Mit deinem Stecken bewaffnet und Eikiko in der Tasche triffst du Lorian am Tor des Gehöfts. Hane steht neben ihm und macht ein etwas besorgtes Gesicht.
„ … gute Menschen. Aber vernünftig seid ihr deshalb noch lang nicht. Ihr müsst uns nicht beschützen, wir können recht gut auf uns allein aufpassen!“
„Hane! Gibt es ein Problem?“ fragst du möglichst unverbindlich.
„Ach eigentlich nicht. Mir gefällt der Gedanke nicht, dass ihr zwei allein in ein Lager voller Räuber schleicht und für uns den Kopf hinhaltet.“
„Ach, hast du das von Ethel? Sie übertreibt. Das Lager war verlassen und eigentlich ist es nur unsere Neugierde und weniger die Sorge um euch, die uns nochmal dort hintreibt.“ Du kicherst albern. „Verzeih meine Ehrlichkeit, Hane. Mir kommt es bereits vor, als ob wir euch schon ewig kennen würden, und nicht erst seit gestern Vormittag.“
„Nun ja, wenn es denn so ist … Hesinde schenkt uns einen freien Willen. Und schließlich habe ich ja nicht über euer Tun zu entscheiden.“
„Keine Sorge, wir sind zügig wieder hier und dann helfe ich dir beim Dach.“ setzt Lorian noch hinzu und macht Anstalten zu gehen. Du schenkst Hane noch ein Lächeln und eilst Lorian hinterher. An deinem Augenaufschlag musst du noch ein wenig üben, aber ansonsten klappt das mit dem Betören ja mal gar nicht so schlecht.
Keine halbe Stunde später habt ihr euch hinter einem Busch ein Stück entfernt vom Lager versteckt. Kaum das ihr außer Sichtweite des Gehöfts wart, hast du Lorian mit auf deinen Stab gebeten und schnell wie der Wind seid ihr zum Ort des Geschehens geflogen. Eikiko indes zeigte euch den Weg.
Nebelschwaden hängen noch immer zwischen den Bäumen, dort wo das Licht der Morgensonne diese gespenstischen Gebilde nicht vertreiben konnte. Es herrscht eine beklemmende Stille, so als hätten die Wesen des Waldes die Luft angehalten, ob der schlimmen Dinge, die sich hier letzte Nacht zugetragen haben. Das du gestern Nacht munter und furchtlos diesen Wald nach Kräutern durchstrichen hast, erscheint dir in diesem Augenblick mehr als befremdlich. Vielleicht ist es aber auch nur die Erwartung dessen, was ihr im Lager finden werdet, die alles so bedrohlich erscheinen lässt.
„Dort vorne muss es sein. Kiko, bleib jetzt bei mir und versteck dich, ich bin mir nicht sicher, ob es dort nicht vielleicht etwas ungemütlich wird.“
„Hmm, so still wie das hier ist, kann ich mir das kaum vorstellen. Diese Ruhe würde einem Boron-Tempel zur Ehre gereichen.“ raunt Lorian sichtlich angespannt.
Geduckt schleicht ihr näher heran [Teil mir bitte das Ergebnis einer Schleichen-Probe mit]. Vorsichtig bahnt ihr euch einen Weg von Deckung zu Deckung, stets in der Erwartung einen lauten Alarm-Ruf aus Richtung eures Zieles zu hören.
Doch nichts dergleichen passiert. Ihr habt euch hinter eine hohe Hecke geduckt, unweit des Gebüsches, das euch vergangene Nacht als Schutz diente und könnt im Dunst des Morgens folgende Szenerie erkennen (natürlich konntet ihr einige Details auch schon beim Heranschleichen erahnen):
Der Platz wird dominiert von einem großen Hügel, dessen Silhouette sich im Nebel abzeichnet. Du weißt, was das sein muss, denn es gemahnt in seinen Umrissen an den Körper eines großen Menschen. Die Wegelagerer haben also über das Monstrum gesiegt, so scheint es. Unweit des Leibes erkennt man eine in einen Baum geschlagene, riesige Axt. Der Griff zeigt einem Finger gleich in den Himmel. Unwillkürlich lässt du deinen Blick in eben die gezeigte Richtung wandern, aber natürlich ist dort nichts als dunstiger, bläulicher Himmel.
Dort wo gestern die Feuerstelle gewesen ist, zeugt nur noch der Kranz aus Steinen von der wärmenden Glut. Nah an der Feuerstelle liegen Menschen. Ob sie tot sind oder nur schlafen, kannst du nicht sagen. Überhaupt erheben sich überall im niedrigen Gras der Lichtung kleine Hügel, die sich erst beim zweiten Hinsehen als Schlafende oder Tote entpuppen. Das hier ist kein Lager, das ist ein Kriegsschauplatz!
[Bei allem was du tun könntest um mehr zu erkennen, musst du deine Deckung verlassen! Außerdem will ich nicht unerwähnt lassen, dass sich bei dir ein unbestimmtes und nur sehr vages Gefühl des Beobachtet-Werdens einstellt. Möglicherweise nur ein Trugschluss deiner überreizten Sinne, deren Vertrauenswürdigkeit gerade sehr unter dem Schlafmangel leidet.]
Schleichenprobe: 0 TaP* (gelungen aber alle verbraucht)
Oh je. Ich weiß gar nicht warum wir hierhin zurückgekehrt sind. Plötzlich kommt mir mein großer starker Lorian gar nicht mehr so groß und stark vor… Wie schön wäre es jetzt eine Rotte mit Mistgabeln bewaffneter Bauern im Rücken zu wissen… Warum wollte ich denn bloß schon wieder alles alleine machen … wenn ich mich wenigstens auch ein bisschen auf Ohr gelegt hätte wäre ich jetzt wohl nicht so entscheidungsunfreudig… Aber ich war so fest davon überzeugt gewesen, dass dieses Ungetüm die paar Wegelagerer schon aufreiben würde, so wie er gestern getobt hat… Wie auch immer. Irgendjemand hier hat bestimmt überlebt und kann wahrscheinlich eine Heilerin gebrauchen. Und so wende ich mich Lorian zu und flüstere, auch wenn ein Teil von mir diese mir tiefverwurzelten Heilerreflexe grade verflucht: „Warte hier. Ich gebe mich zu erkennen und sehe ob ich irgendjemandem hier helfen kann. Wenn irgendetwas schief läuft und mir was passiert, und es zu viele sind, läufst du zurück zum Hof und holst die Männer, einverstanden?“
Eindringlich schaue ich ihn an und trete dann ohne eine Antwort abzuwarten hinter der Hecke hervor (und schicke ein inneres Stoßgebet zu Satuaria, dass Lorian in der Deckung bleibt und im Ernstfall ganz gut selbst abwägen kann aus welcher Situation er mich selbst retten kann und in welcher er besser Hilfe holt…)
Vorsichtig nähere ich mich der nächstliegenden Gestalt und beuge mich über sie (dabei versuche ich innerlich wachsam zu bleiben, ob mir gleich jemand von der Seite entgegenspringt), widme mich dann aber ganz der Untersuchung.