Du robbst so leise du kannst durch den Sand und schiebst dich langsam die Düne hinauf. Die Stimmen sind sehr leise und noch vermagst du den Wortlaut nicht zu verstehen, aus der Stimmung erkennst du aber eine Art geflüsterte Meinungsverschiedenheit. Es scheinen nicht mehr als 2 Stimmen zu sein die sich da ein Wortgefecht liefern, die eine lauter, die andere leiser und beschwichtigend. Je näher du kommst desto mehr Einzelheiten fallen dir auf. Es scheint Tulamidya zu sein, was da gesprochen wird und die zeternde Stimme gehört definitiv einer Frau „alles voller Sand“ und „keine Lust durch diese elende Wüste zu laufen“ meinst du zu verstehen. Du hast fast den Kamm der Düne erreicht und lugst vorsichtig darüber. Richtig – zwei Gestalten, kein Zweifel, ein Mann und eine Frau. Beide sind gerade kaum bekleidet, sie scheinen sich umzuziehen, wenn du die Kleiderbündel rechts und links neben ihnen im spärlichen Licht richtig zu deuten vermagst. Es handelt sich um zwei Tulamiden mit mittelbrauner Haut. Er ist recht durchschnittlich und weist keine besonderen Merkmale auf, auf ihr verweilt dein Blick deutlich länger. Ihr glattes schwarzes Haar umschmeichelt die sehr rahjagefälligen Kurven ihrer Hüften, und ihre Bewegungen fließen geschmeidig wie bei einer Katze. Die Art und Weise, wie sie sich Kleidungsstücke und Schmuck anlegt und dabei immer wieder das Haar über die Schultern wirft, wirkt fast wie ein anmutiger Tanz…
Möchtest du zunächst weiter beobachten oder drängt es dich irgendetwas zu tun? Die beiden scheinen fürs erste mit sich beschäftigt. Der Mann wirft ab und zu einen Blick in Richtung Lager – aus deiner Richtung scheint er keine Überraschung zu erwarten.
Nun bin ich vollend verwirrt. Zunächst habe ich noch den Eindruck die zwei bei einem nächtlichen Stelldichein „erwischt“ zu haben, doch irgendwie erscheint mir dieser Eindruck nach kurzer Beobachtung irgendwie falsch zu sein. Ich beobachte zunächst weiter. Vornehmlich möchte ich wissen, ob ich diese Zwei hier, vor allem den Mann aus unserer Karawane kenne. Vielleicht kommt mir seine Stimme ja bekannt vor. Und ich möchte wissen, in was für Kleider sie sich hüllen. Verkleiden sie sich gar als Novadi? Was geht hier bloß Absonderliches vor sich.
Ich harre also weiter der Dinge die da kommen und ärgere mich ganz besonders darüber einmal mehr zu impulsiv gehandelt zu haben. Nun liegt mein Flugholz großartig versteckt hinter dem Busch. Genau dort, wo ich es am besten gebrauchen kann. Ich beiße mir auf die Zunge, einen Fluch herunterzuschlucken und beobachte …
Du schiebst deinen Kopf noch etwas weiter über den Dünenkamm in der Hoffnung, die Stimme des Mannes besser hören zu können. Du verfluchst den elenden Wind, der dir ständig im Ohr rauscht. Auch das prickeln des Sandes auf deiner Haut empfindest du längst nicht mehr als angenehm, sondern als sehr lästig. Du kannst ihn immernoch nicht deutlich verstehen, aber irgendetwas an der Farbe seiner Stimme kommt dir bekannt vor. Er redet besänftigend auf seine Begleiterin ein und tatsächlich scheint die temperamentvolle Schönheit sich etwas zu beruhigen, als er ihr offensichtlich ein Kompliment über ihr Aussehen gemacht hat. Einige Atemzüge lang befürchtest du nun doch noch Zeuge eines Stelldicheins zu werden, als er ihr einen neckenden Klaps auf den Po gibt und sie ihn daraufhin dicht zu sich zieht. Aber nach einem innigen Kuss scheinen sich die Beiden eines besseren zu besinnen und setzen das Anlegen der Kleidung fort.
