Garvin nickt auf deine Frage hin und ihr macht euch auf den Weg, nicht ohne euch noch einmal auf eurem Lagerplatz umzusehen, ob ihr auch nichts liegengelassen habt. Du führst Garvin an, hast du doch eine relativ gute Ahnung, wo das Lager sich befindet. Du bist begierig darauf den Ort des Geschehens anzuschauen und schreitest ordentlich aus. Also du zweimal etwas unschlüssig wirst, in welche Richtung ihr weitergehen müsst, deutet euch Garvin die Richtung und so habt ihr bald jenen Schauplatz gefunden, der so beredt still da liegt. Als ihr die Lichtung betretet scheucht ihr einige Vögel auf, die sich an den Leichen gütlich getan haben und Garvin schlägt ein Boronsrad vor der Brust. Du empfindest seinen Respekt vor diesen Toten hier geheuchelt, hast aber gerade jetzt keine Lust weiter über diese ganze Widersinnigkeit nachzudenken.
Die Lichtung hat sich in den vergangenen drei Stunden, da du sie passiert hattest, nicht verändert. Durch den weiter anhaltenden Nieselregen ist die Wiese nun sehr matschig, aber immerhin ist der süßliche Gestank etwas aus der Luft heraus gewaschen.
Die Toten lässt du zunächst links liegen und versuchst sie so gut es geht zu ignorieren, während du zielstrebig auf die Feuerstelle zugehst. Asche, Holzreste und Erde haben sich zusammen mit dem Regen in einen grauen zähen Brei verwandelt. Unschlüssig schaust du den runden Tümpel, das ehemalige Lagerfeuer an. Auf den ersten Blick erkennst du nichts weiter, hockst dich dann aber hin und stützt dich auf einem der großen Steine ab, die den Kreis begrenzen. Und da! Dort zwischen zwei verrußten Stümpfen ragt beinahe unsichtbar, wenn man nicht bewusst danach schaut, etwas heraus, das dir auf den ersten Blick wie ein weiteres Scheit Brennholz erscheint, auf den zweiten Blick hier und da aber metallisch schimmert.
Du holst es zwischen den anderen Scheiten hervor und hältst tatsächlich einen schlammverschmutzen, angesengten metallischen Gegenstand in Händen. Wie von Garvin beschrieben ist der Behälter etwas kürzer als der Stil eines kleinen Hammers und jemand mit großen Händen könnte ihn wohl knapp umfassen. Bedeutungslose und wenig kreative rankende Ornamente schmücken die Capsule. Die Enden laufen halbkugelförmig zu. Ein Öffnungsmechanismus oder ein Schloss ist nicht zu erkennen. Im Großen und Ganzen ist der Behälter glatt.
Du schaust von der Capsule auf in Garvins aufgeregt funkelnde Augen.
„Und das ist jetzt dieser wahnsinnig wichtige Gegenstand für den Lebewesen sterben mussten?“ fragst du fassungslos und beginnst den Schlamm und den Ruß vom Gegenstand abzuwischen um herauszufinden, wie man die Capsule eigentlich öffnet. Garvin schaut dir weiter starr, doch sichtlich angespannt, zu.
Als du den Behälter einigermaßen gereinigt hast, hast du noch immer kein Schlüsselloch entdeckt. Einzig ein dünner Spalt in der Mitte zieht sich um die Capsule herum. Vermutlich lässt sie sich irgendwie in der Mitte aufklappen. Deine Versuche an beiden Seiten zu zerren sind allerdings nicht von Erfolg gekrönt. „Soll ich es einmal versuchen? Vielleicht ist sie durch die Hitze verbogen“ schlägt Garvin vor und selbst etwas aufgeregt überreichst du ihm schweigend euren Fund. Nach kurzem Ausprobieren zieht er kräftig an beiden Enden und mit einem seltsam klingenden Ton reißt er die Capsule scheinbar mitten entzwei. Da seine Arme dabei unkontrolliert und heftig auseinander fliegen fällt dir der Inhalt, ein eingerolltes Stück Pergament, Mitten vor die Füße.
