zurück im Turm ’23‘

 

Deine gespielte Empörung bringt dir des Magisters Sympathie ein: “einen gelehrigen Schüler wie dich würde ich nur allzugerne unter meine Fittiche nehmen. Zu schade, dass mein Wirken auf diese Kammer hier beschränkt ist. Aber am reichen Schatz meines Wissens werde ich dich gerne teilhaben lassen:

Was jedoch deine erste Frage angeht, kann ich dir nicht viel von Nutzen sein. Mein Studienschwerpunkt liegt mehr auf der Manipulation der Elemente, denn als auf der des Geistes. Jedoch mag es möglich sein, mittels eines Zaubers den Geist der betroffenen zu durchforsten, ob Erinnerungsbilder aus der Zeit der Verzauberung zu finden sind. Ich halte es jedoch eben so für möglich, dass die Wirkung des Artefakts den Geist dermaßen benebelt, dass die Erinnerung keinen Halt in einem derart schwammigen Geist zu finden vermag… Man müsste die Person genaueren Untersuchungen unterziehen…”
Zu deiner zweiten Frage kann er sich schon eher begeistern. “Ja? Das ist in der Tat eine höchst interessante Beobachtung! Es muss sich zweifelsohne um einen magischen Nebeneffekt handeln der durch die unvorsichtige Kombination der verschiedenen Zauberformeln ausgelöst wird! Der Sohn eines Trampeltiers der dies Artefakt erstellt hat gehört auf der Stelle aus seiner Akademie geschmissen, wenn du mich fragst! Es ist ja keine neue Beobachtung, dass mächtige Magische Artefakte eine Art eigene Seele entwickeln. Denke nur an den Teppich des Kalifen. Aber häufig sind diese Erscheinungen dadurch verursacht, das Dschinni bei der Artefakterstellung mitgewirkt haben, und sozusagen ihren Charakter an das Artefakt weitergeben. Bei der Beschwörung der Elementaren Diener ist es daher […viele technische Details..], aber bei diesem Artefakt würde ich den Effekt auf die unseelige Vermischung der Formeln zurückführen. Liegt es nicht auf der Hand? Wenn man einen Gegenstand mit der Macht ausstattet sich der Kräfte seines Trägers zu bedienen, weckt man dann nicht gleichsam in diesem Gegenstand den Hunger danach? Es ist der Wunsch der Magie gewirkt zu werden. Und nicht jeder Geist hat die Bestimmtheit und eiserne Disziplin die erforderlich ist, um sie zu beherrschen, statt von ihr beherrscht zu werden… Aber ich schweife ab. Wäre hier sauber gearbeitet worden, würde das Artefakt nur dann Macht über seine Umgebung haben, wenn der gespeicherte Zauber aktiviert wird, die auslösende Bedingung in diesem Fall ist das Aufsetzen des Schmuckstücks. Bei dieser schluderigen Arbeit hingegen ist alles denkbar. Zu viele Formeln. Zu unsauber getrennt. Die tragende Matrix zu instabil konsturiert… Da muss es ja zu unerwünschten Wirkungen kommen. Ich glaube dir sofort, wenn du behautest das Artefakt versucht sich einen neuen Träger zu suchen. Es will getragen werden.”
Dann wolltest du wissen, wer hinter so einem Artefakt stecken könnte: “Also meiner Ansicht nach kommen dafür nur diese Echsenfreunde in der “Halle der letzten Geheimnisse” zu Selem in Frage. Woanders wird anständige Magie gelehrt!”
