Ende mit Schrecken (35)

Du sitzt regungslos am Tisch und starrst gedankenverloren auf deinen beinahe unberührten Teller.  Die kräftige Brühe muss mittlerweile kalt sein. Unmotiviert schiebst du ein Stück Kartoffel von links nach rechts.

„Nun schau doch nicht so missmutig drein Mirya. Denke doch nur, was du uns Gutes getan hast. Stell dir nur einmal vor, du wärest diesen Tagedieben nicht über den Weg gelaufen. Unsere ganze Familie steht in deiner Schuld. Nicht auszudenken, was die Soldaten hier bei uns angerichtet hätten, wären sie dieser ‚Sabkule‘ nicht habhaft geworden.“

Du musst ob dieses Buchstabenverdrehers nun doch schmunzeln und lächelst Ethel dankbar an. Vermutlich hat sie Recht. Vermutlich solltest du stolz auf dich sein. Richtig stolz.
Eigentlich bist du ja auch heidenfroh, dass es für euch alle so glimpflich geendet hat und niemand deinen Übermut mit dem Leben bezahlen musste. Doch da ist dieser fade Beigeschmack, dieser dringende Wunsch solch bösartigen Menschen ihrer gerechten Strafe zuzuführen.

Unwillkürlich spürst du sauren Geschmack auf der Zunge als du an den Augenblick im Zelt zurückdenkst. Der Hauptmann hatte dir Angst einjagen wollen und das war ihm auch vortrefflich gelungen. Auf eine komische Art ärgert dich, dass du Angst gehabt hast, obwohl dieses Gefühl angesichts der Situation wohl vollkommen legitim gewesen war. Seine Rede mit dieser plötzlichen grässlichen Wendung hatte dich wirklich unerwartet getroffen und seine Wirkung nicht verfehlt.

Ganz erstarrt hattest du dagestanden als der Hauptmann dir dann tatsächlich Beorn und Lorian bringen ließ.

Lorian hatte man übel mitgespielt, er hielt sich kaum auf den Beinen. Beorn war mit einer geschwollenen Wange und einigen kleineren Blessuren davon gekommen, doch die Angst in seinem Blick sprach Bände und tat dir nicht minder Leid. Beiden hatte man die Fesseln abgenommen und Beorn stützte Lorian beim Laufen. Unbändige Wut loderte in dir auf, doch dein Verstand hielt sie einigermaßen im Griff. Nicht auszudenken wenn du nun kopflos den Hauptmann niederstrecken würdest. Deine Versteinerung zu lösten erreichte das Entflammen der Wut aber allemal.

Zu dritt verließt ihr so schnell ihr nur konntet das Lager. Du hattest auf der dir endlos erscheinenden Strecke zwischen Lager und Gehöft das schlimmste erwartet. Dass man euch nachsetzen würde. Dass jemand euch mit einer Armbrust erschießen würde. Du blicktest stur nach vorn und flehtest Satuaria an euch zu beschützen.

Hauptmann Weidenfeller hielt Wort und ihr kamt ohne dass du es zu Hoffen gewagt hättest ohne weitere Zwischenfälle im Gehöft an.

Dort herrschte allgemeine Erleichterung, insbesondere über die Rettung Beorns. Auch Hane sprach Worte des Dankes. Du merktest allerdings sofort, dass seine Augen einen stillen Vorwurf in deine Richtung warfen.
So fühltest du dich schon während der Erstversorgung der zwei Verletzten genötigt eine umfassende Erklärung der Situation zu geben. Genug der Heimlichtuerei, Dara hin oder her.  Und diesmal zeigten sich die Bewohner unisono dankbar, erschüttert und erleichtert zugleich.

Kaum drei Stunden später konntest du aus der sicheren Entfernung des Gehöfts beobachten wie man das Lager abbrach und der Tross sich auf den Weg machte. Auch deinem Wunsch nach einem sauberen Begräbnis der Gefallenen war man überraschend nachgekommen. Das hattest du am frühen Abend noch, trotz aller Warnungen, einem inneren Drang folgend, prüfen müssen. Hauptmann Weidenfeller hatte – so sehr er dich auch geängstigt hatte – in allem Wort gehalten.

Von dem ganzen Albtraum blieb wenig mehr als eine plattgetretene Wiese und euer Schrecken.
Jetzt, da du in der guten Stube sitzt und Ethel bei ihrer hektischen Betriebsamkeit beobachtest ist es auch nicht viel mehr als das, ein unschöner Alptraum.

Du atmest tief durch, straffst dich und beginnst deine Suppe auszulöffeln. Die Verwundeten sind versorgt und schlafen. Die Soldaten haben was sie wollen und sind ihrer Wege gezogen. Warum sich also lähmen lassen von Angst oder trüben Gedanken. Du bist eine veritable Hexe und hast im Reich der Feen gegen finstere Einhörner bestanden. Eine Schande sich derart zu fürchten.

Was also als nächstes tun? Der alten Dara die Aufwartung machen? Schlafen? Deiner Sehnsucht nach deinem treuen Eikiko nachgeben und noch in dieser Nacht die Trollfrau aufsuchen? Dich vielleicht in netter Gesellschaft der abendlichen Runde von allem Geschehenen ablenken. Oder packt dich gar doch noch der kalte Zorn und du setzt dem Tross Soldaten nach?