Du hebst es auf und rollst es spitzfingrig auseinander. Worte stehen dort über die gesamte Höhe des Blattes verteilt. Über mehrere Zeilen erstrecken sich jeweils zwei oder drei Wörter, dann folgen ganze, deutlich kleiner geschriebene Sätze, die dann wieder von Zweier- oder Dreierpaaren abgelöst werden. Das ist jedenfalls der Eindruck, den du mit deinen doch sehr eingeschränkten Lesefertigkeiten vom Schriftbild bekommst.
„Und?“ fragt Garvin ganz aufgeregt. „Was steht da?“ Dabei schaut er dich so erwartungsvoll an, dass du nicht darauf hoffst, dass er selbst des Lesens mächtig ist.
Verflixt… Angestrengt beiße ich mir auf die Lippen. Ich durchforste mein Gedächtnis, nach den Buchstaben, die ich bereits gelernt habe, aber B-A-U-M hilft mir jetzt wohl nicht weiter. Gelingt es mir eventuell das erste oder letzte Wort mir zusammenzureimen? Ansonsten lasse ich das Blatt sinken und starr Garvin ratlos an. „Ich kann noch nicht so gut lesen…“ hauche ich mutlos. Gibt es auf dem Blatt sonst irgendetwas mit dem Garvin oder ich etwas anfangen kann? Ein Bild, ein Siegel, eine Zeichnung? Wahrscheinlich hätte sich das Siegel aber an der Außenseite befunden und ist im Feuer zerstört worden…
Dein größtes Problem ist, dass die Schrift sehr – ja du würdest vielleicht sagen – künstlerisch wirkt. Die Buchstaben sind mit großer Kunst auf das Papier gemalt und durch den scheinbar ergänzten Zierrat für dich noch schwerer auszumachen. Auf jeden Fall sind aber Buchstaben dabei die du kennst. Einen Sinn bekommst du in die Wörter allerdings nicht. Dir kommt auch keines der Wortbilder bekannt vor, was natürlich nur wenig heißen muss. Dich verwirren vor allem die kurzen Zeilen mit den jeweils zwei Worten. Wobei du auch da nicht mit Bestimmtheit sagen kannst ob die Worte wirklich jeweils dort aufhören, wo du ihr Ende vermutest.
Ansonsten ist das Blatt leider schmucklos. Ein Siegel gibt es nicht oder es ist, wie du schon vermutet hast, weg geschmolzen. Bisschen wächsern fühlt sich die Rückseite stellenweise schon an.
Bilder hat das Pergament auch keine. Auch nichts, was du als Zeichnung statt Wort erkennen könntest.
Ich seufze. Ich zucke mit den Achseln. Es scheint der letzte Wunsch eines sterbenden Mannes gewesen zu sein, dies zu verhindern, aber mir fällt kein Weg ein, wie ich erfahren könnte, was auf diesem Zettel steht. Also rolle ich das Blatt wieder ein und stopfe es zurück in den Behälter. Ich blicke Garvin an und sage: „es scheint, wir sollten das zu deinem Hauptmann bringen…“ Mein Tonfall verrät, dass ich nicht ganz sicher bin, ob das die richtige Entscheidung ist. Während wir uns dann auf den Weg machen, werden aber meiner Schritte fester und auch meine Beklommenheit fällt etwas von mir ab. Zwar ist mir der Hauptmann mitsammt seiner Soldatentruppe zuwieder, aber immerhin halte ich nun das in der Hand, was ihn hoffentlich dazu bewegen wird, von hier zu verschwinden, und die Menschen in dem Gehöft in Frieden zu lassen. Und was die Buße an der Trollwitwe angeht – ich habe vor meinem Ärger deutliche Worte zu verleihen. Was braucht es einen komplizierten Plan mit erfundenen Krankheiten. Alles in allem entspricht mir der direkte Weg viel mehr als all diese Heimlichtuerei (auch wenn ich damit die alte Dara sicherlich beeindrucken würde…). Was den letzten Wunsch des Norbaden angeht – ich weiß ja von ihm überhaupt nichts. Soviel ich weiß war er ein Dieb und Wegelagerer… Und was soll so ein Stück Papier überhaupt schon großes Bewegen können… So spreche ich mir selbst Entschlossenheit zu, auf dem Weg zurück in die Höhle des Löwen… Eigentlich freue ich mich schon auf das Gesicht des Hauptmanns – hätte er doch einfach gleich freundlich gefragt – und wäre er vor allem offen und ehrlich zu mir gewesen – vielleicht hätte er das Ding schon längst in den Händen gehabt.
