Aus Birshens Proviant packst du noch Ziegenkäse, Tomaten und Wurst auf das Tuch. Studiosus Maruch nimmt deine Beigaben zum gemeinsamen Mahl mit einem wohlwollenden Nicken zu Kenntnis. Der Wein in seinem Schlauch ist von guter Qualität, aber mit Wasser verdünnt, was dir nach dem heißen Tag nur recht ist. Er legt den Schlauch kurz beiseite, und räuspert sich. Er legt die Handflächen aufeinandern, murmelt eine Formel und öffnet die Hände zwischen euch in der Luft. Aus dem Nichts sprudelt ein kleines Rinnsal Wasser, unter dem der Magus sich die Hände wäscht, und dir anbietet es dir gleich zu tun. Das Wasser versiegt bereits nach wenigen Augenblicken und verschwindet, auch wo es den Boden benetzt hatte.
Dann lasst ihr euch die kleinen Köstlichkeiten munden und du beginnst deinen Bericht.
Ob es an deiner durch den Wein gehobenen Stimmung oder der Person des Magus selbst liegt, weißt du nicht, aber das folgende Gespräch entwickelt sich ein wenig überraschend und macht dir unerhört viel Spaß. Elegant und mit geradem Rücken sitzt er dir gegenüber und begleitet deine Ausführungen mit so geistvollen Kommentaren, dass du für einen Moment vergisst, dass ihr in der Ödnis vor einem Zelt sitzt, und dich fast in deinem Palast zuhause wähnst. Ihr umkreist einander mit Fragen und Worten wie zwei Tanzende auf dem Parkett. Ein Tanz, bei dem Beide bestrebt sind, möglichst viel über den anderen zu erfahren, und möglichst wenig über die eigene Person preiszugeben, und bei dem mal der Magier, mal du die Führung übernimmt.
So bleibst du zwar bei der Maskerade des „einfachen Burschen“ bist dir aber relativ sicher, dass dein Gegenüber sie genauso durchschaut hat, wie du seine des welterfahrenen Magus.
Du gewinnst den Eindruck, dass ihm dieses „Spiel“ jedoch genausoviel Vergnügen zu bereiten scheint, wie dir, und es ist euch beiden mehr daran gelegen, den Anderen bei Laune (und am Erzählen) zu halten, als eine eventuelle Unwahrheit zu demaskieren – schließlich könnte der Tanz enden, würde einer dem anderen zu fest auf den Fuß treten.
So spielt ihr euch eine Weile Komplimente und Schmeichelein zu. Auf deine Bemerkung über dickbäuchige Magier grinst er schief und murmelt mit gesenkten Lidern etwas darüber, dass sein Lehrmeister ihm auch gehörig die Ohren langziehen würde, wenn er ihn bei einem Verstoß gegen die Kleiderordnung, wie diesem hier erwischen würde… Dann jedoch lenkt er schnell ab, denn auch er weiß einiges über deine feinen Gesichtszüge und deine gebildete Ausdrucksweise zu sagen und weiß dies mit Blicken zu unterstreichen, dass dir die Wangen inzwischen glühen, bis du schließlich mit den Worten: „Ihr kamt in meinem Traum allerdings nicht vor und so frage ich mich: Was für elementaren Feldstudien (so sagtet Ihr doch eben) führen euch mitten ins nirgendwo? Oder anders gefragt: Findet man in dieser götterlosen Gegend auch Anderes als Dreck und Staub?“ von deiner Geschichte zu seiner überleitest. Er entgegnet: „In der Tat – mein kluger Freund – ist deine Vermutung richtig, dass ich nicht ohne Grund in dieser ungastlichen Einöde weile. Die Schlucht, die du hier vor dir siehst birgt eine gefährliches Geheimnis. Selbst die Einheimischen meiden Sie, und dies zurecht – droht doch dem, der sie betritt, für immer darin gefangen zu bleiben. Natürlich wacht die Al’Pjandrashta darüber, dass Unbedarften hier kein Leid geschehe, und hat den Zugang mit Magie gesichert. Und in diesem Jahr kommt das Privileg und die Ehre die Bannzauber zu erneuern mir zu. Deswegen weile ich für einige Tage hier, um über diesen Ort zu lernen, aber auch über ihn zu wachen. Aber ich will dich nicht mit magischen Einzelheiten langweilen, vielmehr teile ich die Sorge um deine Begleiterin – wie sieht sie denn aus, und vor wie vielen Tagen habt ihr euch verloren?“
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Ich bin wirklich sehr glücklich Maruch hier begegnet zu sein und bis zu seinen letzten Worten fühle ich eine Leichtigkeit in mir, die ich lange nicht gespürt habe. Umso härter trifft mich seine Ausführung zur Schlucht und zu dem Bannzauber. Ich erhoffe mir von ihm noch einiges an Informationen herauszubekommen, weshalb ich beschließe möglichst viel zu berichten. Somit beschreibe ich ihm in blumigen Worten das Äußere von Larissia und lasse auch ihr Temperament und ihre gekünstelte Art zu sprechen nicht unerwähnt. Ich rechne kurz aus, vor wie vielen Tagen der Sandsturm uns ereilte und teile ihm auch dieses mit. Auch auf die Gefahr hin einen Fehler zu machen (irgendwie sagt mir augenblicklich noch mein Gefühl dass Argwohn gegenüber diesem schönen Magier hier nicht nötig ist) beschreibe ich ihm meinen “Traum” etwas genauer, also das, was ich in Madas Spiegel gesehen habe.
Wenn ich mit meinen Ausführungen fertig bin hake ich dann aber doch noch einmal genauer nach: “Da in diesem Fall magische Einzelheiten für meine Rettungsaktion von äußerster Wichtigkeit – und mitnichten langweilig – sein könnten wäre ich euch sehr dankbar, wenn ihr mir genaueres erörtern könntet. Auch interessiert mich nun doch sehr, was für ein Fluch denn das wohl genau ist. Jedes Wissen dass ich noch sammeln kann, kann mir hier dienlich sein.”