Sie kleidet sich in ein züchtiges Reisekleid in kräftigem Rot, welches ihre weiblichen Reize zwar anständig bedeckt, trotzdem figurbetont unterstreicht. Ihr Haar flicht sie, nachdem sie es kräftig durchgekämmt hat zu zwei Zöpfen, welche sie hochlegt und unter einer Kappe verbirgt. Er trägt ein auffälliges mehrfarbiges tulamidisches Gewand mit einem aufgestickten kopfstehenden Elefanten. Kettchen mit klingenden Metallplättchen und die farbenfrohe Zusammenstellung ihrer Kleidungsstücke weisen die beiden als Angehörige des fahrenden Volks aus. DIESE Leute hast du in eurem Lager bestimmt noch nicht gesehen. Allerdings fällt dein Blick nachdenklich auf den Kleiderhaufen den die Beiden zurücklassen – dies könnten durchaus die weiten Gewänder und Schleier von zwei Novadi sein… Die beiden haben jeder ein Bündel dabei, welches sie noch einmal auf Vollständigkeit prüfen. Die abgelegte Kleidung lassen sie zurück, schultern ihre Säckel und beginnen in westliche Richtung loszulaufen. Dieser Weg führt sie vom Lager weg, weiter am Fuße des Khoram entlang.
Mein Geduldsfaden um diese ganze Geheimniskrämerei und solch seltsame Vorkommnisse ist bei der Feststellung, dass diese zwei Gestalten nun einfach so davon marschieren, endgültig gerissen. Sofern ich nur einigermaßen den Eindruck habe, dass ich durch lautes Rufen und Schreien das gesamte Lager auf uns aufmerksam mache, springe ich nun auf, verlasse meine Deckung und mache den Mann und die Frau in normaler Lautstärke auf mich aufmerksam: „Ey, ihr zwei da. Es ist wenig schicklich in solch finserer Nacht um das Lager einer Karawane herumzuschleichen. Nennt mir eure Namen und das Woher und Wohin eurer Wanderschaft, dann sehe ich vielleicht davon ab euch direkt in Ketten legen zu lassen.“
Der Unmut über meine Situation und den bisherigen Ablauf überflügeln meine Angst und meine Vorsicht derzeit noch, mal sehen was weiter passiert und ob ich mein Tun in Kürze erneut bereue.
Du denkst zumindest den Wachen im Lager könnte ein sehr lauter Ruf auffallen, je nachdem wie stark und wohin der Wind gerade weht. (Ich habe aber richtig verstanden: du möchtest zunächst lieber nicht vom Lager aus gehört werden.)
Du erhebst aus deinem Versteck und richtest dich auf. Dabei fällt dir auf, dass du in den letzten Minuten unbewusst dass Diadem in deinen Händen hin und her gewendet hast. Dabei hast du Blut und Raubtierspeichel über deine Handflächen verteilt. Irritiert steckst du es wieder in dein Gewand und reinigst deine Hände notdürftig mit Sand: „Ey, ihr zwei da. Es ist wenig schicklich in solch finsterer Nacht um das Lager einer Karawane herumzuschleichen. Nennt mir eure Namen und das Woher und Wohin eurer Wanderschaft, dann sehe ich vielleicht davon ab euch direkt in Ketten legen zu lassen.“
Die beiden bleiben überrascht stehen. Sie wenden sich zu dir um. Ihre Gesichter kommen dir nicht bekannt vor. Sie tauschen einen Blick miteinander, der dir den Eindruck vermittelt, dass sie sich gerade im Stillen einigen wollen, was sie dir erzählen.