Dann erinnere ich mich an meinen Streit mit Garvin vorhin und bleibe abrupt stehen. „Er wird mir nicht glauben, nicht wahr?“ drehe ich mich zu Garvin um, „so wie du vorhin, wird er denken ich habe das Behältnis extra vor euch verborgen. Was meinst du, wird er tun, wenn er die Capsule hat?“
Garvin versucht deinem fragenden Blick Stand zu halten, dann aber verengen sich seine Pupillen, seine Augen zucken nervös hin und her und abrupt schaut er beiseite: „Ich … also … Hauptmann Weidenfeller … er …“ Dann strafft er sich, räuspert sich kurz, blickt dich wieder an und meint: „Das Kriegshandwerk ist selten schön Mirya. Und es macht Menschen … grausam. Ich … ich weiß nicht was er tun wird, wenn er die Capsule hat.“
Du kannst seine Körperhaltung nicht ganz deuten. Ist das ehrliche Betroffenheit? Du weißt es nicht. So langsam weißt du einfach gar nichts mehr und zum ersten Mal in deinem Leben wünschst du dich zurück in die Hütte im Wald. Zurück zur alten Rauma, bei der alles noch so einfach war.
„Ich mache dir einen Vorschlag Mirya“ reißt dich Garvin aus deinen Gedanken.
„Gib mir die Capsule.“
Du traust deinen Ohren nicht und machst einen entsprechenden Gesichtsausdruck.
„Das ist mein voller Ernst. Verbirg dich hier im Wald. Ich sage, ich habe dich erschlagen beim Versuch mir zu entkommen als du die Capsule aus deinem Versteck geholt hast. Vielleicht ziehen wir dann einfach davon. Ich glaube der Blutdurst unseres Hauptmannes ist gestillt. Er wird der Bauernfamilie schon nichts tun.“
Es ist für dich unmöglich zu sagen, ob dir Garvin gerade die größte Lüge seines Lebens erzählt und nur vor seinem Hauptmann glänzen will, oder ob er dir ehrlich helfen möchte.
Hier kannst du dich nur auf dein Bauchgefühl verlassen um zu entscheiden, ob du die Fäden lieber selbst in der Hand behalten willst oder ob du ihm vertraust und dem Schicksal eine eigene Chance einräumst, diese Geschichte für die Bauern glimpflich ausgehen zu lassen.
Unbewusst umklammere ich bei seinen Worten die Capsule noch etwas fester. Ich habe sie, und ich werde sie auch dem Hauptmann bringen, das wird mir bei seinen Worten nun endgültig klar. Auf gar keinen Fall möchte ich darauf verzichten möglicherweise eine Antwort darauf zu bekommen, was an einem Stück Papier so wichtig sein kann, dass so viele Menschen (und Trolle) dafür sterben mussten.
