Als du gerade zu einer Erwiderung ansetzen willst, gellt plötzlich ein schriller Schrei über den Platz. Das eben noch so ulkige Chaos verwandelt sich von einem Lidschlag auf den anderen in ein Gewimmel wilder Panik. Eine Gruppe auf großen Tieren sitzender Männer (Zentauren nicht ganz unähnlich) kommt in wilder Hatz auf den Platz geprescht und reitet jeden nieder, der nicht rechtzeitig aus dem Weg springen kann. Voller Entsetzen musst du beobachten, wie einige der Gestalten mit großen, gefährlichen Messern auf die Herumstehenden einhacken und diese damit teils schwer verletzen.
Wie grauenhaft denkst du noch, als Preidan dich wieder am Arm packt. „Er will dass du mit ihm gehst. Tu das lieber, das hier ist ja ganz und gar nicht lustig.“ kommentiert der Kobold, ehe er sich lautlos entmaterialisiert.
Gemeinsam eilt ihr über den Platz. Mehrmals wechselt Preidan unvermittelt die Richtung und schaut sich hektisch um. Ihr müsst aufpassen von Flüchtenden nicht einfach überrannt zu werden.
Da schubst dich Preidan etwas grob einige Treppenstufen herab, die vor einer Tür enden. Ihr duckt euch in diese Grube (über deren Funktion du gerade nicht nachdenken möchtest) und beobachtet von hier aus das Geschehen.
Das ist fürwahr überhaupt nicht lustig! Was sind denn das für schreckliche Kerle?! Da bleibt einem ja jeder Spaß im Halse stecken. Ich verstehe das alles nicht. Nichtsdestoweniger bin ich wild entschlossen irgendetwas zu tun um diesem Treiben ein Ende zu setzen. Ich verlasse unsere Deckung, drehe dem zuvorderst reitenden Kerl eine Nase und denke an einen ganz heftigen Schluckauf (Schabernack gelungen). Wäre doch gelacht, wenn ihn das nicht wenigstens ein bisschen aus dem Konzept brächte. Bei wildgewordenen Biestingern funktionierte das jedenfalls früher schonmal ganz gut, erinnere ich mich an einen Vorfall aus der Feenwelt.
Deine Schelmerei scheint sofort Wirkung zu zeigen, macht der Mann doch einen arg irritierten Eindruck, hält inne und beginnt mit dem für einen Schluckauf so typischen Zucken. Du vermeinst außerdem die typischen Hickse eines Schluckaufs zu hören. Unglücklicherweise hat der Kerl dich wohl bei deiner Aktion beobachtet, denn er hält auf euch zu. Du duckst dich zurück in die Grube, doch zu spät. In gehässig klingendem Tonfall, rhythmisch durchsetzt von Hicksen, redet der bärtige Mann mit dem weiten, dunkelgrauen Mantel von seinem Reittier aus auf euch ein. Preidans Hand indes krallt deinen Oberarm immer fester und zieht dich an sich heran.
Gerade zeigt euer Gegenüber mit der Spitze seines langen Messers auf euch, als sich sein Reittier erschrocken auf die Hinterbeine stellt und den Reiter abwirft. Du meinst aus dem Augenwinkel eine kleine Gestalt vor dem Reittier gesehen zu haben. Das würde erklären, wer für die erneute Wendung der Ereignisse verantwortlich ist.
Du willst eben die Gelegenheit ergreifen, die Beine in die Hand nehmen und dich mit Preidan davonstehlen, als dieser sich mit einem wütenden Schrei auf den am Boden Liegenden stürzt und mit hämmernden Fäusten wild auf ihn einprügelt. Das war jetzt nicht so ganz das, was du dir als Reaktion vorgestellt hattest. Haben denn wohl alle Menschen diesen unnötigen Hang zur Brutalität?
Preidan hat vor allem überhaupt keine Chance gegen die bullige Gestalt. Denn kaum hat Letzterer den ersten Schrecken überwunden, schüttelt er – trotz seines heftigen Schluckaufs – Preidan einfach von sich ab. Nach einem kurzen Gerangel liegt jetzt Preidan mit blutender Nase auf dem Rücken und sieht sich mit dem Messer an der Kehle konfrontiert.
Das geht nun wirklich zu weit! Beinahe panisch starre ich auf die Waffe und zwinkere mehrmals heftig. Das Messer bleibt wo es ist. Vor lauter Aufregung will mir mein Zauber einfach nicht gelingen. Mir fällt nichts Besseres ein, als mich auf den Mann zu stürzen und wie Preidan mit Fäusten auf ihn einzuprügeln. Freilich will ich ihn nicht bös verletzen, aber zumindest soll er von Preidan ablassen. Der sieht schon ramponiert genug aus.