Mit einer Stimme wie Samt und Seide richtet die Frau das Wort an dich: „Verehrter Fremder…“ Da fällt ihr der Mann schon ins Wort: „… unsere Namen sind Ismeth und Ismene, wir sind fahrende (oder zur Zeit eher gehende) Künster und Musikanten. Wir sind unterwegs zur Oase El Karram um dort ein wenig für Belustigung zu sorgen.“ Er mustert dich, deinen Waquif und deine blutverkrusteten Hände. „und wie Ihr seht, oh Sohn der Tapferkeit, sind wir gänzlich unbewaffnet, und es ist überhaupt nicht nötig uns in Ketten legen zu lassen – tragen wir doch derer bereits genug…“ Er schlackert lässig mit seinem schellenbehängten Fuß. Sein Tonfall mag zwar vordergründig freundlich und harmlos klingen, jedoch entdeckt dein geschultes Ohr zwischen seinen Worten eine herablassende Arroganz, die dir irgendwie bekannt vorkommt. Einen Moment horchst du in dich hinein und dann erinnerst du dich. Der Akzent jetzt ist zwar gänzlich anders und du hättest schwören können diesen Mann (der der Klangfarbe nach aus Punin zu kommen scheint) vorher nie gesehen zu haben, doch dieser seltsam deplazierte Humor ist eindeutig der selbe, mit dem Selo gestern behauptete sein Begleiter sei zwar stumm aber nicht taub. Jetzt wo du beginnst die Täuschung zu durchschauen fällt dir auch auf, das Selos eindeutigstes Erkennungsmerkmal – ein langer dunkler Bart – bei diesem Gesellen zwar fehlt, aber vielleicht gerade deshalb Teil dessen Erscheinungsbild war. Du würdest darauf wetten, ihn bei dem Kleiderhäufchen, oder im Bündel des Burschen zu finden zu können. Dem Rest seines Gesichtes hattest du dank des Bartes gar nicht allzu viel Aufmerksamkeit gewidmet wird dir jetzt klar. Tja und die Frau? Von der Größe her könnte sie durchaus der stumme Novadi sein, der ja ohnehin stets vollverschleiert war.
Möchtest du das Possenspiel zunächst fortsetzen, oder treibt dich deine Wut direkt zur Konfrontation?
Fürwahr, ich habe genug von diesem Possenspiel. Ich spüre schon wie meine Wut über meine gesamte Situation und diese zwei Fremden und deren unbekannte Absichten hier ein kaltes Prickeln und Knistern astraler Energie aufzulösen beginnt. Ich denke kurz an das Gelernte und werde meinen Zorn einzusetzen wissen, wenn diese Zwei hier jetzt etwas unbedachtes tun.
Die sprungbereite Spannung meines gesamten Körpers dürfte den zwei Wanderern nicht entgehen als ich Selo den Satz beenden lasse und ihm dann das weitere Wort abschneide: „Genug Ismeth! Oder sollte ich dich lieber Selo nennen? Wie sagtest du gestern so trefflich: Ich bin zwar stumm aber nicht blind? Oder war es andersherum? Wie auch immer, gleiches gilt für mich. Glaubst du vielleicht dein alberner Tand täuscht über deine Person hinweg? Was wird hier also gespielt? Sprich es ruhig gerade heraus, ich bin ganz Ohr! Was hat euch dazu bewegt den armen Omar zuerst in Ungnade fallen zu lassen und dann so mir nichts dir nicht eurer Wege zu ziehen?“
Der angesprochene klappt den Mund zu, wieder auf, und dann erneut zu. Sein Gesichtsausdruck entschädigt dich zumindest ein wenig für die Unbill der vergangenen Tage. Ein wütendes Funkeln zieht über seine Augen hinweg, dann bekommt er seine Gesichtszüge wieder unter Kontrolle und er lächelt dich demütig an. Seine Körperhaltung hat sich auch unmerklich verändert, etwas von der „darstellerischen Spannung“ ist abgefallen: „Du hast ein scharfes Auge, Dscheridan. Einem Beobachter wie dir kann man wohl nichts vormachen…“ er zuckt die Schultern: „Gut. So will ich dir reinen Wein einschenken. Unsere Namen sind tatsächlich Ismeth und Ismene. Wir sind Darsteller der schönen Künste, und auf dem Weg nach El Karram, wie ich bereits eben darlegte. Auf Reisen wählen wir gerne die Verkleidung des Selo und seines stummen Begleiter, da es für meine Schwester sonst oft zu – Scherereien – kommt, wenn du verstehst was ich meine.