit den Traditionen soweit zu brechen, dass sie auch außerhalb einer Hexennacht einen Fluch unterrichtet, wäre dies vielleicht die Möglichkeit mit “Ängste mehren” meinen ersten Fluch zu lernen…
Entscheide du, lieber Meister.
In jedem Fall möchte ich zu einem späteren Zeitpunkt (falls wir nicht beide total entkräftet sind) dann das Gespräch noch einmal auf den Hauptmann zurücklenken, und auf die Möglichkeit ihm mittels eines Traumbildes irgendwie alpdrücken zu bereiten.