Mit dem Mut der Verzweiflung springst du dem Mann Huckepack auf den Rücken. Du trommelst ihm auf seinem kahl rasierten Schädel herum, ziehst ihm an den Ohren und kneifst du ihm von hinten kräftig in die Nase. Der Mann flucht und schimpft in der dir unverständlichen Sprache und versucht dich abzuschütteln. Er dreht sich im Kreis, lässt die Waffe fallen und greift nach dir. Mit den Beinen krallst du dich in seiner Hüfte fest und verdrehst ihm ordentlich seine Ohren. Das alles geht unheimlich schnell und bei seinem wilden Tanz verlierst du komplett die Orientierung. So bekommst du gar nicht genau mit, wie es eigentlich passiert, aber offenbar hat dein neues ‚Reittier‘ die Grube mit den Stufen übersehen, in der ihr euch eben noch versteckt hattet. Jedenfalls tritt der garstige Kerl ins Leere, taumelt, dreht sich abermals im Kreis und läuft dann unkontrolliert die Stufen herab und mit Schwung mit dem Kopf voran gegen die hölzerne Tür unten in der Grube. Das hat gesessen. Der Kerl bricht bewusstlos unter dir zusammen.
Du musst einen Augenblick verschnaufen, ehe du dich mit den Worten „So große Kerle müssen aber auch immer mit dem Kopf durch die Wand“ von seinem Rücken erhebst und umwendest. Zeitgleich mit eurer kleinen Rangelei hat eine zweite Gruppe in eiserner, blank polierter Kleidung gewandete Menschen den Platz betreten und treibt die Berittenen mit ganz seltsamen, langstieligen Äxten zurück. Die Unholde nehmen Reißaus. Derweil widmen immer mehr der Umher stehenden eurer kleinen Szene ihre Aufmerksamkeit. Auch Preidan hat sich mühsam wieder aufgerichtet und wischt sich die blutende Nase am Unterarm ab. Die Traube an Menschen wird immer Größer, die Leute zeigen auf dich und schauen dich ungläubig an. Dann beginnt einer zu klatschen. Immer mehr steigen in das Klatschen mit ein. Einige der Leute jubeln und die Mienen erhellen sich. Du verstehst die Welt nicht mehr. Natürlich hat der böse Mann mal ein paar Schläge auf den Kopf verdient, aber dass ausgerechnet DAS die Leute begeistern könnte findest du doch mehr als eigentümlich. Preidan kommt zu dir herunter, klopft dir auf die Schulter und sagt: „Heldin!“
Ich schaue Preidan ganz verunsichert an: „Was ‚Heldin‘?“ Mir ist das alles zu hoch. Na ja, die Leute klatschen, so will ich mich also wenigstens für ihre Anerkennung bedanken und verbeuge mich brav in verschiedene Richtungen. ‚Heldin‘ … ein komisches Wort.
Durch die Menge drängt sich einer der in Metall gehüllten Männer und reicht dir freundschaftlich die Hand entgegen. Als du sie ergreifst zieht er dich aus der Grube zu sich hoch. Auch er klopft dir wie Preidan auf die Schulter, redet lustig schwatzend auf dich ein und schiebt dich gleichzeitig sanft aber bestimmt in eine Richtung. Als du dich umschaust siehst du Preidan, der hinter dir hergeht und dir aufmunternd zunickt. Ziemlich lädiert schaut er aus, scheint sich an seinen Wunden aber nicht weiter zu stören. Zwei weitere Metallmänner helfen indes deinem Gegner auf. Du bist glücklich, dass du ihn offenbar nicht dramatisch verletzt hast und ihm geholfen wird. Du entspannst dich langsam ein bisschen und hast das unbestimmte Gefühl, dass hier gerade etwas Gutes passiert ist. Die Leute freuen sich mit dir und für dich. Die Traube an Menschen begleitet euch jedenfalls und immer wieder schütteln dir wildfremde Männer und Frauen die Hand.
Von deinem Begleiter, dem Metallmann, wirst du zu einer Behausung geführt, die zu deiner großen Freude im oberen Bereich bunt bemalt und sehr schön mit Weinlaub bewachsen ist. Über dem Eingang prangt eine Holzschnitzerei in Form eines Wildschweines. Eine rundliche Frau mit rosigen Wangen und einer besonders geschmacklosen weißen Haube hält euch die Tür auf. Hinter euch sprechen die Leute im Chor. Es sind Sätze in denen dein Name und dieses seltsame Wort vorkommen. „Hoch, hoch, hoch lebe Saria unsere Heldin.“
Während dein Begleiter dich ins Innere führt, lächelst du einfach weiter freundlich und harrst gespannt der Dinge die da kommen mögen.