“ Dabei vollführt er eine vage Geste, die wohl die körperlichen Vorzüge seiner Begleiterin umschreiben soll. „Es ist für eine so schöne, unverheiratete Frau nicht leicht auf Reisen, insbesondere nicht unter diesen Wüstensöhnen.“ Das letze Wort spuckt er verächtlich aus. „Wie dem auch sei, nach den Vorfällen der letzten Nacht ist es uns in der Reisegesellschaft nicht mehr geheuer, und da der Karawanenführer gesagt hatte es sei nun nur noch einen halben Tagesmarsch bis El Karram, beschlossen wir uns Phex anzuvertrauen und das letzte Stück des Weges auf eigene Faust zurück zu legen.“
Während Ismeth spricht, taxiere ich seine „Schwester“. Sollte ich zu dem Enschluss kommen, dass sie wirklich seine Schwester sein könnte, hänge ich mich wieder an seine Lippen. Ich merke wie mich seine Rede leicht verunsichert. Was er erzählt ist jedenfalls nicht vollkommen unsinnig. Wäre ihre Verkleidung innerhalb der Gruppe aufgeflogen, so hätten sie sich in jedem Fall verdächtig gemacht.
Was ich allerdings gerade überhaupt nicht verstehe ist das Verschwinden des Diadems und das Auftauchen dieses Geparden.
„Sich Phex anzuvertrauen bringt manchmal den unliebsamen Effekt mit sich, dass der Schattenhafte einem höchst selbst ein Schnippchen schlägt. So stehe ich nun hier und finde euch zwei, erwische euch in flagranti, wie ihr euch davonstehlt wie zwei lausige Diebe. Und das, nachdem gestern ein wichtiges Schmuckstück entwendet wurde. Was also glaubt ihr, ist wohl meine Schlussfolgerung? So wie ich das sehe habt ihr euch in gleicher Weise verdächtig gemacht, wie es Omar getan hat. So halte ich es nur für gerecht, wenn ihr euch in gleicher Weise vor dem Khadi verantwortet wie Omar dies tun muss. Oder aber ihr zaubert euch etwas aus den Falten eurer bunten Gewänder, dass mir hilft den wahren Täter zu finden!“
Du musterst das seltsame Duo mit zusammengekniffenen Augen… Beinahe bist du geneigt Ismeth seine Geschichte abzukaufen, da fällt dir der innige Kuss wieder ein, den du vorhin beobachtet hast. Das war jedenfalls mehr als reine Geschwisterliebe. Ganz die Wahrheit scheint man dir also immer noch nicht zu erzählen. Irgendwas kommt dir an diesem Ismeth nach wie vor fadenscheinig vor… Wer glaubt er eigentlich zu sein, dass er dich ein ums andere Mal zum Narren zu halten sucht! Wütend zischt du ihn also an:
„Sich Phex anzuvertrauen bringt manchmal den unliebsamen Effekt mit sich, dass der Schattenhafte einem höchst selbst ein Schnippchen schlägt. So stehe ich nun hier und finde euch zwei, erwische euch in flagranti, wie ihr euch davonstehlt wie zwei lausige Diebe. Und das, nachdem gestern ein wichtiges Schmuckstück entwendet wurde. Was also glaubt ihr, ist wohl meine Schlussfolgerung? So wie ich das sehe habt ihr euch in gleicher Weise verdächtig gemacht, wie es Omar getan hat. So halte ich es nur für gerecht, wenn ihr euch in gleicher Weise vor dem Khadi verantwortet wie Omar dies tun muss. Oder aber ihr zaubert euch etwas aus den Falten eurer bunten Gewänder, dass mir hilft den wahren Täter zu finden!“
Wie um deine Rede zu unterstreichen braust in dem Moment eine Windböe auf und peitscht euch allen eine ordentliche Prise feinen Khom-Sand ins Gesicht.