Hier noch einen kurzen Einwurf zu deinem Eindruck von Maruch:
Du kannst deine Gefühle ihm gegenüber gerade nicht klar einordnen: Ist es die bloße Dankbarkeit für seine Anwesenheit hier, und dass du endlich jemandem begegnest, der dir auf Augenhöhe ein paar Fragen beantwortet oder gar noch mehr? Nett im klassischen Sinn ist er eigentlich nicht. Auf jeden Fall freust du dich über die Art, wie er mit dir umgeht. Und auch wenn er möglicherweise eigene Ziele verfolgen sollte, meinst du doch, in vielen seiner Komplimente einen ernst gemeinten Kern zu spüren. Du erspürst in ihm Neugierde, und ein wenig Aufregung trotz der gebieterischen Aura, mit der er sich umgibt.
Tatsächlich gibt er dir aktuell keinen Grund ihm zu misstrauen, im Gegenteil ist er dir in so vielerlei Hinsicht ähnlich, dass es dir leicht fällt, ihn zu mögen: Er achtet auf ein gepflegtes Äußeres und Etikette, ist von Stand und in ähnlichem Alter wie du, auch ihm fehlt es nicht an einer gewissen Arroganz, auch er beschäftigt sich mit Magie und auch er scheint der Wüste kaum etwas gutes Abgewinnen zu können. Die Dinge, die euch unterscheiden – und hier wird dir vor allem sein Umgang mit seiner magischen Gabe gewahr – völlig zweckgebunden und instrumentalisiert, bar jeder Emotionalität und Respekt gegenüber Sumus Geschenk – befremden dich in gleichem Maße wie sie dich faszinieren und anziehen.
Trotzdem:
Der Rhythmus eures Tanzes ändert sich. Sobald du beginnst, Larissia genauer zu beschreiben, siehst du flüchtig einen Schatten über Maruchs Gesicht ziehen: Du hast den Eindruck, als hielte Schmerz Einzug in sein bis jetzt verspieltes Wesen.
Als du mit deinen Ausführungen fertig bist, runzelt er die Stirn. “Ich selber bin erst seit zwei Tagen hier. Erst einige Tage nach dem Sandsturm also…” murmelt er mehr zu sich selbst. “Hör zu, Dsche. So unvorstellbar mir das auch scheint – in deinem Traum klingt es wie -” er sieht dir lange in die Augen, “- ich denke, es ist wichtig, dass du verstehst, welche Gefahren in der “verschwundenen Oase” lauern! Und dafür muss ich dir eine Geschichte erzählen.” Er reicht dir noch einmal den Weinschlauch und dann beginnt er zu erzählen. Es ist die Geschichte einer hinterlistigen und eigennützigen Kreatur. Ein gelangweilter Dschinn, der in einer Oase versteckt lebt, und sich einen Spaß daraus macht, Wüstenwanderer ins Unglück zu stürzen. Er verführt sie mit Trugbildern all dessen, was sie entbehren und ersehnen, so dass sie in der Oase bleiben, bis sie schließlich verhungert und verdurstet sind…
Als Maruch ans Ende seiner Geschichte kommt, wird dir klar, dass du sie schon einmal gehört hast. Es war das Märchen, dass der Geschichtenerzähler auf dem Basar in Mherwed erzählt hat. An dem Abend, an dem alles mit einer Prophezeihung begann. Zwar ist Maruchs Fassung nicht ganz so kunstvoll erzählt, und zielt mehr darauf ab den Dschinn in all seiner Gefährlichkeit anzuprangern, aber im Grunde ist es dieselbe Geschichte. Wie viele Jahrhunderte der Dschinn in seiner Oase schon wohnen mag, fragst du dich, wenn es die Geschichte davon schon quer durchs Land der ersten Sonne geschafft hat? Und dann, vor etlichen Jahren, ist die Oase verschwunden. Man vermutet aber, dass noch immer im Herzen der Schlucht ein Zugang in das Reich des Dschinns besteht, und deshalb sichert die Al’ Pjandrastha das Gelände mit Zauberei.
“Nicht auszudenken, wenn deine westländische Schönheit irgendwie in den Zugang gelockt wurde!” Endet Maruch seine Ausführungen: “Sie könnte hier an der Schlucht angekommen sein, bevor ich es bin. Aus magietheoretischer Sicht und anhand meiner hiesigen Betrachtungen ist es natürlich völlig undenkbar, dass die Zauber versagt haben, aber es muss schließlich einen guten Grund geben, dass wir sie jährlich erneuern… So gesehen, waren sie sicherlich vor ein paar Tagen am schwächsten…” Er sieht dich nochmal so eindringlich an. “Ich weiß zwar nicht, was du genau mit dieser Frau für eine Verbindung hast – und ich kann nur vermuten, dass du gute Gründe hast, so fest an etwas zu glauben, das du “im Traum” gesehen hast. Aber wenn du wirklich annimmst, sie könnte in der Oase sein – wird sie ohne Hilfe wohl kaum heraus kommen.”
“Deine Schilderung erfüllt mein Herz mit banger Angst, Maruch! Gleichwohl bestätigt sie mich darin, dass mir nichts übrig bleiben wird als tiefer in die Schlucht vorzudringen um Larissia aus den Fängen dieses liederlichen Zauberwesens zu befreien. Ich weiß es muss komisch für dich klingen, dass ich einem vagen “Traum” so viel Bedeutung beimesse, aber ich weiß einfach dass es mehr als nur das war. Was kannst du mir noch über euren magischen Schutzbann sagen? Wie ist er beschaffe und hast du eine Idee wie ich ihn umgehen könnte, wenn mein Wunsch ist jenseits der Barriere zu forschen?”
„Deine Entschlossenheit erhebt dich, edler Dscheridan. Erlaube mir zu sagen, ich würde mich geehrt fühlen, fände ich dereinst einen Freund, der bereit ist, für mich durch Gefahren zu gehen, wie du für diese Dame.“
Ein Seufzer entfährt ihm. „So höre, was ich über die Schutzzauber zu berichten weiß: Zwar sind es mächtige Zauber, aber es gibt Wege sie unbescholten zu durchqueren, sonst wäre es uns Magiern ja nicht möglich hier zu forschen.