“Hmm und zuletzt die Frage nach dem Zerstören des Artefakts. Ohne Magische Hilfsmittel wird es schwierig zu bewerkstelligen sein. Dir ist sicher bereits geläufig, dass ein von Magie beseelter Gegenstand oft eine unnatürliche Widerstandsfähigkeit gegen äußere Kräfte entwickelt. Hammer oder Säbel wären gänzlich unnütz. Außerdem würde ich das nur in einem astralen Bannkreis versuchen. Das magische Innenleben – ja gleichsamerweise die Essenz des Artefakts, von der wir bereits vorhin sprachen, was das Eigenleben angeht, könnte versuchen, ihres Gefäßes entledigt, sich ein neues Gefäß in seiner Nähe zu suchen, um in unserer Sphäre verweilen zu können…” Es folgen einige weitere Ausführungen darüber, wie verkommen die Magie doch heutzutag sein muss, und dass man sich zu seiner Zeit viel mehr in acht genommen hätte, die Grenzen zwischen den Sphären zu respektieren (was auch immer das heißen mag). Er ereifert sich dermaßen, dass Birshen, die sich in den hinteren Teil des Raumes zurückgezogen hatte, sich nun erhebt und sich einmischt: “Ihr habt Recht Magister. Es hat sich viele getan. Zum einen – die Halle der Erkenntnis zu Selem ist bereits vor einigen hundert Jahren dämonisch verseucht worden und musste geschlossen werden. Zum anderen ist es tatsächlich so, dass die Grenzen der Vernunft immer wieder von machthungrigen Magiern überschritten werden, und das ist sicher auch in eurer Zeit schon so gewesen. Ich will nicht sagen, dass wir weisen Frauen, die die Macht, die uns von der Urmutter verliehen wurde mit dem Herzen zu nutzen wissen, statt meinen unserem Verstand alles unterwerfen zu müssen, besser sind, denn auch unter uns gibt es immer wieder Schwestern, denen die Macht zu Kopfe steigt und das Herz vergiftet. Jedoch ist bei uns die Kontrolle gegeben. Jede noch so isoliert lebende Schwester wird ihren Zirkel zu regelmäßigen Treffen aufsuchen und Rechenschaft über ihr Tun ablegen! Was aber können wir tun, um den Urheber dieses Artefakts zur Rechenschaft zu ziehen?” Einen Moment lang verstummt der Magister. Ob es aufgrund der leidenschaftlich vorgetragenen Worte selbst sei, oder überhaupt aufgrund der Tatsache, dass bei eurem wissenschaftlichen Disput ein Weib anwesend war, welches nun auch noch Widerworte gibt, sei dahingestellt. Dann sammelt er sich wieder und entgegnet entrüstet: “Das obliegt doch nun wirklich nicht gerade euch! Da müsste man natürlich die zuständige Obrigkeit hinzuziehen, will sagen, die Akademie, das conzilium magicum… Von diesen Dingen habt ihr ganz offensichtlich eine völlig falsche Vorstellung – wagt es nicht!” unterbricht er sich selbst, als Birshen an die Beschwörungskerze tritt und sie schließlich ausbläst. Sowie die Flamme zu Rauch wird, löst sich auch die körperliche Erscheinung des tulamidischen Magiers auf. Seine Stimme wird leiser und verklingt schließlich. “Weib, das ist respektlos! Endlich habe ich einen gelehrigen Zuhörer gefunden….” Die übrigen Kerzen im Raum beginnen unheilvoll zu flackern, und die Blätter der aufgeschlagenen Folianten beginnen zu rascheln, obwohl kein Lüftchen weht. Entschlossen nimmt Birshen dich am Arm. “Komm, wir gehen an die frische Luft. Glaub mir, er hätte endlos weiter gemeckert. Und er hat doch keine Ahnung, wo Dunchaban zu finden ist. Selem, phhhf… Allerdings habe ich ihn noch nie so viel erzählen hören, wie heute. Du hast eine geschickte Zunge, Dscheridan, dass muss ich dir lassen!”