Der folgende Augenblick zieht sich vor deinem inneren Auge in die Länge, als mehrere Dinge fast zeitgleich geschehen:
Du realisierst, dass du nicht nur, wie du glaubtest, deine Hand in einer wütenden Gebärde auf die beiden gerichtet hast, sondern schon wieder unbewusst das Diadem aus deinem Gewand gezogen hast, und damit den beiden vor der Nase herumwedelst.
Du meinst ein begieriges Glitzern in Ismeths Augen zu entdecken, als sein Blick auf das Geschmeide fällt.
Der Wind reißt ein Loch in die Wolkendecke und der Schein des schwindenden Madamals fällt auf den schwarzen Kristall des Diadems. Ein eisiger Schmerz durchzuckt deine, das Schmuckstück umschließende, Hand, und mit einem Aufschrei lässt du das Ding fallen. Der Schmerz hat dich aber auch intuitiv deine Kräfte fließen lassen, und als du deine Augen erschrocken aufreißt entdeckst du das vertraute Gleißen der astralen Adern Sumus. Von dem Diadem geht ein rasch verblassender unheilvoller lila Glanz aus. Aber etwas anderes fängt deinen Blick ein: Über deine Handfläche zieht sich, silbrig wie eine Narbe glänzend, ein genauer Abdruck der filigranen Muster des Metalls.
Das Diadem purzelt zu Boden und reflexartig streckt Ismeth seine Hände vor und versucht es zu ergreifen. Sein Griff verfehlt, doch das Öffnen seiner Hand dauerte lange genug, dass du auf seiner Handinnenfläche etwas bemerken konntest – auch diese ziert der selbe Abdruck, nur ist der Glanz bereits verblasst und es handelt sich eher um ein schwarzes Fehlen der sonst alles durchdringenden Leuchtkraft. Blitzartig stellst du deinen Fuß auf das Schmuckstück, und greifst nach Ismeths Hand.
Bitte zieh dir 4 ASP (für den gelungenen Odem Arcanum und oder einen magischen Schaden, den dir das Diadem zugefügt hat) ab.
Zunächst bin ich durch die schnelle Abfolge an überraschenden Ereignissen total perplex und begreife gar nicht recht was ich da sehe. Als die Erkenntnis dann endlich in mir aufsteigt lodert mit ihr heiße Wut in mir auf. Abermals kann ich den intuitiven Fluss der Energie nicht kontrollieren und die eben noch auf meiner Haut prickelnde astrale Energie strömt in meine Finger und ergießt sich in meine Fingerkuppen. „Du mieser kleiner Lügner, du lausiger Dieb“ grolle ich, als ich seinen Arm so fest halte, wie ich das eben vermag und sich meine wachsenden Fingernägel in seine Haut und dann die Handgelenke graben (HEXENKRALLEN gelungen). Das Gefühl von Triumph der Katze, die ihre Maus gefangen hat, lässt ein gehässiges Lächeln meine Lippen umspielen, als ich merke das die Feuchtigkeit seines Blutes den Arm herabrinnt. Laut rufe ich „Wachen!! Wachen!!“ und gehe fest davon aus, dass mich jemand hören wird.
Die Hexenkrallen werden mir eine Spielrunde, damit also 10 Minuten zur Verfügung stehen und ich zögere nicht sie brutal einzusetzen, sollte das notwendig werden. Über alles was gerade passiert ist, kann ich auch später noch nachdenken.