Ob dieses Abenteuer schon beendet ist weißt du nicht, aber für den Augenblick gilt es in jedem Fall einmal tief durch zu schnaufen um ausgeruht und gewappnet den Dingen entgegen zu treten, die da kommen …

Für eure Reise bis hierher, der Vollmondnacht, der abenteuerlichen Kräutersuche, der Begegnung mit den Trollen und dem mutigen unblutigen Kampf gegen einen entschlossenen Soldatenhauptmann darfst du dir zunächst 50 Abenteuerpunkte notieren sowie eine spezielle Erfahrung in deiner Eigenschaft „Mut“ verzeichnen. Weitere spezielle Erfahrungen zur sofortigen Steigerung deiner Talente  gelten für Tierkunde, Etikette bzw. einem vergleichbaren gesellschaftlichen Talent, welches das Kokettieren mit dem Hauptmann symbolisiert, Betören (was wiederum das Kokettieren mit einem gewissen Soldaten symbolisiert), Fliegen und Wildnisleben. Zauberfertigkeiten zur Steigerung durch spezielle Erfahrungen sind HEXENSPEICHEL, EINS MIT DER NATUR und KATZENAUGEN.

Im Mondscheinritual hast du die Bindung zu deinem Vertrauten verstärkt und ihm damit die Fähigkeit zum intuitiven Aufspüren deiner Person beigebracht (Vertrautenmagie HEXENSINN).

Veröffentlicht von Meister

Die Mächte des Schicksals.

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2 Kommentare

  1. Was für ein Abschluss…
    Ich habe noch einen kleinen Einschub, entscheide du, ob du ihn stimmig findest und du mir zugestehst, dass sich die Möglichkeit dazu geboten hat. Für den „Abgang hatte ich nämlich damit geliebäugelt einen Hexenknoten in folgender Form zu wirken denn so 100% hab ich meinen Hass glaub ich nicht unter kontrolle (ich hätte 4 ZfP*):
    Abfällig schaut der Hauptmann den drei erbärmlichen Gestalten hinterher, wie sie sein Zelt verlassen. Voran gehen der Bauerntölpel und schwer auf ihn gestützt der herrenlose Krieger. Als letztes folgt das unverschämte Weibsbild. Sie nestelt mit gesenktem Blick an ihrem Haar. Dann eilt sie sich hinter den beiden her. Ihre Unverfrorenheit hat er ihr wohl ausgetrieben. Selbstzufrieden lächelt der Hauptmann ein boshaftes Lächeln. Bevor das Mädchen durch den Ausgang tritt, wirft sie einen Blick zurück über die Schulter. Hat sie ihm gerade kurz zugewinkt? Schon schließt sich der Vorhang hinter ihr. Doch was ist das? Aus dem Boden an der Zeltwand entlang wächst plötzlich eine Mauer empor. Eine Mauer aus Toten. Aus blutgetränkten, geschundenen Leibern und abgetrennten Körperteilen. Die Gesichter der Wegelagerer starren ihn aus weitaufgerissenen, gebrochenen Augen an. Beklemmung ergreift den Hauptmann. Liegt dort nicht das Trollkind? Und dort einer seiner Soldaten? Blut sickert aus den Leiber auf den Boden… Spielt seine Fantasie ihm einen üblen Streich? Grade will der Hauptmann seinen Mund öffnen um nach der Wache zu brüllen, da verblasst das Trugbild wieder, und atemlos starrt er auf die Zeltwand, und den im Winde flatternden Ausgangsbehang.

  2. Einen Moment lang bleibe ich noch in der Küche hocken. Ich merke wie angespannt ich war, und irgendwie immer noch bin. Die plötzliche Drohung des Hauptmanns steckt mir tief in den Knochen, und die eiserne Disziplin, danach weiter Ruhe zu bewahren, hat mir einiges abverlangt. Ich lasse mir noch eine Schüssel Suppe reichen und genieße die Wärme, die meinen Körper erfüllt. Damit bekämpfe ich erfolgreich das Zittern, was sich in mir ausbreiten will.
    Sehr groß ist meine Sehnsucht nach Eikiko, und ich weiß wie sehr es mich beruhigen würde, seinen kleinen Körper an mich gekuschelt zu wissen, aber für einen Nachtflug bin ich viel zu aufgeregt und ich beschließe am nächsten Tag die Trollin zu besuchen, nachdem ich mir Lorians und Beorns Geschichte angehört habe. Jetzt sollen die beiden „Helden“ aber erstmal schlafen und genesen.
    Um selber zu Bett zu gehen brennt mir aber noch zu viel auf der Seele, und so beschließe ich tatsächlich die alte Dara aufzusuchen. Unter dem Vorwand auch nach meiner letzten Patientin noch sehen zu wollen entschuldige ich mich bei Ethel und bringe Dara bei der Gelegenheit gleich das Nachtmahl nach oben. Ich hoffe, dass auch dort die warme Suppe alles unheimliche vertreibt…
    Ideen/Stichpunkte für den Gesprächsverlauf:
    – die Ereignisse um die Capsule und Hauptmann Weidenfeller werde ich ausführlich beschreiben, Garvin dabei auslassen
    – ich möchte nachfragen, ob es Uzuul war, den ich im Tal der Trolle gesehen habe
    – ich beschreibe auch mein Traumereignis, was ich auf dem Rückweg hatte und frage was sie davon hält.
    – ich habe vor, später in der Nacht, dem Hauptmann als TRAUMGESTALT zu erscheinen (ein Alptraum, Botschaft: „Du hast sie getötet und du wirst bezahlen“), findet sie das gut oder schlecht oder kann sie gar dabei helfen?

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