Veröffentlicht von Mirya

Ein lebensfrohes kleines Bündel, das üblicherweise nicht auf den Mund gefallen ist, gute Gesellschaft ebenso wie gutes Essen genießen kann, und die sich wünscht es ginge immer allen überall gut.

Beteilige dich an der Unterhaltung

  1. Avatar-Foto
  2. Avatar-Foto

4 Kommentare

  1. “Hehe, tja … wenn du glaubst dass dieser verstaubte Magier hier endlos faseln kannst, dann solltest du mal die Festlichkeiten meines Vaters besuchen und den dickbäuchigen Politikern lauschen. Dagegen hat sich der Magister geradezu kurz gefasst. Aber frische Luft klingt nach einem guten Plan. Mir schwirrt auch ein wenig der Schädel” spreche ich und eile Birshen hinterher. Etwas frische Luft schnappen klingt nach einem guten Plan.

  2. Ihr tretet hinaus in eine sternklare Nacht. Madas Licht erhellt eine rührende Szene. Vor dem Futterstand hat Rashid ein Lager aus Stroh und Decken für Ria gemacht. Das Pony liegt mit geschlossenen Augen da, die Seiten heben und senken sich gleichmäßig. An ihrem Rücken lehnt Rashid. Er hat wohl kniend bei ihr Wache gehalten, ist aber inzwischen selbst über dem Tier zusammengesunken. Leise tretet ihr heran. Schmunzelnd legst du dem Jungen eine Decke um die Schultern, gleichzeitig überprüft Birshen vorsichtig den Verband des Ponies und nickt dann zufrieden. Danach winkt sie dich ein Stück beiseite. “Es sieht gut aus. In ein paar Tagen wird sie wieder springen wie zuvor… Und du scheinst recht zu behalten, was deinen jungen Begleiter angeht. Eine empfindsame Seele, kein kaltherziger Wilder… Gönnen wir den beiden ihren Schlaf.” Sie geht mit dir ein Stück weiter, und ihr setzt euch wieder an “eure Stelle”. Gepard ist diesmal allerdings nicht zu sehen, und auch von Heshinja siehst und hörst du zu deiner Zufriedenheit nichts. Ihr sitzt einen Moment schweigend und du betrachtest die Sterne. Dann richtet Birshen das Wort an dich, in ihrer Stimme klingt eine bedeutsame Ernsthaftigkeit:
    “Ich gratuliere dir Dscheridan, die Zeit der Prüfung ist vorbei. Es ist dir gelungen, mich zu überzeugen, dass Satuarias Geschenk in Einzelfällen auch an Söhne weitergegeben werden kann.
    Nicht nur hast du mir eine spannende Rätselaufgabe mitgebracht, die meine analytischen Fähigkeiten gefordert hat.
    Vor allem hast du gezeigt, dass du das Zeug zu einem veritablen Hexer mitbringst: Du verfügst über eine außerordenliche Begabung darin, Menschen einzuschätzen und ihr Tun zu beeinflussen. Zum Einen hast du diesen alten Griesgram da oben dazu gebracht, zu plaudern wie ein altes Waschweib, und ihn mir von einer ganz neuen Seite gezeigt. Zum Zweiten hast du deinem jungen Begleiter beigestanden und ihn in seinen wahren Wünschen und Leidenschaften gefestigt, nachdem ich Zweifel in sein Herz gesät hatte. Und in Gefahr hast du nicht gescheut, dich für deine Begleiter in den Kampf zu stürzen. Du ahnst vielleicht noch nicht, wie wichtig es ist, dass man seine Macht nicht missbraucht, wenn man im Geist anderer herumfuhrwerkt. Mir war es wichtig zu sehen, dass du auch selbstlos zu handeln bereit bist.
    Ich bin bereit dich als Hexenschüler zu betrachten. Wenn es dein Wunsch ist, dass ich dir weiter helfe, kann ich dich einen Zauber zu lehren, der dir bei der Suche nach deine Freundin hilfreich sein kann. Er zeigt dir, wie es ihr jetzt gerade geht. Und wenn du sehr aufmerksam bist, verrät er dir auch etwas über ihren Aufenthaltsort.”

  3. Für einen kurzen Augenblick klappt mein Mund auf und ich schaue Birshen beinahe ein bisschen dümmlich an, so sehr überrumpelt und überrascht mich ihr Geständnis und ihr Angebot. Dann zuckt es wütend um meine Mundwinkel und ich schaue sie vorwurfsvoll an. Dann aber muss ich lachen: “Damit ist dir abermals gelungen mich gänzlich in die Irre und an der Nase herumzuführen. Selbst Großmutter könnte von dir etwas lernen.”
    Ich fahre mir mit der Hand durch die Haare und reibe mir verlegen den Hinterkopf: “Bei Satuaria, du gerissenste unter den Schwestern Satuarias. Natürlich nehme ich dein Angebot gerne an und bin begierig von dir zu lernen. Aber eines versprich mir bitte: Keine Prüfungen mehr!”
    Den letzten Satz beende ich wieder halb verlegen lachend. Dann werde ich ganz still und schaue sie erwartungsvoll an.

  4. Birshen sieht nun ihrerseits für einen winzigen Moment peinlich berührt aus. “Es war nichts, was nicht sowieso in ihm geschlummert hätte… Nur eine kleine Halluzination von seinen Ahnengeistern, wie sie kritisch auf ihn schauen. Alles andere hat er selbst hinein gepackt. Und meinst du nicht, es ist gut, wenn er innere Kämpfe wie diesen fertig ausgestanden hat, bevor er sich aufmacht in die Welt…” Jetzt lächelt sie dich wieder provokant an.
    “Nein, weitere Prüfungen werde ich dir nicht mehr auferlegen. Aber du wirst möglicherweise finden, dass meine Unterrichtsmethoden von denen deiner Großmutter abweichen. Ich habe Wissen mit so vielen Zauberkundigen geteilt, dass ich eins genau weiß: Gildenmagier lernen durch Worte. Hexen lernen durch Erleben! Daher wirst du von mir nicht immer Erklärungen bekommen. Und jetzt komm. Lass uns gleich beginnen! Nimm den Schlauch mit dem Quellwasser, das ihr geholt habt und folge mir. Wir brauchen Madas Licht.

    Wenn du nichts mehr erwidern möchtest lies direkt beim nächsten Post weiter. Ansonsten kommentiere…

Schreibe einen Kommentar