Für den Ersten Schutz wirst du all deinen Mut und etwas Geschicklichkeit benötigen, denn über den Abstieg in die Schlucht ist eine Illusion gelegt, so dass du den wahren Einstieg nicht sehen kannst. Tatsächlich siehst du dort, wo der Weg in die Tiefe führt nur das Klaffen des Abgrundes. Dieser Zauber wird dir aber keinen Schaden zufügen, und so lange du deine Schritte mit Bedacht setzt, wird die Illusion nach einigen Metern zerfließen, und du unbescholten vorankommen.
Setzt du den Weg fort, gelangst du an eine Falle, die du nicht umgehen kannst. An einer Stelle des Weges, an der der Felssims besonders schmal wird, wird ein Zauber ausgelöst: Vor dir wird eine Wand aus Flammen erheben, und hinter dir eine Wand aus Erz. Es gibt dort aber eine verborgene Nische mit Sieben Gefäßen. Drei davon enthalten Gift, zwei Kaktuswein, eine einen Trank, der dich durch Erz gehen lässt, und eine etwas, mit dem du unbeschadet durch die Flammen gelangst. Ich verrate dir einen Reim, mit welchem du dir merken kannst, welches welche sind:
Das Gift versucht zwar sich gut zu verstecken,
doch links vom Wein kannst du es immer entdecken.
Ungleich gefüllt sind die zwei an den Enden,
doch vorwärts wird keine dich davon senden.
Manche sind groß, manche sind klein,
doch Riese und Zwerg werden nicht giftig sein.
Die welche als zweite von links und rechts stehn,
gleich sind sie gefüllt, auch wenn sie ungleich aussehn.
Mit dem richtigen Trank kannst du deinen Weg fortsetzen und wirst an den Grund der Schlucht gelangen. Es ist ein felsiges, trockenes Flussbett. Hier erwartet dich die letzte und gefährlichste Falle auf deinem Weg ins innere der Schlucht: In den Wänden der Schlucht sind Kavernen verborgen, in denen das Regen- und Sickerwasser gesammelt wird. Trittst du auf deinem Weg durch das Flussbett auf den falschen Stein, werden diese Basins geleert, und eine riesige Flutwelle wird dich aus der Schlucht spülen…
Wenn du erlaubst, würde ich dich auf deinem Weg gerne begleiten, dann kann ich dir helfen, die gefährlichen Steine zu erkennen. Mir lässt nun der Gedanke keine Ruhe, dass ich vielleicht in der Schlucht etwas übersehen haben könnte. Was allerdings einen Zugang in das Reich des Dschinns angeht, kann ich dir keine Hilfe sein. Es ist mir nicht kenntlich, wie dieser geöffnet werden kann.“
Über Maruchs Erläuterungen ist die Dämmerung hereingebrochen, und eine sternenklare Nacht bricht an. Maruchs Vorschlag wäre, den Morgen abzuwarten und dann gemeinsam aufzubrechen. Aber vielleicht hast du ja ganz andere Pläne?
“Ist das ein ernst gemeintes Angebot, ehrenwerter Magister?” frage ich gleichermaßen dankbar und in spielender Herausforderung. “Ich wäre sehr glücklich einen findigen Magier an meiner Seite zu haben, wenn ich mich dem Schrecken der Schlucht stellen muss. Zumal ich mir nicht ganz sicher bin, ob ich die Strophen deines Versleins in all der Aufregung nicht wieder vergesse.”
Ich lächle ihn an und sollte er bestätigen, dass er bereit ist mich in die Schlucht zu begleiten reiche ich ihm die Hand zur Bestätigung seines Angebots. Es soll eines dieser Handschläge sein bei dem man das Handgelenk des Gegenübers greift. Ergreift er mein Handgelenk, so fasse auch ich zu und spreche: “So soll es denn sein, dass die Götter mir nicht nur einen Traum entsandten um meine Schwester im Geiste zu finden sondern mir zudem einen mächtigen Helfer zur Seite stellen. So mögen die Zwölfe und welche sonst noch über uns wachen, meine Zeugen sein, dass ich deine Hilfsbereitschaft dankbar annehme.”
Ich lasse ihm Gelegenheit etwas zu erwidern und halte seinen Arm danach vielleicht noch einen Augenblick länger fest, als eigentlich not täte.
Da ich ja leider mittlerweile leidlich Erfahrung mit dem Nächtigen in der Wüste habe, schlage ich mit Blick gen Himmel vor: “Vielleicht sollte ich noch etwas Brennbares auftreiben um das Feuer in Gang zu halten.”
Ich glaube ich wäre zu stolz ihn offen nach einem Platz in seinem Zelt zu fragen, aber sollte es sich fügen, dass wir die Ernsthaftigkeit der Lage und die Trostlosigkeit der Wüste durch das erneute ‘Tanzen’ miteinander etwas vergessen machen, so bin ich jedweder Koketterie gegenüber aufgeschlossen. Allein am Funkeln meiner Augen sollte er wohl in der Zwischenzeit bemerkt haben, dass ich ihn durchaus attraktiv finde …
“Ja, Dscheridan Wüstenwanderer, ich bin dankbar für diese Gelegenheit mich zu versichern, dass nicht durch Nachlässigkeit der Akademie ein Mensch in Gefahr geriet. Und falls doch, ist es für mich eine Sache der Ehre helfend zur Seite zu stehen!”
Er nickt bekräftigend und ergreift dein Handgelenk.
“So soll es denn sein, dass die Götter mir nicht nur einen Traum entsandten um meine Schwester im Geiste zu finden sondern mir zudem einen mächtigen Helfer zur Seite stellen. So mögen die Zwölfe und welche sonst noch über uns wachen, meine Zeugen sein, dass ich deine Hilfsbereitschaft dankbar annehme.” sprichst du. Seine dunklen Augen verengen sich kurz bei den “sonstigen Wächtern”, dann erwidert er: “Möge Hesinde uns mit wachem Blick segnen und Feqz unseren Fuß führen, so werden wir schon heil unten ankommen. Aber mach dir keine falschen Hoffnungen, allzu leicht werde ich es dir beim Lösen der Rätsel nicht machen, schließlich stehe ich doch vor einem Mann, der einen Sandsturm überlebt hat, nicht wahr?” stichelt er zurück.