Ich lächle Garvin schief an: „Das ist ein… rührendes Angebot. Aber ich habe vor eurem Hauptmann noch ein paar Fragen zu stellen. Wenn er mir danach den Kopf abreißen möchte, bekommst du möglicherweise noch genug Gelegenheit dich für mich einzusetzen.“
Ohne weiter zu Zögern stapfe ich dann wieder ins Lager zurück. Erneut ist mein Bestreben nicht wie eine Gefangene, sondern wie ein Gast auszusehen, der begleitet wird.
So gut ich kann halte ich an meinem Selbstbewusstsein und Optimismus fest, bis ich vor Hauptmann Weidenfellers Zelt stehe. Dort warte ich, bis Garvin mich angemeldet hat oder was auch immer. Die ganze Zeit über klammere ich mich an meinen Stecken und spreche mir innerlich Mut zu. Ich bin hier, damit dieser Spuk ein Ende nimmt. Damit dieser grausame Trupp Soldaten von hier verschwinden kann, weil er bekommen hat, wonach er gesucht hat. Und weil jemand dem Hauptmann die Stirn bieten sollte, und ihn darauf aufmerksam machen, dass sein Vorgehen brutal und unmenschlich ist.
Während ich vor dem Eingang warte lasse ich noch einmal unser letztes Gespräch revue passieren: „nach getaner Arbeit unterhalten wir uns weiter“… Lass uns also das Gespräch in „aller Freundschaft“ weiterführen, Herr Hauptmann.
Den Verlauf des Dialogs schreibe ich gerne wieder in schnellen posts mit dir hin und her, so es denn überhaupt dazu kommen sollte.
Mein Einstieg in das Gespräch soll freundlich klingen. Ich werde den Hauptmann höflich begrüßen, ihm berichten, dass es den Kranken im Lazarett mittlerweile bestimmt schon besser geht, und dann erzählen, dass mir auf der Kräutersuche ein Einfall kam, was einer der Sterbenden zu mir gesagt hat. Darauf hin bin ich dieser Eingebung sofort gefolgt und halte nun in der Hand, was ich für den Gegenstand halte, den er so verzweifelt sucht – vorsichtig fördere ich die Capsule zutage. Wie es dann weitergeht, weißt nur du 😉 Ich werde es dem Hauptmann überreichen und möglicherweise wenn sich die erste Aufregung gelegt hat höflich fragen, um was es sich dabei eigentlich handelt.
Wie beim Verinnerlichen der Buchstaben oder dem erlernen deiner Zauberei sagst du dir immer wieder vor, dass du einen Plan hast und diesen verfolgen wirst, egal was da komme. Und tatsächlich erreicht ihr wie geplant das Dorf und steht vor dem Zelt des Hauptmannes.
„Hauptmann? Fräulein Mirya ist zurück und hat euch etwas mitge … zu sagen“ kündigt dich Garvin an und hält dir zugleich die Zeltplane auf.
„Hauptmann Weidenfeller! Die Götter zum Gruße. Danke dass ihr mich empfangt. Wie ihr vorhin sagtet wollten wir unser Gespräch nach getaner Arbeit weiterführen. In aller Freundschaft. Nun, die Arbeit ist getan, die Verwundeten sind versorgt“ sprichst du ihn an. Für deinen Geschmack ein wenig zu hektisch, aber besser will es dir nicht gelingen. Du atmest durch und konzentrierst dich darauf, etwas entspannter da zu stehen. Du lockerst minimal den Griff um deinen Stecken, den dein fester Griff schon entzwei gebrochen hätte, würde die magische Salbe ihn nicht unzerstörbar machen. Seine Aufmerksamkeit hast du aber ganz offensichtlich, denn er schaut dich erwartungsvoll an.