„I—i—ich? Dieb?“ stammelt Ismeth noch verwirrt als du nach seiner Hand greifst, sind Gebrabbel verebbt aber in ein entsetztes Schweigen, als er deine Entschlossenheit spürt, und wandelt sich dann in ein gepeinigtes Kreischen, als sich deine Klauen in sein Fleisch bohren: „Was ist – was tust – auuaaaa…“ Sein Körper windet sich in dem fast groteskem Versuch sich deinem Griff zu entwinden ohne dabei seinen Arm zu bewegen, und seine Augen sind ungläubig auf die Umklammerung gerichtet. Du kostest den Moment des Triumphes glückseelig aus. Soll er bluten. Soll er winseln. Dieser elende Possenreißer hat sich den Falschen gesucht, um Menschen zum Narren zu halten. Tief holst du Luft und rufst nach den Wachen. Dein Ruf verklingt im Brausen des lebhafter gewordenen Windes. Um sicher zu gehen, dass der Wind dich nicht übertönt hat, rufst du noch ein zweites Mal. Dann tritt Ismene neben euch. Sie war eurem Gespräch aufmerksam gefolgt, scheint aber in der raschen Abfolge der Ereignisse auch etwas den Überblick verloren zu haben. Besorgt blickt sie auf ihren „Bruder“ hinab, der verstummt ist und gekrümmt in deiner Umklammerung hängt, und als sie deine Krallen erblickt, ist es nun sie, die hysterisch zu schreien beginn: „Bei allen Göttern! Dschinni!!! Lass ihn los, du… du.. du Sheitan!“ Du genießt auch ihren panikerfüllten Blick für einen Moment, und sonnst dich in deiner Überlegenheit. Dann tritt sie unerwartet nach deinen Beinen. Sie hält gebührenden Abstand zu deinen Klauen und bewegt sich mit artistischer Gewandheit. Ihr Tritt tut dir nicht wirklich weh, lenkt dich aber lange genug ab, dass es Ismeth gelingt, sich mit seiner freien Hand irgendwie deines Waquifs zu bemächtigen, mit dem er dich nun ungeschickt bedroht.
Dir stehen nun zwei offensichtlich ungeübte, aber zu allem entschlossene Kämpfer gegenüber. Dementsprechend gestaltet sich auch das nun losbrechende Handgemenge. Ismeth schlägt ein paarmal halbherzig nach dir, aber da er aufs schärfste Bedacht ist, nicht wieder in die Reichweite deiner Klauen zu kommen landet er keinen Treffer. Ismene wiederum hat sich inzwischen eine Hand voll Sand gegriffen und schleudert ihn dir ins Gesicht. Wütend, wie eine Katze der man auf den Schwanz getreten hat, verteilst du nach rechts und links mit deinen Klauen beherzte Hiebe, aber durch die Sand bist du gezwungen kurzfristig blind zu agieren und was den beiden an Kampferfahrung fehlt machen sie durch akrobatische Geschicklichkeit wett.
Das oberste Ziel der Beiden scheint es zu sein, sich aus dem Staub zu machen, was wiederum du mit vollem Körpereinsatz zu verhindern trachtest. So entsteht ein skurriles Wechselspiel aus aufrappeln, rennen, umgeworfen werden und jeder Menge schmutziger Tricks, und du kannst dir den herablassenden Kommentar nur lebhaft vorstellen, den dein ehemaliger Waffenmeister für solch eine „Rangelei“ übrige gehabt hätte. Glücklicherweise scheint keiner der beiden gewillt, ohne den anderen davonzulaufen, und so reicht es, dass du immer einen beschäftigt hältst, um die Flucht zu vereiteln.
Als dir langsam die Puste ausgeht, naht endlich die ersehnte Verstärkung. „Dscheridan, Dscheridan, wo bist du?“ hörst du Larissias Stimme von nicht allzuweit her. Kurz darauf springt sie behende von deinem Flugbrett und landet auf dem völlig überraschten Ismeth, den sie mit ihrem Gewicht am Boden festnagelt und sogleich entwaffnet. Nun gelingt es auch dir Ismenes habhaft zu werden, und du bohrst ihr drohend deine Klauen in die Seiten. „Du solltest dich jetzt besser nicht bewegen!“ fauchst du ihr zu.
Und weiter?
„Bei Phex, bin ich froh dich zu sehen. Aber auch keinen Moment zu früh möchte ich sagen.“ rufe ich Larissia zu. „Legen wir den zwei Halunken Fesseln an und schleppen sie ins Lager. Du wirst nicht glauben, wen wir hier aufgegriffen haben.“ erkläre ich ihr dann als ich noch einmal meine Finger gefährlich in Ismenes Seiten bohre und sie in Richtung des Kleiderhaufens schubse.