Schließlich löst er seinen Händedruck, zu deiner Enttäuschung scheinbar ganz ohne deine kleine Verzögerung wahrgenommen zu haben.
Sodann schlägst du vor: “Vielleicht sollte ich noch etwas Brennbares auftreiben um das Feuer in Gang zu halten.”
Als Antwort grinst er großspurig. “Mach dir um das Brennholz keine Sorge, darum kümmert sich mein ‘Diener’” Er winkt dich um die Ecke, zur Außenbahn des Zeltes und weist auf einen Haufen brennbarer Gegenstände, die von trockenen Kaktusstücken bis ausgeblichenen dürren Ästen reichen. Just nähert sich, wie vom Wind herbeigeweht ein Büschel trockenes Wüstengras. “Zeige dich”, sprich Maruch mit herrischer Stimme, und die Luft beginnt zu flimmern. Ein kleiner Wirbelwind mit einem menschlichen Gesicht erscheint unter dem Büschel, und ein glockenhelles Stimmchen wispert “Ja?” Die Ähnlichkeit zu den Wesenheiten von heute Morgen ist unverkennbar. “Dies ist genug.” weist Maruch das Wesen an, “von nun an bis zum Aufgang der Praiosscheibe, wirst du jeweils nach Ablauf der Zeitspanne die du bräuchtest um von hier bis zu den hohen Bergen im FiruN zu fliegen, eins der Teile, die du hier angehäuft hast, in die Feuerschale werfen! Zeige, dass du verstanden hast!” Das Wesen verschwimmt wieder und das Grasbüschel weht ins Feuer und fängt an zu brennen. “Recht so. Bei Sonnenaufgang sei es dir dann frei zu gehen.”
Maruch wendet sich stolz zu dir. “Du siehst, wir brauchen uns nicht mit solchen Unannehmlichkeiten zu belasten. Mir wäre eher nach etwas Unterhaltung! Ich gebe zu, dass deine Anwesenheit mir eine willkommene Abwechslung zum einsamen Gegrübele und der Studiererei ist. Und da wir morgen ohnehin gemeinsam aufbrechen werden, lade ich dich ein, die Nacht an meinem Feuer zu verbringen. Zur morgigen Unternehmung ist alles gesagt, so können wir uns die Zeit bis dahin so angenehm wie möglich machen. Also falls du nicht zu erschöpft von deiner Reise bist, bleib noch ein wenig wach und trinke etwas Wein. Als dein Gastgeber werde ich mich um die angemessene Unterhaltung bemühen – mir kam da gerade eine Idee! Gib mir einen Moment der Vorbereitung und dann wollen wir sehen, ob ich dich nicht ein wenig zu beeindrucken vermag..” spricht er mit einem geheimnisvollen Grinsen.
Und während du dein Bündel öffnest und dir einen gemütlichen Sitz-/ Liegeplatz einrichtest, rumort der junge Magier in seiner Kiste. “Schließ die Augen,” verlangt er schließlich.
(wenn du mitmachst, lies einfach weiter, sonst bitte kommentar)
Rascheln, klappern, magisches Gemurmel, ein kurzes Aufwallen von Hitze, und schließlich ein “gut!”
Du öffnest die Augen. Rauch steigt aus einer kleinen Silbernen Schale aus. Dahinter kauert Maruch, das Gesicht in den Handflächen verborgen. Die Flammen des Feuers und das Licht der Mada lassen in der Dunkelheit seine Konturen rot und silbrig schimmern. Aus der zusammengekauerten Gestalt dringt eine Stimme: “Und nun verehrter Gast, ehrenwerter Reisender fern der Heimat, staune und erlebe die Magie der vollständigen Beherrschung des FEUERs!” Beim letzten Wort hebt er den Kopf, öffnet die Handflächen nach oben, und darüber erscheint eine Flamme. Es sind zwei kleine Flammen, die er über den Handflächen schwebend zunächst einige kreisen und hin und her wandern lässt. Dann nähert er beide Handflächen einander an, und die Flammen vereinen sich zu einer Kugel, gleichzeitig steht er aus der Hocke auf. Fast tänzerisch umkreist er den zuerst stätionären Feuerball. Dann gibt er einen Bewegungsimpuls und lässt die Kugel einen Arm hinauf “rollen”. Er hat sich seines Mantel entledigt und die Flammen wandern über seinen muskulösen Rücken hinüber auf die andere Seite und dort den Arm wieder hinunter. Wie ein geschicktes Kind mit seinem Ball, spielt Maruch mit seiner Flammenkugel, lässt sie immer schneller wandern, kreisen und hin und her springen. Seine Bewegungen werden dabei immer fließender und größer und auch die Flamme scheint größer zu werden. Dann greift er von irgendwo seinen Stab, und die Flammenkugel nimmt auf dessen Spitze Platz. Nun vollführt er immer weiter ausgreifende Kampfbewegungen, bei denen die Flammende Stabspitze eindrucksvolle Figuren in den dunkeln Nachthimmel malt. Am Höhepunkt der Choreografie stößer er den Flammenden Stab in den Himmel, wo die Flamme zerbirst und als Funkenregen über ihm herniedergeht. So steht der Magier einen Moment vor dir. Ein feiner Schleier aus Schweiß funkelt auf seiner Haut und seine Brust hebt und senkt sich schwer. In seinen Augen lodert es. Schließlich findet er seinen Atem wieder: “Willst du mehr?” bringt er mit brechender Stimme hervor, “dann nimm meine Hand!” – und er streckt dir diese entgegen.