„Und eben beim Kräutersammeln kam mir der Einfall, was einer der Sterbenden zu mir gesagt hat. Daraufhin bin ich dieser Eingebung sofort gefolgt und halte nun in der Hand, was ich für den Gegenstand halte, den Ihr so verzweifelt sucht.“
Nach einer dramatischen Pause förderst du vorsichtig, und ob deiner Nervosität etwas ungeschickt, die Capsule zutage. Dessen Augen weiten sich kurzzeitig vor erstaunen, verengen sich dann zu einer Grimasse des Misstrauens, als du die Capsule auf den Tisch vor ihm hinlegst und einen Schritt zurück machst. Jetzt ist er es, der sich sichtlich anspannt, dann aber die Beherrschung widergewinnt und sein beredtes Schweigen mit einer Maske der Neutralität überzieht. Er ergreift die Capsule, dreht sie ohne Nachfragen auf und schüttet das Schriftstück heraus auf den Tisch. Als das Schriftstück herausfällt kannst du abermals beobachten, wie sein Gesicht preisgibt, dass es hinter seiner Stirn arbeitet.
„Darf ich höflich fragen, worum es sich eigentlich handelt?“ durchbrichst du die unangenehme Stille als Hauptmann Weidenfeller das Schriftstück aufgreift und zu lesen beginnt. Er blickt auf. Dass du ihm die Capsule geliefert hast, scheint ihn wirklich sehr aus dem Konzept gebracht zu haben. Du hättest es nicht erwartet, aber er scheint nachdenklich, ja nachgerade unentschlossen zu sein.
Als er das Schriftstück wieder zusammenrollt und es in die Capsule zu verschließen beginnt, hat der die Fassung offenbar wiedergefunden: „Darfst du. Nur wirst du keine Antwort bekommen.“ Und nach einer Kunstpause fügt er sich der Capsule zuwendend und in leisem Tonfall sprechend hinzu: „Ich gebe dir einen guten Rat, Mädchen. Geh nun zu deinen Bauern zurück. Nimm deinen Begleiter Lorian und kehre zu deinen ‚Gastgebern‘ zurück. Und versuche Situationen in denen man dich falsch einschätzen oder sogar für zwielichtig halten könnte zu vermeiden. Hinaus.“
Auch wenn der größte Teil von mir jetzt gerne seinem Kommando Folge leisten würde und mich in Sicherheit flüchten, bleibe ich noch einen Moment lang stehen und lächle den Hauptmann an. „Ich danke euch für diesen Rat und werde ihn gerne beherzigen, jedoch liegt mir noch etwas auf dem Herzen.“ Ich zögere nur einen ganz kleinen Augenblick, sollte er Anstalten machen, mich zu unterbrechen, spreche ich hastig weiter: „Ihr hab vorhin mit mir auf die Freundschaft und auf Gerechtigkeit getrunken, Hauptmann Weidenfeller! Nun, ich weiß nicht, was ihr vorhabt zu tun, jetzt wo ihr gefunden habt, wonach ihr suchtet, aber ihr hinterlasst hier ein Schlachtfeld. Ohne eine Bestattung wird von den Leichnamen hier Siechtum und Pestilenz über das Wäldchen und das Gehöft kommen. Ein Hof von freundlichen Bauern, die euch nichts getan haben, bis auf eine gewisse Auseinandersetzung mit einem der Söhne wie mir scheint.“ Auch hier gebe ich dem Hauptmann möglichst keine Zeit zu reagieren. „Wie dem auch sei, alleine kriegen sie den riesigen Troll nicht schnell genug begraben. Sollen sie noch unnötig gestraft werden durch Krankheit? Ich möchte euch also bitten – in aller Freundschaft – ob das, was ihr nun tun müsst vielleich noch ein oder zwei Stunden warten kann, bis eure Männer ein Grab ausgehoben haben.“ Jetzt erst hole ich richtig Luft und widerstehe dem Drang mich wegzuducken, sondern halte seinem Blick so fest ich kann stand.