Du ergreifst die Hand und er zieht dich zu sich hoch. Fast andächtig geleitet er dich neben die Feuerschale. Er legt noch einige Holzscheite nach. Dann stellt er sich dir gegenüber auf, nur ein schmaler Spalt trennt eure Körper voneinander. Ruhig legt er seine linke Hand auf deine rechte Schulter: “Bleib dicht bei mir. Dir wird nichts geschehen!” Dabei schaut er dir fast hypnotisch in die Augen. Er holt einen tiefen Atemzug, dann greift er blitzartig mit seiner rechten Hand nach deinem linken Handgelenk und stößt deine Hand in die Flammen. Du willst zurückzucken, doch Maruchs Hände halten dich fest. Erschrocken schreist du auf, aber dann erreicht dich die Erkenntnis, dass du gar keinen Schmerz verspürst. Von Maruchs Hand ausgehend kribbelt eine magische Kühle dein Handgelenk entlang, bis in die Fingerspitzen. Fasziniert beobachtest du, wie die Flammen um eure Hände lecken. Deutlich spürst du ihre Hitze, aber sie verbrennen dich nicht. Als er merkt, dass dein erster Schreck nachlässt, lockert Maruch den Griff um dein Handgelenk, hält dich aber mit dem linken Arm weiter dicht bei sich. Aufmerksam beobachtet er dein Gesicht, du siehst wie sich seine Lippen wispernd bewegen. Das Prickeln der Magie breitet sich weiter aus, wandert deinen Arm hinauf. Probeweise bewegst du deine Hand, drehst und wendest sie in den Flammen. Maruch lässt dein Handgelenk daraufhin ganz los. Die Magie bleibt und hüllt deinen Körper immer weiter ein. Tiefer und tiefer kannst du den Am in die Flammen tauchen bis du schließlich so von Magie umhüllt bist, dass du sicher bist, du könntest unbeschadet komplett in das Feuer hinein treten. Als du den Arm aus den Flammen zieht folgt ein Teil des Feuers und verharrt zwischen euren beiden Händen. Fragend blickt Maruch dich an, und als er in deinen Augen stille Zustimmung erkennt, lässt er mehr Flammen wandern. Sie springen aus der Schale und entflammen nach und nach eure Hand, den Arm, eure Körper. Das Feuer wandert über deine Kleidung, ohne sie zu versengen. Läuft über die Beine nach unten und hüllt euch immer weiter ein. Es ist ein irrwitziges Gefühl. Dein Herz klopft vor Aufregung und das Blut kocht in deinen Adern. Die Angst vor dem Feuer, der Triumph ihm unbeschadet zu trotzen, die tanzenden Flammen, die Hitze, die Sorge einem bis gestern noch Fremden vollständig wehrlos ausgeliefert zu sein, und gleichzeitig irgendetwas in seinem Blick, dass dich veranlasst dich ihm anzuvertrauen – all diese Gedanken und Gefühle wirbeln in sekundenschneller Abfolge durch dein Bewusstsein. Prasseln und knistern wie die Flammen, die euch inzwischen bis zur Brust einhüllen, und wild um euch wogen… Du fragst dich, ob du ertrinken wirst, wenn sie über euch zusammen schlagen? Nein, der Funkensturm wird dich mit nach oben reißen und du wirst zwischen den Sternen verglühen… Die Luft schmeckt nach Rauch. Die zusammenhängenden Gedanken versagen. Du bist eins mit dem Sturm. Tosend, wogend, verzehrend… Ganz nah sind sich eure Gesichter. Die Flammen lecken bereits nach euren Lippen, springen von seinen zu deinen… Tief versinkt dein Blick in den endlos schwarzen Augen. Dein Ankerpunkt im Wirbel der Flammen und Gefühle…
Da lässt der Magier unerwartet eine Hand sinken, und die Flammen tropfen von seinem Arm hinab zurück in die Feuerschale. “Wir sollten… jetzt… besser aufhören…”, bringt er mühsam hervor. Langsam verebbt die Gefühlsflut und so etwas wie Enttäuschung macht sich breit. Du bist klatschnass geschwitzt. Maruch wendet sich ab, schwankt zum Zelt und lässt sich schwer in die Kissen sinken. Dann setzt er den Weinschlauch an die Lippen und trinkt in großen Zügen. Dampf steigt von ihm auf.
Du selbst bist auch ganz schwindelig. Dir klappern die Zähne und gleichzeitig glüht dein Kopf. Als du wieder Herr deiner Glieder bist, suchst du in deinem Rucksack deinen Wasserschlauch, denn Maruch hat den Wein inzwischen geleert.
Fluchend lässt er den leeren Schlauch sinken und humpelt zu seiner Kiste. Aus einem Tiegel tupft er etwas auf seine Rippen – rötlich siehst du dort einen Kreis Brandblasen schimmern, etwa in Form und Größe des Diadems. “Was trägst du da für einen hinterhältigen Gegenstand bei dir?” presst er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. “Verflixxt, du hast nicht zufällig Verbandszeug dabei?” Er saugt die Luft zwischen den Lippen ein. Zwar bemüht er sich um einen angetäuschtes Lächeln, aber der Schmerz steht im deutlich ins Gesicht geschrieben. Dann verdrehen sich seine Augen und er kippt nach hinten über.
“Satuaria hilf!” entfährt es mir panisch.
“Maruch! MARUCH!” rufe ich, während ich mich über ihn beuge und ihm sacht Backpfeifen verpasse. Unabhängig davon ob er wieder zu sich kommt oder nicht, zerre ich ihn zurück zum Zelt und bette ihn auf sein Kissen.
“Du dreimal verfluchtes Mistding” zetere ich, zerre das Diadem aus der Tasche und bin drauf und dran es von mir zu werfen, besinne mich dann aber eines besseren und konzentriere mich wieder auf Maruch.
“Verbandszeug, wir brauchen Verbandszeug.” Eilig durchwühle ich nochmal seine Kiste, ob ich etwas finde, das helfen könnte. “Maruch, nun tu mir das doch nicht an … wenn ich eines ganz sicher nicht bin, dann ein Heiler.”
Da ich nichts Gescheites finde kehre ich zu ihm zurück. Unwillkürlich greife ich auf dem Weg von Kiste zu Maruch in meine Tasche und greife nach Birshens Geschenk. Ich nehme es aus der Tasche und lege es neben mich als ich mich wieder zu Maruch hocke. “Du wirst mir auch gerade nicht helfen, nehme ich an.” spreche ich den Gegenstand an, als erwarte ich eine Antwort. Sollte Maruch wieder bei Besinnung sein, wird er mich vermutlich für verrückt erklärt haben.
Wenn er nun wieder bei Bewusstsein ist, aber merklich schlimme Schmerzen hat oder wenn er noch immer besinnungslos ist, so schaue ich noch ein-, zweimal hin und her, so als ob eine Salbe vom Himmel fiele und seufze dann. Meine Verärgerung über den Ausgang dieser schönen Szene und die wilde Angst in mir so hilflos zu sein lässt in mir meine magische Kraft prickeln. “So sei es denn, siebenmal verflucht. Mutter hilf, ich habe keine Ahnung ob das funktioniert.”
Angewidert spucke ich in meine Hände und rotze mir so meine Verärgerung aus dem Kopf, weiß ich doch zumindest rudimentär um die heilende Wirkung von HEXENSPEICHEL. Dann reibe ich die Hände kurz aneinander und drücke Maruch dann meine Handflächen dorthin, wo eben die Brandblasen zu sehen waren (und bin mir nicht ganz sicher, ob ich mehr Ekel empfinde mir eben in die Hände gerotzt zu haben oder mich darüber freue Maruchs schönen Körper nun so unverhohlen berühren zu können). Ich bin selbst überrascht dass die astrale Kraft tatsächlich wie gewünscht in die Spucke übergeht und ich deutlich spüre wie die heilende Kraft meiner Zauberei aus meinen Händen auf Maruch übergeht.
[Da ich nur 2 TaP in dem Spruch habe, er mir mit 1 TaP* gelingt, ich aber glaube emotional ziemlich in Stimmung zu sein, könnte ich ihm spontan 4 Lebenspunkte schenken.]
Sollte sich die Situation so schon entspannen erwarte ich mal seine Reaktion. Ich habe ansonsten noch eine weitere (etwas absurde) Idee, was ich tun könnte. Falls er nun ruhig und erschöpft schläft schaue ich mir nun selbst ziemlich ermattet erstmal in Ruhe Birshens Geschenk an, dass ich ja eben schon in Händen hielt.
Auf dein Rütteln und tätscheln hin öffnet Maruch zwar die Augen, scheint aber nicht richtig zu sich zu kommen. Sein Blick ist fiebrig und geht irgendwie durch dich hindurch. Sein Körper ist überwärmt, er atmet flach und schnell.
Auf dem nackten Oberkörper, Spiegelbildlich zu der Tasche in der du das Diadem hattest, prangen hässliche Brandblasen und werden bestimmt eine Narbe hinterlassen. Als du ihn auf sein Lager zerrst, stöhnt er auf. Wimmernd sinkt er in die Kissen, während du verzweifelt seine (tatsächlich bis gerade eben vorbildlich aufgeräumte Kiste) durchwühlst. Du findest Bücher, Schreibzeug, Magierroben, in Halteschlaufen befestigte Gläser, die in Bosparano beschriftet sind, keiner deren Inhalte dir aber nach Brandsalbe oder etwas anderem dir bekanntem nützlichen aussieht. Dein Ohnmachtsgefühl und deine Verzweiflung wachsen und so suchst du in deinen Taschen. Birshens Geschenk ist in ein Stück Tuch eingeschlagen. Als du es neben Maruch auf den Boden stellst und öffnest, findest du darin eine zwei Handteller durchmessende, flache Schüssel aus silbrig glänzendem Metall, einen sehr kleinen, gefüllten Wasserschlauch und einen Zettel mit der Aufschrift “Madas Spiegel, für meinen begierigen Schüler”. Du lächelst kurz bei der Erinnerung an euer Bad im Mondlicht, dann stellst die Schüssel an die Seite und blickst wieder zu Maruch, der inzwischen die Augen wieder geschlossen hat. Schweiß steht auf seiner Stirn. Kurzentschlossen besprenkelst du sein Gesicht mit etwas von dem Quellwasser. Er öffnet die Augen, und du schickst ein stummes Danke an Satuaria. Mit glasigem Blick schaut er dich an… “Meister? Verzeiht, ich habe versagt….. Ich … Schmerz.. zu groß.” Stöhnend hält er seine Seite. Sein Blick flackert. Das genügt dir. Du holst tief Luft: “So sei es denn, siebenmal verflucht. Mutter hilf, ich habe keine Ahnung ob das funktioniert.”
Du spuckst in deine Hände und lässt sie dann über die verbrannte Haut gleiten. Du spürst das Fließen der Magie, und voller Genugtuung beobachtest du, wie die aufgeplatzen Stellen sich wieder schließen, und das hässliche rosa Fleisch wieder zu ebenmäßig gebräunter Haut wird. Du empfindest Stolz, diesen hübschen Körper von der Entstellung befreit zu haben und lässt deine Hände zur Belohnung noch ein kleines bisschen weiter über seine Rundungen gleiten, auch wenn das Prickeln der Magie bereits nachlässt. Wie weich seine Haut ist… Maruchs Gesichtszüge entspannen sich sichtlich. “Danke!” nuschelt er. Dann versucht er sich aufzusetzen. “Natürlich werde ich es sofort noch einmal probieren, Meister!” Er spricht in dem leicht lallenden Tonfall eines Mannes, der soeben einen kompletten Weinschlauch geleert hat.
Etwas härter als eigentlich geplant lässt du deine Hand auf seine Wange klatschen: “Nichts wirst du! Komm erstmal zu dir! Ich bin nicht dein Meister!” Maruch blickt dich leicht irritiert an, sein Blick wird nun etwas klarer. “Kanns aber zuschlagen wie er. Aber nein, warte, du bis ja viel su jung, um Magisder Dunsaban su sein… und zu hübsch noch obendrein!” er grinst scheel. “Du gefälls mir, und.. und.. und warte mal, irgendwoher kenn ich dich doch?”