Ein beinahe nicht zu ertragender Augenblick des Schweigens tritt ein. Dann beendet Hauptmann Weidenfeller euren Wettstreit der Blicke mit einem gebellten: „Garvin!“ Der Gerufene kommt herein und steht – wieder der geübte Soldat – vor seinem Hauptmann stramm: „Jawohl Herr Hauptmann.“
„Nimm dir eine Handvoll Männer und kehrt in den Wald zurück. Bewaffnet euch mit Klappspaten vom Versorgungswagen. Begrabt die Leichname … und das Ungetüm … wie es ‚dem Schweigsamen‘ wohlgefällig ist. Fräulein Mirya hier ist noch immer nicht von unserer göttergefälligen Redlichkeit überzeugt. Wäre doch zu schade wenn sie uns in derart falscher Erinnerung behielte.“
Du beobachtest Garvins Reaktion: Seine Augen weiten sich ungläubig, doch er behält Haltung, macht aber auch keine Anstalten sich zu bewegen.
„Noch Fragen Soldat?“ erkundigt sich Weidenfeller mit merklichem Schnitt in der Stimme. Garvin löst sich aus seiner Erstarrung und unter einem gemurmelten „Nein Herr Hauptmann“ macht er sich davon.
Du schaust Garvin noch einen Augenblick lang nach, wendest dich dann aber wieder dem Hauptmann zu. Was geht hier bloß gerade vor sich fragst du dich, dein seltsames Gefühl in der Magengegend bemerkend.
Der Hauptmann schaut dich vielsagend an: „Ihr imponiert mir.“
„Ich halte Euch für eine kluge Frau, deshalb kann es eigentlich keine Dummheit sein, die Euch das tun lässt was Ihr tut. Folgerichtig müsst Ihr echten Mut in euch tragen“ führt er seine Aussage weiter aus und beginnt wie schon bei eurer ersten Begegnung zwei Gläser mit Wein zu füllen. „Auf die Freundschaft!“
[Möchtest du an dieser Stelle etwas einwerfen? Der Hauptmann hält dir das Glas zum prosten entgegen und scheint weitersprechen zu wollen. Du kannst aber ggf. das Atemholen nutzen um ihn zu unterbrechen.]
Da ich froh bin mich nicht um Kopf und Kragen geredet zu haben, schweige ich zunächst dankbar und lausche den weiteren Worten des Hauptmanns.
Er nimmt einen großen Schluck aus dem Becher, stellt ihn ab und beugt sich dann über den zwischen euch stehenden Tisch zu euch herüber. In dem gleichen respektvollen Tonfall, den seine jetzt sehr gefährlich blitzenden Augen kontrastieren, fährt er fort: „Und in aller Freundschaft warne ich dich: Sollten sich unsere Wege jemals wieder kreuzen … töte ich dich.“
Du bist einen Herzschlag lang vollkommen perplex. Diesen nutzt der Hauptmann sich zu setzen, dich anzulächeln und mit dem Becher erneut in deine Richtung zu nicken.
Reagierst du in irgendeiner Weise?
Die Worte des Hauptmannes verfehlen ihre Wirkung nicht. Ich schlucke, verschlucke mich dabei fast an dem Wein (was ich versuche mir nicht anmerken zu lassen) und setze mit zitternder Hand den Becher zurück auf den Tisch. Dann hole ich tief Luft und fasse mich wieder: “Ich danke euch für diese offenen Worte, Hauptmann. Glücklicherweise gibt es aber Mächte in dieser Welt, die größer sind als Ihr und ich, und die über den Lauf unserer Schicksalsfäden entscheiden.” Ich halte seinem Blick stand. In mir schwelen Hass und Verachtung. Ich hoffe meine Gesichtszüge ausreichend unter Kontrolle zu haben, um dies Maskenspiel bis zum Ende aufrecht halten zu können und mit heiler Haut aus diesem Lager zu kommen… “Und nun habe ich eure Gastfreundschaft wohl lange genug in Anspruch genommen. Wenn Ihr bitte nach Lorian und Beorn schicken lasst?”