J
Oh je. Der gute Maruch scheint ganz schön einen in der Krone zu haben, hat sich aber von der Verletzung durch das Artefakt einigermaßen erholt und keine starken Schmerzen mehr zu haben. Und nun? Möchtest du in irgendeiner Form Vorteil aus der Situation schlagen, oder steckst du den heiteren Studiosus schnell ins Bett? Solltest du vorhaben dich weiter mit ihm zu unterhalten, gestehe ich dir zu, dass von den nächsten 5 Fragen, die du stellt, mindestens drei mit unverhüllter Ehrlichkeit beantwortet werden (ich sag aber nicht welche…)
Tatsächlich bette ich Maruch erstmal bequem auf sein Lager. Das Feuer spendet uns ja ein wenig Wärme, so dass ich nicht für nötig halte ihn zu sehr zudecken. Dabei gehe ich zunächst auf sein etwas sinnloses, weintrunkenes Geplapper in der Form ein mich ein wenig über ihn lustig zu machen und weniger ihn bewusst auszuhorchen: “Woher kommst du eigentlich gebürtig, dass du so wenig verträgst? Gehört das Studium des Alkohols nicht in eine Magierakademie? Hast du eigentlich Geschwister, Maruch? Vertragen die mehr als du oder sind die auch so empfindsam?” Sicherlich gibt es noch weitere Fragen zu seinem Hintergrund, die ich stellen würde, wenn er durch sein Gefasel eine Möglichkeit bietet. Wenn er dann so daliegt und weg dämmert kann ich nicht an mich halten und lasse meine Hand nochmal über seinen Oberkörper gleiten. Streiche sanft an seiner Seite entlang, mache eine Wende um seine Brustwarze herum und fahre dann die definierte Linie zwischen den Brustmuskeln, den oberen Bauchmuskeln bis zum Bauchnabel und den darunter liegenden Partien herab. Dann halte ich aber inne. Nein, das wäre fürwahr Verschwendung und kein sehr lustiges Spiel. Ohnehin wird es deutlich amüsanter sein ein reines Gewissen zu haben und ihn im dunkeln darüber zu lassen, was wirklich passiert ist. Nämlich gar nichts. “Sage einmal, Magister Maruch. Hast du schon die Bettstatt eines anderen Mannes geteilt?” raune ich ihm dann mehr zu, als dass ich es sage.
Sollte er bei seinen Erzählungen Weiteres über seine Akademie und seinen Lehrmeister berichten kann es gut sein, dass ich schon eher reagiere. Wenn nicht, lasse ich mich genüsslich auf eines seiner Kissen senken, liege dicht bei ihm und lasse den seltsamen Verlauf des Nachmittages und Abends in Gedanken Revue passieren, als ich noch einmal erschrocken hochfahre: “Maruch, wie sagtest du gleich war der Name deines Lehrers? Maruch? Hallo? Wie heißt dein Lehrer mit vollem Namen, sprich?” Sollte denn das Schicksal wollen, dass ich hier einem Schüler desjenigen begegne, der das Artekfakt gefertigt hat? Und was wenn dieser Dunchaban seinen Schüler ebenso verdorben hat wie er selbst sein muss. Satuaria hilf!
Zunächst aber die Stimme der Meisterin …
„He, hüte deine Zunge, du unwürdiger Wurm!“ entgegnet Maruch als ihm deine Sticheleien zu viel werden, und du weißt für einen Augenblick nicht einzuschätzen, wie ernst das gemeint ist – dann blickt er dich jedoch mit einem übertrieben durchbohrenden Blick in gespielter Erbostheit an. „Ich werde dir jetz ma sagen, wen du hier vor dir haschd, dann wird sich dein lästerliches Maul wohl schließen! Ich bin Maruch, Schüler des Dunchaban, Jahrgangsbesder und ersder unter den Studiosi der Pentagramm-Akademie zu Rashdul! Schüzling un ganzer Stolz des Großwesirs bersönlich! Un wennich der Akabemie im nächsten Mond meine djeniale Thesis sur emelendaren Manibulasion bräsentiert habe, werde ich Magisder Maruch sein, jawoll, unnd dann wirst du nich mehr so hässliche Sachen über mich sagen, sonst – hups“ er ist bei seiner schwungvollen Rede langsam aufgestanden und reckt dir torkelnd einen erhobenen Finger entgegen. Dabei verliert er jedoch das Gleichgewicht und landet unsanft wieder auf dem Boden. Verdattert guckt er dich an: „Na gut, du has recht, ich bin betrunken! Wasn eigendlich passiert? Mein Kopf fühld sich so leer an. Habe ich suviel gezaubert? … es fälld mir schwer, mich su erinnern“ brabbelt Maruch, während du ihn sanft zu seinem Lager begleitest. Du kniest dich neben ihn, bettest seinen Oberkörper etwas aufgerichtet in die Kissen. Seine Miene spiegelt jetzt eher Ratlosigkeit und Verwirrung wieder. Um ihn auf andere Gedanken zu bringen fragst du: “ Erinnere dich doch erstmal an was leichtes: Woher kommst du gebürtig und hast du Geschwister, Maruch?“ Hier scheinst du allerdings einen wunden Punkt getroffen zu haben, denn er schaut dich fast erschrocken an: „Keine Geschwister, meine Mutter ist jung gestorben.“ bringt er schließlich mit einem Schlucken hervor. Und als er in dein mitfühlendes Gesicht blickt fängt er plötzlich an zu erzählen: „Ich lebte mit meinen Eltern auf einem kleinen Gut. Mein Vater war ein fleißiger Weinbauer und meine Mutter wunderschön und klug. Eines Tages aber, ich war gerade 10 Sommer alt, änderte sich alles. Irgendein Kalif führte Krieg gegen seinen Nachbarstamm, und hier kam ein Trupp hungriger kampftrunkener Soldaten an unserem Hof vorbei. Sie fielen über uns her wie die Heuschrecken. Plünderten unsere Vorräte, tranken unseren Wein und machten sich einen Spaß daraus Fässer zu zerschmettern und Möbel umzuwerfen. Wir hatten uns auf dem Hof zusammengedrängt. Keiner wagte es ihnen Einhalt zu gebieten. Schließlich trat meine Mutter vor. Sie baute sich vor dem Anführer auf und wies ihn zurecht, im Namen der Götter seine Männer zur Vernunft zu bringen. Doch der lachte nur höhnisch. Ob sie nicht gelernt habe, wo der Platz einer Frau sei, dann werde er ihr das mal zeigen. Er packte sie im Nacken und mit seinem Säbel zerschnitt er ihr Kleid. Dann knallte er sie auf ein Weinfass und warf sich auf sie. Mein Vater stand einfach nur da und betete. Seine Frau wurde vor seinen Augen geschändet und er ließ es geschehen ohne einen Finger zu rühren. Ich war so wütend. So verzweifelt. Ich fing laut an zu schreien. So laut und so lang, dass die Geister der Erde ein Erbarmen mit mir hatten, sich der Boden auftat und den Anführer verschlang. Ich schrie immer weiter. Türmte Erdwälle auf. Bis die anderen die Flucht ergriffen. Meine Mutter habe ich nicht retten können. Sie starb kurz darauf an ihren Verletzungen und ihrer Schmach. Mit meinem Vater sprach kein Wort mehr. Ich konnte seinen Anblick nicht ertragen. Sofort nach dem Begräbnis verließ ich den Hof. Ich habe mir geschworen, niemals so schwach und feige zu sein, wie er…“ er verstummt. Er hat schnell gesprochen, fast ohne Betonung, als müsste die Geschichte aus ihm heraus, bevor er es sich ander überlegt. Jetzt atmet er heftig, fängt er an zu husten und hält sich die schmerzende Seite. Du reichst ihm deinen Wasserschlauch. Er trinkt. Er sieht dich an. Eure Augen haben eine Verbindung, die weiter geht als den bloßen Austausch von Blicken. „Das hab ich noch niemals jemandem erzählt…“ flüstert er, und seine Miene ist eine Mischung aus Unsicherheit, Verletzlichkeit und Verwunderung. Da dir keine groß genügenden Worte einfallen wollen, schließt du ihn einfach fest in den Arm. Er schmiegt sich an dich, zieht dich zu sich hinab, lässt die Berührung geschehen, ohne sich zu sperren. Einige Minuten liegt still nebeneinander. Er weint nicht, aber du spürst wie sich sein Atem langsam beruhigt. Dann schüttelt ihn erneut der Husten. Ihr löst euch voneinander.
„Du solltest dich jetzt ausruhen.“ beschließt du, und bleibst noch ein bisschen neben ihm liegen.
„du bist so nett su mir…“ lächelt er schwach, lässt sich dann aber dankbar zurücksinken und schließt die Augen. Seine Züge entspannen sich, als die Erschöpfung ihn zu übermannen beginnt.
Ganz sachte streichelst du seinen Körper. Sanft fährst du an seiner Seite entlang, machst eine Wende um seine Brustwarze herum und spürst den Konturen seiner Muskeln nach. Als dein Finger weiter nach unten wandern will, bremst du dich. Dies wäre tatsächlich nicht der geeignete Zeitpunkt. Stattdessen betrachtest nochmal das nun entspannte Gesicht im Schein der sanft flackernen Flammen. Müde und Abgekämpft sieht er aus, aber auch irgendwie zufrieden. Eine Frage schwirrt dir durch den Kopf “Sage einmal, Magister Maruch. Hast du schon die Bettstatt eines anderen Mannes geteilt?” noch bevor du sie aussprechen kannst, öffnet er noch einmal kurz die Augen: „So jemand wie du ist mir noch nie begegnet, Dscheridan…“ Und schon ist er eingeschlafen.
Überwältigt bleibst du zurück. Nach und nach lässt du die Ereignisse des Abends Revue passieren.
Als sich Namen und Ortsangaben zusammenfügen, schreckst du hoch: “Maruch, wie sagtest du gleich war der Name deines Lehrers? Maruch? Hallo? Wie heißt dein Lehrer mit vollem Namen, sprich?” Doch der Magier ruht inzwischen fest in Borons Armen, und außer einem lauten Schnarchen kannst du ihm keine Antwort entlocken.
Da dir der Gedanke aber keine Ruhe lässt und dich zunehmend beunruhigt beschließt du noch einmal an die Kiste des Magiers zu gehen. Vielleicht lässt sich hier die Bestätigung deiner schrecklichen Vermutung finden. Mit fliegenden Fingern greifst du nach dem Schreibpult und beginnst die vollgeschriebenen Seiten zu durchblättern. Tatsächlich musst du nicht lange suchen: Das Deckblatt des Manuskripts an dem Maruch scheinbar gerade arbeitet trägt den Titel „de artificiosae tractationes omnis elementis“ und bereits auf der Umschlaginnenseite wirst du fündig. Dort steht in geschwungenen Buchstaben: Diese Arbeit ist gewidmet meinem Gönner Dunchaban ibn Feruzef, dem ich Alles verdanke und der mich lehrte über meine Grenzen hinaus zu wachsen.
“Dunchaban ibn Feruzef” Ich ziehe scharf die Luft ein. Beinahe bin ich versucht die Studien in der Luft zu zerreißen, besinne mich dann aber eines besseren. Sorgsam packe ich Maruchs Kiste wieder ein. In meinem Kopf echoen die mahnenden Worte meiner Großmutter. Beherrsche deine Gefühle und mache sie dir zum Werkzeug. Einen hysterischen Lacher kann ich nicht unterdrücken, meinen Wunsch laut zu brüllen unterdrücke ich aber, recke mich hoch und schreie stumm gen Himmel. Dann atme ich tief durch und lasse mich schwer neben Maruch sinken und schlage meinen Wams etwas enger. Wie einfach und gleichsam kompliziert auf einmal alles ist.
Ich versuche meine Gedanken zu sortieren: Wie fern doch alles ist … wie in einem anderen Leben kommt mir jener Abend vor an dem ich Larissia kennenlernte. Für die Wesira von Rashdul hielt sie sich, verzaubert durch ein Artekfakt von eben diesem Dunchaban, der Magister der Magierakademie von Rashdul ist. Und irgendwie mischt der Großwesir auch noch mit … und nun liege ich hier neben diesem so spannenden Mann, der zufällig ein guter Freund unserer möglichen Feinde ist. Und da soll man nun seine Gefühle im Griff haben.
Ich denke noch lange nach und finde kaum in den Schlaf … vermutlich übermannt mich irgendann dann doch die Erschöpfung. Ich beschließe zunächst mein neu gewonnenes Wissen für mich zu behalten. Tanzen wir also weiter … und schauen, was der Dschinni für uns bereit hält … wenn nicht doch alles anders kommt …